Beim ersten Anlauf war es Atmosphere und Spritfüge – jetzt ist es Action, Marines und ein Riesen-Alien. Korbi und Mike haben wieder Pause, und Kane holt sich erneut Birger ans Mikro, den boarischen YouTuber und Gaming-Streamer mit der lebenslangen Alien-Obsession (Kindheitstrauma in 7 Worten: Geburtstagsfeier, Nachbar, Chestburster, Sechsjähriger, traumatisiert, fan-fertig). Diesmal: Aliens – Die Rückkehr (1986). James Camerons Action-Sequel zu Ridley Scotts Horror-Klassiker. Mit Plus-Punkten für Pulse Rifle, Power Loader und der ikonischsten Reveal-Szene im Sci-Fi-Action-Kanon.
Vorab-Korrektur von Kane: In der ersten Birger-Folge zu Alien (1979) hat er konsequent „Jazzburster“ statt „Chestburster“ gesagt. Falsch. Hat ihn jetzt selber genervt. Heisst Chestburster. Oder Jazzburster, wenn man die fiktive Indie-Band aus dem H.R. Giger-Cinematic-Universe meint, die so heisst. Aber das ist eine andere Folge.
Worum geht’s? Plot ohne Quetsch
57 Jahre nach den Ereignissen aus Alien wird Ellen Ripley (Sigourney Weaver) im Tiefschlaf-Drift gefunden. Ihre Geschichte glaubt erstmal niemand – bis der Kontakt zu einer Kolonie auf LV-426 (genau, der Planet, auf dem Teil 1 das Signal aufgefüngt wurde) abbricht. Ripley willigt ein, mit einer Einheit Colonial Marines hin und nachzuschauen. Vor Ort: verlassene Kolonie, Spuren von Alien-Säure, eine überlebende Achtjährige namens Newt (Carrie Henn) – und ziemlich schnell viele, viele Aliens. Plus eine, die alle anderen geboren hat: die Alien Queen.
Special Edition vs. Kinofassung: 16 Minuten Unterschied
Es gibt zwei offizielle Schnitt-Versionen, und Kane empfiehlt mit Nachdruck den Director’s Cut (auch „Special Edition“) – 16 Minuten länger als die Kinofassung, von Cameron selbst und auch von Sigourney Weaver bevorzugt. Die wichtigsten Erweiterungen:
- Ripleys Tochter – in der Anhörungs-Szene am Anfang erfahren wir, dass Ripley während ihrer 57-jährigen Tiefschlaf-Drift ihre Tochter verloren hat (auf einem Foto sieht man eine alte Frau – die Tochter, gealtert und mittlerweile verstorben). Macht ihre Newt-Beziehung im Film viel emotionaler.
- Lizenzaberkennung – Ripleys Offizierslizenz wird ihr abgenommen, weil ihr keiner glaubt.
- Kolonialtreiben – 5–6 Minuten zusätzliche Szenen aus der Kolonie selbst, inkl. Newts Eltern, die das gigantische Hufeisen-Schiff aus Teil 1 entdecken. Vater zur Mutter: „Lieber nichts melden, nicht dass wir uns blamieren“ – also auf einem 800.000 Kilometer großen Außerirdischen-Schiff. Kanes Kommentar: „Wer da blamiert sein könnte? In Gottes Namen.“
- Auto-Sentry-Guns – die Belagerungsszene mit den Maschinengewehren, die selbst zielen und schiessen. Eine der besten Spannungsszenen im Film, im Kinocut komplett gestrichen.
- Vornamen-Reveal am Ende: Hicks heisst Dwayne, Ripley heisst Ellen. Kleine, intime Romantik-Szene mit Michael Biehn.
Sigourney Weaver soll laut Kane mal gesagt haben, dass sie ohne Special-Edition-Release keine weitere Alien-Folge mehr drehen würde. Cameron hat geliefert.
Die Marines & Bill Paxtons Hudson
Aliens lebt von seinem Ensemble. Cameron hat die Schauspieler echt drei Wochen Special-Air-Service-Training durchziehen lassen, damit das Marines-Team-Gefühl auf der Leinwand auch echt wirkt. Highlights:
- Bill Paxton als Hudson – 25 F-Bombs, 18 K-Wörter, das Comic Relief, das nie nervt. Verstorben 2017, viel zu früh. Anekdote: Paxton hat sich nach Drehende bei den anwesenden Damen für seine Fluchen-Tirade entschuldigt. Korrekter Mann.
- Michael Biehn als Corporal Hicks – der ruhige, kompetente Anker-Charakter. Cameron-Stamm aus Terminator. Aktuell auch wieder bei VLM dabei in The Mandalorian-Folgen.
- Lance Henriksen als Bishop – der freundliche Android, der sich nach dem desastösen Ash aus Teil 1 erstmal Ripleys Vertrauen erknüppeln muss. Tolle Detail-Inszenierung: bei der berühmten Messer-Szene legt Bishop seine Hand schweigend auf Hudsons Hand drauf – weil Bishops First Law sagt, er darf Menschen nicht verletzen, auch nicht durch Unterlassung. Diese Hand-auf-Hand-Geste schliesst Hudson auch in den „Geschützt“-Schutzkreis ein.
- Paul Reiser als Burke – der korrupte Konzern-Hurensohn von Weyland-Yutani, der Ripley und Newt mit dem Facehugger einsperrt, damit er das Alien als Biowaffe an die Firma liefern kann. Kanes Verdict: „Oberhurensohn“.
- Jenette Goldstein als Vasquez – die Smart-Gun-bewaffnete Marine-Macho-Tussi, deren „Hey Vasquez, hast du dich schon mal für einen Mann gehalten?“ – „Nein, du?“-Antwort der ikonischste Cringe-1986er-Macho-Wechsel ist.
Stan Winston übernimmt von H.R. Giger – die Alien Queen
Für Teil 2 war H.R. Giger (Designer des Original-Aliens, Schweizer Exzentriker) nicht dabei. Cameron hat ihn zwar wegen des Alien-Queen-Designs angeschrieben, dann aber zurückgezogen – angeblich aus Sorge, dass Giger schwierig zu führen wäre. Stattdessen: Stan Winston übernimmt das Effekte-Department, mit Vorgeschichte bei Blade Runner, Star Trek: The Motion Picture und Tron. Giger hat später öffentlich gesagt, dass es ihn ärgert, nicht gefragt worden zu sein.
Die Alien Queen ist allerdings absoluter Top-Tier-Practical-Effect: ein mechanisch gebautes Mistvieh in Originalgröße, das von rund 28 Leuten gleichzeitig bedient wurde. Ohren, Schwanz, Kiefer, Greifarme – alles per Seilzug und Hydraulik. Kein einziges Pixel CGI in der Reveal-Szene.
„Lass sie gefälligst in Ruhe, du Mistvieh!“ – der Power Loader-Fight
Birgers absoluter Lieblings-Moment: das Final mit dem Power Loader (Caterpillar P-5000). Newt flüchtet vor der Alien Queen, Ripley schnappt sich das gelbe Exoskelett, dreht sich, drei Schritte vor, Kamera zoomt rein, der Satz: „Get away from her, you bitch!“ – auf Deutsch der berühmt-cringe-ikonische „Lass sie gefälligst in Ruhe, du Mistvieh!“. Pure Gänsehaut.
Davor allerdings: das Bishop-wird-in-zwei-Teile-gerissen-Schock-Setpiece. Du sitzt im Happy-End-Modus, das Schiff ist gestartet, alle sind safe – da reisst die Alien Queen (die sich im Fahrwerk versteckt hat) Bishop mit ihrem Schwanz mittig auseinander. Kanes Kommentar: „Was zur verfickten Hölle soll denn jetzt das schon wieder?“
Ikonische Ausrüstung: Pulse Rifle, Smart Gun, Bewegungsmelder
Aliens hat eine Ausrüstungs-Liste etabliert, die im Sci-Fi-Action-Genre bis heute weiter zitiert wird:
- M41A Pulse Rifle mit dem ikonischen Sound – Standardwaffe der Marines, integrierter Granatwerfer, der Trigger-Sound ist immer noch unverwechselbar.
- M56 Smart Gun – die Riesenkanone mit Brustgurt-Halterung, mit der Vasquez und Drake umeinanderschwirren.
- M314 Motion Tracker – das Piepen, das schneller wird, je näher die Aliens kommen. Das Schreckens-Sound-Effekt der Reihe. Wird auch in den Alien-vs-Predator-Spielen direkt zitiert.
- Flammenwerfer – nicht zum ersten Mal im Kino, aber hier so zentral platziert, dass er als Aliens-Marker mitfährt.
Anekdote: Sigourney Weaver ist privater Waffengegnerin, hatte Cameron ursprünglich gebeten, Ripley ohne Schusswaffen zu schreiben. Cameron hat sie auf den Schiessstand mitgeschleppt, sie hatte Spass, hat zugesagt. Camerons Audio-Kommentar zum Moment: „Another liberal bites the dust.“ Sie selber hat übrigens $1 Million Gage bekommen – das war damals die Bedingung dafür, dass sie überhaupt mitmacht. Cameron hat das durchgesetzt: „Entweder Weaver oder kein Film.“
Easter Egg: Sulaco und Joseph Conrad
Das Marines-Schiff in Aliens heisst USS Sulaco. Sulaco ist der Name einer fiktiven Stadt aus Joseph Conrads Roman Nostromo (1904) – und Nostromo war wiederum der Name des Frachtschiffs aus dem ersten Alien (1979). Cameron-typische intelligente Referenz, die zwei Filme nicht nur thematisch, sondern auch literarisch verknüpft.
Practical vs CGI – warum Aliens 1986 immer noch besser aussieht als manche 2020er-Effekte
Diskussions-Tangent zwischen Kane und Birger: Practical Effects altern besser als CGI. Beleg-Beispiele:
- The Thing (1982, John Carpenter) – Practical-Effects-Meisterwerk, immer noch top. Das 2011er-Prequel (was viele für ein Remake halten) hat alles in CGI nachgereicht und sieht jetzt schlechter aus als das 30 Jahre ältere Original.
- Herr der Ringe vs. Hobbit – Sir Ian McKellen-Anekdote: am Hobbit-Set angeblich vor dem Greenscreen geweint, weil es ihm psychisch wegging, dass alles digital war. (Ob das wirklich passiert ist, ist Urban Legend, aber das Gefühl trifft.)
- Wonder Woman 1984 – die Truck-Szene mit den zwei Kindern: digitale Effekte, die schlechter aussehen als Plastikstoff aus den 90ern.
- Black Panther – die finalen Kämpfe wieder mit derart kacken CGI-Animationen, dass Kane zum Vogel kommt.
Bei Aliens dagegen: Power Loader echt gebaut, Alien Queen mechanisch, Marines-Transporter (APC) als physisches Vehikel. Praktisch alles ausser den Pulse-Rifle-Mündungsfeuer-Effekten und ein paar Raumschiff-Shots ist Practical. Sieht heute noch geil aus.
Spider-Vieh-Anekdote
Cooles Detail: Die Bewegungen der Facehugger sind nicht aus dem Nichts erfunden. Cameron hat sich von einem Spider-Spielzeug inspirieren lassen – einem Skeletor-Beigegner aus der Masters-of-the-Universe-Reihe. Hat das Ding gekauft, ans Set mitgebracht, bewegt, geschaut, wie es läuft. Die Facehugger-Animatronics-Bewegungen orientieren sich daran. Wer das Spielzeug damals nicht weggeschmissen hat, sitzt heute auf einem Sammlerstück.
Tops & Flops
Welche Szene haut Birger so um, dass er ihre Reveal-Mechanik im Detail nacherzählt – und wie genau ist seine Kindheits-Trauma-Szene dafür verantwortlich, dass er heute Alien-Fanboy ist? Welche eine Szene findet Kane so geil, dass er sie sich wünschen würde, in jedem Sci-Fi-Action-Film der 80er auch gehabt zu haben (Tipp: Auto-Sentries)? Und was ist der eine Punkt, an dem sich beide kurz quälen müssen, weil ihnen sonst nichts negatives einfällt? Tops und Flops am Schluss der Folge. Direkt anhören auf Podigee.
Triple Threat
Drei Kategorien, eine Streitfrage: Titten? Trompeten? Und zählt eigentlich ein Alien als Tier? In der Folge gibt es eine kleine philosophische Diskussion zwischen Kane und Birger über Xenomorph-Lebensformen und ob deren mehrfaches Sterben unter Maschinengewehrfeuer als „toter Tier“ im Triple-Threat-Sinne zählt. Das Endurteil: gibt’s nur in der Folge.
Verdict
Aliens ist nicht der „bessere“ Alien-Film – er ist der andere. Wo Teil 1 atmosphärischer Slow-Burn-Horror ist, ist Teil 2 voll aufgedrehter Sci-Fi-Action mit Marines, Macho-Sprache und Alien Queen. Birgers und Kanes Vergleich: „Wie Terminator 1 zu Terminator 2 – das gleiche Universum, komplett andere Filme. Beide perfekt für das, was sie sein wollen.“ Direktorische Meisterleistung von Cameron, ikonische Charaktere, ikonische Ausrüstung, ikonische Reveal-Sequenz. Pflicht für alle, die nicht nur den ersten Alien gut fanden – und gleichzeitig ein Beleg dafür, dass Sequel-Sci-Fi-Action funktioniert, ohne den Vorgänger zu kannibalisieren. Director’s Cut bevorzugen.
Box Office übrigens: $131 Mio international, $86 Mio domestic bei $18 Mio Budget. Saubere Rendite. 7 Oscar-Nominierungen, 2 Awards (Sound Effects Editing, Visual Effects). Sigourney Weavers erste Oscar-Nominierung in Best Actress – was für eine Sci-Fi-Horror-Rolle damals ein Meilenstein war.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Alien und Aliens?
Alien (1979) ist Sci-Fi-Horror mit Atmosphäre, Slow-Burn-Spannung und nur einem einzigen Alien. Aliens (1986) ist Sci-Fi-Action mit Marines, Massenballerei und einer kompletten Alien-Brut samt Königin. Beide sind ikonisch für ihr jeweiliges Genre.
Welche Aliens-Fassung sollte man schauen?
Den Director’s Cut / Special Edition (rund 154 Minuten). 16 Minuten zusätzliche Szenen, die Charaktertiefe geben (Ripleys Tochter, Auto-Sentries, Vornamen-Reveal), und die Cameron und Sigourney Weaver beide selbst bevorzugen.
Wie heißt die Alien Queen wirklich?
Im Alien-Universum technisch die Xenomorph Queen. Im Film selbst ohne Eigennamen, nur als „Queen“ oder „Alien Queen“ bezeichnet.
Wer hat Aliens designt, wenn nicht H.R. Giger?
Stan Winston Studios. Giger war beim Original-Alien (1979) Designer, war für Aliens nicht im Team. Winston nimmt die Giger-DNA aber respektvoll mit auf und addiert die Alien Queen als eigenes Design.
Was ist die Sulaco?
Das Marine-Schiff im Film. Benannt nach einer fiktiven Stadt aus Joseph Conrads Roman Nostromo (1904). Da das Schiff aus Alien (1979) Nostromo hieß, ist das eine geschickte Cameron-Verknüpfung.
Wer ist Birger?
Boarischer YouTuber, Gaming-Streamer und VLM-Wiederholungs-Gast. Alien-Fan seit Kindheitstagen (siehe Geburtstagsfeier-Trauma). Erste Folge mit ihm war VLM #34 zum ersten Alien.
Wann erscheint die nächste Birger-Folge?
Die nächste Episode mit Birger im Alien-Franchise ist Folge 123 zu Alien³ – das wird allerdings noch ein paar Folgen dauern. Bis dahin: bei Birger auf YouTube vorbeischauen.


