Assault – Anschlag bei Nacht (1976): Carpenters Belagerungs-Western mit 220 Toten

Korbi – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKorbi
Mike – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónMike
Kane – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKane

John Carpenter, zweiter Spielfilm, 100.000 Dollar Budget, ein Synthesizer und ungefähr 220 Tote. Korbi, Mike und Kane nehmen sich Assault on Precinct 13 / Anschlag bei Nacht (1976) vor – Carpenters urbanen Western-Belagerungsfilm, der in den USA gefloppt ist und in Europa Kult wurde. Mike kennt den Film seit der DVD-Neuauflage Anfang der 2000er, Korbi sieht ihn zum ersten Mal, Kane liefert die Bodycount-Statistik. Mit dabei: ein durchgängiges Synth-Theme, Howard-Hawks-Hommagen, Tarantino-Querverweise und ein Skandal mit der MPAA, der den Film fast ein X-Rating gekostet hätte.

Plot-Setup: Anderson Precinct, Notbesetzung, Street Thunder

South Central Los Angeles, 1976. Das alte Anderson Precinct – im Volksmund nur „Precinct 13″ genannt – schließt am nächsten Morgen für immer. Lt. Ethan Bishop (Austin Stoker), gerade frisch befördert, übernimmt mit einer Notbesetzung die letzte Nachtschicht: Sekretärin Leigh (Laurie Zimmer), Telefonistin Julie (Nancy Kyes / Loomis), der ältere Sgt. Chaney und ein paar verbleibende Beamte. Es soll eine ruhige Nacht werden.

Parallel verfolgt der Film mehrere Stränge: Special Agent Starker (Charles Cyphers) bringt drei Häftlinge auf einem Transport quer durchs Land – darunter Napoleon Wilson (Darwin Joston), einen zum Tode verurteilten Killer mit Kettenraucher-Manier und Western-Coolness. Der Vater Lawson (Martin West) fährt mit seiner kleinen Tochter Kathy (Kim Richards) durch die Gegend. Und vier Multi-Ethnien-Warlords der Street-Thunder-Gang versammeln sich, schwören in einem Blutritual den Tod auf die Polizei – und beginnen ihren Rachezug.

Dann passiert die Szene, die fast zum X-Rating geführt hätte: Lawson telefoniert in einer Telefonzelle, während seine Tochter zum Eismann läuft. Die Warlords fahren mit schallgedämpften Maschinenpistolen vorbei – und der White Warlord (Frank Doubleday) erschießt das kleine Mädchen kaltschnäuzig im Vorbeifahren. Lawson bekommt einen Schock, jagt dem Killer hinterher, erschießt ihn auf der Straße – und flüchtet danach panisch ins nächste Polizeirevier: Precinct 13. Die restlichen Warlords folgen mit der gesamten Gang. Belagerung beginnt.

Carpenters zweiter Film – „The Anderson Alamo“ und Howard Hawks

Assault on Precinct 13 ist Carpenters zweiter Spielfilm nach Dark Star (1974). Der Originaltitel des Drehbuchs hieß The Anderson Alamo. Carpenter wurde von Produzent J. Stein Kaplan kontaktiert, der ihm für unter 100.000 USD totale kreative Kontrolle anbot – und Carpenter lieferte das, was er liebte: einen modern getarnten Howard-Hawks-Western, konkret eine Modernisierung von Rio Bravo (1959), gemischt mit der Belagerungs-Logik von George A. Romeros Night of the Living Dead (1968).

Die Hawks-/Rio-Bravo-Hommagen sind im Skript überall versteckt:

  • Der Charaktername Leigh (Laurie Zimmer) ist eine Hommage an Leigh Brackett, die berühmte Drehbuchautorin von Rio Bravo. Carpenter war so begeistert von Brackett, dass er später in Halloween (1978) einen Sheriff Leigh Brackett einbaute – gespielt von Charles Cyphers, der hier in Assault als Special Agent Starker zu sehen ist. VLM-Bingo: Carpenter Easter Eggs gehen quer durch sein Werk.
  • Der Zigaretten-Running-Gag von Napoleon Wilson – sein berühmtes „Got a smoke?“ – ist eine direkte Hommage an die Zigaretten-Gags in Howard Hawks‘ Western. Plus: Darwin Joston war im echten Leben Carpenters direkter Nachbar, was die intime Skript-Arbeit erst möglich machte.
  • Carpenters Editor-Pseudonym: Im Vorspann wird der Schnitt einem gewissen „John T. Chance“ zugeschrieben – das ist Carpenter selbst, der unter Pseudonym schneidet. Und „John T. Chance“ ist gleichzeitig der Charaktername von John Wayne in Rio Bravo. Komplette Hawks-Hommage in einer Credit-Zeile.
  • Napoleon Wilsons Charakter – ein cooler, lakonischer Killer, der nur „beim Sterben“ Auskunft über sein Innenleben gibt – ist von Charles Bronsons „Harmonica“ in Sergio Leones Once Upon a Time in the West (1968) inspiriert. Mike: „Das ist so ein cooler Macho-Typ wie später Snake Plissken in Klapperschlange, oder James Woods in Vampires.“

Carpenter selbst sagt zu seiner Western-Liebe: lieber drehe ich keinen klassischen Western, aber meine Filme sind alle Western in Verkleidung. Mike: „Schau dir Carpenters Filmographie an – die meisten haben eine Western- oder Belagerungs-Thematik. Vampires (1998) ist eigentlich der reine Western mit Vampiren statt Indianern.“

Cast: Stoker, Joston, Zimmer – und Carpenter selbst hinter dem Fenster

Austin Stoker als Lt. Ethan Bishop – der ruhige, integre Held des Films. Stoker hatte vorher in Battle for the Planet of the Apes (1973) und Sheba, Baby (1975) gespielt. Korbi hat ihn als Charakter besonders geschätzt: „Der hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, sich abseilen zu wollen. Er passt auf alle auf – selbst auf die Schwerverbrecher. Das ist eine coole Botschaft.“

Darwin Joston als Napoleon Wilson – der grimmige Anti-Held, Todeszellen-Insasse, Kettenraucher mit verzweifelt cooler Attitüde. Mike-O-Ton: „Geht’s noch cooler? Der ist ein Wahnsinnskerl, ein richtiger Badass. Plus der Running Gag mit den Zigaretten – und Carpenter ist ja selbst Kettenraucher.“ Joston war Carpenters Nachbar und nur in wenigen Filmen zu sehen, am bekanntesten als Dr. Charlie Klein in David Lynchs Eraserhead (1977).

Laurie Zimmer als Leigh – die toughe Sekretärin, die sich nicht einschüchtern lässt. Korbi: „Die war voll cool.“ Zimmer hat nur diesen einen Film gemacht und ist danach aus dem Filmgeschäft ausgestiegen.

Nancy Kyes als Julie – credited als Nancy Loomis. Stirbt im Verlauf der Belagerung. Carpenter wird sie ein Jahr später als Annie Brackett in Halloween wieder besetzen – als Babysitter-Freundin von Laurie Strode (Jamie Lee Curtis). Der Carpenter-Wiederkehr-Cast zieht sich durch sein gesamtes Werk.

Frank Doubleday als White Warlord – der Pate des Rachezugs, der Lawsons Tochter erschießt und dann selbst von Lawson erschossen wird. Mike-Korrektur (im Original sagt Korbi „Frank Dumbleday“ – richtig ist Doubleday): Doubleday wird Carpenter 1981 in Escape from New York / Die Klapperschlange wiedersehen, dort als der stachelhaarige Romero, die rechte Hand von The Duke (Isaac Hayes). Der Charaktername Romero ist wiederum eine Hommage an George A. Romero – Night-of-the-Living-Dead-Erfinder und Inspiration für die Belagerungs-Logik in Assault. Doppelte Carpenter-Romero-Schleife. Frank Doubleday ist 2018 mit 73 Jahren an Speiseröhrenkrebs gestorben; seine Töchter Portia (Mr. Robot) und Kaitlin Doubleday (Empire) haben das Familien-Geschäft fortgesetzt.

Kim Richards als Kathy – das kleine Mädchen mit dem Eis. Richards war eine bekannte 70er-Kinderdarstellerin (Witch Mountain, Tuff Turf) und ist die Tante von Paris Hilton. Ihre Erschießung durch den White Warlord ist die berüchtigtste Szene des Films.

John Carpenter selbst hat einen Cameo – er ist einer der Gangmitglieder, die im Verlauf der Belagerung gegen das Fenster anrennen. Korbi-O-Ton: „Der war ja einer von diesen Typen, die sie angegriffen haben.“ Kane: „Beim Fenstereinschießen dabei – die ganzen Filme sind irgendwie nichts, außer dass sie ans Fenster opfern und werden sofort wieder weggeschossen.“

Die MPAA-Anekdote: das Eismädchen, die Schere und der Doppelschnitt

Kane lieferte das Highlight des Podcasts mit dieser Trivia-Bombe: Die Erschießung des kleinen Mädchens war so explizit, dass die MPAA mit einem X-Rating gedroht hat. Carpenter und seine Produzenten haben darauf einen klassischen Hollywood-Trick ausgeführt: für die MPAA-Vorlage wurde die Szene rausgeschnitten – und für die tatsächliche Kinoauswertung dann wieder reingesetzt. Kane: „Das finde ich so geil, dass es einfach so gehandhabt worden ist – die zensierte Version wird der MPAA gezeigt, danach veröffentlichen wir trotzdem das normale.“ Der Film bekam letztendlich ein R-Rating, und die ungeschnittene Eisszene blieb für die Ewigkeit im Film.

Synthesizer, Soundtrack und das deutsche Ton-Mastering

Carpenter hat den Score selbst komponiert – auf einem Synthesizer, basierend laut eigenen Angaben auf Lalo Schifrins Score zu Dirty Harry (1971) und Led Zeppelins „Immigrant Song“. Der pulsierende Vier-Noten-Hauptthema gehört bis heute zu den ikonischsten Synth-Themes der Filmgeschichte. Mikes Frau, in echtzeitlicher Diagnose während des gemeinsamen Schauens: „Das muss doch der John Carpenter sein, oder. Nur der vergewaltigt sein Keyboard so.“ – treffender hat es selten jemand formuliert.

Korbi-Recherche-Highlight: In der deutschen Synchron-Fassung wurde die Musik öfter eingesetzt als im US-Original. Das deutsche Synchronstudio fand offenbar, der Synth-Score sei so eingängig, dass man ihn auch in stille Szenen reinpacken könne. Wer den Film im Original sieht, hat tatsächlich ein anderes – luftigeres – Erlebnis. Mike: „Im 5-Minuten-Takt taucht das Thema im deutschen Ton auf. Das ist Wahnsinn.“

Mike-Trivia zur Carpenter-Score-Wiederverwertung: Carpenter macht das öfter, eine Hauptmelodie in mehreren Variationen einzusetzen. „Bei Robert Rodriguez‘ Planet Terror ist das auch so – das Grindhouse-Theme kommt im Film tausendmal vor, immer leicht abgewandelt.“

Tarantino-Verbindungen: Precinct-13-Shirt und der Gaspar-Noé-Schock

Mike packt zwei Pop-Kultur-Anekdoten aus, die das VLM-Universum lieben wird:

From Dusk Till Dawn (1996): Scott Fuller, gespielt von Ernest Liu (Adoptivsohn von Harvey Keitels Pastor-Charakter), trägt im gesamten Film ein „Precinct 13″ T-Shirt – als direkte Hommage an Carpenters Film. Aber mehr noch: From Dusk Till Dawn ist STRUKTURELL von Assault on Precinct 13 inspiriert. Robert Kurtzman (KNB EFX) hat 1988 das ursprüngliche Konzept für FDTD geschrieben mit der expliziten Absicht, „eine isolierte Gruppe in einem Setting wie Assault on Precinct 13 zu bauen“. Quentin Tarantino hat dann 1990 für $1.500 das Drehbuch geschrieben – sein erster bezahlter Schreibauftrag. Tarantino bezeichnet Assault als einen seiner Lieblingsfilme. Wir kommen in der nächsten VLM-Folge dazu.

Gaspar Noé – Love (2015): Mike: „Habt ihr’s gewusst? In Gaspar Noés Love kommt eine massive Gangbang-Szene vor – und während des Treibens läuft das Titelthema von Assault on Precinct 13.“ Korbi: „Das wirft dich total durcheinander.“ Kane (in Echtzeit): „Anscheinend ist es von der Handlung her genau das gleiche – wagern nackt alle Polizei.“ Triple-X-Version von Assault, sozusagen.

Belagerungskino-Tradition: Rio Bravo, Night of the Living Dead, Assault

Mike bringt die wichtige genre-historische Einordnung: Carpenter dreht in Assault on Precinct 13 gewissermaßen den Blueprint für eine spezifische Form von Belagerungskino. Davor: Howard Hawks, der mit Rio Bravo das Sheriff-und-Helfer-gegen-Übermacht-Schema definiert hat. Parallel: George A. Romero, der mit Night of the Living Dead die gesichtslose-Horde-vs-isolierte-Gruppe-Logik beigesteuert hat. Carpenter kombiniert beide – und seine Street-Thunder-Gangmitglieder verhalten sich tatsächlich wie Zombies: gesichtslos, namenlos, in seltsam ruhiger Tödlichkeit, immer wieder anrennend, ohne Rücksicht auf Verluste.

Korbi-Beobachtung: „Ich habe irgendwann komplett vergessen, warum die jetzt eigentlich angreifen. Hassen die einfach nur Menschen?“ – genau die Frage, die das Genre groß gemacht hat. Die Gang ist mehr eine Naturgewalt als eine Antagonisten-Gruppe mit Motivation. Diese Single-Minded Purity of Focus zieht sich durch Carpenters spätere Filme – Michael Myers in Halloween, das Ding in The Thing, Sutter Cane in In the Mouth of Madness.

Das 2005-Remake: Hawke, Fishburne und der gut gelungene Zweitaufguss

Mike-Konsens: Das Remake von 2005 mit Ethan Hawke und Laurence Fishburne (Regie: Jean-François Richet) ist sauber besetzt und gelungen. Mike: „Steht im Original in fast nichts nach, würde ich fast behaupten – außer in der geilen Synth-Musik. Da kann man Carpenter überhaupt nichts vormachen.“ Das Remake verlegt die Story nach Detroit ins Winter-Setting und tauscht die anonyme Gang gegen korrupte Cops aus, die einen Zeugen liquidieren wollen. Wer Hawke- und Fishburne-Action mag, sollte beide Filme nacheinander schauen.

John Carpenter persönlich: Weekend of Hell und die kalte Schulter

Mike erzählt eine Begegnungs-Anekdote, die VLM-Fans der deutschen Genre-Convention-Szene nicken lassen wird: Mike hat Carpenter selbst beim Weekend of Hell getroffen. Ergebnis: „Er ist sehr distanziert. Hat es nicht wirklich genossen, dass Fans ihm zujubelten. Sein Konzert mit der ganzen Frühmusik war live super – aber am nächsten Tag hat man gemerkt: er macht das nur für die Kohle.“ Kane-Diagnose: „Amis mögen ihn nicht, Franzosen lieben ihn, und er versteht beide Seiten nicht. Er fühlt sich vernachlässigt von den USA und überrascht von den Franzosen.“ Klassischer Auteur-Pop-Konflikt.

Tops & Flops: Korbi, Mike und Kane

Kanes Tops: die Eismädchen-Erschießungs-Szene und die MPAA-Doppelschnitt-Anekdote – als Filmemacher-Move ist das einfach legendär.

Kanes Flops: die Idiotie der Gangmitglieder, die wieder und wieder am Fenster anrennen, obwohl klar ist, dass man da nicht durchkommt, wenn jemand mit der Knarre davorsteht. Plus die Tatsache, dass die Belagerungs-Logik in der zweiten Hälfte komplett ohne klare Motivation läuft.

Korbis Tops: die Charakter-Riege rund um Bishop und Napoleon Wilson. „Der Bishop von Austin Stoker ist ein wahnsinnig solider und cooler Charakter, weil er zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, sich abzuseilen – auch nicht bei den Schwerverbrechern. Das macht das Ende dann auch ziemlich rund.“

Korbis Flops: die Telefonzellen-Szene nach der Rache-Erschießung. Lawson läuft panisch weg, in eine zweite Telefonzelle (was schiefgehen MUSS), während die Gangmitglieder ihm spazierend, mit Seelenruhe, fast majestätisch hinterherwandern. Korbi: „Das ist so ein krasser Kontrast, dass es fast komisch wird.“ Mike-Erklärung: „Das ist ein Dominanz-Ding. Sie sind sich sicher, dass sie ihn kriegen.“ Korbi: „Hätte man kürzer schneiden können.“

Mikes Tops: Napoleon Wilson als Charakter (Macho-Coolness im Bronson-Stil), der Zigaretten-Running-Gag, die Synth-Musik und das Belagerungs-Konzept generell.

Mikes Flops: die Holzkisten-Szene. Eine Holzkiste mit einem Schloss versperrt den Zugang zu zusätzlichen Waffen. Statt die Kiste einfach mit der Ecke voraus aufs Bodenholz zu schmeißen (was bei Holzkisten in 99% der Fälle das Schloss wegspringen lässt), wedelt Wilson minutenlang am Schloss. Mike: „Das hat sich in einer Stresssituation gelöst! Schmeiß die Kiste mit dem Eck am Boden hin, dann geht sie auf!“ Kane-Einwurf: „Habe ich nicht gewusst, du bist Schreiner.“ Mike: „Ja, das Sticky hast du, dann ist es gleich hin.“

Triple Threat: 0 von 3

Titten? Keine. Mike: „Auf alle Fälle keine.“ Trompeten? Keine. Kane: „Es ist zwar früh-testesteronlastig, aber kein Schwängel rausgeholt – wäre auch unpassend gewesen.“ Tote Tiere? Auch nicht. 0 von 3. Kane-Diagnose: „Kein einziger Schauwert hat der Film.“ Korbi: „Aber es war ja eines Wort der Film – da können wir uns ja steigern.“ Kane: „Beim dritten Carpenter-Film gibt es jetzt im Muniz Schutzhitten. Carpenter, du wirst da noch direkt – du lernst es noch.“

Damit ist Assault on Precinct 13 die erste 0-von-3-Triple-Threat-Folge der Saison nach Folge 76 Hunted – Genre-Belagerung schließt Genre-Showcase-Effekte aus.

FAQ zur Folge 83 – Assault: Carpenters Anschlag bei Nacht

Wer hat Regie, Drehbuch, Musik und Schnitt von Assault on Precinct 13 gemacht?
John Carpenter, alles selbst. Den Schnitt hat er unter dem Pseudonym „John T. Chance“ gemacht – das ist gleichzeitig der Charaktername von John Wayne in Howard Hawks‘ Rio Bravo (1959), dem Hauptinspirations-Film für Assault.

Welche Vorbilder hat Carpenter für Assault on Precinct 13 verwendet?
Hauptsächlich Howard Hawks‘ Rio Bravo (1959) für die Sheriff-mit-Helfern-gegen-Übermacht-Logik, plus George A. Romeros Night of the Living Dead (1968) für die gesichtslose-Horde-Mechanik. Plus subtile Verweise auf Sergio Leone (Once Upon a Time in the West) und Alfred Hitchcock.

Wer ist Frank Doubleday und in welchen anderen Carpenter-Filmen war er?
Frank Doubleday (1945–2018) spielt in Assault den White Warlord. 1981 hat Carpenter ihn in Escape from New York / Die Klapperschlange als Romero wieder besetzt – die rechte Hand des Duke (Isaac Hayes). Romero ist wiederum eine Hommage an George A. Romero. Doubledays Töchter Portia (Mr. Robot) und Kaitlin (Empire) sind ebenfalls Schauspielerinnen.

Wer war eigentlich Leigh Brackett und warum heißt die Sekretärin so?
Leigh Brackett (1915–1978) war eine US-Drehbuchautorin, die unter anderem das Drehbuch zu Howard Hawks‘ Rio Bravo geschrieben hat. Carpenter hat den Namen seiner Sekretärinnen-Figur (Laurie Zimmer) ihr zu Ehren so gewählt – und in Halloween (1978) den Sheriff in Haddonfield „Sheriff Leigh Brackett“ benannt, gespielt von Charles Cyphers (der hier in Assault Special Agent Starker spielt).

Was ist mit dem 2005-Remake?
Jean-François Richet hat 2005 ein Remake mit Ethan Hawke als Bishop-Pendant und Laurence Fishburne als Napoleon-Pendant gedreht – verlegt nach Detroit, mit korrupten Cops als Antagonisten statt der Street-Thunder-Gang. Mike-Verdikt: „Sauber besetzt, gelungen – steht dem Original in fast nichts nach. Außer in der geilen Synth-Musik.“

Wer ist im Cast und welche Carpenter-Halloween-Verbindungen gibt es?
Nancy Kyes (gecredited als Nancy Loomis) spielt hier Julie und wird zwei Jahre später Annie Brackett in Halloween. Charles Cyphers spielt hier Starker und wird in Halloween Sheriff Leigh Brackett. Carpenter hat sein Halloween-Repertoire im Wesentlichen aus seinen Assault-Crewmitgliedern aufgebaut.

Stimmt es, dass das Eismädchen-Schießen fast zum X-Rating geführt hätte?
Ja. Die MPAA hat ein X-Rating angedroht. Carpenter und Produzenten haben einen klassischen Hollywood-Move durchgezogen: für die MPAA-Vorlage geschnitten, für die tatsächliche Kinoauswertung wieder reingesetzt. Resultat: R-Rating, Eisszene blieb drin.

Wie war die Box-Office-Performance?
In den USA ist der Film 1976 weitgehend gefloppt. In Europa hat er ab 1977/78 (Cannes Film Festival, Edinburgh, London) Kultstatus erlangt – Carpenter wurde beim 21. London Film Festival als „einer der drei meist begehrten Regisseure“ eingestuft, Jahre bevor Halloween ihn zum Mainstream-Star machte.

Wer trägt das „Precinct 13″ T-Shirt in From Dusk Till Dawn?
Scott Fuller, gespielt von Ernest Liu, der adoptierte Asiat-Sohn von Harvey Keitels Pastor-Figur. Das T-Shirt ist nicht nur ein Easter Egg – das gesamte Drehbuch von Tarantino und das Konzept von Robert Kurtzman sind direkt von Assaults Belagerungs-Setup inspiriert.

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