Die Erlösung der Fanny Lye (2019): Folk-Horror mit Charles Dance

Kane – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKane
Korbi – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKorbi

Das Münchner Mediabook-Label à la mode hat Kane und Korbi einen Screener von Die Erlösung der Fanny Lye geschickt – und gleichzeitig die VLM-Premiere mit Webcam ausgelöst. Kane hat seine Cam aus Gründen abgeklebt, Korbi sitzt offen vor der Linse, was Kane zu mehreren „Mahnungen“ im Verlauf der Folge inspiriert. Anlass: Thomas Clays Folk-Horror-Period-Piece Fanny Lye Deliver’d von 2019 erscheint am 19. Februar 2021 als deutsche Blu-ray, ungeschnittene Kinofassung mit FSK 18. In der Hauptrolle: Charles Dance, den die meisten als Tywin Lannister kennen. Ergebnis nach 1 Stunde 52 Minuten: zwiespältig.

Plot: Bauernhof, Bibel, zwei nackerte Hippies

Shropshire, 1657, mitten im Cromwell-Protektorat. Kriegsveteran John Lye (Charles Dance) lebt mit seiner deutlich jüngeren Frau Fanny (in der Folgen-Sprache: „die Oid Fani“, gespielt von Maxine Peake) und Sohn Arthur unter strengsten puritanischen Verhältnissen auf einem abgelegenen Hof. Während die Familie in der Kirche ist, brechen zwei Nackte ein – Thomas (Freddie Fox) und Rebecca (Tanya Reynolds). Sie behaupten, vor Banditen geflüchtet zu sein, und bleiben. Bald stellt sich heraus: gewaltbereite Hippies, freie Liebe, unorthodoxe Religionsauffassung. Wenn dann auch noch der High Sheriff (Peter McDonald) aufkreuzt, eskaliert das Ganze zur Splatter-Konfrontation. Mehr verraten Kane und Korbi nicht – weil der Film, in Korbis Worten, „nicht so wendungsreich ist, dass es das Hirn reißt, wenn du es vorher weißt“, aber ein paar Twists hat er trotzdem verdient.

Charles Dance: Filmsau mit Bildpräsenz, deutsche Synchro leider sau

Für Kane ist Dance der Anker des Films. Allein dass er einen Besen anschaut, reicht, um Angst zu kriegen – puritanische Strenge wie aus dem Lehrbuch, gepaart mit einem zeigefingerdicken Stock, mit dem John seine Familie erzieht (kein Phallus-Witz, ausnahmsweise). Beide Hosts sind sich auch gleichzeitig einig: Charles Dance ist mittlerweile eine offizielle Filmsau, die in fast jeder Produktion mitspielt. Korbi und Kane sagen das Wort sogar synchron – „cute moment“ inklusive. Die Liste sprengt jeden Lebenslauf: Tywin Lannister in Game of Thrones, Mr. Benedict in Last Action Hero, demnächst Roderick Burgess in Netflix‘ The Sandman-Serie. Korbi hat aber einen klaren Kritikpunkt: Die deutsche Synchronstimme von Dance ist hier nicht seine Game-of-Thrones-Stimme, sondern klingt nach Statist. Wer Tywin Lannisters markante Stimme erwartet, sollte zur Originalfassung greifen. Bonus-Beobachtung: Thomas trägt einen perfekt getrennten Drei-Tage-Bart wie ein Indie-Coffeeshop-Barista – das passt 0,0 ins Setting von 1657.

Vibe: Folk-Horror trifft Pacing-Problem

Visuell zielt Regisseur Thomas Clay klar auf den 60er/70er-Folk-Horror-Look à la Hexen bis aufs Blut gequält (1971). Wenn man darauf einsteigt, sind Setting, Kostüme und die handgemachten Effekte (zwei knackige Splatter-Momente – ohne sie wäre die FSK-18-Freigabe nicht zu erklären) richtig stark. Wenn nicht, wirkt der Look billig. Beide sind sich aber einig: Der Film ist zu lang. Eineinhalb Stunden hätten genügt, um die puritanische Tyrannei und das Aufeinanderprallen der Weltbilder zu erzählen. Drei Viertelstunden Bauernhof-Alltag plus eine fünfminütige Kornbehälter-Wurfszene tragen weder zur Figurenentwicklung noch zur Story bei. Tipp von Korbi mit Augenzwinkern: einfach nach 45 Minuten einsteigen.

Extended Cut: Hübsch wär’s gewesen

Es existiert ein Extended Cut, der laut Schnittberichten als deutlich stärkere Fassung gilt. Für den deutschen Blu-ray-Release wurde allerdings die kürzere Kinofassung verwendet – ungeschnitten, aber eben in der kompakteren Variante. Falls der Extended Cut später doch noch hierzulande aufschlägt, kündigen Kane und Korbi ein Folge-Update an – vielleicht sogar mit Mike, der „bestimmt eine ganz andere Interpretation rauszieht“.

FSK-Logik bleibt mysteriös

Ohne die zwei Splatter-Momente wäre eine 16er-Freigabe drin gewesen – da sind sich beide einig. Mit ihnen ist es FSK 18. Kane echauffiert sich über FSK-Entscheidungen, die er noch nie verstanden hat: andere Filme mit drastischeren Szenen kriegen 16er, hier reichen ein Headshot und (off-screen) ausgestochene Augen für 18. Der Verdacht: Vielleicht ist es einfach die Nacktheit, die das Prüfgremium stört. „In Amerika ist es das Nacktheitsproblem, bei uns das Gewaltproblem“ – ein laufender FSK-Joke der Folge.

Tops & Flops

Korbis Top: Charles Dance auf Englisch ist mega, der Folk-Horror-Vibe geht klar für einen entspannten Sonntagvormittag. Korbis Flop: Die deutsche Synchronstimme von Dance ist eine Zumutung und macht den Film auf Deutsch madig. Kanes Top: Wenn das 60er/70er-Folk-Horror-Flair gewollt ist, sieht das Setting echt geil aus, plus Dances unfassbare Bildpräsenz. Kanes Flop: Der Film ist 1 Stunde 52 lang und hätte als knackige eineinhalb Stunden deutlich besser funktioniert.

Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere

Wie immer am Ende der Folge der VLM-Triple-Threat-Check:

  • Titten: Ja!
  • Trompeten: Ja!
  • Tote Tiere: Ja!

Volles Brett, alle drei Häkchen gesetzt. Nach VLM-Logik damit „saugeil, voll geil“.

Verdict

Für einen ruhigen Sonntagvormittag mit Sport-Begleitung (Korbis tatsächlicher Anschau-Modus): geht klar. Wer auf Folk-Horror-Atmosphäre mit puritanischer Strenge steht und Charles Dance auf Englisch hört, holt das meiste raus. Wer Tempo und straffe Inszenierung erwartet, wird vom Pacing zermatscht. Klares Empfehlungsschild für Genre-Fans, vorsichtige Empfehlung für alle anderen – und Daumen hoch für à la mode wegen des Screeners.

🎧 Jetzt auf Podigee anhören | Spotify | Apple Podcasts | YouTube

💪 Unterstützt uns auf Steady – für exklusive Folgen und früheren Zugang!

Eine kurze Bitte zum Schluss

Wenn euch die Folge gefallen hat, schenkt uns eine Minute auf Apple Podcasts und hinterlasst eine Bewertung. Jede Sternchen-Vergabe hilft uns enorm, neue Hörerinnen und Hörer zu erreichen. Vielen Dank!

Mehr Folk-Horror und Genre-Kino bei VLM

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Die Erlösung der Fanny Lye?

Shropshire, England 1657: Der puritanische Kriegsveteran John Lye (Charles Dance) lebt mit seiner Frau Fanny (Maxine Peake) und Sohn Arthur auf einem einsamen Bauernhof. Zwei nackte Eindringlinge – Thomas und Rebecca – nisten sich ein und stellen die strenge Glaubensordnung der Familie auf den Kopf. Folk-Horror-Period-Piece mit langsamer Eskalation Richtung Splatter-Showdown.

Wer spielt mit?

Charles Dance (Tywin Lannister in Game of Thrones, Mr. Benedict in Last Action Hero, Roderick Burgess in Netflix‘ The Sandman) spielt John Lye, Maxine Peake spielt Fanny Lye. Freddie Fox und Tanya Reynolds geben die zwei Eindringlinge Thomas Ashbury und Rebecca Henshaw, Peter McDonald den High Sheriff. Regie und Drehbuch: Thomas Clay.

Wer ist Regisseur Thomas Clay?

Britischer Filmemacher, dessen Erstling Soi Cowboy 2008 erschien. Fanny Lye Deliver’d ist sein zweiter Spielfilm – er hat zehn Jahre an der Entwicklung gesessen und nicht nur Regie geführt, sondern auch Drehbuch, Schnitt und Filmmusik selbst übernommen. Premiere war im Oktober 2019 beim London Film Festival.

Wann erscheint der Film in Deutschland?

Am 19. Februar 2021 veröffentlicht das Münchner Label à la mode die deutsche Blu-ray. Es handelt sich um die ungeschnittene Kinofassung mit FSK 18.

Gibt es einen Extended Cut?

Ja, ein Extended Cut von Regisseur Thomas Clay existiert und gilt als die deutlich stärkere Fassung. Für den deutschen Blu-ray-Release wurde allerdings die kürzere Kinofassung verwendet. Sollte der Extended Cut später hierzulande erscheinen, planen Kane und Korbi ein Folge-Update.

Warum ist der Film FSK 18?

Wegen zwei knackigen Splatter-Momenten in der finalen Eskalation – darunter ein Headshot und (off-screen) ausgestochene Augen. Beide Hosts sind sich einig: Mit reduzierter Darstellung wäre eine 16er-Freigabe drin gewesen.

Wie fällt das Triple-Threat-Verdikt aus?

Alle drei VLM-Pflichtkriterien erfüllt: Titten (durch die Prämisse der Eindringlinge), Trompeten (kurzer Schwengel-Cameo) und tote Tiere (gegrilltes Schwein am Feuer). Nach VLM-Logik damit „saugeil“.

Nach oben scrollen
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner