Promising Young Woman (2020) mit Florentin Will im Talk – VLM #70

Kane – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKane
Korbi – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKorbi
Florentin Will – Gast bei Viva la MovieluciónFlorentin Will

Korbi und Kane bekommen Besuch aus Hamburg: Florentin Will – Moderator bei Rocket Beans TV, Co-Host des Podcast UFO mit Stefan Titze, ehemaliges Ensemble-Mitglied beim Neo Magazin Royale und Grimme-Preisträger 2017.

Korbis legendäre Vorstellung in voller Länge: „Den Grimmepreis-jagenden, Podcast-UFO-podcastenden, Raketenbohnen-zockenden, Verflixte-Klixx-Kronen-aufholenden, Neo-Magazin-Royal-zu-Glanz-führenden, Hafelpaffschal-zeckenden und Körbchengröße-85b-tragenden, in Gute Arbeit Originals gute Arbeit leistenden, Rechtshänder und bayerischen Staatsbürgerschaftsbesitzenden Florentin Will!“ Florentins Reaktion: „Vielen Dank für die doch ungewohnt knappe Einführung, aber ich nehme das mal so an.“

Florentins Filmwahl: Promising Young Woman (2020) von Emerald Fennell mit Carey Mulligan und Bo Burnham. Florentin: „Ab jetzt der beste Film des Jahres, davor war es The Kid Detective, aber jetzt ist es Promising Young Woman.“ Erwartet euch: einen Rachefeldzug-mit-Twist, eine Strichliste à la Kill Bill, eine 2,5-Minuten-Erstickungsszene mit Polizei-Hintergrund-Recherche, Killing-Eve-Connections und das große Streaming-Kartell-Mysterium.

Promising Young Woman (2020) – offizielles Filmposter
Offizielles Filmposter zu Promising Young Woman (2020) · Bildquelle: Focus Features

Wer ist Florentin Will?

Geboren 1991 in Ebersberg, Oberbayern – was die Bayern-Connection und das gemeinsame Hochdeutsch-Trauma der Folge erklärt. Korbi: „In Niederbayern auf einer Realschule, wenn man Hochdeutsch spricht, kann es schon passieren, dass man dafür verprügelt wird.“ Kane: „Willkommen im Club, bei mir war es auch so. Ich hab dann daheim halt die Schläge kriegt, nicht in der Schule.“

Florentins früher Anekdoten-Schatz: Er hat als Kind „Benjamin-Blümchen-Kassetten überspielt“ und seine eigenen Radiosendungen drauf gespielt – als kleiner Bayer, der den Dialekt aus Rebellion gegen seine Mutter (die selbst auf Bayrisch schreibt) „Stück für Stück ausgebrannt“ hat. „Das hat dann noch Jahre gedauert, bis das Chemie dann irgendwann verschwunden ist.“ Kane testet: „Ist es bei dir dann jetzt Chemie oder Chemie?“ Florentin (Hochdeutsch): „Chemie. Vergesst den Rest des Satzes dafür.“

Sein Lebenslauf: Philosophiestudium München → Frank-Elstner-Masterclass an der Axel-Springer-Akademie → ab 2013 beim Neo Magazin (Royale) → ab 2014 zusammen mit Stefan Titze das Podcast UFORocket Beans TV als Moderator (Filmfights, Endgegner, Verflixte Klixx mit Lars Paulsen, Pfiffige Ziffern) → bei Gute Arbeit Originals (funk) → Schauspieler in How to Sell Drugs Online (Fast) auf Netflix.

Auszeichnungen: Grimme-Preis 2017 (Kategorie Unterhaltung) für die Einspielerschleife in Neo Magazin Royale, Deutscher Podcastpreis 2019 (Kategorie Unterhaltung) für Podcast UFO.

Plot: Cassie und das Move-On-Mantra

Cassandra „Cassie“ Thomas (Carey Mulligan) hat ihr Medizinstudium abgebrochen, nachdem ihre beste Freundin Nina auf einer College-Party vergewaltigt wurde, der Universität niemand glaubte und Nina sich daraufhin das Leben nahm. Sieben Jahre später lebt Cassie noch bei ihren Eltern, arbeitet in einem Coffee Shop – und führt nachts ein Doppelleben.

Sie geht in Bars, gibt vor zu betrunken zu sein, lässt sich von „Nice Guys“ abschleppen – und in dem Moment, wo diese sich ihr unter dem Vorwand der Hilfe nähern und doch versuchen, sie auszunutzen, lässt sie ihre Maske fallen, wird stocknüchtern und konfrontiert sie mit ihrer Tat. Strichliste mitführend, à la Kill Bill. Ihr Ziel ist nicht Mord – sie konfrontiert nur. Aber sie sammelt.

Ein Wiedersehen mit ihrem alten College-Kollegen Ryan Cooper (Bo Burnham) bringt sie kurz auf einen Pfad zurück ins Leben – bis sie über ein altes Handyvideo erfährt, dass auch Ryan damals zugesehen und gelacht hat. Daraufhin plant sie ihre Endabrechnung mit dem Haupttäter Al Monroe (Chris Lowell) auf seinem Junggesellenabschied. Was als geplante Konfrontation beginnt, endet in einem brutalen Showdown.

Das Move-On-Thema

Florentins zentrale Beobachtung: „Alle haben es geschafft, über diese Vergewaltigung und anschließenden Selbstmord ihrer Freundin hinwegzukommen. Und sie kann das eben nicht.“ Der Film thematisiert dieses „Move on, you gotta move on“-Mantra als Kernkritik an der Rape Culture: Wer das System nicht durch Wegschauen mitträgt, wird zum gesellschaftlichen Problem.

Korbis wichtige Beobachtung: Der Film sei nicht nur gegen Männer gerichtet, sondern „sowohl Mann als auch Frau ignoriert dieses Thema einfach.“ Die Dekanin der Universität winkt ab: „Solche Fälle kriege ich zweimal die Woche hier berichtet. Soll ich die jetzt alle von der Schule schmeißen?“ Florentin: „Das wird so nebenbei gesagt, das, worum der gesamte Film sich dreht. Das passiert halt zweimal die Woche, aber was soll man dagegen machen?“

Kane: „Er watscht die komplette Gesellschaft ab. Das ist auch ganz geschickt gemacht. Am Anfang deutet es so darauf hin, als wäre es so Femme fatale, eine Frau auf dem Rachefeldzug gegen Männer. Aber schön langsam kristallisiert sich immer mehr raus, dass es eigentlich ein Rachefeldzug auch gegen die ganze Gesellschaft ist, die sowas einfach nur belächelt und die Damen da eben nicht ernst nimmt.“

Die Männer als „Nice Guys“

Brillanter Casting-Coup: Cassies Beute sind keine offensichtlichen Vergewaltiger-Rüpel, sondern Comedy-Schauspieler in Nice-Guy-Rollen:

  • Adam Brody als erster „Retter“, der Cassie nach Hause bringen will – und doch übergrenzig wird
  • Christopher Mintz-Plasse als koksender, scheinbar harmloser Typ
  • Sam Richardson und weitere als peinlich-charmante Date-Versuche

Florentin: „Wenn die Frau nicht betrunken wäre, wäre das ja alles auch flirty in Ordnung. Aber sie bewegen sich immer so kurz über den Punkt, dass man sagt: nein, der wird das doch jetzt nicht machen. Es ist wahrscheinlich auch die Erfahrung, die viele von den Opfern machen, dass es Leute sind, von denen man es nicht erwartet hätte, die total charmant sind und so wirken, aber dann halt dann doch den Schritt zu weit gehen, wenn sich die Situation bietet.“

Kane (mit Korbi den Film gemeinsam geschaut): „Wenn er sie da versucht zu küssen und sie überhaupt nichts erwidert und er knutscht da auf ihren nicht erwidernden Mund rum – da sitzt du da und denkst: was gibt es denn eigentlich für Menschen? Wer macht denn sowas? Warum hört der nicht auf? Das ist doch sogar für ihn alleine irgendwie erniedrigend.“

Bo Burnham als Anti-Konzept

Bo Burnham – ehemaliger Stand-Up-Comedian, Songwriter, Regisseur des wunderbaren Eighth Grade (2018) – spielt Ryan, den vermeintlichen Gegenpol zu all den Nice-Guys: „Endlich trifft sie mal einen Mann, der sie gut behandelt.“ Florentin: „Dieser ein bisschen flapsige, lustige, charmante Typ. Herzerwärmende Szenen, Romantic-Comedy-Montagen.“

Drehbuch-Genialität: Cassie hat zunächst Hemmungen, mit Ryan nach Hause zu gehen, und er respektiert das. Erster echter Nice Guy. Sie wirft sogar ihr Strichlisten-Buch weg – man denkt: „Ah, jetzt endlich hat sie den Schritt gemacht, konzentriert sich voll und ganz auf die neue Beziehung.“ Bis dann der Twist kommt – und der Film alles über den Haufen wirft.

Der Twist

(Spoiler-Warnung wird in der Folge offiziell ausgesprochen.) Cassie sieht ein altes Handyvideo der ursprünglichen Tat – und in der Tonspur ist Ryan zu hören. Er war anwesend, hat zugesehen, gelacht. Korbi: „Wir waren uns ja dann auch nicht gleich einig, ob es wirklich er war oder nicht. Und dann dachte ich: Das ist doch jetzt nicht.“ Kane: „Dann kriegst du nochmal so einen Tritt in die Fresse, und das nur durch die Stimme, die man da hört. Da war ich fix und fertig in dem Moment.“

Florentin: „Gibt es eine Chance von Gnade, gibt es eine Chance von Reue, von Wiedergutmachen? Oder ist der Mensch dann wirklich den Rest seines Lebens, wenn er dabei stand und gelacht hat, schrecklich? Der Film ist dann auch konsequent und sagt: Nein. Das geht dann halt doch nicht so.“

Die Madison-Szene und moralische Grauzonen

Cassie konfrontiert Madison (Alison Brie), die damals nicht geglaubt hatte. Sie macht sie betrunken und lässt sie von einem fremden Mann in einer ähnlichen Situation aufwachen. Madison erlebt am eigenen Leib, was sie damals abgetan hat – und kippt komplett um. Florentin: „Der Film spielt damit, dass niemand das ernst nimmt, bis es ihnen selbst passiert.“

Kane: „Auch da finde ich es bei dem Film stellt man sich die Frage permanent – auch bei den Kerlen, die sie abschleppt: Sind sie selber betrunken? Christopher Mintz-Plasse zieht sich die Nase zu ohne Ende, ist sie überhaupt zurechnungsfähig? Sind das Gründe, mit denen er das rechtfertigt? Natürlich nicht. Aber sind sie deswegen durch einen Ausrutscher schlechte Personen? Der Film wirft dir die ganze Zeit wirklich so eine Moralfrage entgegen.“

Die Catcalling-Szene und das „Ich hab einen Freund“-Problem

Florentins ergreifendster Take der Folge – eine Beobachtung, die weit über den Film hinausgeht: Es gibt eine Szene, in der Cassie an einer Baustelle vorbeiläuft und von Bauarbeitern gecatcallt wird. Statt wegzuschauen bleibt sie einfach stehen und schaut sie an. Florentin: „Die Männer wissen dann auch gar nicht, was sie machen sollen. Es gibt kein Follow-up, weil sie plötzlich nicht mehr in dieses Opferschema fallen. Die brauchen ja, dass die Frau wegguckt und weiterläuft.“

Daran hängt eine zweite, wichtige Beobachtung. In einer früheren Szene flirtet ein Mann sie an und lässt sie nicht in Ruhe – bis sie sagt, sie habe einen Freund: „Das haben ja auch schon viele Frauen erzählt, dass ihnen das oft passiert. Erst wenn sie sagen, ich habe einen Freund, dann lässt der Mann ab und sagt: ah okay, sorry. Das Einzige, was den Mann davon abhalten kann, die Frau anzumachen, ist: ist sie schon Eigentum eines anderen Mannes. Egal, wie sehr die Frau sich davor wehrt und sagt nein, ich will nicht, lass mich in Ruhe – alles egal. Bis dieser eine Satz kommt. Das wirft ein wirklich, wirklich böses Licht auf diese ganze Szene und dieses Verhältnis der Geschlechter.“

Die 2,5-Minuten-Erstickungsszene

Im Finale will Cassie als Striptease-Tänzerin auf Al Monroes Junggesellenabschied dem Täter „den Namen Nina einritzen“ (Kane). Aber Monroe überwältigt sie und erstickt sie mit einem Kissen.

Erschütternde Hintergrund-Recherche von Kane: Emerald Fennells Schwiegervater ist Polizist. Sie hat ihn gefragt, wie lange ein Erstickungstod realistisch dauert – Antwort: zweieinhalb Minuten. Die Szene im Film dauert genau zweieinhalb Minuten. Kane: „Erstickungstode sind für mich sowieso immer ein Dorn im Auge. Beim ersten Mal habe ich mir gedacht: Hör doch endlich auf, ich will das nicht mal sehen, wie die da zuckt.“

Florentin schließt sich an: „Eine der intensivsten Mordszenen, die ich je gesehen habe. Du denkst dir, das kann doch jetzt nicht wahr sein.“

Das Ende: Halb-Happy oder härtere Variante?

Cassie hatte vorgesorgt: Schedule-SMS, ein Brief an einen Anwalt (Alfred Molina), Brotkrumen für die Polizei. Die kommt zur Hochzeit, Monroe wird verhaftet. Halb-Happy-End.

Florentin: „Eine sehr düstere, aber wahre Aussage: Das Einzige, was du in dieser Kultur machen kannst, ist: akzeptiere dich als Opfer, mach weiter, move on und ignoriere das Problem. Wenn du dich dagegen aufstellst, endet es wie im Film.“

Trivia von Kane: Emerald Fennell wollte ursprünglich, dass der Film mit Cassies Tod endet – ohne dass Monroe je zur Rechenschaft gezogen wird. Studio-Druck führte zum aktuellen Halb-Happy-End. Florentin und Kane sind sich einig: Das härtere Ende wäre konsequenter gewesen. Florentin: „Ich habe mir das auch gedacht, ob es dieses Ende wirklich noch braucht. Es ist ja oft genug so, dass die Vergewaltiger einfach davon kommen.“

Korbis Gegen-Take: „Ich finde, gerade mit den Textnachrichten, kommt sie halt dann auch gar nicht so als das Opfer rüber. Mit der letzten SMS, mit diesem Zwinker-Smiley, kommt sie mir so vor: okay, sie hat es von Anfang an so geplant gehabt, ihr war klar, dass die Polizei dann kommt – sie hat gewonnen.“ Kane: „Als wird der Film nochmal die vierte Wand durchbrechen und dann mit dem Zuschauer reden: Du dachtest doch wohl nicht, dass es zu Ende ist.“

Kanes Härte-Ende-Empfehlung für Florentin: Eden Lake (2008) mit Michael Fassbender: „Eines der härtesten Enden, die ich jemals beim Film gehabt habe. Der ist gemein und ekelhaft. Am Ende sitzt du da und denkst: Ja, Gott sei Dank – und dann kriegst du nochmal so einen Tritt in die Eier.“

Soundtrack: Toxic auf Geige & Angel of the Morning

Komponist Anthony B. Willis. Highlight: die Streichquartett-Version von Toxic (Britney Spears) im Junggesellenabschied-Finale – minimalistisch, beklemmend, ikonisch. Plus Angel of the Morning von Juice Newton in der finalen Polizei-Anfahrtsszene.

Korbi: „Die Musik … gerade in der Nüchterungsszene, beim allerersten Mal, diese ganz dumpfen Klänge, die dazu kommen. Boah, Gänsehaut.“ Kane: „Der arbeitet sehr gut mit Score. Der bringt den einzelnen Szenen so viel Emotion und so viel Kraft dazu, dass jedes Mal wieder Gänsehaut.“ Kane (kurze Eskalation): „Ich bin kein großer Britney Spears-Fan – meine Freunde werden mich jetzt nicht der Lüge schimpfen, wenn man drei Bier hat und Lucky läuft, gröle ich das natürlich mit. Aber diese Toxic-Version, die ist unglaublich geil.“

Easter Egg: Emerald Fennells erste Idee & ein Cameo

Emerald Fennell – Regisseurin und Drehbuchautorin von Promising Young Woman
Emerald Fennell, Regisseurin von Promising Young Woman · Bildquelle: Focus Features

Kanes Recherche-Funde: Die aller-erste Idee, die Emerald Fennell zum Film hatte, ist die Anfangsszene – eine Frau, die im Bett liegt, betrunken ist und der jemand die Hose auszieht. Auf dieser einen Szene hat sie den gesamten Film aufgebaut. Diese Szene hat es eins zu eins in den fertigen Film geschafft.

Plus: Die Dame in dem Blowjob-Lippen-Tutorial-Video, das Cassie sich anschaut, ist Emerald Fennell selbst. Für Fans, die ihre Regisseurin sehen wollen, ohne erst googlen zu müssen.

Oscar-Nominierungen 2021

Promising Young Woman erhielt 5 Oscar-Nominierungen: Bester Film, Beste Regie (Emerald Fennell – Spielfilmdebüt!), Beste Hauptdarstellerin (Carey Mulligan), Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt.

Stand der Folgenaufnahme: Vor den Oscars 2021. Kanes Daumendrücken: „Ich drücke alle Daumen, die ich habe.“ Stand heute: Der Film hat den Oscar für das Beste Originaldrehbuch gewonnen – Emerald Fennell als erste Britin und erst zweite Frau überhaupt in dieser Kategorie. Eine kleine Pointe der Geschichte.

Killing Eve, Phoebe Waller-Bridge und das Fennell-Universum

Cross-Connect, den Florentin in die Folge bringt: Bevor Emerald Fennell PYW machte, hat sie Staffel 2 von Killing Eve als Showrunnerin übernommen – nach Phoebe Waller-Bridge (Fleabag). Florentin: „Ich habe die jetzt auf Amazon gefunden – will die Serie jetzt auch anschauen. Riesenfan von Fleabag, also bin ich gespannt.“ Kane: „Die wird allgemein ziemlich hochgelobt.“ Pflicht-Folge-Ergänzung für PYW-Fans, die Fennells Stilistik in Serienform erleben wollen.

Die große Streaming-Kartell-Theorie

Klassischer VLM-Running-Joke: Korbi hatte schon in vorherigen Folgen die große Streaming-Dienst-Verschwörung formuliert – Disney Plus startete Februar 2020, ein Monat nach den ersten Corona-Meldungen aus China. Kane: „Damals in China in so einem Chemielabor … das schreit nach Verschwörung. Hoffentlich hört nicht wieder irgendjemand von Disney zu.“

Florentin als Gast erweitert das Universum um zwei Mit-Verschwörer: „Ich habe eher das Gefühl, Twitch ist der große Gewinner der Pandemie. Ich glaube, Twitch und Schach sind die eigentlichen Gewinner. Vielleicht ist auch die Schachlobby, die da ihre Finger im Spiel hat.“

Korbis spontaner Anschluss: Die Podcast-Lobby als zusätzlicher Profiteur. Kane: „Ihr habt – dank Corona habt ihr uns. Das wäre nie passiert ohne Corona.“ Damit ist das offizielle VLM-Verschwörungs-Diagramm um drei Lobbys erweitert: Streaming — Twitch — Schach — Podcast.

Korbis Logik-Loch: Das Schedule-Messages-Mysterium

Korbis einziger und sehr feiner Kritikpunkt am Film – und in einer Folge, in der alle drei Hosts nach Negativem suchen mussten, das einzige echte Logik-Loch:

„Am Ende kommen die Schedule Messages, die SMS, die mit einem bestimmten Zeitpunkt im Nachgang verschickt worden sind. Sie hat ja programmiert: zu diesem Zeitpunkt werden folgende Nachrichten verschickt. Wieso sieht man dann das Tippen? Die Kamera hält drauf und man sieht die ganze Zeit, dass irgendwas tippt – oder habe ich es einfach missverstanden? Das ist der einzige Schwachpunkt: ein Ladevorgang für zwei Zeichen.“

Korbis Selbstrelativierung: „Vielleicht haben wir den Film auch komplett missverstanden – wir haben ihn auf Englisch über den US-iTunes Store geschaut. Die Synchronisation bringt dann vielleicht wieder Licht rein.“

Tops & Flops

Welche Szene aus dem Film hat Korbi musikalisch am meisten beeindruckt? (Tipp: dumpfe Klänge in einer Nüchterungssequenz.) Welches kleine Logik-Loch zum Filmende hat Korbi tatsächlich als seinen einzigen Kritikpunkt gefunden? Und welches Stück Material aus dem Film findet Florentin so meisterhaft komponiert, dass er es als „filmisches Buffet“ beschreibt? Direkt anhören auf Podigee.

Verdict

Florentin (mit absoluter Anschauempfehlung): „Absolut grandios. Ein sehr wichtiges Thema, von einer interessanten Perspektive beleuchtet. Ein Film, der wirklich alles richtig macht. Einerseits ist es Romcom, Revenge-Flick, Coming-of-Age, Thriller, Romance – entweder absolutes Chaos oder eine meisterhaft durchkomponierte Symphonie. Und ich glaube, es ist eher Zweiteres.“

Kane: „Er ist wie so ein filmisches Buffet, vor dem du stehst und nicht so recht weißt, was du willst. Der Film weiß auch lange nicht, was er eigentlich will. Aber am Ende ist es eine richtig geile Portion.“ Korbi: „Einen sehr guten Film besprochen, der höchstwahrscheinlich auch bald bei den Oscars einiges abräumen wird.“

Pflicht-Sehung 2021.

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👀 Florentin Will im Netz: Rocket Beans TV | Das Podcast UFO | Twitch

Eine kurze Bitte zum Schluss

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Häufig gestellte Fragen

Wer ist Florentin Will?

Florentin Will ist deutscher Schauspieler, Komiker, Moderator und Podcaster. Geboren 1991 in Ebersberg, Oberbayern. Bekannt aus Rocket Beans TV (Endgegner, Filmfights, Verflixte Klixx mit Lars Paulsen), dem Neo Magazin Royale (Vorgänger des ZDF Magazin Royale), funk’s Gute Arbeit Originals und der Netflix-Serie How to Sell Drugs Online (Fast). Mit Stefan Titze moderiert er seit 2014 das Podcast UFO. Grimme-Preisträger 2017.

Wer ist die Regisseurin von Promising Young Woman?

Emerald Fennell – britische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Promising Young Woman ist ihr Spielfilm-Regiedebüt, für das sie den Oscar für das Beste Originaldrehbuch 2021 gewann. Sie war zuvor Showrunnerin von Killing Eve Staffel 2. Aktuelle Regie-Arbeit: Saltburn (2023). Trivia: das Tutorial-Video zu Blowjob-Lippen, das Cassie sich anschaut, zeigt Emerald Fennell selbst.

Was war die erste Idee zum Film?

Die Anfangsszene – eine betrunkene Frau im Bett, der jemand die Hose auszieht. Auf dieser einen Idee hat Emerald Fennell den gesamten Film aufgebaut. Die ursprüngliche Idee hat es eins zu eins in den fertigen Film geschafft.

Wie viele Oscars hat Promising Young Woman gewonnen?

Bei 5 Nominierungen einen Oscar: Bestes Originaldrehbuch für Emerald Fennell.

Was bedeutet „Rape Culture“?

Der Begriff bezeichnet eine gesellschaftliche Kultur, in der sexualisierte Gewalt durch verschiedene Mechanismen normalisiert oder verharmlost wird – etwa durch Victim-Blaming („Sie war ja betrunken“), Männer-Solidarität, Ignoranz seitens Institutionen oder das Move-On-Mantra. Promising Young Woman beleuchtet diese Mechanismen aus mehreren Perspektiven, ohne das Publikum mit der Moralkeule zu erschlagen.

Welcher Film hatte die Erstickungsszene 2,5 Minuten lang?

Die Erstickungsszene in Promising Young Woman dauert exakt zweieinhalb Minuten – Emerald Fennell hat ihren Schwiegervater (Polizist) gefragt, wie lange ein realer Erstickungstod dauert. Diese Recherche-Genauigkeit macht die Szene umso unerträglicher.

Was hat Bo Burnham vor Promising Young Woman gemacht?

Stand-Up-Comedian, Songwriter und Regisseur. Sein Spielfilm-Regiedebüt war Eighth Grade (2018). 2021 erschien sein Pandemic-Special Bo Burnham: Inside auf Netflix.

Welcher Härte-Ende-Film wird in der Folge empfohlen?

Eden Lake (2008) mit Michael Fassbender und Kelly Reilly. Kane: „Eines der härtesten Enden, die ich jemals beim Film gehabt habe.“

Was ist Florentins Lieblingsformat bei Rocket Beans?

Endgegner – das Quiz-Format, in dem ein Experte gegen zwei Herausforderer zu einem bestimmten Thema (Herr der Ringe, Harry Potter und so weiter) antritt.

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