Conjuring 3: Im Bann des Teufels

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Für Mike war Conjuring 3: Im Bann des Teufels der erste Kinobesuch nach den langen Lockdown-Monaten – und gleich kein leichtes Wiedersehen. Kane war zu dem Zeitpunkt schon Wiederholungstäter: Black Widow (zweimal!), Godzilla vs. Kong, A Quiet Place 2 und jetzt Conjuring 3 standen bei ihm bereits auf der Lockdown-Comeback-Liste. Mit Teil 3 betritt das Warren-Universum 2021 erstmals Neuland ohne James Wan auf dem Regiestuhl. Statt klassischer Haunted-House-Story gibt es diesmal eine Mystery-Detektivgeschichte rund um den realen Fall Arne Cheyenne Johnson – den ersten Mordprozess in den USA, in dem dämonische Besessenheit als Verteidigungsargument eingebracht wurde. Mike und Kane diskutieren in Folge #87, warum dieser Genre-Shift überraschend gut funktioniert und wo der Film trotzdem schwächelt.

Worum geht es in Conjuring 3?

Conjuring 3: Im Bann des Teufels spielt 1981 in Brookfield, Connecticut. Ed und Lorraine Warren werden zum Exorzismus des achtjährigen David Glatzel gerufen. Als der Dämon übermächtig zu werden droht, fordert Arne Johnson – der Freund von Davids älterer Schwester – ihn auf, in seinen Körper überzugehen. Mit fatalen Folgen: Ed Warren erleidet während des Rituals einen Herzinfarkt, und kurz darauf begeht Arne einen Mord, an den er sich nicht erinnern kann. Vor Gericht plädiert er als erster Angeklagter in den USA auf Unschuld wegen dämonischer Besessenheit – und die Warrens versuchen, den wahren Drahtzieher hinter dem Fall aufzuspüren.

Michael Chaves übernimmt – und schlägt einen ganz neuen Ton an

Diesmal sitzt nicht James Wan auf dem Regiestuhl, sondern Michael Chaves – sein zweiter Beitrag zum erweiterten Conjuring-Kosmos nach The Curse of La Llorona (2019). Mike erinnert daran, dass La Llorona kein offizieller Conjuring-Universum-Film ist, sondern nur über Father Perez (Tony Amendola) eine Brücke zu Annabelle schlägt – nicht zu den Warrens. Die Skepsis war bei Kane entsprechend groß: „Ohne den James Wan auf dem Regiestuhl – was wird das?“

Für James Wan und seinen langjährigen Co-Konspiratur Leigh Whannell haben Mike und Kane nämlich nichts als Lobgesang übrig. Beide gelten in der VLM-Welt als Regie-Autisten – im besten Sinne. Whannell hat zuletzt mit Upgrade und Der Unsichtbare (2020) abgeliefert, Wans Filmographie ist eine fast lückenlose Genre-Glanzliste. Einzige Ausnahme: Furious 7, ausgerechnet. Aber gut, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Mit dem ersten Trailer hatte Kane Bauchschmerzen: „Der war so hektisch geschnitten, der hat ausgeschaut wie Fast & Furious mit Geistern.“ Der Trailer hatte ihn fast schon erwarten lassen, dass Vin Diesel mit dem klassischen Familien-Spruch um die Ecke kommt. Im Kino fielen die Sorgen schnell ab. Chaves verzichtet auf das klassische Haunted-House-Setting und liefert stattdessen einen Mystery-Krimi mit Akte-X-Atmosphäre: Die Warrens jagen einen menschlichen Antagonisten – die Okkultistin Isla – die per Blutritual Dämonen auf ihre Opfer hetzt.

Atmosphäre statt Jumpscare-Hagel

Das Auffälligste an Teil 3: Kane zählt im Kino gerade einmal rund drei Jumpscares. Der Rest läuft über dichte Atmosphäre, lange Spannungsbögen und intelligent platzierte Schreckmomente. Kanes O-Ton dazu: „Die nehmen das ziemlich intelligent her – meistens denkst du, jetzt passiert es, es passiert nicht, und dann passiert es aber trotzdem.“ Keine billigen Fake-Scares mit aufspringenden Katzen, keine Jumpscare-Stakkatos wie sie die Insidious-Reihe gerne mal aneinanderreiht.

Eine der besten Sequenzen: das Leichenschauhaus, in das Lorraine über eine telepathische Verbindung zu Islas Opfern hineingezogen wird. Mike fühlte sich an das Remake von Dawn of the Dead erinnert, Kane war einfach nur grundsätzlich angeekelt. Die Sequenz zeigt zudem etwas, das in den ersten beiden Teilen kaum vorkam: Vera Farmiga darf Lorraines Kräfte richtig ausspielen. Ihre Visionen sind diesmal aktive Ermittlungswerkzeuge, nicht nur passives Beiwerk.

Triple Threat: Fehlanzeige

Die schlechte Nachricht für VLM-Triple-Threat-Fans: In Conjuring 3 gibt es nichts. Keine Tüten, keine entblößten Trompeten, keine toten Tiere. Mike und Kane haben sich am Anfang vergeblich die Hände gerieben – am Ende blieb der Triple-Threat-Block leer. Wer das Format aus anderen VLM-Folgen kennt, weiß: Das ist tatsächlich eine Seltenheit. Selbst der traditionelle Vera-Farmiga-Vorbau-Talk ging diesmal ins Leere.

Easter Eggs & Hommagen an Horror-Klassiker

Chaves baut zahlreiche Verbeugungen vor Genre-Vorbildern ein. Kane hat im Kino mitgezählt:

  • The Exorcist (1973): Gleich mehrere klare Anspielungen. Erstens die Auftaktszene, in der ein Priester aus dem Taxi steigt und der Schatten an die Hauswand fällt – fast eins zu eins die ikonische Friedkin-Einstellung. Zweitens der verdrehte Körper Davids auf dem Tisch, eine Reverenz an Regans Spinnengang. Sogar der Schnitt von Davids Pyjama erinnert an das Original.
  • Psycho (1960): Die Duschszene mit den Vorhangringen, die einer nach dem anderen aufspringen, zitiert Hitchcocks berühmteste Sequenz – inklusive der Untersicht aus Marion Cranes Perspektive.
  • A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master (1988): Die Wasserbett-Sequenz mit dem schwebenden Körper unter der Oberfläche ist eine direkte Verbeugung vor Renny Harlins ikonischem Joey-Tod.
  • The Shining (1980): Im finalen Tunnel jagt Ed seine Lorraine mit einem Hammer – Kubricks Axt wird dabei zum Hammer (im Stephen-King-Roman war es übrigens ein Cricket-Schläger). Die Inszenierung mit der schummrigen Beleuchtung und den engen Gängen sitzt punktgenau.

Verbindungen zum Conjuring-Universum

Der Film ist gespickt mit Querverweisen für Fans der Reihe. Eine schöne Anekdote: Während Ed im Krankenhaus liegt, erhalten die Warrens Genesungspost – darunter einen Brief von der Perron-Familie aus Conjuring (2013). Und von den Hodgsons aus Conjuring 2 (2016)? Schweigen. Mikes Theorie: „Die sind Engländer, die wissen nicht, wo sie in Amerika hin sollen.“ Kane: „Wenn die keinen Anstand haben, dann sollen sie mit dem Walleck rauf vermessen.“

Ein weiteres Reihen-Detail, das Fans freuen wird: Drew Thomas, der technische Assistent der Warrens, ist wieder mit von der Partie. Er war schon in Teil 1 (Perron-Fall) und Teil 2 (Enfield-Poltergeist) dabei und arbeitet auch hier wieder mit Kameras und Aufnahmegerät im Hintergrund – eine kleine Geste, die das ganze Team-Feeling zurückbringt.

Spannender ist die Verknüpfung zum Ram-Kult. Pater Kastner (John Noble) hat in seiner Vergangenheit gegen genau diese satanistische Sekte gekämpft – dieselbe, der Janice in Annabelle: Creation (2017) ausgesetzt war. Janice wird im Annabelle-Universum später zur erwachsenen Annabelle, die in Annabelle (2014) die Mia-Familie heimsucht. Damit schließt Conjuring 3 einen weiten Bogen über die Spinoffs zurück zu den Warrens.

Mike kann gar nicht genug von Sekten- und Okkult-Stoffen kriegen – sobald irgendwo ein Blutritual oder eine Geheimgesellschaft auftaucht, ist er an Bord. Genau aus diesem Grund hat ihm auch der italienische Netflix-Schocker A Classic Horror Story (siehe VLM #88) gefallen. Kane sieht das anders: „Da gibt’s nichts zum Gruseln. Aber da schmecken wir uns drei Walleks drüber.“

Auch die Dämonen-Nonne aus The Conjuring 2 bekommt einen Mini-Cameo: Wenn Arne nach der dämonischen Übernahme das erste Mal aufwacht und in seiner Polizeizelle sitzt, steht in einem Wandregal eine kleine Nonnenfigur. Wer sie nicht kennt: lieber gleich Reißaus nehmen.

Cast-Highlights: John Noble, Patrick Wilsons Bauch & die Warren-Chemie

Patrick Wilson und Vera Farmiga sind erneut das emotionale Zentrum. Die Chemie zwischen den beiden funktioniert in Teil 3 genauso wie in den Vorgängern – jede Szene zwischen Ed und Lorraine atmet aufrichtige Zuneigung. Optisch fällt auf: Wilson trägt diesmal eine Bauch-Prothese, um dem realen Ed Warren näher zu kommen. Im Vergleich am Ende des Abspanns mit Originalfotos sieht man, dass das durchaus berechtigt ist.

Mindestens genauso wichtig: die Familienchemie der Glatzels. Mike und Kane sind sich einig, dass die Conjuring-Reihe ein Händchen dafür hat, Heimgesuchte zu inszenieren, mit denen man tatsächlich mitfiebert – nicht die typischen Horror-Schablonen, sondern Menschen, denen man das Beste wünscht. Genau dadurch funktionieren die Bedrohungssequenzen emotional.

Kanes Lieblingsentdeckung: John Noble als Pater Kastner – der finstere Ex-Priester, der einst gegen den Ram-Kult vorgegangen ist und seitdem dunkle Reliquien in seinem Keller verwahrt. Noble kennen Genre-Fans als Denethor aus Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs und vor allem als Walter Bishop aus der Mystery-Serie Fringe. Sein granteliges Charisma trägt die zweite Filmhälfte mit – lange spekulieren Mike und Kane sogar, ob er nicht selbst der Antagonist ist (Spoiler: ist er nicht).

Auch hervorzuheben: Julian Hilliard als der besessene David Glatzel. Mike kennt ihn aus The Haunting of Hill House (2018), Kane aus WandaVision (2021), wo er als Billy einen der Maximoff-Söhne spielt. Das Eröffnungs-Setpiece, in dem David im Sturm in die Luft gerissen wird, ist eine der stärksten Sequenzen des Films.

Tops & Flops

Tops:

  • Genre-Shift weg vom Haunted-House hin zum Mystery-Krimi funktioniert überraschend gut
  • Atmosphärische Inszenierung statt Jumpscare-Stakkato – und wenn ein Schreckmoment kommt, dann intelligent platziert
  • Lorraines Kräfte werden endlich richtig ausgespielt
  • Hochkarätige Produktion, satte Musik, 39 Mio. Dollar Budget sieht man auf der Leinwand
  • Familiendynamik der Glatzels macht die Bedrohung emotional
  • Klug gestreute Hommagen an Exorcist, Psycho, Nightmare 4 und The Shining
  • Starkes Eröffnungs-Setpiece mit dem schwebenden David
  • Leichenschauhaus-Sequenz als heimliches Highlight

Flops:

  • Die Gerichtsverhandlung wird ausgespart. Mike und Kane sind sich einig: Eine Viertelstunde Epilog, in der die Verteidigung argumentiert und die Geschworenen ihre Entscheidung treffen, hätte den realen Fall greifbarer gemacht. Stattdessen springt der Film direkt zur Urteilsverkündung. Gerade weil die Argumentation der Warrens vor Gericht ja der eigentliche historische Knaller ist, wäre hier viel mehr drin gewesen.
  • Die finale Pavillon-Szene wirkt aufgesetzt – die Liebe zwischen Ed und Lorraine ist über drei Filme hinweg längst etabliert, hier bringt sie keinen Mehrwert.
  • Logik-Lücke: Der Pater bringt dem suizidgefährdeten Arne in der Einzelzelle Weihwasser in einer Glasflasche. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
  • Weniger gruselig als die Vorgänger – Conjuring 2 mit der Nonne bleibt der Gruselmaßstab der Reihe.

Was sagt VLM zu Conjuring 3?

Conjuring 3 ist nicht der gruseligste Teil der Reihe. Aber Michael Chaves traut sich, das Format aufzubrechen, und liefert einen unterhaltsamen Genre-Hybriden, der die Reihe um eine neue Facette erweitert. Wer auf Akte-X-Vibe steht, kommt auf seine Kosten. Wer reines Haunted-House will, sollte die Vorgänger nochmal einlegen.

Schöner Bonus zum Schluss, der gerne übersehen wird: Im Abspann sieht man die echten Warrens in einer Fernsehshow, in der ein Moderator skeptisch fragt, wo das hinführen soll, wenn jeder vor Gericht den Teufel verantwortlich macht – ein netter dokumentarischer Tupfer, der die ganze Diskussion um Wahrheitsgehalt und Medienpräsenz der Warrens nochmal auf den Punkt bringt.

FAQ zu Conjuring 3: Im Bann des Teufels

Wer hat bei Conjuring 3 Regie geführt?

Michael Chaves – nicht James Wan, der die ersten beiden Teile inszeniert hat. Für Chaves war es nach The Curse of La Llorona (2019) der zweite Beitrag im erweiterten Conjuring-Kosmos. James Wan blieb als Produzent an Bord.

Auf welchem realen Fall basiert Conjuring 3?

Auf dem Mordprozess gegen Arne Cheyenne Johnson aus dem Jahr 1981 in Brookfield, Connecticut. Es war der erste bekannte Fall in den USA, in dem die Verteidigung dämonische Besessenheit als Argument eingebracht hat. Verurteilt wurde Johnson am Ende wegen Totschlags, nicht Mordes – inwiefern die Argumentation der Warrens dabei eine Rolle gespielt hat, ist historisch umstritten.

Wer ist die Bösewichtin im Film?

Die Okkultistin Isla – im Abspann als „Isla der Okkultist“ geführt. Sie ist die menschliche Gegenspielerin der Warrens und nutzt Blutopfer, um Dämonen auf ihre Ziele anzusetzen. Pater Kastner (John Noble) ist trotz seines finsteren Auftretens nicht der Antagonist, sondern ein gefallener Verbündeter.

Wie ist Conjuring 3 mit Annabelle: Creation verbunden?

Über den Ram-Kult. Pater Kastner war einer der Geistlichen, die gegen diese satanistische Sekte vorgegangen sind – dieselbe Sekte, der Janice (das gehbehinderte Mädchen) in Annabelle: Creation ausgesetzt war. Janice wird später zur erwachsenen Annabelle und schließt damit den Kreis ins Annabelle-Universum.

Welche Hommagen an andere Horrorfilme gibt es?

Mindestens vier: The Exorcist (Priester-Schatten beim Hauseintritt, Spinnengang), Psycho (Duschszene mit Vorhangringen), A Nightmare on Elm Street 4 (Wasserbett-Sequenz) und The Shining (Ed mit Hammer im engen Tunnel). Alle vier sind klar als Reverenzen erkennbar, ohne dass Chaves sie 1:1 kopiert.

Ist Conjuring 3 gruseliger als die Vorgänger?

Nein – das ist sogar Teil des Konzepts. Chaves verzichtet weitgehend auf den Jumpscare-Hagel der Vorgänger und setzt auf Atmosphäre und Mystery-Spannung. Wer die Nonne aus Teil 2 als Gruselpeak in Erinnerung hat, wird hier weniger erschreckt – dafür aber stärker gefesselt.

Welcher Charakter aus Teil 1 ist wieder dabei?

Drew Thomas, der technische Assistent der Warrens, kehrt zurück. Er war schon im ersten und zweiten Teil mit Kameras, Mikrofonen und Aufnahmetechnik bei den Ermittlungen dabei und hilft auch in Teil 3 wieder im Hintergrund.

Lohnt sich Conjuring 3 für Reihen-Neueinsteiger?

Bedingt. Der Film funktioniert als Mystery-Krimi auch für sich genommen, viele Querverweise (Ram-Kult, Perron-Briefe, Nonnen-Cameo) entfalten ihre volle Wirkung aber erst mit Vorwissen. Wer einsteigen will, sollte Teil 1 und 2 vorher schauen – die Warren-Chemie macht dort am meisten Spaß.


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