Kane und Korbi reden in dieser Folge über Guns Akimbo (2019) – die durchgeknallte Action-Komödie von Death-Gasm-Regisseur Jason Lei Howden, in der sich Daniel Radcliffe im Bademantel und mit Plüsch-Tatzenhausschuhen durch die Stadt ballert. Der Film war im Transkript schon mal Thema bei Kanes schriftlicher Filmkritik – die Leoine-Crew (so wirds dann doch ausgesprochen, sagt Kane) hat ein Review-Exemplar geschickt. Jetzt läuft die Blu-ray nach WandaVision nochmal durch. Verdict vorab: „Der Film schepert in einer Tour, ist kompromisslos, lustig und macht einfach Spaß.“
Worum geht’s? Skizm, Schwanz und Schwellschmerz
Miles (Daniel Radcliffe) ist Programmierer einer drittklassigen Online-Spiel-Bude und nebenbei professioneller Internet-Troll – sein Lebensinhalt: Trolle trollen. Eines Abends gerät er auf die Seite von Skizm, einem illegalen Live-Stream-Spiel, bei dem zufällige Zivilisten gegeneinander kämpfen und sich gegenseitig durch die Stadt jagen. Miles macht den Fehler, in den Kommentaren gegen die Skizm-Macher zu maulen – und genau das war ein bisschen unklug: Riktor (Ned Dennehy), der Skizm-Veranstalter, lässt ihn entführen. Miles wacht auf mit zwei festgeschraubten Pistolen an den Händen und der freundlichen Aufgabe: Innerhalb von 24 Stunden die amtierende Skizm-Champion Nix (Samara Weaving) abknallen. Zwei kleine Probleme: Miles ist Pazifist, Vegetarier und kann nicht mal sein Handy bedienen mit den Knarren an den Händen – und Nix ist eine durchgekokste Killermaschine, die ihn auch wirklich gerne erschießen würde. Daraus entspinnt sich eine eineinhalbstündige Verfolgungsjagd quer durch die Stadt.
Crank-DNA und Death-Gasm-Idiotenhumor
Stilistisch ist Guns Akimbo der direkte Cousin von Crank und Shoot ‚Em Up: 10 Minuten zynisch-satirisches Intro über die Internet-Hate-Generation, dann Vollgas-Action ohne Pause. Howdens Vorgänger Death Gasm (2015) hat schon den gleichen Idiotenhumor angeheizt – wer den geliebt hat, ist hier zu Hause. Howden hat übrigens vor seiner Regie-Karriere bei den Special Effects der Hobbit-Trilogie mitgemischt. Der angekündigte zweite Teil von Death Gasm hat Berichten nach den Arbeitstitel Gorgasm getragen – wann der wirklich kommt, steht in den Sternen.
Daniel Radcliffe ist nicht Harry Potter
Kane macht eine Grundsatzansage: „Es gibt nichts Dümmeres, als einen Schauspieler immer auf die eine Rolle zu reduzieren.“ Radcliffe hat sich seit Hogwarts mit Imperium, Swiss Army Man, Jungle und Die Frau in Schwarz einen Rang als Genre-Schwerarbeiter erarbeitet – und Guns Akimbo ist sein bislang absurdester Auftritt. Das ikonische Bild aus dem Marketing: Radcliffe in Bademantel und Boxershorts, mit irrem Blick und seinen unfassbaren Plüsch-Tatzen-Hausschuhen, zwei Pistolen an den Händen festgeschraubt. Korbi überlegt ernsthaft, sich die Hausschuhe nachzukaufen. Kane: „Hat es nicht sogar ein Cosplay von mir? Ja, hat es. Schaut auf unsere Website oder Instagram.“ Schade nur, dass Radcliffe ab dem Mittelteil dann doch eine richtige Hose anzieht – das war Kanes einziger Pseudo-Kritikpunkt.
Samara Weaving ist Nix
Nix – die durchgekokste, knallharte Skizm-Champion mit der herzförmigen Sonnenbrille. Samara Weaving (Ready or Not, The Babysitter) liefert eine ihrer geilsten Performances ab und ist gerade in der Minigun-Szene auf dem Schrottplatz ein einziger Spaßtrip. Auch Korbis Frau und Kanes Freundin haben den Film mitgeschaut und beide haben Nix sofort als Lieblingsfigur abgespeichert. Nebenbei: Weaving lief am Set angeblich auch nach Drehschluss noch im vollen Nix-Outfit rum – und wurde regelmäßig in Diners weggeschickt, weil das die anderen Gäste verstört hat.
Soundtrack: Sweet, Cypress Hill und ein Sweet-Earworm
Die musikalische Unterlegung ist tatsächlich Drittel-Held des Films. Der berühmte Ballroom Blitz von Sweet (in einer schnelleren, wilderen Variante) überzieht Nix‘ Massaker-Auftritt im Anfang – und kombiniert mit Slowmo-Kamerafahrten und Zähnen, die durchs Bild fliegen, ist das pures Kino-Hochgefühl. Später wird’s klassisch Cypress Hill. Natürliche Assoziation, die Kane und Korbi aufrufen: die Kingsman-Kirchen-Szene mit Free Bird von Lynyrd Skynyrd. Wer die Kingsman-Szene auf der Blu-ray hat, sollte übrigens vorher checken: Es gibt zensierte Versionen, in denen genau diese Szene und der Hintern-Shot am Ende rausgeschnitten sind.
Geile Nebenfiguren und der KFC-Köffel-Witz
Der ganze Cast tropft vor überzogenen Figuren. Der Riktor (Ned Dennehy) sieht aus, „als hätten sich drei Zweijährige mit dem Malkasten in seinem Gesicht ausgetobt“. Der gerade aufgetauchte Fuckface ist ein einziger Lacher. Der Afro-Typ mit dem Death Squad, der ohne mit der Wimper zu zucken seinen Finger in Schussverletzungen bohrt. Und natürlich der absolute Halal-Moment: Hadley (Milo Cawthorne) – der Hauptdarsteller aus Death Gasm als Miles‘ Kumpel, viel zu kurz und zu wenig auf der Leinwand. Plus der KFC-Köffel-Witz mit den Gangstern in der Imbissbude und ihren Grills, durch die man kein Wort versteht: „Ist das einer von euch? Nein, ist das einer von euch? Ach komm, kannst du mich auf Kreis legen?“ Ihre Schlüsselerkenntnis aus dem Film: Bring nie einen Köffel zu einer Schießerei mit.
Box Office vs. Kino-Premiere in Deutschland
Guns Akimbo hatte seine Weltpremiere am 9. September 2019 beim Toronto International Film Festival. Der eigentliche Kinostart in Deutschland war für 2020 angepeilt – aber dank Corona ist der Film hierzulande praktisch nie auf der großen Leinwand gelandet. Box-Office-technisch ein Desaster: Bei einem Budget von ca. 15 Mio. US-Dollar hat der Film weltweit nur knapp 1 Mio. US-Dollar wieder eingespielt. Für Kane und Korbi ein großer Verlust: Im Kino wäre das ein Geheimtipp-Hit erster Klasse gewesen, der über Mund-zu-Mund-Propaganda mehrfach im Cineplex hätte landen sollen.
FSK und zensierte Versionen
Achtung beim Filmkauf: Die deutsche Kino-Fassung wurde laut IMDb um etwa 1 Minute gekürzt, um eine Freigabe ab 16 zu kriegen. Wer den ungeschnittenen Film mit voller Schussbrutalität will, sollte die Fassung prüfen – es gibt mehrere Versionen am Markt. Brutalitäts-Level allgemein: Ja, der Film ist blutig und mit reichlich Sackschuss-Humor (laut Nix angeblich „für das Allgemeinwohl“), aber er geht nicht ins Splatter-Splitter-Lager. Überzeichnete blutige Headshots, ab und zu fliegt mal ein Finger – das war’s. Wer mit pechschwarzem Humor klarkommt, kommt hier easy durch.
Tops & Flops
Was findet Kane an dem Film so geil, dass er von einer „richtig wahren Abrechnung mit der Internet-Hate-Generation“ spricht? Welche Performance treibt Korbi und Korbis Frau gleichermaßen aus dem Sessel? Und warum ist die Tatsache, dass Radcliffe nicht den ganzen Film im Bademantel-Outfit unterwegs ist, der einzige (Pseudo-)Flop, den Kane finden kann? Korbis Top, Korbis Flop, Kanes Top und Kanes ganz spezieller Flop – wie immer am Schluss der Folge. Direkt anhören auf Podigee.
Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere
Der VLM-Triple-Threat-Check, wie immer am Ende der Folge. Bei einem Action-Spektakel mit zwei Pistolen-Hauptdarstellern, einem Cast voll überzeichneter Figuren und einer durchschossenen Stadt würde man ja eigentlich einen vollen Dreierpack erwarten. Aber: Diese Folge bringt eine der seltensten und unerwartetsten Triple-Threat-Konstellationen, die wir bisher hatten – und das einzige Häkchen, das gesetzt wird, kommt aus einer Richtung, mit der niemand rechnet. Hint: Hat was mit dem ehemaligen Hogwarts-Schüler und einer Pinkelpause zu tun. Das genaue Ergebnis und die volle Begründung gibt’s wie immer in der Folge selbst.
Verdict
Guns Akimbo ist Samstagabend-Bier-Party-Kino in seiner reinen Form: knackige eineinhalb Stunden, kein Durchhänger, geile Soundtrack-Auswahl, ein Daniel Radcliffe in absoluter Spiellaune und eine Samara Weaving in Bestform. Kompromissloser Spaß, scharfe Internet-Satire im Vorspann, und nach dem Abspann das dringende Bedürfnis, sich Tatzen-Hausschuhe zuzulegen. Klare Schau-Empfehlung von Kane und Korbi – und wenn ihr Death Gasm mochtet, dann sowieso. Hoffen wir auf grünes Licht für Guns Akimbo 2 – das End-Türchen hat Howden ja schon offengelassen.
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Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Guns Akimbo?
Programmierer Miles (Daniel Radcliffe) trollt im Internet die falsche Crew – die illegale Skizm-Live-Stream-Liga. Sie entführen ihn, schrauben ihm zwei Pistolen an die Hände fest und zwingen ihn in einen 24-Stunden-Todeskampf gegen die amtierende Champion Nix (Samara Weaving). Action-Kompödie im Crank– und Shoot ‚Em Up-Stil mit pechschwarzem Internet-Humor.
Wer ist der Regisseur?
Jason Lei Howden – Neuseeländer, der vorher Death Gasm (2015) gemacht hat und davor bei den Special Effects der Hobbit-Trilogie mitgearbeitet hat. Wer Death Gasm kennt, weiß, was für Idiotenhumor-Niveau hier liegt.
Wann und wo ist Guns Akimbo erschienen?
Weltpremiere am 9. September 2019 beim Toronto International Film Festival. Internationaler Kinostart war für Anfang 2020 geplant – dank Corona ist er in Deutschland praktisch nie ins Kino gekommen. Heute auf Blu-ray und bei diversen Streaming-Anbietern verfügbar.
Welche FSK hat der Film?
Die deutsche Kinofassung wurde um etwa eine Minute gekürzt, um eine FSK-16-Freigabe zu kriegen. Es existieren mehrere Versionen am Markt – wer den vollständigen Schnitt will, sollte vor dem Kauf prüfen.
Wer gehört zum Cast?
Daniel Radcliffe als Miles, Samara Weaving als Nix, Ned Dennehy als Riktor (der irre Skizm-Boss), Natasha Liu Bordizzo als Nova (Miles‘ Ex), Milo Cawthorne (der Hauptdarsteller aus Death Gasm) als Hadley, plus Rhys Darby als Glenjamin.
Wie schneidet der Film im VLM-Triple-Threat-Check ab?
Eine seltene und unerwartete Konstellation – nur ein Häkchen wird gesetzt, und das Setup hat man so im Action-Genre noch nicht oft gesehen. Welches der drei Häkchen erfahrt ihr in der Folge.
Gibt es einen Guns Akimbo 2?
Stand 2021 nicht offiziell bestätigt, aber Howden hat das Ende offen genug gestaltet, dass eine Fortsetzung möglich wäre. Box-Office-technisch hat der Film aber bei rund 1 Mio. USD Einspielergebnis bei 15 Mio. USD Budget keine guten Karten.


