Premiere bei den Woah Lecks: Erstmals haben wir einen Gast in unserer monatlichen Tops-&-Flops-Runde. Florian „Flo“ Scheuerer – Veranstalter des HARD:LINE Filmfestivals und Co-Betreiber der Kinos im Andreas Stadel in Regensburg – sitzt mit Kane, Mike und Korbi an der Gegensprechanlage und liefert seine April-Highlights ab. Auf dem Plan stehen unter anderem ein Zeitschleifen-Action-Wahnsinn mit Frank Grillo, ein überraschend smarter Asteroiden-Thriller, ein Feel-Good-Apokalypse-Film, ein Holocaust-Drama mit Lars Eidinger, eine investigative Nordkorea-Doku auf einem ganz anderen Level – und Bully Herbigs deutsches Comedy-Battle LOL, das ein paar gemütliche Stunden in der Couchgrube garantiert.
„Servus miteinander“ – Florian Scheuerer als erster Woah-Lecks-Gast
Flo ist seit 2010 Veranstalter des HARD:LINE Filmfestivals in Regensburg und hat ein Faible für Horror, Splatter und alles, was „in der Spielhalle“ einmal für Spaß gesorgt hat. Hauptberuflich betreibt er gemeinsam mit Geschäftspartner Josef Lommer die Kinos im Andreas Stadel – ein klassisches Arthouse-Kino, das ohne Lommer angeblich „bloß Splatterfilm“ zeigen würde. Eine Komplementärfreundschaft mit klarer Rollenverteilung also.
Was die Folge besonders macht: Flo ist Stammgast eines anderen Genres – er sitzt sonst auf der anderen Seite des Mikrofons und kuratiert Filme, statt sie spontan zu reviewen. Genau das gibt der April-Ausgabe einen frischen Twist. Nebenbei bestätigt er auch das Phänomen, das wir seit Episode 1 beobachten: Wer einmal eine Woah-Lecks-Folge produziert hat, wird Hörer. Kane: „Es ist magisch.“
Boss Level (2020): Frank Grillo stirbt täglich um 12:47 Uhr
Mikes erster Woah Leck des Monats kommt mit Blu-ray-Premium-Versorgung von Leonine Entertainment: Boss Level von Joe Carnahan (Smokin‘ Aces, The A-Team). Hauptrolle: Frank Grillo als ehemaliger Delta-Force-Soldat Roy Pulver, der jeden Morgen um exakt 12:47 Uhr stirbt – und wieder aufwacht. Eine Action-Variante von Täglich grüßt das Murmeltier, nur mit Macheten, Minigun-Hubschraubern und heißem Kaffee ins Gesicht. Mit dabei: Mel Gibson als gewohnt überzeugender Bösewicht, Naomi Watts als wissenschaftliche Ex-Frau und Michelle Yeoh in einem Cameo.
Das Geniale aus Kanes Perspektive: Der Film fühlt sich wie ein Videospiel an. Roy stirbt, lernt das Pattern, weicht die Machete aus, verspricht den Hubschrauber – das nächste Mal kommt er weiter. Irgendwann kommt er nicht mehr weiter und braucht eine Nebenquest, um zu „leveln“. Inklusive einer ikonischen Spielhallen-Szene mit alten Arcade-Automaten, die Kane sofort den Bildschirm hat anstarren lassen. Bonus: Bei Stunde 1:24 hat Kane einen waschechten Wilhelmsschrei identifiziert. Volle Empfehlung, Beruflich.
Kritik gibt es trotzdem: Mike und Kane stören sich an einigen CGI-Explosionen, die nach Auto-Stunts mit handgemachter Pyro-Wucht plötzlich nach Taschenrechner-Rauchwolke aussehen. Außerdem zieht der Film an wenigen Stellen die Handbremse und das Ende ist Mike zu „hörselig“. Dennoch: Wer Crank oder Guns Akimbo mochte, wird hier definitiv glücklich. Frank Grillo verdient nach The Avengement eindeutig mehr Aufmerksamkeit zwischen den Blockbustern – er kann nicht nur Action, er kann auch emotionale Parts.
Greenland (2020): Survival-Thriller statt Roland-Emmerich-Spektakel
Mikes zweiter Woah Leck erwischt ihn auf dem falschen Fuß – im positiven Sinne. Greenland mit Gerard Butler und Morena Baccarin wirkt im Trailer wie der nächste Roland-Emmerich-No-Brainer mit reinen Schauwerten. In Wahrheit ist es ein Survival-Thriller mit Road-Movie-Touch, der die zwei Stunden Laufzeit als nageltreibende Familien-Achterbahn nutzt.
Regisseur Ric Roman Waugh entscheidet sich gegen Pyrotechnik-Pornografie und für intimes Drama: Ein Asteroiden-Komet auf Kollisionskurs mit der Erde, eine zufällig ausgewählte Familie mit Bunker-Ticket, dazu reichlich logistische und zwischenmenschliche Hindernisse auf dem Weg dorthin. Die Action ist gut inszeniert, die Charaktere sind durchweg sympathisch – Mike saß „Fingernägel kauend auf der Couch“. Auch Kane war positiv überrascht: Mehr Tiefe als erwartet. Einzig der Schluss kippt für Mike kurz ins „Zu viel des Guten“. Empfehlung trotzdem.
Thunder Force (2021): Mikes April-Arschbombe
Und dann kommt der Bäh-Leck des Monats – sortiert in die Kategorie „richtige Arschbombe“: Thunder Force auf Netflix, von Ben Falcone (Drehbuch und Regie), mit seiner Ehefrau Melissa McCarthy in der Hauptrolle und der eigentlich oscarprämierten Octavia Spencer an ihrer Seite. Eine Superhelden-Persiflage über zwei Jugendfreundinnen, die durch dumme Umstände Superkräfte erhalten und gegen Supermutanten antreten. Klingt nach Spaß. Ist es nicht.
Mike: „Ben Falcone, hör auf mit dem Ganzen, das wird nichts.“ Über McCarthys Karriere-Auswahl unter ihrem Mann verzweifelt er hörbar, und die Tatsache, dass Jason Bateman als verkrabter Schurke und Bobby Cannavale als „The King“ sich für dieses Drehbuch hergegeben haben, bleibt ein Rätsel. Korbi muss nach kurzer Begriffsverwirrung lernen, dass Woah Leck bei den Woah Lecks immer das Lob ist und Bäh-Leck der Verriss – „Arschbombe“ gehört dabei eindeutig in die zweite Kategorie. Mikes Sonntagnachmittags-Couch-Session war verschenkte Zeit. Notfalls: Spy noch einmal anschauen.
Florians Highlight: Love and Monsters – Feel-Good-Apokalypse mit Roboter-Tränchen
Florians Woah Leck des Monats kommt mit einer schönen HARD:LINE-Connection: Love and Monsters stammt von Regisseur Michael Matthews, der vor drei Jahren mit dem südafrikanischen Neo-Western Five Fingers for Marseilles beim Festival lief – damals zur Primetime am Samstagabend, in einer Vorstellung, die viel Kritik aus dem Publikum einsteckte („Habt ihr einen anderen Film gesehen wie ich?“). Jetzt zeigt Matthews mit seinem zweiten Spielfilm, dass er auch Mainstream-Ton trifft – wenn auch direkt auf Netflix in Deutschland statt im Kino.
Die Story: Ein Asteroid wird mit Atomwaffen gesprengt, der Fallout mutiert alle nicht-menschlichen Lebewesen zu hungrigen Monstern, 95 % der Menschheit ist tot. Joel (Dylan O’Brien, bekannt aus der Maze Runner-Trilogie und Teen Wolf) lebt seit Jahren in einem Bunker und stellt per Funk Kontakt mit seiner Highschool-Liebe Aimee her – nur 100 Kilometer entfernt. Was folgt, ist eine 80-Meilen-Wanderung durch eine Mutanten-Welt, in der Joel mehr stolpert als heldenhaft kämpft.
Florian: „Ein Feel-Good-Apokalypse-Film – und was kann man momentan besser brauchen?“ Sein Vergleich: Turbo Kid trifft Hunt for the Wilderpeople von Taika Waititi. Kein Zufall: Kameramann Lachlan Milne hat damals sowohl bei Stranger Things als auch bei diesem Film die Optik geprägt. Visuell ein Fest, mit liebevoll gezeichneten Figuren, einer brillanten Ariana Greenblatt als achtjährige Survival-Mentorin, einem starken Michael Rooker – und einem Roboter, dem in zehn Minuten Screentime mehr Persönlichkeit verliehen wird als manchen Filmen in zwei Stunden. Mike bestätigt mit Tränchen-Faktor: „Wahnsinn.“
Bonus: Der Film wurde bei den Oscars 2021 in der Kategorie Beste visuelle Effekte nominiert (verlor an Tenet) – und das bei einem Budget, das angeblich nur 30 Millionen Dollar betragen hat. Ein Bäh-Leck des Monats hat Florian übrigens nicht. Begründung: „Das Leben an sich ist halt momentan ein ziemlicher Sumpf. Alles, was man sieht, kann nur ins Positive ausschlagen.“ Außer vielleicht die Fußballergebnisse vom SSV Jahn Regensburg. Und das Wetter. Und der Nordwind.
Persischstunden (2020): Korbis Drama-Woah Leck mit Lars Eidinger
Korbis Beitrag wird gleich vorab als „das Komplizierte zum Erklären“ angekündigt – und ist dann eine der originellsten Filmplots der jüngeren Zeit. Persischstunden (Originaltitel Persian Lessons) von Vadim Perelman ist eine deutsch-russisch-belarussische Co-Produktion, die ihre Premiere bei der Berlinale 2020 hatte und in Deutschland kurz vor Lockdown im Kino lief.
Das Setup: Frankreich, 1942. Der belgische Jude Gilles (Nahuel Pérez Biscayart, bekannt aus 120 BPM) wird auf dem Weg zur Hinrichtung gerettet – durch ein zufällig getauschtes persisches Buch und die spontane Lüge, er sei nicht Jude, sondern Perser. Der SS-Hauptsturmführer Klaus Koch (Lars Eidinger) im KZ-Durchgangslager will dringend Persisch lernen, um nach dem Krieg ein Restaurant in Iran zu eröffnen. Gilles, der kein Wort Persisch kann, beginnt eine Sprache zu erfinden – und muss sich jedes erfundene Wort merken, um nicht aufzufliegen. Die Story ist nicht auf einer wahren Begebenheit basierend, sondern auf der Erzählung Erfindung einer Sprache von Wolfgang Kohlhaase.
Korbi feiert die zwei Hauptdarsteller: Pérez Biscayart spricht im Film Französisch, Deutsch und eine komplette Fantasie-Sprache so überzeugend, dass man vergisst, dass es Quatsch ist. Lars Eidinger – den Korbi sonst nicht zuletzt aus Hell, Abgeschnitten, Personal Shopper und Deichkind-Musikvideos kennt („ich habe von dem schon mal alles an seinem Körper gesehen“) – liefert einen brutalen, ambivalenten Hauptsturmführer ab. Sehr empfehlenswert.
Der Maulwurf – Undercover in Nordkorea (ZDF, 2020): Korbis Doku-Wahnsinn
Korbis zweiter Woah Leck des Monats ist eine Doku, die als Zweiteiler in der ZDF-Mediathek gelandet ist (Originalproduktion: dänisches BBC/SVT/ZDF-Konsortium, 2020). Regisseur Mads Brügger (Cold Case Hammarskjöld, The Red Chapel) hat sich Nordkorea schon einmal vorgenommen – Der Maulwurf ist die Eskalationsstufe.
Die Geschichte: Ein ganz normaler Däne – kein Geheimagent, kein Special Ops – verbringt zehn Jahre seines Lebens damit, sich über den „Korean Friendship Association“-Fanclub in die Innenkreise des nordkoreanischen Regimes zu spielen. Über einen spanischen Lebemann (das wirtschaftliche Aushängeschild des Sanktions-umstellten Staats) baut er Vertrauen auf, immer mit versteckter Kamera, immer mit dem Wissen, dass eine geplatzte Tarnung das Lager bedeutet. An einem bestimmten Punkt ergänzen die Filmemacher das Setup um einen fiktiven Milliardär, der Geschäfte mit Nordkorea machen will. Das Ergebnis: ausgehandelte Waffen- und Methamphetamin-Verträge, eine geplante Hotelinsel in Uganda mit unterirdischem Labor, James-Bond-würdige Architektur-Skizzen aus Pjöngjang. Und alles ist echt.
Korbi: Über zwei Stunden Doku, danach mit offenem Mund auf der Couch. Die rechtlichen Folgen für Nordkorea und die involvierten Mittelsmänner waren real und international berichtenswert. Der Maulwurf selbst hat dafür Familie und Privatleben weitgehend zurückgestellt – ein Fall, dem man nur den größtmöglichen Respekt aussprechen kann.
Bonus-Track: Danger Dan und die Kunstfreiheit
Da der April nur knapp zu Ende geht (30. April 2021), schiebt Korbi noch einen Musik-Woah Leck nach: Danger Dans Album Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt. Ein Rapper, der zum Klavier greift und singt – und damit ein klares Statement gegen rechtsextreme Schwurbelei in der bayerischen Kabarett- und Rap-Szene setzt. Korbi: „Das kann man sofort weiterempfehlen. Vielleicht werde ich aber auch nur alt und verbittert.“ Kane bestätigt: „Das wird so sein.“
Hörerpost: Die Dampfexpress-Mail, die im Spam landete
Erinnert ihr euch an Birger, den Aliens-Deep-Dive-Gast, der schon in Folge 63 einen treuen Hörer namens „Dampfexpress“ mit Empfehlungs-Bonus angekündigt hat? Genau dieser Hörer hat sich am 25. März 2026 per Mail gemeldet – und ist dann fünf Wochen lang in Kanes Spam-Ordner verstaubt. Große Entschuldigung dafür. Auszüge:
Hi, ich bin durch den Birger auf euren Podcast gekommen und ziemlich schnell drauf hängengeblieben. Obwohl ich eigentlich gar nicht so der Filmnerd bin, sondern eher der Zocker. Was es nicht heißt, dass ich keine Filme mag – aber ich habe auf meiner Couch einen ziemlichen Hang zu plötzlich auftretenden Nickerchen. Ohne Witz, ich habe letztes Wochenende drei Versuche gebraucht, um Deadpool 2 ganz anzuschauen.
Kane direkt zurückgegeben: „Schande über dich, schande über deine Kuh, schande über deine ganze Familie.“ Gefolgt von einer kompletten Filmgeschmacks-Vorlesung – Lieblingsfilme: V wie Vendetta, Spiel mir das Lied vom Tod, Rambo 2 („besser als der erste“ – Mike stimmt zu, Kane reibt sich die Hände), Monty Python, Leslie Nielsen, Austin Powers, Louis de Funès und alle Bud-Spencer-/Terence-Hill-Filme. Lieblingsserien: Stargate, Sons of Anarchy, Preacher und Die Simpsons – aber nur bis zum Tod von Norbert Gastell (im Original-Wortlaut „Norbert Castell“), dem deutschen Synchronsprecher von Homer.
Korbi schätzt das Alter aus dem Profil auf „knappe 14“. Wir verraten es offiziell nicht – aber wir haben uns sehr über die Mail gefreut, freuen uns über weiteres Feedback an die Mail-Adresse oder über Steady, und vergessen versprochen kein Thema mehr im Spam.
LOL: Last One Laughing (2021): Bully Herbigs Comedy-Marathon
Kanes Woah Leck des Monats: LOL: Last One Laughing auf Amazon Prime Video. Format-Pate: Hitoshi Matsumoto mit der japanischen Original-Show Documental. Gastgeber der deutschen Adaption: Michael „Bully“ Herbig. Das Konzept: Zehn Comedy-Stars werden sechs Stunden in einem Loft eingesperrt, müssen sich gegenseitig zum Lachen bringen – und wer selbst lacht, fliegt raus.
Kanes Highlight-Liste der ersten Staffel:
- Anke Engelke (eigentlich Klar)
- Barbara Schöneberger – „war klar, dass die als Erste rausfliegt, weil die immer lacht“
- Carolin Kebekus – Kanes Favoritin, hätte Siegerin werden sollen
- Kurt Krömer – „geilstes Auf, vor allem unter den männlichen Darstellern“, Wahnsinns-Auftritt mit dreibeinigem Hund
- Max Giermann
- Mirco Nontschew – „den habe ich 100 Jahre nicht mehr gesehen“
- Tedros „Teddy“ Teclebrhan – mit seiner Antoine-Rolle der absolute Eskalations-Held
- Torsten Sträter
- Wigald Boning
- Rick Kavanian – siehe nächste Sektion
Für die zweite Staffel (Ende 2021 angekündigt) sind unter anderem Anke Engelke, Max Giermann und Kurt Krömer wieder dabei – plus Bastian Pastewka, Annette Frier, Klaas Heufer-Umlauf, Martina Hill, Thomas „Tommi“ Schmitt und Larissa Rieß. Kane: „Bin ich definitiv dabei.“ Ergänzung aus heutiger Sicht: Mirco Nontschew ist im Dezember 2021 verstorben – seine LOL-Auftritte wirken im Nachgang umso wertvoller.
Rick Kavanian: Wann ist der eigentlich der deutsche George Clooney geworden?
Eine eigene Sektion, weil sie es im Podcast verdient hat. Kane: „Verdammte Scheiße, seit wann ist der Rick Kavanian der deutsche George Clooney geworden? Wie unverschämt gut kann denn eigentlich ein Mann aussehen?“ Eingebettet in die LOL-Diskussion, mit Gleichaltrigkeits-Wehleidigkeit und Beobachtung, dass der Frauenanteil im Raum unmittelbar geschmachtet hat. Kane: „Passt mir nicht, jetzt bin ich stinkig drauf, dann machen wir heute mit dem Paintball-Spielen weiter, damit ich es wieder regelmäßig ins Hardline kommen kann und nicht verletzungsbedingt ausfalle.“
Korrelation: Kane war ja auf einem unserer letzten HARD:LINE-Festivals wegen einer Knöchelverletzung verhindert – Folgeschaden eines übermotivierten Paintball-Tags mit Korbi, bei dem Kane sich selbst zum John Wick stilisiert (Korbi: „Du warst eindeutig der Lo, du hast dich einmal gegen einen Bahn geschossen“) und Korbi immer mindestens den Verkehr-Riss-Tütchen geöffnet hat („Geile Kugeln, geile Kugeln!“). Wir korrigieren die Geschichte gerne im Detail.
The Falcon and the Winter Soldier (2021): Ein Internet-Kommentar-Bäh-Leck
Kanes Bäh-Leck ist nicht die Serie selbst – sondern das, was im Internet drumherum passiert. The Falcon and the Winter Soldier auf Disney+ schließt direkt an Avengers: Endgame an: Anthony Mackie als Sam Wilson alias Falcon und Sebastian Stan als Bucky Barnes alias Winter Soldier teilen sich die sechs MCU-Folgen.
Das Finale macht offiziell, was Endgame schon vorbereitet hatte: Sam Wilson wird zum neuen Captain America. Und in den Internet-Kommentaren toben sich Leute aus, die sich nicht etwa daran stören, dass es nicht Bucky geworden ist (was ein legitimer Geschmacks-Punkt wäre) – sondern daran, dass ein Schwarzer Captain America ist. Punkt. Kane: „Da endet mein Verständnis. Nehmt’s dich raus, fick dich doch in deinem Inzestdorf zurück mit deinem Drecksrassismus, und schau keinen Fernsehen mehr an, wenn dir das nicht passt.“ Die volle Hass-Tirade gibt’s in der Folge.
Korbi merkt vorsichtig an, dass Kane mit der Serie noch ein ganz anderes Problem hat – das wird in einer separaten Folge zu zweit besprochen, und zwar Corona-konform mit einer Meinungsverschiedenheit, die laut Kane eine „Einbox-Aktion“ werden könnte. Spoiler-Alarm-Cliffhanger für eine kommende Folge.
Bäh-Leck aus dem Privatleben: Bier-Abstinenz seit einem Monat
Kane teilt am Schluss noch einen sehr privaten Bäh-Leck: „Ich bin seit einem Monat abstinent.“ Bezogen auf Bier. Florian: „Wenn wir kein Bier hätten, wäre das alles gar nicht so einfach jetzt gehabt.“ Kein Kommentar von der Redaktion. Aber Respekt.
HARD:LINE 2021 abgesagt – April 2022 ist das neue Ziel
Die wichtigste Festival-Info des Monats: Das HARD:LINE Filmfestival 2021 ist offiziell abgesagt. Stattfinden soll es wieder im April 2022 in Regensburg.
Florian erklärt die Hintergründe: Stadtförderung benötigt Anträge bis zum Juli des Vorjahres – also musste die Entscheidung schon im Sommer 2020 getroffen werden, lange bevor irgendjemand wusste, wie sich die Pandemie entwickelt. Verantwortung gegenüber der Branche, den Filmemacher:innen, dem Verein und dem Projekt selbst hat den Ausschlag für die Absage gegeben. „Schauen wir mal, April 2022 – und dann immer im April.“ Mike: „April ist für ein Genre-Festival ein geiler Monat.“
Wer mehr über die Geschichte des Festivals lernen möchte: Die HARD:LINE 2020 Recaps in Teil 1 und Teil 2 bieten einen guten Einstieg in den Genre-Mix, den Florian und sein Team in normalen Jahren auf die Beine stellen.
Kino-Stufenplan-Wahnsinn: Warum Kinos nicht einfach „aufmachen“ können
Florian liefert in der Folge auch einen ehrlichen Einblick in die Branchenrealität anno April 2021. Der politische Stufenplan sieht vor, dass Kinos je nach Inzidenz in 2 oder 4 Wochen öffnen dürfen – die tatsächliche Vorlaufzeit zur Wiedereröffnung beträgt 6 Wochen. Programmierung, Lizenzen, Personal, Hygienekonzepte, Marketing. Florian zur Politik: „Da kann man sich nur bedanken für die Unwissenheit und das Desinteresse an bestimmten Sparten.“
Was die Kinos im Andreas Stadel betrifft: Greifende Hilfen aus den Staatsprogrammen, sehr stark einfrierbare Kosten, dazu ein Online-Angebot für Verleiher, die proaktiv darum gebeten haben. Florian zum Online-Modell allgemein: „Netflix und Co. können das sehr gut. Wir Kinos brauchen das nicht. Mini-Netflix für Arthouse bringt nichts.“ Stattdessen Hoffnung auf den Moment, wo sich „schwitzende Körper wieder im Kinosaal aneinander reiben“.
Positives Zwischensignal: Godzilla vs. Kong und Mortal Kombat spielen aktuell überraschend stark an den Kinokassen. Kane: „Ich habe befürchtet, dass die Leute Kino-G’fauler werden durch die ganze Scheiße. Die Zahlen sprechen das Gegenteil.“ Korbis nachgereichte Korrektur zu Persischstunden: Der Film lief tatsächlich kurz im Kino und hat dort „ganz gut“ performt.
Schlusswort: „Tränen sind dafür da, um uns zu reinigen“
Florian zum Abschluss in einem etwas-aus-dem-Ruder-laufenden Sinnspruch-Moment: „Tränen sind dazu da, dass wir es vorher verlieren. Es ist nämlich sehr reinigend, wenn man mal eine Stunde lang weint.“ Und: „Sich gegenseitig anweinen – das ist irgendwie bizarr, irgendwie sexy. Sich einreiben mit den Tränen anderer Leute.“ Wir nehmen das so stehen, wie es gemeint ist.
Großer Dank an Florian fürs Reinkommen – und Vorfreude auf eine zweite Folge, die er bei uns aufnimmt. Alle anderen: dranbleiben für die Captain-America-Beef-Folge, in der Kane und Korbi sich in einer noch zu vereinbarenden Corona-konformen Konstellation über Falcon and the Winter Soldier streiten werden.
FAQ zur Folge 71
Wer ist Florian Scheuerer?
Florian Scheuerer ist seit 2010 Veranstalter des HARD:LINE Filmfestivals in Regensburg und Co-Betreiber der Kinos im Andreas Stadel. Sein Geschäftspartner Josef Lommer steht eher fürs Arthouse-Programm – Florian selbst hat ein dezidiertes Faible für Splatter, Horror und Genre-Kino.
Worum geht es in Boss Level?
Boss Level (2020) von Joe Carnahan ist eine Action-Variante von Täglich grüßt das Murmeltier: Frank Grillo stirbt in einer Zeitschleife jeden Tag um 12:47 Uhr und muss herausfinden, warum. Mit dabei: Mel Gibson, Naomi Watts und Michelle Yeoh. Erschienen in den USA bei Hulu, in Deutschland auf Blu-ray bei Leonine.
Wo kann ich Greenland streamen?
Greenland von Ric Roman Waugh mit Gerard Butler und Morena Baccarin ist über die üblichen VoD-Plattformen verfügbar. Wer einen Survival-Thriller mit emotionaler Tiefe statt Roland-Emmerich-Pyrotechnik sucht, ist hier richtig.
Warum bekommt Thunder Force eine „Arschbombe“ verpasst?
Mike kritisiert vor allem das Ben-Falcone-Drehbuch und die Tatsache, dass Octavia Spencer und Melissa McCarthy für ein eigentlich talentfremdes Format verheizt werden. Wer trotzdem reinschauen will: Netflix.
Ist Love and Monsters wirklich für einen Oscar nominiert worden?
Ja – Love and Monsters wurde bei den Oscars 2021 in der Kategorie Beste visuelle Effekte nominiert (verlor an Tenet). Hauptdarsteller: Dylan O’Brien, Jessica Henwick, Michael Rooker, Ariana Greenblatt. Regisseur Michael Matthews drehte zuvor den Hardline-Film Five Fingers for Marseilles.
Beruht Persischstunden auf einer wahren Begebenheit?
Nein. Persischstunden basiert auf der Erzählung Erfindung einer Sprache von Wolfgang Kohlhaase – also einem fiktiven Stoff. Der Film selbst ist eine Co-Produktion zwischen Russland, Deutschland und Belarus, gedreht in Minsk und inspiriert vom KZ Natzweiler-Struthof.
Wo läuft Der Maulwurf – Undercover in Nordkorea?
Die zweiteilige Doku von Mads Brügger ist in der ZDF-Mediathek verfügbar. Originaltitel: The Mole: Undercover in North Korea. Eine investigative Recherche über zehn Jahre, die Waffen- und Methamphetamin-Geschäfte zwischen Nordkorea und Mittelsmännern dokumentiert.
Wer war der Hörer „Dampfexpress“?
Ein durch unseren Aliens-Deep-Dive-Gast Birger empfohlener Podcast-Hörer, der sich per Mail bei uns gemeldet hat – mit detaillierter Filmgeschmack-Liste und Lieblingsserien-Übersicht. Die Mail war fünf Wochen im Spam-Ordner. Sorry dafür.
Wann findet das HARD:LINE Festival 2022 statt?
Das HARD:LINE Filmfestival 2022 ist für April 2022 in Regensburg geplant. Die Ausgabe 2021 wurde Corona-bedingt abgesagt – die Antragsfristen für Stadtförderung machten eine kurzfristige Entscheidung nötig.
Was bedeutet „Woah Leck“ und „Bäh-Leck“?
Bei den Woah Lecks ist Woah Leck die positive Empfehlung des Monats und Bäh-Leck der Verriss bzw. die „Arschbombe“. Korbi musste das in dieser Folge auch erst einmal aufgeklärt bekommen.
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Mehr HARD:LINE & Woah Lecks bei VLM
- Folge 22 – HARD:LINE 2020 Vorankündigung: Florians erste VLM-Gastfolge zum Festival in Pandemie-Zeiten.
- Folge 28 – HARD:LINE 2020 Recap Teil 1: Sechs Filme aus dem ersten Block des Regensburger Festivals.
- Folge 29 – HARD:LINE 2020 Recap Teil 2: Schlaf, Vicious, Psycho Goreman und mehr.
- Folge 65 – Woah Lecks März 2021: Der direkte Vorgänger mit Pelikanblut, Wunder, Californication und Creep.
- Folge 78 – Woah Lecks Mai 2021: Der Nachfolger mit Goldenem Handschuh, Mordlust und Batwoman.




