Evil Dead (2013): Brachiale Rückkehr zur Hütte im Wald (mit Mike & Korbi)

Mike – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónMike
Korbi – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKorbi

Mike und Korbi nehmen sich Evil Dead (2013) vor – Fede Álvarez‘ brachiale Rückkehr in die Hütte im Wald. Kane fehlt diesmal, dafür meldet sich Mike mit voller Horror-Buff-Kompetenz und Korbi mit der Splatter-toleranten Genre-Liebe. Thema: Practical Effects bis zum Anschlag, Necronomicon-Tradition, Mustachegate-mit-Bart-Bruce-Campbell-Cameo, plus die Frage, ob das hier ein Remake, ein Sequel oder „Evil Dead 4“ ist. Fede Álvarez selbst hat geantwortet: „Es ist kein Remake. Es ist ein neues Kapitel im Evil Dead Universum.“

Worum geht’s? Plot ohne Quetsch

Mia (Jane Levy) ist auf Heroin und will einen kalten Entzug durchziehen – ohne Krankenhaus, ohne Methadon, einfach drei Tage in der Familienferienhütte mitten im Wald. Mit dabei: ihr Bruder David (Shiloh Fernandez, längere Zeit aus dem Bild verschwunden), Davids Freundin Natalie (Elizabeth Blackmore), Mias Krankenschwester-Freundin Olivia (Jessica Lucas) und Davids Schulfreund Eric (Lou Taylor Pucci, der Forscher-Bubi mit Brille). Plus Familienhund.

Was sie nicht wissen: Im Keller hängen massenhaft tote Katzen von der Decke, ein gut sichtbarer Brandbalken steht rum, und mittendrin liegt ein Buch – in Menschenhaut gebunden, mit Stacheldraht zugewickelt, von außen mit Warnungen überkrakelt. Eric, der Forscher-Bubi, denkt sich: „Verdächtig genug zum Aufmachen!“, schneidet den Stacheldraht durch, blättert es auf und liest einen Spruch laut vor, der mit aller Gewalt versucht wurde, ausradiert zu werden. Tja. Was dann passiert, gibt der Film 90 Minuten lang zu Protokoll.

Remake, Reboot oder Evil Dead 4?

Heiß diskutierte Frage. Fede Álvarez selbst hat es per Tweet geklärt: kein Remake, sondern ein neues Kapitel im selben Evil Dead Universum. Belege im Film:

  • Ash’s Olds Delta 88Sam Raimi’s und Bruce Campbells berber-roter Familienwagen aus dem Original. Steht hier am Anfang vor der Hütte. Mia setzt sich am Anfang drauf.
  • Michigan State University Pulli – Mia trägt einen, genau wie Ash im Original.
  • Hütte-im-Wald-Setting – dieselbe Hütte aus dem 1981er Tanz der Teufel.
  • Necronomicon – das Buch ist da, und es funktioniert nach denselben Regeln.
  • Bruce-Campbell-Cameo – nach den Credits sagt Ash sein Markenzeichen: „Groovy.“ Ohne Auswirkungen auf den Plot, aber als Bestandsbestätigung.

Wer es allerdings ohne Vorwissen schaut, kommt damit klar. Mike und Korbi sind sich einig: das hier funktioniert auch als alleinstehender, brachialer Horrorfilm ohne Vorgeschichte.

Practical Effects bis zum Anschlag

Fede Álvarez kommt selbst aus dem CGI-Bereich – hat sich aber bei seinem Spielfilmdebüt demonstrativ gegen Computer-Effekte entschieden. „Wir haben nichts in CGI gemacht. Alles, was du siehst, ist real.“ Drehzeit: 70 Tage, alles Nachtaufnahmen, in Neuseeland außerhalb Auckland. Was das auf der Leinwand bedeutet:

  • Selbstamputation mit dem Brotmesser – wenn die Tante besessen wird und mit dem elektrischen Brotmesser auf den eigenen Arm losgeht, ist das in einer langen, ungeschnittenen Aufnahme inszeniert. Kamera fährt seitlich rein, sie setzt an, sägt durch – kein Schnitt zum Close-up des prosthetischen Arms. Das macht es so effektiv.
  • Geröntestes Gesichtsabziehen – Practical bis auf die Zahnreihe, die per CGI eingefügt wird, weil die Haut weg ist.
  • Zungenspaltung – Mia bezieht das Teppichmesser ihrer Freundin im Küssen-Geschäft, beschließt, sich damit selbst die Zunge zu spalten. Auch Practical, mit Make-up und Animatronik. (Body-Modification-Anekdote: Es gibt tatsächlich Menschen, die das machen lassen, und Mike hat das mal in einer Doku gesehen.)
  • Bushvergewaltigung – Tanz-der-Teufel-Tradition. Mia flüchtet in den Wald, eine Wurzel fährt unter ihrem Kleid hoch. Hier weniger explizit-grafisch als im 1981er-Original, aber atmosphärisch verstörender.

NC-17-Rating beim Original-Schnitt; müsste auf R gekürzt werden, um in den US-Kinos starten zu dürfen. In Deutschland: aktuell indiziert, was bedeutet, dass die FSK-18-Streaming-Fassung massiv zensiert ist. Die Director’s-Cut-Blu-ray (Nameless Media + Sony, 9. August 2017) ist die Version, an die ihr ranwollt.

Jane Levy als Mia: vom Junkie zum Final Girl

Der Film läuft über Mia. Jane Levy spielt sie in drei Phasen:

  1. Junkie im Entzug – erste 20 Minuten. Geschunden, paranoid, instabil. Wenn sie später sagt, sie sieht etwas Schlimmes im Wald, glaubt ihr keiner – weil sie eh halluziniert.
  2. Besessen-Mia (Abomination Mia) – Mittelteil. Eine der intensivsten Performances in modernem Horror. Die Spiegel-Szene, in der sie sich selbst als besessenes Wesen begegnet, ist ein Schock-Highlight.
  3. Final Girl – letzte 20 Minuten. Nach dem rituellen Lebendig-Begraben-und-Wiederaufwecken kehrt sie zurück und konfrontiert die Abomination. Mit dem Power-Loader-Verschnitt der Evil-Dead-Reihe – der Kettensäge.

Anekdote: Für die Vergrabene-Szene hat sich Jane Levy tatsächlich vergraben lassen. Fede Álvarez hat ihr nicht in die Hand gespielt, sondern sie hat es einfach gemacht, damit Shiloh Fernandez‘ Reaktion (panisches Wieder-Ausgraben) authentisch wird.

Trivia-Häppchen: Lily Collins war ursprünglich für Mia gecastet, ist aber im Januar 2012 abgesprungen. Jane Levy ersetzte sie und hat danach mit Don’t Breathe und Suburgatory weitergebaut.

Necronomicon / Naturom Demonto: die Regeln

Das Buch im Film heißt Naturom Demonto – die Tanz-der-Teufel-Variante des klassischen Necronomicon aus H.P. Lovecrafts Werk. Sam Raimi hat den Lovecraft-Bezug bei Tanz der Teufel etabliert, Fede Álvarez führt ihn fort. Wichtig für den Film: das Buch erklärt die Regeln, wie Besessene wieder zu Töten sind:

  1. Lebendig vergraben
  2. Vollständig zerstückeln
  3. Verbrennen

Das ist auch der wichtigste Unterschied zwischen Kinofassung und Director’s Cut: In der Kinofassung sterben die Besessenen einfach so, was die Regeln des Buchs verletzt. Im Director’s Cut wird Olivia am Brandbalken im Keller verbrannt, und Natalie wird mit der Kettensäge zerstückelt – die Regeln werden eingehalten. Das Buch funktioniert auch als Foreshadowing: alle Holzschnitte beim Durchblättern werden im Film visualisiert.

Easter Egg: Anagram DEMON

Trivia, das Mike herausschreiben musste, weil er es sich sonst nie gemerkt hätte: die Anfangsbuchstaben der fünf Charaktere ergeben das Wort DEMON. David, Eric, Mia, Olivia, Natalie. Korbi: „Ah, du hast den Hund vergessen.“ Mike: „Der ist nicht in dem Anagram drin, sorry.“

Cross-Connect: Necronomicon in Jason Goes to Hell

Cooler Genre-Easter-Egg-Cross-Connect: Das Necronomicon hat einen Cameo in Jason Goes to Hell (1993, der neunte Freitag-der-13.-Film). Daraus entstand die Fan-Theorie, dass Jason Voorhees ein Deadite sein könnte – also vom Necronomicon besessen, was erklären würde, warum er nie sterben kann und immer wiederkommt.

Schnittfassungen: das Kinofassung-vs-Director’s-Cut-Drama

Bei Evil Dead (2013) ist das Schnittthema wichtig:

  • Kinofassung – R-Rating gekürzt, einige Szenen entfernt (z.B. die Zungespaltung weniger weit; die Verbrenn-und-Zerstückel-Szenen für die Buchregeln fehlen).
  • Director’s Cut / Extended Version – mit den Necronomicon-Regel-Szenen drin. Auf Channel 4 UK wurde diese Version am 25. Januar 2015 versehentlich ausgestrahlt – was zu Bootleg-DVDs in Sammlerkreisen führte. Offiziell veröffentlicht in Deutschland erst am 9. August 2017 (Nameless Media / Sony).
  • FSK-18-Streamingfassung – weiter zensiert. Hier landen die meisten Stream-Zuschauer.
  • Indiziert in Deutschland – deshalb keine offene Verkaufslistung in Standardgeschäften. Für die ungekürzte Version: Auslandsausgabe oder österreichischer Import.

Mikes Hinweis: schnittberichte.com und ofdb.de sind die Pflicht-Anlaufstellen, wenn ihr beim Müller-Stand seid und nicht wisst, welche Fassung in der Hülle steckt.

Soundtrack & Atmosphäre

Soundtrack-Komponist: Roque Baños (spanischer Komponist, hat auch Don’t Breathe und The Machinist gemacht). Der Score wechselt zwischen klassischen Horror-Spannungs-Streichern und kreischenden Sirenen, die Mike als hör-phänomenal empfindet. Der Sound trifft die Atmosphäre des Wald-Settings: dunkler Mischwald in Neuseeland, der laut Fede Álvarez bei Drehbeginn von ihm „angeblich blutgetränkt aus alten Verbrechen“ dargestellt wurde – um Shiloh Fernandez Angst einzujagen und ihn glaubhaft panisch zu kriegen.

Tops & Flops

Welche Detail-Inszenierung findet Mike in der lange-ungeschnittenen Selbstamputations-Szene so effektiv, dass er sie als sein absolutes Highlight nennt – und welche eine Sache regt ihn auf (Tipp: ein bestimmter Charakter zickt sich erst nach 15 Stichen mit der Spritze)? Was hat Korbi an Jane Levys Performance so beeindruckt, dass er den Film mit vier Sternen auf Letterboxd bewertet – und welche Charakterentscheidung am Anfang findet er so dumm, dass sie ihn fast aus dem Film geworfen hätte (Tipp: Stacheldraht, Buch, Forscher-Bubi)? Tops und Flops am Schluss der Folge. Direkt anhören auf Podigee.

Triple Threat

Drei Kategorien: Titten? Trompeten? Tiere? Eine Kategorie liefert tatsächlich – aber in der falschen Sorte. Diskussionsfrage: zählt der Familienhund? Zählen die toten Katzen im Keller? Oder ist das, was Mia mit der Hand macht, eigentlich auch nicht ganz das, was wir hier suchen? Final-Bewertung des Triple Threat: gibt’s nur in der Folge.

Verdict

Evil Dead (2013) ist humorloser, brachialer, ernsthafter Horrorfilm mit Liebe zum Original und Mut zum Eigen-Stil. Practical Effects, gut besetzt (vor allem Jane Levy), atmosphärisch dicht, blutiger als alles, was die letzten 10 Jahre im Mainstream-Kino lief (vergleichbar nur mit The Hills Have Eyes). Schwachstellen: ein paar expositorische Dialoge am Anfang, Charaktere etwas dumm in ihren Reaktionen, ein paar Heilungs-Sprung-Logikbrüche bei Mias Körperverletzungen. Aber: vier von fünf Sternen auf Letterboxd, sowohl von Mike als auch von Korbi. Pflicht-Sehung für Horror-Fans – in der Director’s Cut Fassung.

Praxis-Tipp: Nach dem Film bleibt nach den Credits sitzen für Bruce Campbells „Groovy“-Cameo. Klein, aber nett.

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Häufig gestellte Fragen

Ist Evil Dead (2013) ein Remake?

Laut Regisseur Fede Álvarez nein – es ist „ein neues Kapitel im Evil Dead Universum“, also ein Sequel. Spielt in derselben Hütte wie der 1981er Tanz der Teufel, mit Verweisen auf Ash (Bruce Campbells Charakter aus der Original-Reihe). Wer es als Remake liest, kommt aber auch nicht falsch raus – die Grundstruktur ist gleich.

Welche Fassung sollte man schauen?

Den Director’s Cut / Unrated Extended Version. Enthlt die Necronomicon-Regel-Szenen (Olivia wird verbrannt, Natalie zerstückelt), eine längere Zungespaltungs-Szene und einige Erweiterungen. In Deutschland offiziell von Nameless Media / Sony am 9. August 2017 veröffentlicht. Die Streamingfassungen sind meist die FSK-18-Schnittversion.

Spielt Bruce Campbell mit?

Nur als Cameo nach den Credits. Der Charakter Ash ist nicht Teil der Haupthandlung, weil Álvarez und Sam Raimi bewusst eine neue Hauptfigur (Mia) etablieren wollten. Wer auf Ash gewartet hat: bleibt nach den Credits sitzen.

Wer ist Fede Álvarez?

Uruguayischer Regisseur, der mit dem 5-Minuten-Kurzfilm Panic Attack! (2009) berühmt wurde – daraufhin von Sam Raimi entdeckt und für Evil Dead 2013 als Spielfilmdebüt engagiert. Später: Don’t Breathe (2016), The Girl in the Spider’s Web (2018), Alien: Romulus (2024) – letzteres führt direkt zur nächsten Genre-Verbindung mit Birger und der Alien-Reihe.

Was bedeutet das DEMON-Anagram?

Die Anfangsbuchstaben der fünf Hauptcharaktere: David, Eric, Mia, Olivia, Natalie. Bewusst gesetzt von Álvarez als kleines Trivia-Easter-Egg.

Wo kann man den Film schauen?

Streaming-technisch wechselnd je nach Region. Aktuell teils auf AMC+ in den USA, in Deutschland je nach Verfügbarkeit. Für die ungekürzte Director’s Cut Version: Blu-ray-Kauf empfohlen – entweder die deutsche Nameless-Media-Ausgabe oder die Shout!-Factory-4K-Edition (2022) mit beiden Schnittfassungen.

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