Eine VLM-Solo-Spätschicht: Mike hat sich kurz vor Mitternacht – eigentlich schon längst Schlafenszeit – an Deathcember (2019, deutscher Untertitel 24 Doors to Hell) gewagt und ist vom Tempo so begeistert, dass er gleich im Anschluss eine Solo-Review aufnimmt – ohne Kane, ohne Korbi, dafür mit der frischen Eindrücksbilanz im Kopf.
Der Film erscheint in Deutschland am 4. Dezember 2020 über Busch Media Group, fast pünktlich zum Nikolaus – ein perfektes Erscheinungsdatum für einen Episodenfilm, der das Adventskalender-Konzept wörtlich nimmt: 24 Türchen, 24 Kurzfilme, 24 Regisseure aus aller Welt. Plus zwei Bonus-Kurzfilme im Abspann (also tatsächlich 26 Beiträge insgesamt). Laufzeit: 2 Stunden 25 Minuten.
Das Konzept: Filmischer Adventskalender
Deathcember ist der erste filmische Adventskalender der Welt und tritt damit in eine Tradition, die Mike sofort in den Vergleichsmodus bringt: Anthologie-Filme wie The ABCs of Death (2012) – nur eben thematisch fokussierter, weil hier alle 24 Beiträge sich um das Weihnachtsfest drehen.
Mikes Vergleich zu ABCs of Death: Bei den ABCs-Filmen gab’s keinen roten Faden, keinen gemeinsamen Anker – nur das Alphabet als mechanische Reihenfolge. Deathcember macht es besser: Die thematische Klammer „Weihnachten“ gibt jedem Kurzfilm einen Bezugspunkt, gleichzeitig bleiben die einzelnen Beiträge in Tonalität, Genre und Stil maximal divers. Skurrile, blutige, lustige, überdrehte, bodenständige, emotionale Beiträge – für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Im Schnitt 6 Minuten pro Kurzfilm: Das Tempo ist hoch, Langeweile kommt nie auf. Mike hatte ursprünglich vor, sich zu jeder Episode Notizen zu machen – musste aber schnell aufgeben, weil die Folgen schneller vorbeiziehen, als man tippen kann. Ein virtueller Adventskalender im Schnelldurchlauf.
Die Regie-Riege: Vom Cannibal-Holocaust-Veteran zur Indie-Generation
Deathcember versammelt eine bemerkenswert internationale Mischung aus Genre-Veteranen und Newcomern. Die bekanntesten Namen mit einer Episode dabei:
- Ruggero Deodato – die italienische Horror-Legende hinter Cannibal Holocaust (1980, „Nackt und Zerfleischt“). Sein Beitrag liefert eine Episode, in der ein Weihnachtsstreich richtig schief geht und tragisch endet.
- Lucky McKee – Regisseur von May (2002) und The Woman (2011). Sein Deathcember-Beitrag They Once Had Horses sticht heraus: in Schwarz-Weiß gedreht und in einem Wild-West-Setting, in dem ein Monster Cowboys am Lagerfeuer terrorisiert.
- Julian Richards – Regisseur von The Last Horror Movie (2003). Mike hatte ihn beim HARD:LINE Filmfestival letztes Jahr interviewt und Richards hatte schon damals seine Deathcember-Episode angeteasert: Bad Santa (Folge 12).
- Andreas Marschall – der deutsche Beitrag (Folge 17, Pick). Marschall ist bekannt für Tears of Kali (2004), Masks (2011) sowie German Angst (2015) – die Anthologie, die er gemeinsam mit Jörg Buttgereit (Nekromantik, Schramm) und Michal Kosakowski realisiert hat.
Im Cast-Bereich glänzen ebenfalls Genre-Stars: Barbara Crampton (bekannt aus Re-Animator, From Beyond) ist in Folge 14 (A Christmas Miracle), Barbara Magnolfi – ja, die Olga aus Argentos Suspiria (1977) – ist in Folge 10 zu sehen, und Tiffany Shepis aus Folge 2.
Mikes Episoden-Highlights
Bei 24 (bzw. 26) Beiträgen kann Mike nicht jeden im Detail besprechen – ein Best-of seiner Top-Picks aus der Folge:
Folge 1 – A Door Too Far: Ein Junge frisst die kompletten Adventskalender hintereinander auf, obwohl die Türchen noch nicht fällig sind – und bekommt eine schöne Retourkutsche. Charmanter Einstieg mit gut gewähltem Twist.
Folge 2 – All Sales Fatal: Die unglaublich scharfe Tiffany Shepis kämpft mit einem Kassierer um eine Rückgabe ohne Beleg. Der Streit eskaliert grotesk-blutig. Coole Episode mit klarer Message: Beleg aufbewahren!
Folge 4 – X Mess on Fire: Eine weihnachtliche Parodie auf Reservoir Dogs (1992). Ziemlich cool gemacht, Mike hatte richtig Spaß.
Folge 5 – Villancicos: Spanischer Beitrag. Ein todkranker Junge im Krankenbett wird nur durch Weihnachtslieder am Leben gehalten – sobald die Stimmung kippt, sinkt sein Puls. Grotesk und bitter.
Folge 8 – Family Matters: Ein junger Mann wird von der Familie seiner Freundin zu Weihnachten eingeladen und bekommt einen Edding geschenkt. Was folgt, erinnert stark an Society (1989) von Brian Yuzna: ekel-fasziniertes Body-Horror-Finale.
Folge 9 – Operation Christmas Child: Stop-Motion-Animationsfilm mit Knetfiguren, der inhaltlich brutal ist – Kindesmissbrauch durch einen Pfarrer, dann Rape-Revenge. Wäre als Realfilm wahrscheinlich rausgeschnitten worden, wie damals bei den extremen ABCs-of-Death-Episoden. Die Knetfiguren-Optik macht es nicht sanfter, im Gegenteil – die Botschaft ist bitter.
Folge 10 – Five Deaths in Blood Red: Reine Giallo-Hommage. Morde zu Weihnachten in einem alten Herrenhaus, mit Barbara Magnolfi (Suspiria) im Cast – ein Argento-Liebesbrief.
Folge 12 – Bad Santa: Julian Richards‘ Beitrag. Ein Streich der Eltern an ihrem Kind zu Weihnachten endet in einer blutigen Auseinandersetzung.
Folge 14 – A Christmas Miracle: Mit Genre-Ikone Barbara Crampton. Verspulte Wingler-Sache.
Folge 15 – Casetta Sperduta in Campagna: Deodatos Beitrag (italienischer Originaltitel: „Verlorenes Häuschen auf dem Land“). Ein Weihnachtsstreich endet tragisch.
Folge 17 – Pick: Marschalls deutscher Beitrag. Bluttriefender Zwischenfall bei einer Weihnachts-Wave-Party. Sehr feministisch angehaucht – Männer kommen nicht gut weg, aber die Folge macht riesigen Spaß.
Folge 18 – They Once Had Horses: Lucky McKees Schwarz-Weiß-Western mit Monster-Setting am Lagerfeuer. Eine kleine Besonderheit innerhalb der Anthologie.
Folge 21 – Family Feast: Eine Dame erleidet bei der Familienfeier brutale Halluzinationen – Weihnachts-Zombies, Nikolaus-Kannibalen. Stark.
Folge 24 – Operation Dolph: Hommage an Taken (2008, in Deutschland: 96 Hours) mit Liam Neeson – nur dass hier der Nikolaus die fiesen Entführer auseinandernimmt.
Produktionsqualität, Synchro und kleine Macken
Was Mike positiv hervorhebt: Das Produktionsdesign jeder Folge ist durchgängig hoch, die Effekte sind professionell, die Schauspieler großteils auch. Bei einer Anthologie mit 24 Beiträgen aus verschiedenen Ländern (Spanien, Russland, USA, Deutschland und mehr) erkennt man gelegentlich an Bildqualität oder Schauspieler-Stil schon die Herkunft.
Der einzige Wermutstropfen: Die deutsche Synchro ist durchwachsen. Manche Episoden sind richtig professionell eingedeutscht – Studio-Niveau, das sich vor großen Kinofilmen nicht verstecken muss. Andere Episoden klingen, als wären sie von einem ganz anderen, deutlich kleineren Studio mit deutlich kleinerem Budget gemacht worden. Es entsteht der Eindruck, dass die Synchro pro Episode separat vergeben und unterschiedlich finanziert wurde – kein Drama, aber auffällig.
Außenrum: Die deutsche Veröffentlichung von Busch Media kommt erfreulicherweise mit einem Wendecover ohne FSK-18-Flatschen – man sieht stattdessen einen blutigen Adventskalender. Mike hat die Hülle direkt vor sich liegen.
Mikes Verdikt: Pflicht-Partyfilm zur Adventszeit
Klare Empfehlung. Deathcember ist ein perfekter Partyfilm für die Adventszeit – wenn man es blutig und hart mag, ist man hier genau richtig. Die zweieinhalb Stunden Laufzeit vergehen erstaunlich schnell, weil das Tempo durchgängig hoch bleibt und die thematische Klammer Weihnachten verhindert, dass die Anthologie auseinanderfällt. Der Preis (im Bereich 12,99–14,99 €) ist für 24 (+2) Kurzfilme von 24 Regisseuren aus 18 Ländern fast schon ein Schnäppchen.
Zielgruppe: Genre-Affine, die Spaß an Anthologien haben und denen die qualitative Schwankung zwischen einzelnen Beiträgen nicht auf die Nerven geht. Wer mit ABCs of Death oder V/H/S-Filmen klarkommt, wird Deathcember lieben – mit dem Bonus eines roten Fadens, den die Vergleichsfilme so nicht haben.
Hommage-Hinweis: Im Abspann werden die ABCs of Death explizit gedankt – der filmische Geist der ABC-Anthologie wird hier fortgeführt, aber thematisch fokussierter.
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Mehr aus dem VLM-Universum
Vorher in Folge 40 – Blind (2020) haben Kane, Korbi und Mike Marcel Walz‘ Drama-Slasher-Hybrid besprochen. In Folge 39 – The New Mutants ging’s um Josh Boones X-Men-Coming-of-Age-Horror. Folge 38 – Watchmen mit Dr. Mark Benecke war die Comic-Verfilmungs-Tiefenanalyse mit dem Kriminalbiologen als Gast. Wer Mikes Solo-Horror-Linie weiterverfolgen will, findet alle Horror-Folgen im Horror-Podcast-Hub. Komplette Filmübersicht in der Film-Kategorie.
FAQ
Wer war in dieser Folge dabei?
Mike solo. Kane und Korbi haben Deathcember nicht gesehen, deshalb gibt’s eine Spätschicht-Solo-Review von Mike – aufgenommen direkt nach der Sichtung, kurz vor Mitternacht.
Worum geht’s bei Deathcember?
Deathcember ist der weltweit erste filmische Adventskalender: 24 Kurzfilme von 24 internationalen Regisseuren, plus 2 Bonus-Kurzfilme im Abspann. Alle thematisch um Weihnachten herum, aber stilistisch und genremäßig maximal divers.
Wer sind die bekanntesten Regisseure?
Ruggero Deodato (Cannibal Holocaust), Lucky McKee (The Woman, May), Julian Richards (The Last Horror Movie), Andreas Marschall (Masks, German Angst). Plus prominente Cast-Namen wie Barbara Crampton (Re-Animator), Barbara Magnolfi (Suspiria) und Tiffany Shepis.
Wann erscheint Deathcember in Deutschland?
Am 4. Dezember 2020 von Busch Media Group als DVD und Blu-ray. Der deutsche Untertitel ist 24 Doors to Hell. Erfreulicherweise mit Wendecover ohne FSK-18-Flatschen.
Wie lang ist der Film?
2 Stunden 25 Minuten. Bei 24 Kurzfilmen plus 2 Bonus-Kurzfilmen ergibt das im Schnitt etwa 6 Minuten pro Beitrag – das Tempo bleibt durchgängig hoch.
Mit welchen Filmen kann man Deathcember vergleichen?
Vor allem mit der ABCs-of-Death-Reihe (2012/2014). Deathcember dankt den ABCs of Death sogar explizit im Abspann. Der wesentliche Unterschied: Bei Deathcember klammert das Weihnachts-Thema alle Beiträge zusammen, während ABCs of Death nur durch das Alphabet zusammengehalten wird – das macht Deathcember thematisch fokussierter und narrativ runder.
Wie ist die deutsche Synchro?
Durchwachsen. Manche Episoden sind professionell auf Kinoniveau eingedeutscht, andere klingen deutlich amateurhafter – wahrscheinlich wurden die einzelnen Episoden von verschiedenen Studios mit unterschiedlichen Budgets synchronisiert.

