Kane und Korbi nehmen sich Wonder Woman 1984 vor — und tun das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil endlich ein neuer DC-Superheldenfilm zum Besprechen da ist. Weinend, weil der Lockdown den Kinosaal verschlossen hält und Sky den Film auf Sky Ticket in einer Bildqualität ausspielt, die optisch genauso 1984 wirkt wie der Titel verspricht. Beide einig: sobald die Kinos wieder offen sind, wird nochmal nachgelegt — wahrscheinlich mit einem Bildausgleich nach den ersten Augenkrebs-Symptomen.
Folge aus Februar 2021: Aufgenommen mitten im zweiten Lockdown. Kane und Korbi mussten den Film nach US-Kinostart 25.12.2020 als Sky-Ticket-Stream gucken — Mike war diesmal nicht dabei. Die Bildqualität-Kritik richtet sich entsprechend gegen Sky, nicht gegen den Film selbst. Dass DC-Filme insgesamt am Marvel-Erfolg vorbei agieren, war 2021 noch laufende Diskussion — der angekündigte Wonder Woman 3 wurde Ende 2022 dann tatsächlich gestrichen.
Die Story: Wunschstein, 80er-Setting und drei Charakterbögen
1984. Gal Gadot als Diana Prince arbeitet als Anthropologin im Smithsonian, rettet nebenher kleine Mädchen und verprügelt böse Menschen. Im Museum landet ein antiker Wunschstein, der seinen Besitzern erfüllt, was sie sich am meisten wünschen — mit teurem Preis im Kleingedruckten. Diana wünscht sich ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Steve Trevor (Chris Pine) zurück. Ihre tollpatschige Kollegin Barbara Minerva (Kristen Wiig) wünscht sich Coolness wie Wonder Woman. Und der Geschäftsmann Maxwell Lord (Pedro Pascal) wünscht sich, selbst der Stein zu sein — und kann ab jetzt Wünsche erfüllen, dafür aber Lebenskraft kassieren.
Was funktioniert
Pedro Pascal als Maxwell Lord
Klares Highlight für Kane und Korbi: Pascal trägt den Film in jeder seiner Szenen. Maxwell Lord ist Versager-Geschäftsmann, der seinen Sohn enttäuscht und sich auf drei bringt — und dann zufällig die Macht bekommt, Wünsche zu erfüllen. Pascal bleibt bei aller Eskalation Mensch, kein klassischer DC-Bösewicht im Donnerumhang. Jedes Auftritts-Grinsen sitzt. Auch die Eltern-Kind-Szene am Ende mit Maxwells Sohn ist der emotionale Treffer der Folge — beide Hosts geben das offen zu.
Diana und Steve als Leinwand-Pärchen
Gadot und Pine sind 2017 schon perfekt aufeinander eingegroovt gewesen, hier funktioniert das Pärchen wieder. Die Chemie trägt selbst dann, wenn die Handlung gerade nichts liefert — und das ist über zweieinhalb Stunden öfter der Fall, als dem Film guttut. Aber wann immer die beiden zusammen im Bild sind, hat man das Gefühl: ja, das ist das, wofür man hierher gekommen ist.
Lynda-Carter-Cameo in der Mid-Credit-Scene
Der schönste Fan-Service: Lynda Carter — Wonder Woman aus der TV-Serie 1975-79 — taucht in der Mid-Credit-Scene als Asteria auf. Im Hauptfilm wird der Name kurz erwähnt (sie soll als Erste die goldene Rüstung getragen haben, die Diana später aufsetzt). Cooles Easter Egg, könnte für einen dritten Teil eine richtige Rolle bedeuten.
Was nicht funktioniert
Über zwei Stunden für eine simple Geschichte
Die Wunschstein-Prämisse ist nach 30 Minuten erklärt — der Rest sind Charakter-Schleifen, die man auch in 90 Minuten erledigt hätte. Patty Jenkins wollte weg vom reinen Action-Geballer des ersten Teils und mehr Zeit für Diana, Steve, Maxwell und Barbara nehmen — die Idee an sich ist legitim. Nur bleibt die Charakter-Arbeit am Ende oberflächlich, sodass man zwar lange dabei ist, aber nicht tief: das Schlimmste aus beiden Welten.
Effekte mit Playstation-1-Charme
Bei dem Budget hätte man bessere CGI-Arbeit erwartet. Der Lasso-Schwung im Eröffnungs-Wettkampf, die Ägypten-Sequenz mit den geretteten Kindern, später die Cheetah-Animation — alles wirkt in unterschiedlichem Maß steif, klobig, zu glatt. Kane vermutet, jemand hat die Effekte mit dem Taschenrechner gemacht. Bei einem DC-Tentpole-Film 2020 ist das schwer zu ertragen.
Das 80er-Setting bleibt Kulisse
1984 als Jahreszahl klebt am Titel, aber das Jahrzehnt selbst kommt überraschend wenig durch. Stranger Things zeigt seit Jahren, wie groß man die 80er-Welle reiten kann — Wonder Woman 1984 streift sie nur in Mode und Kaufhaus-Szenen. Die Musik nutzt das Potenzial gar nicht. Kein Cyndi Lauper, kein Genesis, keine ikonischen Synth-Songs. Schade — 80er-Mucke funktioniert immer und überall.
Kristen Wiigs Cheetah verheizt
Barbara Minerva ist im Comic-Kanon eine der ikonischen Wonder-Woman-Gegnerinnen. Im Film bekommt Wiig eine schöne Charakter-Aufbau-Phase und eine Fitnessstudio-Szene mit toller 80er-Optik — und dann etwa 25 Minuten Screentime als Cheetah, die mit Stromschlag aus der Steckdose erledigt werden. Hoffnung für Wonder Woman 3: Barbara hat ihren Wunsch nicht widerrufen, könnte also zurückkommen.
Steve Trevors Rückkehr im fremden Körper
Heikles Thema: Steve kommt nicht in seinem alten Körper zurück, sondern übernimmt einen Lebenden — den nur Diana als Steve sieht. Sie haben Sex. Online wird daraus eine Vergewaltigungs-Diskussion gemacht. Kane sieht das anders (Steve hat sich ja nicht beschwert), aber beide stimmen darin überein: dass der Film das ethische Problem nicht selbst aufgreift, ist die größere Schwäche. Diana muss am Ende ihren Wunsch widerrufen — dass damit ein Unschuldiger sein Leben verloren hätte, ist im Subtext da, wird aber nicht durchdekliniert.
DC im Vergleich zu Marvel
Korbi schaut gerne MCU-Filme — selbst die schwächeren landen für ihn im „guter Abend“-Bereich. DC fängt ihn dagegen nur stellenweise: Wonder Woman 1984 fühlt sich an wie eine Pflichtaufgabe statt wie ein Anlass. Kane sortiert die DC-Reihe differenzierter ein. Vollgurken: der erste Suicide Squad und jetzt Wonder Woman 1984. Zweischneidig: Justice League. Stark: Man of Steel, Batman v Superman, der erste Wonder Woman, Aquaman. Birds of Prey läuft bei ihm als unterhaltsamer Trash mit Deadpool-Niveau. Die Diagnose beider: bei Warner Bros. wird zu viel reingeredet — und das merkt man den Filmen an.
Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere
Der VLM-Triple-Threat-Check für Wonder Woman 1984:
- Titten: Nein!
- Trompeten: Nein!
- Tote Tiere: Nein!
Kompletter Schneider in einem zweieinhalbstündigen Film. Dass nicht mal eine einzige Tier-Szene drin ist, ist eigentlich die größere Sensation. Patty, was ist los?
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Weitere VLM-Episoden zum Thema
- #50 – WandaVision & MCU Phase 4 – Marvel-Pendant: Kane und Korbi steigen in die Disney-Plus-Marvel-Welt ein.
- #54 – Nippelverhärter 2021: Filme, Serien und Spiele zum Hypen – Vorschau auf das Filmjahr 2021, in das WW84 fällt.
- #52 – Der Leuchtturm: Robert Eggers‘ Schwarz-Weiß-Wahnsinn – aus der gleichen Phase, Stream statt Kino.
- #53 – Barbarella: Roger Vadims Sci-Fi-Camp mit Jane Fonda – mit Mike statt Kane, gleicher Sky-Stream-Workflow.
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FAQ zur Folge
Wer hostet diese Folge?
Kane und Korbi. Mike ist diesmal nicht dabei, weil die Folge ein spontanes Sky-Ticket-Stream-Review wurde, nachdem Sky die Wonder-Woman-1984-Rechte für Februar 2021 übernommen hatte.
Warum Sky-Ticket statt Kino?
Lockdown-Realität Februar 2021: deutsche Kinos zu, Wonder Woman 1984 zog daraufhin auf Sky Premium. Korbi und Kane besprechen den Film entsprechend in der Stream-Version — ihr Versprechen: bei Kinowiedereröffnung wird der Film nochmal auf der großen Leinwand nachgelegt.
Welche IMDb-Bewertung hat Wonder Woman 1984 heute?
Auf IMDb steht der Film aktuell bei 5,3 — deutlich unter dem ersten Wonder Woman von 2017 (7,3). Kane und Korbi sind sich einig: Teil 1 ist klar besser, Teil 2 funktioniert in der Charakter-Idee, scheitert aber an Länge und Effekten.
Kommt Wonder Woman 3?
Stand 2026: nein. Patty Jenkins und Gal Gadot waren ursprünglich für einen dritten Teil unter Vertrag, das Projekt wurde aber Ende 2022 von Warner Bros. gestrichen. Cheetah hat ihren Wunsch im Film nicht widerrufen — eine Rückkehr-Möglichkeit, die nun unbenutzt bleibt.
Was ist der VLM-Triple-Threat?
Der VLM-Standard-Check am Ende jeder Filmbesprechung: Sind im Film Titten, Trompeten und Tote Tiere zu sehen? Bei Wonder Woman 1984: keines von dreien. Erstaunlich, vor allem dass nicht ein einziges Tier in 2,5 Stunden vorbeikommt.


