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Aus Geschichte wurde Legende. Legende wurde zum Mythos – und vier Jahre lang hat fast keiner mehr daran geglaubt, dass es jemals erscheinen würde. Am 18. März 2021 ist der Snyder Cut von Justice League tatsächlich auf HBO Max veröffentlicht worden – bei uns in Deutschland exklusiv über Sky. Kane hat sich vier Stunden auf der Couch festgekrallt, Korbi hat das Gleiche gemacht, und Mike glänzt – wie üblich – mit Abwesenheit (hat aber bestätigt, dass auch er in den nächsten Tagen nachzieht). Diese Folge ist die Frischvon-der-Couch-Reaction, mit allen Vergleichen zur 2017er Whedon-Version, allen Easter Eggs, allen Mustachegate-Tirade und allen Knightmare-Spekulationen.
Wie es überhaupt zum Snyder Cut kam
Kurze Geschichtsstunde: Zack Snyder hat das DC Extended Universe geprägt – Man of Steel (2013), Batman v Superman: Dawn of Justice (2016), Mitarbeit an Wonder Woman. Düster, ernst, Watchmen-Stil. Bei Justice League war er fast fertig mit seiner Schnitt-Fassung, als ihn 2017 eine Familientragödie traf: seine Tochter Autumn nahm sich das Leben. Snyder ging vom Projekt weg.
Warner Brothers wollte sowieso schon einen helleren, kürzeren Film – weniger als zwei Stunden, mehr Marvel-Vibes. Sie holten Joss Whedon (Avengers, Avengers: Age of Ultron) zur Fertigstellung. Whedon warf laut Snyder rund 90% von Snyders Aufnahmen weg, kürzte komplette Charaktere raus (Cyborg quasi reduziert, Iris West komplett weg, Darkseid komplett weg) und drehte massiv neu. Das Ergebnis war die 2017er Justice League – ein zwei Stunden langer Marvel-Verschnitt im DC-Mantel, der weder die Snyder-Fans noch die Whedon-Fans befriedigt hat.
#ReleaseTheSnyderCut: vier Jahre Fan-Bewegung
Quasi sofort nach dem 2017er Release startete die Bewegung. Eine Petition mit über 180.000 Unterschriften, der Hashtag #ReleaseTheSnyderCut ging viral, Fans haben Warner Brothers mit Briefen und Anrufen zugeschüttet. Mit den gespendeten Geldern haben sie auf der San Diego Comic-Con Werbetafeln gekauft, einen Flugzeugbanner über die Comic-Con fliegen lassen, und den Restbetrag an ein Selbstmordpräventions-Institut gespendet – im Gedenken an Autumn. Diverse Cast-Mitglieder (Ben Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa, Ciarán Hinds, Ray Fisher) haben öffentlich für den Release Druck gemacht.
Als HBO Max 2020 startete, brauchte Warner einen Streaming-Anker. Die Verhandlungen mit Snyder kamen ins Rollen: er kriegte rund $70 Millionen für Reshoots, vollständige kreative Freiheit, und am Ende eine Vier-Stunden-Fassung. Snyder selbst nahm dafür kein Honorar – er wollte nur seine Vision veröffentlicht sehen. Auch Affleck und Jared Leto haben für die Reshoots keine Gage genommen.
Snyder Cut vs. 2017er: zwei komplett verschiedene Filme
Kanes Verdict nach Direkt-Vergleich-Marathon (Man of Steel + BvS + 2017er Justice League hintereinander, dann Snyder Cut): „Das ist nicht der gleiche Film. Das hat nichts mehr mit dem 2017er zu tun. So hätte er von Anfang an sein müssen.“ Snyder hat 100% von Whedons Material aus seinem Cut gestrichen – also komplett umgekehrt zu Whedons Vorgehen 2017.
Die wichtigsten Unterschiede:
- Cyborg (Ray Fisher) ist endlich das Herz des Films, wie Snyder es immer wollte. Eigene Origin, eigene Motivation, tragender Held in der Endschlacht.
- Flash (Ezra Miller) hat eine echte Story – Vater im Knast für angeblichen Mord an seiner Mutter, Iris West als Liebesinteresse – statt nur Comic-Relief-Witzfigur.
- Batman (Affleck) ist nicht mehr der pseudo-flapsige Captain-America-Verschnitt. Die ganzen aufgesetzten One-Liner sind raus, der Charakter wirkt wieder wie ein Batman.
- Steppenwolf (Ciarán Hinds) wurde komplett neu designt – die ekelhafte Sitzei-Optik aus 2017 ist weg, jetzt ein massiver gepanzerter New God.
- Darkseid kommt überhaupt vor (in 2017 komplett gestrichen), inklusive Rückblende auf seine erste Niederlage auf der Erde.
- Antilebensformel, Mutterboxen, die mythologischen Hintergründe – alles erklärt und sinnvoll.
- R-Rating in den USA: deutlich brutaler. Bei uns FSK 12, aber spürbar härter als die familienfreundliche 2017er-Variante. Wonder Womans Bombenterror-Szene zum Beispiel: 2017 zahm, jetzt mit Blutspritzern an der Wand.
4:3 Format und 4 Stunden Laufzeit
Der Snyder Cut kommt im 4:3-Bildformat – was beim ersten Einschalten ein „what the fuck“-Moment ist. Grund: Snyder hat den Film für die IMAX-Leinwand gedreht und wollte keine einzige Bildinformation an oben/unten beschnittene 16:9-Frames verlieren. Auf normalem TV hat man also links und rechts schwarze Balken, dafür das volle vertikale Bild. Nach 10 Minuten merkst du das nicht mehr.
Laufzeit: 4 Stunden 2 Minuten. Klingt nach Sitzfleisch-Marathon, fühlt sich aber an wie zwei. Korbis Reaktion: „Es ist null langweilig. Da ist keine Sekunde zu viel drin.“ Kane: „Wie bei Herr der Ringe – die vier Stunden vergehen wie im Flug.“ Ursprünglich war Justice League sogar als Zweiteiler geplant – Justice League 1 und 2 mit jeweils zwei Stunden. Spätere Variante: vier-teilige Mini-Serie. Am Ende: ein Vier-Stunden-Block.
Mustachegate: Henry Cavills CGI-Mund
Eigene H2 wert. Henry Cavill drehte zur gleichen Zeit Mission: Impossible – Fallout und durfte dafür seinen Schnauzbart nicht abrasieren. Beim 2017er Justice League haben sie den Bart deshalb mit CGI weg-retuschiert – mit so katastrophalem Ergebnis, dass Cavills Mund aussieht „als hätte er sich den Mund von Sylvester Stallone ausgeliehen“ (Kane). In den schlimmsten Szenen sieht der Mund nicht mal richtig synchron zu den Lippen aus. Kein Wunder, dass das Ganze als Mustachegate in die Filmgeschichte eingegangen ist. Im Snyder Cut: alles ordentlich neu gemacht, Cavill hat einen Mund, alles passt.
Die wichtigste Detail-Verbesserung: „Du sprichst ja“
Im 2017er, nachdem Superman wiederbelebt wurde und mit Lois Lane zur Kent-Farm fliegt, sagt sie: „Du riechst so gut.“ Kanes Reaktion: „Der Typ ist gerade Wochen aus einem Sargeting wiederbelebt worden, der stinkt verdammt nochmal wie Scheiße. Wie soll der gut riechen?“ Im Snyder Cut: „Du sprichst ja“ – weil Superman die ganze Zeit vorher kein Wort gesagt hat. Endlich passt der Satz. Ein winziges Detail, aber ein perfektes Beispiel dafür, was Whedon kaputtgemacht und Snyder repariert hat.
Knightmare Sequence: Joker, Batman und der Schlüssel
Das große neue Setpiece am Ende des Films: die Knightmare Sequence – ein paralleles Untergangsszenario, in dem Darkseid gewonnen hat, Lois Lane gestorben ist und ein durchgedrehter Superman die Welt unterjocht. Batman, Cyborg, Mera, Flash, Deathstroke – und endlich auch wieder Jared Leto als Joker, allerdings mit komplett überarbeitetem Design: weg mit den lächerlichen Tattoos und Grills aus Suicide Squad, jetzt eine richtige Psycho-Fresse. Die Knightmare-Vision war übrigens schon in Batman v Superman angedeutet (Kane vermutet: keine reine Traumsequenz, sondern Batman hat tatsächlich was gesehen).
Die Schlüssel-Erkenntnis aus der Sequenz: „Lois Lane is the key“ – sie ist sowohl der Anker für den Superman dieser Welt, als auch potenziell der Trigger für das Knightmare-Universum. Setup für eine eventuelle Fortsetzung – wenn sie denn kommt.
Easter Eggs für Hardcore-Fans
- Object 6-1-9-82 – die Mutterbox-Bezeichnung, aus der Cyborg entstanden ist. Das Datum referenziert Tales of the New Teen Titans – die Comic-Reihe, in der Cyborgs Origin erstmals erzählt wurde, veröffentlicht im Juni 1982.
- Grodd-Anspielung – als Batman den Flash rekrutiert und nach seinen Fähigkeiten fragt, sagt Flash, er kann „Zeichensprache, vor allem Gorilla-Zeichensprache“. Wink zu Gorilla Grodd, einem klassischen Flash-Comic-Bösewicht.
- Martian Manhunter – endlich im DCEU. Harry Lennix als General Swanwick, der seit Man of Steel dabei ist, outet sich. Konfrontiert sich mit Bruce Wayne und bietet seine Hilfe an.
- Ryan Choi / The Atom – der asiatische Forscher (gespielt von Ryan Zheng), der zum Schluss mit Nano-Tech am Mutterbox-Schiff arbeitet, ist eine Reinkarnation von Item / The Atom – ein weiteres Justice-League-Mitglied im Aufbau.
- Anti-Life Equation – die Gleichung, mit der Darkseid die Existenz selbst unterjochen kann. Mythologisches DC-Konzept, das jetzt im Filmuniversum etabliert ist.
„Hat Justice League von Endgame abgeschaut?“ – nein
Häufiger Vorwurf in den Online-Kommentaren: das Flash-Time-Skip-Finale wäre bei Avengers: Endgame (2019) abgeguckt. Kanes klare Antwort: „Nein. Die Geschichte von Justice League ist 2017 schon entstanden. Endgame kam 2019. Wenn überhaupt, hat Endgame sich von Snyders ursprünglicher Idee inspirieren lassen – aber wahrscheinlich ist es einfach Konvergenz.“
Was bringt die Zukunft? Snyderverse 2?
Der Film endet mit so vielen offenen Fäden, dass es nach mehr schreit: Knightmare-Setting nicht aufgelöst, Anti-Life-Equation nur angedeutet, Darkseid noch nicht besiegt, Martian Manhunter gerade vorgestellt. Snyder selbst hat in Interviews gesagt: „Das ist meine letzte Arbeit für DC – aber wenn HBO Max Plattform und Geld bereitstellt, mache ich weiter.“
Aktuelle Hashtag-Bewegung: #RestoreTheSnyderverse. Aber: Affleck ist als Batman raus (Robert Pattinson kommt mit The Batman), Ray Fisher hat mit Warner Brothers krass gestritten (Whedon-Set-Skandal, Fisher hat öffentlich gemacht, wie übel Whedon das Set behandelt haben soll), und der nächste DC-Film ist The Flash mit dem Flashpoint-Storyline – inklusive Affleck UND Michael Keaton als Batman zurück. Multiverse-Mechanik als sauberer Übergang. Stand jetzt: alles ist möglich, nichts ist garantiert.
Tops & Flops
Welche Verbesserung am Snyder Cut feiert Korbi am stärksten – und welche eine Sache hat ihn so zum Lachen gebracht, dass er den Moment trotz Dramatik nicht ernstnehmen konnte (Tipp: es geht um eine Geh-Geschwindigkeit eines bestimmten New God)? Was bei Kane das absolute Highlight ist (Tipp: hat mit der Fan-Bewegung zu tun) – und welche eine Sache stört ihn am Film tatsächlich? Tops und Flops am Schluss der Folge. Folge auf Steady freischalten und reinhören.
Triple Threat
Vier Stunden Laufzeit. Drei Triple-Threat-Kategorien: Titten? Trompeten? Tiere? Spoiler vorab: Genau eine Kategorie liefert – und es ist nicht die, auf die ihr hofft. Überraschende Schauwerte aus dem Tierreich. Die genaue Zuordnung gibt’s nur in der Folge.
Verdict
Der Snyder Cut ist nicht nochmal derselbe Film. Es ist ein komplett anderer Film – mit der Vision, die DC von Anfang an hatte und die durch Studio-Politik fast zerstört wurde. Cyborg ist endlich der Charakter, der er sein sollte. Flash hat eine echte Origin. Batman ist wieder Batman. Steppenwolf macht Sinn. Darkseid ist auf der Karte. Vier Stunden, die sich anfühlen wie zwei. Fans der DC-Linie aus Man of Steel und Batman v Superman: absolute Pflichtsehung. Allen anderen: gebt’s ihm einen Versuch, auch wenn ihr 2017 enttäuscht wart – das ist nicht derselbe Film.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Snyder Cut?
Der Snyder Cut – offiziell Zack Snyder’s Justice League – ist die ursprüngliche Director’s-Cut-Fassung des 2017er Justice-League-Films. Vier Stunden lang, im 4:3-Format gedreht, mit komplett anderen Charakter-Entwicklungen, Steppenwolf neu designt, Darkseid drin und Cyborg als Herz der Geschichte. Veröffentlicht am 18. März 2021 auf HBO Max (USA), bei uns auf Sky.
Warum gibt es zwei Versionen von Justice League?
Snyder ist 2017 wegen einer Familientragödie (Selbstmord seiner Tochter Autumn) vom Projekt zurückgetreten. Joss Whedon übernahm und verkürzte den Film auf zwei Stunden mit kompletter Tonart-Änderung. Die Snyder-Fans haben vier Jahre lang #ReleaseTheSnyderCut gepusht – mit Erfolg.
Wie lange ist der Snyder Cut?
4 Stunden 2 Minuten. Aufgeteilt in sechs Kapitel plus Epilog. Klingt viel, fühlt sich nicht so an.
Wo kann man den Snyder Cut schauen?
In Deutschland aktuell (Stand März 2021) auf Sky und Sky Ticket. International auf HBO Max und je nach Region anderen Plattformen.
Was ist Mustachegate?
Henry Cavill hatte beim 2017er Justice League Reshoots Drehverbot für Bartrasur (wegen Mission: Impossible – Fallout). Sein Schnauzbart wurde mit CGI weg-retuschiert – mit verheerend schlechtem Ergebnis. Im Snyder Cut: alles ordentlich neu gefilmt, kein CGI-Mund.
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