Always Bet on Dead. Korbi, Mike und Kane besprechen Army of the Dead (2021), Zack Snyders Netflix-Comeback ins Zombie-Genre seit dem Dawn of the Dead-Remake 2004. Aufnahmedatum: 27. Mai 2021, knapp eine Woche nach Netflix-Release. Bautista versus Vegas-Untoten, mit deutschem Bonus-Faktor: Matthias Schweighöfer als Ludwig Dieter, Tresorknacker mit Akzent. Plus Zombie-Tiger, Robot-Zombies, Time-Loop-Theorien und Richard Cheese im Intro – die VLM-Crew rollt das alles auf.
Plot & Setup: Vegas, Patient Zero und der Heist-Auftrag
Die VLM-Variante der Story: Auf einem Highway nahe Las Vegas geht ein Blowjob daneben, das fröhlich-frischverheiratete Brautpärchen kracht in einen Militärtransporter, der etwas transportiert hat, das er nicht hätte transportieren dürfen – „Zeus“, Patient Zero. Die Stadt verseucht innerhalb von Stunden, das Militär riegelt Vegas mit Schiffscontainern komplett ab. Klapperschlange lässt grüßen.
Stand jetzt, einige Jahre später: Casino-Boss Bly Tanaka (Hiroyuki Sanada) engagiert Ex-Zombie-War-Held Scott Ward (Dave Bautista) für einen Auftrag: 200 Millionen Dollar liegen in einem unterirdischen Casino-Tresor und müssen geborgen werden, bevor das US-Militär in 32 Stunden eine Atombombe auf Vegas wirft. Ward stellt eine Crew zusammen – darunter Mechanikerin Maria Cruz (Ana de la Reguera), der kreissägen-schwingende Vanderohe (Omari Hardwick), Helikopter-Pilotin Marianne Peters (Tig Notaro), Influencer-Zombie-Killer Mikey Guzman (Raúl Castillo), Casino-Sicherheitschef Martin (Garret Dillahunt) und der deutsche Tresorknacker Ludwig Dieter (Matthias Schweighöfer). Plus Wards Tochter Kate (Ella Purnell), die unbedingt mit rein will, um eine Verschwundene zu suchen. Plus die Coyote (Nora Arnezeder), die das Vegas-Inland kennt, und ihren widerlichen Sicherheits-Schläger-Schmuggel-Buddy Burt Cummings (Theo Rossi).
Was Vegas zu „Armee“ statt nur „Zombies“ macht
Korbis Aufklärung der Titel-Logik: Die Vegas-Untoten sind nicht die Romero-Schlurfer. Snyder hat schon im 2004er Dawn of the Dead-Remake die Lauf-Zombies eingeführt; in Army of the Dead geht er noch einen Schritt weiter. Patient Zero „Zeus“ ist ein Alpha-Zombie mit Bewusstsein – er befiehlt seiner Horde, sie reproduziert sich biologisch (Zeus erwartet ein Kind mit der Zombie-Queen), kann Pferde reiten, Rüstung tragen, Strategien koordinieren. Mike: „Ist halb Mutant, halb Superkraft. Romero rotiert im Grab.“ Korbi: „Aber genau deshalb heißt er Armee der Toten – die haben einen Anführer.“
Kane stellt die Linie zur Snyder-Filmographie her: Dawn of the Dead (2004) hat die Lauf-Zombies salonfähig gemacht, und mit Army of the Dead drückt er das Genre noch ein Stück weiter Richtung Mutant/Anführer-Konzept. Damit kommt ein anderer Wind in eine Zombie-Geschichte, die seit zehn Jahren auf Netflix-Serien verbraten wurde.
Schweighöfer als Ludwig Dieter – die deutsche Tresorknacker-Wundertüte
Der größte WTF-Faktor für deutsche Zuschauer: Matthias Schweighöfer in einem Snyder-Hollywood-Film. Korbi: „Der verstellt sich nicht besonders. Er spielt im Grunde dieselbe Rolle wie in seinen anderen Filmen.“ Mike vergleicht ihn mit den österreichischen Raupen aus den Pixar-Outtakes: „Immer der Komikfutzi, immer der trottelige Sidekick.“ Kanes Live-Diagnose: „In diesem Setting funktioniert das. In den anderen Schweighöfer-Filmen ist es einfach nur Blaupausen-Quatsch und nervt.“
Korbis Take: in einem internationalen Heist-Setup macht der „deutsche Akzent-Sidekick“ als Comic-Relief-Schicht durchaus Sinn – das ist Schweighöfer in seiner höchstmöglichen Form. Snyder hat die Rolle so geschrieben, dass sie ohne den Schweighöfer-Schweiti-Schmusekurs gar nicht funktionieren würde. Daher: Schweighöfer kriegt sogar sein eigenes Prequel – Army of Thieves, geschrieben von Snyder, Regie und Hauptrolle Schweighöfer, romantische Heist-Komödie mit den vier sagenumwobenen Hans-Wagner-Tresoren (Siegfried, Walküre, Rheingold, Götterdämmerung).
Das Snyder-Intro: 15 Minuten Filmkultur-Highlight
Die ersten 15 Minuten der Folge sind Konsens-Highlight bei allen drei Hosts. Snyder-typisch: lange Titelsequenz, Songauswahl pumpt, alles eskaliert in Slow-Mo. Beginnt mit einem Heirats-Pärchen, das sich seine Schluss-Ausnahme im Auto holt; daraus wird Patient Zero entkommt der Eskorte; dann steigerungsweise: erste Vegas-Infektion, Heli-Crashs, Strip-Massaker, Stripperinnen werden zu Zombies, Tiger reisst Wachpersonal auseinander, Massengräber, MG-Salven, Elvis-Imitator-Kollateral, Kiefer-werden-rausgerissen-Action.
Soundtrack-Highlights: Richard Cheese covert Viva Las Vegas in der Lounge-Bossa-Nova-Manier (derselbe Cheese hat schon im 2004er Dawn of the Dead Down with the Sickness als Lounge-Version gemacht), außerdem Bad Moon Rising (CCR), The End (The Doors) und später im Film auch Zombie (The Cranberries – Kane: „Endlich – wann setzt das mal jemand ein?“, Mike: „Das Lied geht ja nicht um Zombies, sondern um nordirische Kriegstraumata“). Mike: „Vorspänne kann der Snyder – wie bei Watchmen, wie bei der Snyder-Cut-Justice-League, wie bei Dawn of the Dead.“
Spürbare Leichen – die Snyder-typischen Pluspunkte
Action ohne Bremse. Bautista mit der Brachialkreissäge in der Anfangsszene, der dann den ersten Untoten zwischen die Backen bekommt. Die Kreissäge taucht später im Film praktisch nicht mehr auf – was Mike massiv stört: „Herr Snyder, wenn Sie Vanderohe schon eine riesige Trennschleifer-Maschine ausgraben lassen, dann lass die Kollegen die im infizierten Vegas auch mal benutzen.“ Antwort vom imaginären Snyder: „Habe ich am Anfang schon hergenommen, jeder hat gesehen wie geil das ist, brauch ich nicht nochmal.“
Practical-meets-CGI-Effekte. Snyder mischt händisch Gebautes mit Computeranimation – Kopf-Explosionen wie bei der Schrank-Szene aus dem 2004er Dawn of the Dead, mit Practical-Maschinen-Plus-Eingefärbtem-CGI. Vegas in seinem zerstörten Endzustand sieht laut Mike „saugut aus“. Das einzige, was die VLM-Hosts in der Folge irritiert: einige der Aufsicht-Wimmelbilder mit den laufenden Massen-Zombies wirken gerendert wie ein PS3-Game. Das CGI-Niveau hat aber laut Kane seit Midnight nicht mehr richtig genervt.
Der Zombie-Tiger. Valentine, Sigfried-und-Roy-Erbe und Schreckensgestalt der Stripper-Strip. Mike: „Ich dachte zuerst, jetzt rutscht der Film in Asylum-Sci-Fi-Channel-Scheiß ab. Aber dann liefert der Tiger eine der geilsten Splatter-Szenen.“ Inkl. einer Kopfzerreiß-Sequenz, die einen der unsympathischsten Charaktere des Films erwischt – was wieder zum nächsten Punkt führt.
Die unsympathischen Figuren – und die Befriedigung, sie sterben zu sehen
Snyder packt zwei Charaktere in den Film, die so explizit als toxisch-männliche Stereotypen geschrieben sind, dass sich der Tod als Genugtuung anfühlt: Theo Rossi als Burt Cummings (der frauenverachtende Sicherheits-Schläger an der Mauer) und Garret Dillahunt als Martin (Tanakas verdeckter Doppelagent). Kane: „Die zwei sind so dermaszzig genug-Schläuche – man sitzt da und denkt: ja, das ist schön, dass ich zuschaue, wie du fünf Minuten am Rand vom Tiger zerlegt wirst.“ Mike: „Toxische Männlichkeit wird so richtig ausgemerzt.“
Die schwachen Stellen – v.a. Kate Ward und das aufgezwungene Drama
Kane: Die Vater-Tochter-Konflikt-Linie zwischen Bautista und Ella Purnell ist Mike und Kane und Korbi gleichermassen ein Ausstellungsstück für aufgezwungenes 0815-Drama. Mike: „Die Chemie hat null gepasst, mir war scheissegal, wer da vom Rauch verschluckt wird.“ Kane: „2,5 Stunden hätte er auf 2 Stunden eindampfen können, wenn er sich diesen Sub-Plot gespart hätte.“
Korbi: Wards Tochter rennt mitten im Heist plotbedingt los, eine bestimmte Frau zu suchen, von der sie nicht mal weiß, ob sie noch lebt – und schmeißt den Crew-Plan dadurch komplett über den Haufen. Atombombe ist 32 Stunden weg, sie sucht trotzdem. Korbi: „Dadurch sterben dann einfach mal alle bis auf einen.“ Sneak-Spoiler: ja, ist der Auswuchs.
Kane: Auch wieder die obligatorische „Heli-fehlt-und-kommt-erst-rechtzeitig-zurück“-Szene, die seit Filmen wie Aliens in jedem Mid-Budget-Action-Film vorkommt und für ein bisschen 1990er-Spannungsschluck genutzt wird. „Der Hubschrauber ist so laut, da hört man als Zombie alles – wozu die Szene?“
Spoiler-Sektion: der eigentliche Heist (⚚️ ab hier wird gespoilert)
Kane outet im Recap den zentralen Twist: Tanakas Heist ist nur eine Tarnung. Nicht die 200 Millionen sind der eigentliche Auftrag, sondern ein Zombie-Kopf von Patient Zero, den Casino-Sicherheitschef Martin (Garret Dillahunt) im Hintergrund für Tanaka stibitzen soll. Tanaka kann den Kopf ans US-Militär weiterverkaufen, das die Alpha-DNA in einer Bio-Waffe für eine eigene kontrollierte Zombie-Armee verwenden möchte. Die Crew ist die Tarnung, das Ablenkungsmanöver, das Spiegelfechten. Korbi: „Das erklärt, warum man überhaupt einen Tresorknacker für seinen eigenen Tresor braucht – das ist alles inszeniertes Schauspiel.“
Robot-Zombies, blaue Augen, Time-Loop-Theorie
Korbi entdeckt im Film an einer Stelle eine Sequenz, in der der Influencer-Mikey-Guzman einen Untoten oben-ohne-zerlegt – und unter der Haut zeigt sich ein Metall-Schädel mit blauen Cyborg-Augen. Kane bemerkt es bei der zweiten Sichtung. Snyder hat in einem Netflix-Q&A bestätigt, dass es Robot-Zombies in Vegas gibt, die unter die echten Untoten gemischt sind. Snyder lässt offen, ob es sich um Regierungs-Spy-Drohnen, Alien-Technik (Patient Zero kommt aus Area 51, am Anfang sieht man UFOs am Himmel), oder einen Aspekt der zombievirus-Nano-Tech handelt. Aufklärung: vermutlich in der angekündigten Animations-Prequel-Serie Army of the Dead: Lost Vegas.
Plus die Time-Loop-Theorie: im Tresorraum findet die Crew Skelette, die exakt in der Crew-Ausrüstung liegen. Vanderohe wundert sich kurz laut, dann läuft die Plot-Maschine weiter. Snyder hat im Interview mit Polygon hingedeutet, dass es noch mehr Hinweise auf einen Time-Loop im Film gibt. Korbi-Take: „Ja, hoffentlich räumt das ein Sequel auf.“
Tig Notaro & der Chris-D’Elia-Re-Shoot
Die wahrscheinlich teuerste Re-Shoot-Operation der jüngeren Netflix-Filmgeschichte: Tig Notaro spielt im Film die Helikopter-Pilotin Marianne Peters – obwohl die Rolle ursprünglich an Chris D’Elia ging und der Film mit ihm fertig abgedreht war. Im August 2020 wurden D’Elia gegenüber sexual-misconduct-Vorwürfe gegen junge Mädchen gemacht; Snyder und Netflix entschieden sich, ihn komplett aus dem Film zu retuschieren. Tig Notaro hat ihre Szenen allein vor Greenscreen nachgedreht und wurde digital eingefügt – sie hat den Bautista-Hauptdarsteller während des gesamten Drehs nie persönlich getroffen. Mike-Kane-Witz: „Snyder schafft es, eine ganze Figur über 2,5 Stunden Film auszubauen – Warner Brothers schafft es nicht, Henry Cavills Schnurrbart aus Justice League wegzuretuschieren.“
Triple Threat zur Folge
Titten? Ja, in den ersten 15 Minuten des Vegas-Strips. Treff. Trompeten/Schwengel? Knappe Sache – die Stripper-Zombies haben Tanger drauf, also vorhängig, aber Schwengel-ermöglichend. Treff. Tote Tiere? Tiger Valentine, ein Löwe und ein totes Pferd zur Schüttung. Drei statt eins – fettes Treff. 3 von 3. Damit ist Army of the Dead der erste Volltreffer im VLM-Triple-Threat-System der jüngeren Folgen – nach dem Dredd-Nuller in #77.
Tops & Flops: Drei Hosts, drei Bewertungen
Mike: Top – die ersten 15 Minuten Snyder-Intro plus die Tatsache, dass ein Zombie-Anführer Hirn genug hat, sich eine Eisen-Maske zu bauen, die Kopfschüsse abblockt. Bonus: der Fallschirmspringer-Tod oben über den Vegas-Dächern (Zombies greifen durch die Schirme). Flop: die seichte Tilt-Shift-Unschärfe-Spielerei am Bildrand, die Mike auch in Chilling Adventures of Sabrina bereits genervt hat.
Kane: Top – das Snyder-Intro, wieder mal. Plütsch-mausunger Lieblingsmoment. Flop: die ewige „Heli-fehlt“-Tropen-Szene, die in jedem Mid-Budget-Action-Film vorkommt und für 0,0 zusätzliche Spannung sorgt. Plus der Spaghetti-Fallschirm-Influencer hat eine Frisur, die sich nicht alleine durch die Apokalypse rechtfertigen lässt.
Korbi: Top – der Score und die Songauswahl, vor allem Richard Cheeses Lounge-Cover von Viva Las Vegas. Plus Cranberries-Zombie und Doors-The End. Flop: Kate Wards Sub-Plot-Suchaktion, durch die das halbe Team stirbt.
FAQ zur Folge
Wie lang ist Army of the Dead?
148 Minuten (2 Stunden 28 Minuten). Die VLM-Crew ist sich einig: 30 Minuten weniger Drama hätten den Film knackiger gemacht.
Ist Army of the Dead ein Sequel zu Dawn of the Dead?
Nein. Dawn of the Dead (2004) ist Snyders erster Zombie-Film und ein eigenständiges Romero-Remake. Army of the Dead (2021) ist ein neues Universum, allerdings referenziert Snyder seine frühere Arbeit subtil (eine TV-Nachrichten-Sequenz, die nach den Ereignissen aus Dawn of the Dead klingt).
Wer spielt Ludwig Dieter?
Matthias Schweighöfer. Er bekam im selben Jahr noch sein eigenes Prequel Army of Thieves, in dem er auch Regie führte und das auf Netflix läuft. Dort wird Dieters Vorgeschichte als ehemaliger Bankangestellter und Tresorknacker-Obsessivling erzählt.
Was hat es mit den Robot-Zombies auf sich?
In zwei Szenen sind unter der Haut von einigen Untoten Metall-Schädel und blaue Cyborg-Augen erkennbar. Snyder hat in einem Netflix-Q&A bestätigt, dass es Robot-Zombies gibt, ohne ihren Ursprung zu erklären – mögliche Erklärungen: Regierungs-Überwachung, Alien-Technik (Patient Zero kommt aus Area 51), oder Nano-Technik im Zombie-Virus selbst. Auflösung wahrscheinlich in der Animations-Prequel-Serie Army of the Dead: Lost Vegas.
Warum spielt Tig Notaro die Pilotin?
Die Rolle ging ursprünglich an Chris D’Elia, gegen den während der Post-Production sexual-misconduct-Vorwürfe laut wurden. Netflix und Snyder haben D’Elia komplett aus dem Film retuschiert; Tig Notaro spielte ihre Szenen alleine vor Greenscreen nach und wurde nachträglich digital eingefügt. Sie hat den Bautista-Hauptdarsteller persönlich nie getroffen.
Was ist mit Vanderohe am Schluss passiert?
Vanderohe wird im Finale unbemerkt von Zeus gebissen und steigt nach Mexico City in einen Flieger. Mit dem Flug startet die Apokalypse erneut – Mexico City hat 7 Millionen mehr Einwohner als Las Vegas. Snyder hat ein Sequel-Drehbuch für Army of the Dead 2 bereits ausgearbeitet, das Vanderohes weitere Reise weiterführt.
Lohnt sich Army of the Dead?
Für einen Bierabend mit Hirn-Aus-Modus: ja, klare VLM-Empfehlung mit zwei Daumen oben. Als ernsthafter Zombie-Film im Romero-Sinne: nein – das ist eher Heist-Movie im Zombie-Gewand, mit Action-Pyro und Konsumkritik-Garüberzug. Die VLM-Doomsday-Vergleichsachse: Neil Marshalls Doomsday (2008) hat eine ähnlich verzweifelt-spielfreudige Genre-Mischung.
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