Der Schacht (2019) – Netflix‘ Kapitalismus-Allegorie

KaneKane
Mike – Horror-Experte und Co-FounderMike

Eine Plattform mit Essen, hunderte Etagen tief und keiner teilt: Kane und Mike besprechen den spanischen Netflix-Hit Der Schacht (El Hoyo, 2019) – einen dystopischen Thriller von Galder Gaztelu-Urrutia, der im März 2020 international auf Netflix landete und prompt zum perfekten Pandemie-Film wurde.

Der Schacht (2019) – Spaniens dystopische Kapitalismus-Allegorie

  • Originaltitel: El Hoyo / The Platform
  • Regie: Galder Gaztelu-Urrutia
  • Drehbuch: David Desola und Pedro Rivero (basierend auf einem Theater-Skript)
  • Hauptcast: Iván Massagué (Goreng), Zorion Eguileor (Trimagasi), Antonia San Juan (Imoguiri), Emilio Buale (Baharat)
  • Genre: Sci-Fi-Horror / Dystopie / Sozialkritik
  • Laufzeit: 94 Minuten
  • Stream: Netflix (international seit 20. März 2020)

Das Setting: Ein vertikales Gefängnis, das offiziell „Vertikales Selbstverwaltungs-Center“ heißt. Pro Etage zwei Insassen, eine Toilette, ein Waschbecken, ein Loch in der Mitte – und einmal pro Tag fährt eine Plattform mit Essen von ganz oben durch alle Stockwerke. Würden alle nur das Nötigste nehmen, wäre für jede Etage genug da. Spoiler: Sie tun’s nicht. Goreng, der freiwillig hier reinkam, durchschaut das System schnell – und beschließt irgendwann, dass jemand etwas ändern muss.

Die Kapitalismus-Metapher mit dem Vorschlaghammer

Mike und Kane sind sich einig: Wer mit Vorwissen reingeht, hat es deutlich leichter. Der Film ist eine Sozial-Allegorie, die ihre Botschaft nicht subtil andeutet, sondern reinhaut. Die oben sch… auf die unten – wörtlich. Ein zweiter Watchthrough zahlt sich aus, weil die Aha-Effekte erst greifen, wenn man den Mechanismus durchschaut hat. Wer komplett kalt reingeht, kann von der Mehrdeutigkeit leicht abgeschreckt werden.

Goreng und sein Don Quixote

Vor dem Eintritt in den Schacht darf jeder einen Gegenstand mitbringen. Die meisten wählen Waffen oder Haustiere. Goreng nimmt sich eine Ausgabe von Don Quixote – ein Idealist also, der gegen die Windmühlen anrennt. Im Verlauf wird klar, dass auch der Idealist sich verändert: Der Schacht kehrt das Schlechteste in jedem hervor, und Goreng entkommt dem nicht. Erst spät erkennt er, dass er selbst zu dem geworden ist, wogegen er anfangs aufbegehrt hat.

250 Etagen vs. 333: Das System hat den Überblick verloren

Eine wiederkehrende Insassin (Imoguiri, gespielt von Antonia San Juan) hat früher selbst für die Verwaltung gearbeitet. Sie weiß: 250 Etagen. Tatsächlich gibt’s aber 333. Die Mutter, die ihr Kind im Schacht sucht, kann es laut Imoguiri gar nicht geben – die Regeln verbieten Kinder. Trotzdem ist da ein Kind. Die Verwaltung weiß nicht mal, wie groß ihr eigenes System ist – ein bitterer Seitenhieb auf bürokratische Selbstüberforderung.

Gewalt, Ekel und der Schmatz-Faktor

Die Marketing-Behauptung „ultra brutal“ ist Quatsch. Der Film hat Gewaltspitzen – Sturzopfer, Kannibalismus, finale Eskalation – aber das ist kein Splatter. Was wirklich schlaucht, ist der Ekel: Es wird nur mit Händen gegessen, mit Schmatzgeräuschen, mit Resten in der Bartfrisur. Die unteren Etagen kriegen die Plattform mit Spucke, Pisse und Schlimmerem zurück. Kane outet sich als jemand, der bei „ekelhaftem Esserlebnis“ schneller umkippt als bei jeder Foltermaschine – Standard-Splatter ist da harmloser.

Pandemie-Timing: Der perfekte Film für März 2020

Netflix‘ weltweiter Release am 20. März 2020 ging genau in die ersten Wochen der COVID-Lockdowns. Mikes Punkt: Während die Leute Klopapier horten, das sie gar nicht aufessen können, läuft auf Netflix exakt der Film, der zeigt, was passiert, wenn alle nur an sich selbst denken. Der Guardian nannte den Schacht „die perfekte Parabel für das Leben in Zeiten des Coronavirus“. 56 Millionen Haushalte schauten ihn in den ersten vier Wochen.

Massagué’s krasse Vorbereitung

Eine Bonusinfo aus der IMDb-Trivia, die im Talk nicht aufkommt: Iván Massagué (bekannt aus Pans Labyrinth) hat während der sechs Wochen Drehzeit 12 Kilo abgenommen, weil chronologisch gedreht wurde und sein Körper Gorengs zunehmenden Verfall realistisch zeigen sollte. Erklärt, warum er gegen Ende echt ausgemergelt aussieht.

Das doppelbödige Ende – Stärke und Schwäche zugleich

Mehrere Lesarten sind möglich – und Mike sieht darin sowohl Stärke als auch Schwäche des Films. An manchen Stellen wird die Kapitalismuskritik mit aller Gewalt durch den Erklärbär-Modus geprügelt, an anderen bleibt der Film so vage, dass man sich allein gelassen fühlt. Die Mischung aus Hammer und Andeutung wirkt nicht immer ausbalanciert. Das Ende selbst funktioniert für die Hosts trotzdem – wer weiterdenkt, kommt auf eine Auflösung, die zum Rest passt.

Pro & Contra

Mike (Pro): Doppelbödigkeit, Atmosphäre, Soundtrack, Schauspieler – und das Pandemie-Timing als unbeabsichtigter Treffer. Mike (Contra): Erklärbär an manchen Stellen, zu vage an anderen.
Kane (Pro): Raue Optik, Gewalt und Ekel sind nie Selbstzweck, sondern stimmungsgerecht eingesetzt. Kane (Contra): Die metaphorische Brechstange, an manchen Stellen wäre mehr Vertrauen ins Publikum schöner gewesen.

Update für 2026: Es gibt eine Fortsetzung

Mit The Platform 2 (2024) ist mittlerweile auch eine Fortsetzung auf Netflix erschienen – wieder unter Regie von Galder Gaztelu-Urrutia. Ob die zweite Runde dem Original gerecht wird, war 2020 noch offen. Falls ihr neugierig seid: Vielleicht steht das Fortsetzungs-Review auch noch mal auf der VLM-Liste.

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FAQ zur Folge

Wer spricht in dieser Folge?

Kane und Mike – ohne Korbi und ohne Seppi. Die Vorstellungs-Folge und Folge 1 hatten alle drei Gründer am Mikro, ab Folge 2 wechseln sich die Konstellationen ab. Diese Folge 4 ist die erste reine Kane-Mike-Konstellation – die später zur klassischen Horror-Konfiguration wird, weil Mike der Horror-Experte der VLM-Crew ist.

Worum geht’s in Der Schacht?

Ein vertikales Gefängnis mit (offiziell) 250, real 333 Etagen. Zwei Insassen pro Stockwerk. Einmal pro Tag fährt eine Plattform mit Essen von oben nach unten durch alle Etagen. Wer oben sitzt, frisst sich satt – wer unten sitzt, kriegt Reste oder gar nichts. Goreng will das System ändern.

Wer hat bei Der Schacht Regie geführt?

Galder Gaztelu-Urrutia, ein spanischer Regisseur aus dem Baskenland. Der Schacht war sein Spielfilmdebüt, das ihn international bekannt gemacht hat. 2024 hat er die Fortsetzung The Platform 2 nachgelegt, ebenfalls auf Netflix.

Wer spielt Goreng?

Iván Massagué, geboren 1976 in Barcelona. Bekannt aus Guillermo del Toros Pans Labyrinth (2006). Für die Rolle des Goreng nahm er während der sechswöchigen Drehzeit 12 Kilo ab, weil chronologisch gedreht wurde und sein körperlicher Verfall echt aussehen sollte.

Ist Der Schacht wirklich so brutal, wie überall behauptet?

Nein. Der Film hat Gewaltspitzen und Kannibalismus, ist aber kein Splatter-Film. Die Marketing-Behauptung „ultra brutal“ ist Clickbait. Was wirklich schlaucht, sind die Ekel-Szenen mit Schmatzgeräuschen und Körperflüssigkeiten – nicht die Gewalt selbst.

Wo kann ich Der Schacht streamen?

Auf Netflix – seit 20. März 2020 als Netflix-Original international verfügbar. Die deutschsprachige Synchronfassung ist mit dabei, aber das Original auf Spanisch lohnt sich für Atmosphäre und Schauspielleistung.

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