Ein VLM-Highlight: Dr. Mark Benecke ist zu Gast! Der Kölner Kriminalbiologe, forensische Entomologe, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für biologische Spuren – plus Comic-Verleger, Vorsitzender der Deutschen Dracula-Gesellschaft, einstiger Punk-Sänger („Belcanto Bene“ der Schlager-Punk-Band Die Blonden Burschen) und Politiker der PARTEI. Kane wickelt das alles in eine bayerische Begrüßungs-Salve ein, auf die selbst Mark mit „das schneide ich mir raus“ reagiert.
Das Thema: Watchmen (2009) von Zack Snyder – die Comic-Verfilmung, die das Superhelden-Genre dekonstruierte, bevor „The Boys“ das mainstream-tauglich machte. Speziell: der Ultimate Cut mit über 3,5 Stunden Spielzeit, inklusive der animierten Tales-of-the-Black-Freighter-Sequenzen aus dem Comic.
Wer ist Dr. Mark Benecke? Kurzvorstellung für VLM-Hörer
Mark Benecke nimmt sich die Zeit, sich selbst vorzustellen – mit der ihm eigenen Bescheidenheit („die meisten kennen mich nicht, das ist ja klar“): Kriminalbiologe, deutschlandweit einziger öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die kriminaltechnische Sicherung, Untersuchung und Auswertung von biologischen Spuren. Konkret: Wenn jemand neben einer toten Person aufwacht und es war nicht er, dann kommt Benecke ins Spiel – als jemand, der die Spuren liest, die andere für langweilig halten. Blut, Haare, Sperma, Urin, Kot, Insekten, DNA: Mark sieht zuerst die Spur, dann den Menschen.
„Mehrere tausend Fälle“ hat sein Team mittlerweile bearbeitet. Die menschliche Gefühlswelt rund um Verbrechen („das ganze Remi-Demi“) interessiert ihn dabei weniger als die Klarheit der Spuren. Auf Korbis Frage, wie viele Fälle ungelöst bleiben, antwortet Benecke philosophisch: Gelöst sei kein Fall, fertig sei nichts wirklich – man klärt einzelne Fragen gutachterlich, aber das Trauma bleibt. Sein Gegenbeispiel echter Lösung: das Genozid-Gericht in Ruanda, in dem Täter und Opfer zusammengesetzt werden und direkt miteinander reden. „Das ist für mich eine Lösung.“
Auf Mike’s Frage zu ohnmächtig werdenden Vortragsbesuchern: Tatsächlich kippen Leute eher bei Blutspuren um als bei Maden oder verwesenden Tieren – manche können einfach kein Blut sehen, vor Corona war zusätzlich die Luft im Saal oft schlecht. Beneckes bayerische Großeltern aus Bruckmühl/Heufeldmühle haben ihm beigebracht, „Studierte und Großkopferte“ nicht leiden zu können – Prinzip seiner Vorträge: keine Fremdwörter, keine Klugscheißerei.
Watchmen: Vom Kult-Comic 1986 zur Snyder-Verfilmung 2009
Comic-Hintergrund: Watchmen erschien 1986/87 als 12-bändige Comic-Serie bei DC, von Alan Moore (Autor) und Dave Gibbons (Zeichner). Mark hat die deutsche Ausgabe damals beim Comic-Salon Erlangen vom Verlag geschenkt bekommen – als noch sehr schüchterner Jung-Verleger. Sein Eindruck damals: „Wow, jetzt hat sich die Welt der Comics für immer geändert.“ Konkret: Superhelden, die nicht nur menschlich sind (das gab es bei Marvel mit Spider-Man bereits), sondern echt scheiße – tief vielschichtig und moralisch fragwürdig. Wer am Ende die Welt rettet, Ozymandias, tötet dafür Millionen. Wer als grimmiger Außenseiter durchhält, Rorschach, schreibt vor seinem Tod ein Tagebuch, das den ganzen Frieden wieder zerstören könnte.
Bewegte Produktionsgeschichte: Die Filmrechte wanderten 20 Jahre lang durch zehn Studios. Alan Moore hatte nie Bock auf eine Verfilmung. Zwischenzeitlich war Darren Aronofsky als Regisseur gehandelt – kam aus Zeitgründen nicht zustande. 2009 sprang dann Zack Snyder bei Warner Bros. ein, mit einem Budget von 130 Millionen Dollar. Eingespielt wurden allerdings nur 190 Mio – mit Werbungskosten gerechnet (Faustregel Doppeltes vom Budget) ein finanzieller Flop. Aus Fan-Perspektive ist es für Kane und Mark: die beste Comic-Verfilmung aller Zeiten.
Mark in New York 2009: Mark stand am Times Square, als die Watchmen-Werbung dort plakatiert war – gigantische Plakate eines „totalen Nerd-Dings“, was ihn völlig überraschte. „Wie kommt das, dass die Produktionsgesellschaft sich das leisten möchte, die ganze Stadt zu plakatieren?“ Marks „Sondereigenschaft des Gehirns“: Wenn Sachen wirklich gut sind, vergisst er sie – damit er sie immer wieder neu erleben kann.
Snyders Panel-für-Panel-Adaption: Religiöses Filmwunder
Was Watchmen für Mark zu einer „religiösen Sensation“ macht: Snyder hat für viele Sequenzen Panel für Panel das Comic 1:1 in Live-Action übersetzt – inklusive Kamerablickwinkel, Körperbewegungen der Figuren, Lichtstimmung. Wer aus dem Filmgeschäft kommt, weiß, wie aufwendig das Einrichten einer einzelnen Szene ist. Aber einen ganzen Film als Referenz auf einen Comic zu inszenieren, mit lebenden Schauspielern, die ihre Bewegungen natürlich wirken lassen müssen – das geht für Mark „nicht in den Kopf rein“. Vergleichbar nur mit Robert Rodriguez‘ Sin City (2005), wo aber wesentlich mehr bewegte Kamera und schwarzweiße Stilisierung verwendet wurden.
Kane’s Lieblings-Panel: Die Verwandlung von Jon Osterman zu Doktor Manhattan. Wenn er sich auflöst und seine Körperschichten verliert, gibt es einen Bruchteil einer Sekunde, in dem das Bild exakt einem gezeichneten Comic-Panel entspricht – ein Auge fehlt, die Eingeweide hängen nach unten. Für Kane wirkt es, als wäre ein Panel aus dem Comic ausgeschnitten und auf die Leinwand geklebt worden.
Mark’s Lieblings-Sequenz: Im Film das Murale Comic-im-Comic – die Tales of the Black Freighter, animiert in einem bewusst billig gehaltenen Manga-TV-Stil aus den 80ern. Erinnert an Captain Future oder frühe Anime-Adaptionen. Greift nicht in 4K-Hochglanz, sondern spielt mit dem stilistischen Period-Charme. Die deutsche Synchron-Stimme des Schiffbrüchigen ist übrigens Gerald Butler in der deutschen Synchro – Mike’s Easter-Egg-Fund, Gerald Butler steht im Vorspann, spielt aber selbst nicht mit, sondern liefert nur die Voiceover-Stimme.
Material-Mix als Erzähltechnik: Comic + Comic-im-Comic + Buch
Eine Besonderheit der Watchmen-Vorlage: Drei lesbare Ebenen, parallel verschachtelt:
- Hauptcomic – die 12 Kapitel der Watchmen-Story
- Tales of the Black Freighter – ein Piraten-Horror-Comic, den ein Junge im Hauptcomic liest und der parallel zur Hauptstory eskaliert
- Unter der Maske – die fiktive Autobiografie von Hollis Mason (dem ersten Nite Owl), als reine Schrift zwischen den Kapiteln eingestreut. Plus Akten zu Rorschach, Zeitungsartikel der Gassette und der Anderen, Briefe
Mark vergleicht den Materialmix mit Bram Stokers Dracula – auch dort ein Mix aus Schreibmaschinen-Texten, Wachsplatten-Aufnahmen, Briefen. Die Watchmen-Variante ist aber radikaler, weil alle drei Ebenen unabhängig voneinander funktionieren. Du kannst nur die Hauptstory lesen, oder zusätzlich den Black-Freighter-Comic, oder zusätzlich das Mason-Buch. Du verlierst nichts, wenn du nur eine Ebene liest. Du gewinnst, wenn du alle drei liest. Diese Erzähl-Architektur ist bis heute extrem selten.
Snyder hat im Ultimate Cut das Black-Freighter-Comic in den Film integriert. Eine eigene Schlüssel-Szene aus „Unter der Maske“ – wenn Hooded Justice durch ein Schaufenster springt und eine Gang verprügelt – findet sich 1:1 in der HBO-Watchmen-Serie wieder. Kane: „Ich lese die Zeilen und denke mir: fuck, das habe ich vor ein paar Wochen genauso in der Serie gesehen.“
Snyders Änderungen vs. Comic: Squid raus, Manhattan rein
Die größte Änderung des Films gegenüber dem Comic: Im Comic erschafft Ozymandias ein riesiges, künstliches Alien-Tier (Bubastis-mäßiges Squid-Wesen), das in New York explodiert und mit Strahlung Millionen tötet. Snyder ersetzt das mit Doctor-Manhattan-Energie, die mehrere Großstädte gleichzeitig erfasst. Mark verteidigt Snyders Entscheidung als zwingend für den Film: 15 Minuten zu erklären, warum ein Alien explodiert, hätte das Tempo zerschossen. Plus: Manhattan als Sündenbock funktioniert besser als Erzähl-Pivot, weil er bereits eingeführt ist.
Was bleibt 1:1: Der Twist mit Rorschachs Tagebuch beim rechtsgerichteten New Frontiersman („Ketchup-Befleckter Nerd“-Redakteur), die Comedian-Schwangerschafts-Szene in Vietnam, die Origin-Story von Doctor Manhattan, die Knot-Tops-Frisuren und Vape-Pens (Watchmen hat tatsächlich vorhergesehen, dass das Rauchen sich Richtung Vape entwickelt – plus E-Scooter waren auch schon da, lange bevor wir sie in der echten Welt hatten).
Mark’s Lese-Empfehlung: Wer sich danach in das Universum vertiefen will: Before Watchmen (Vorgeschichten zu jeder Hauptfigur, 2012-2013) und Doomsday Clock (DC-Crossover 2017-2019, verbindet Watchmen mit dem regulären DC-Universum). Plus die HBO-Serie Watchmen (2019, Damon Lindelof), die etwa 30 Jahre nach dem Comic spielt – HBO-exklusiv, Mark einer Cliché-Anhängern und kein blinder DC-Fan, hält sie für „Weltklasse“. Das Flash/Watchmen-Crossover-Heft allerdings verkackt es story-technisch trotz Glitzerheft-Cover.
Soundtrack: Bob Dylan, Leonard Cohen, Nena – Snyder als Mixtape-Pionier
Mark hat den Watchmen-Trailer (Bob Dylans „The Times They Are a-Changin'“) jahrelang vor seinen Vorträgen als Technik-Test gezeigt – ohne den Inhalt der ersten Sekunden nachzuvollziehen. „Im Laufe der Zeit ist das in meinem Gehirn aufgepoppt.“ Snyder hatte für 2009 noch keine Konkurrenz: die mixtape-getriebene 80er-Soundtrack-Welle (Guardians of the Galaxy 2014, Atomic Blonde 2017) kam erst Jahre später.
Was Snyder zusammenbrachte:
- „The Times They Are a-Changin'“ – Bob Dylan, im Eröffnungs-Montage
- „Hallelujah“ – Leonard Cohen, in der Liebes-Szene zwischen Nite Owl und Silk Spectre. Mark merkt an, dass Cohen damals völlig vergessen war: „Der Urvater aller Gruftis und Gothics, vor Bauhaus und The Cure und Depeche Mode.“ Mark und seine Mitsängerin Bianca haben gerade ein Cohen-Tribute-Album aufgenommen, das in wenigen Tagen erscheint
- „99 Luftballons“ – Nena, der Watchmen-What-the-Fuck-Moment der Folge: Im atomaren-Bedrohung-Setting der 80er ist die Nena-Hymne brutal passend
- „All Along the Watchtower“ – Bob Dylan
- „Sound of Silence“ – Simon and Garfunkel, beim Comedians-Begräbnis
Komponist Tyler Bates: Score-Wrangler – Mike merkt an, dass Bates auch Snyders Dawn of the Dead Remake (2004), 300 (2006), Guardians of the Galaxy (2014) und Rob Zombies The Devil’s Rejects (2005) komponiert hat. Weiß, was er tut. Das Bob-Dylan-Stück „Desolation Row“ wird im Abspann von My Chemical Romance neu eingespielt.
Vergleichs-Ankerpunkt für die Soundtrack-Genealogie: Russell Mulcahys Highlander (1986) hat die Zeitlupen-Musik-Video-Ästhetik mit Queen-Soundtrack eingeführt – was Watchmen aufgreift und in 80er-Mixtape-Zelebrierung überführt.
Easter Eggs für Nerds (Mark schaut konsequent weg)
Mark verzichtet bewusst auf Easter-Egg-Hunting, Making-of-Material und Behind-the-Scenes-Inhalte – seit einer traumatischen Sekunde Minority-Report-Behind-the-Scenes auf einer DVD, die ihm den Film verdorben hat. Sein Mantra (von der Dracula-Gesellschaft): everything we can imagine does exist. Filmwelten sind echt. Punkt. Aber Kane und Mike haben gefarmt:
- Hausnummer 300 – an der Wohnungstür des Comedian. Verweis auf Snyders 300 (2006).
- David Bowie und Mick Jagger – im Ozymandias-Intro. Bei der Vorstellung von Adrian Veidt schüttelt er Bowie und Jagger die Hand. Existiert tatsächlich als reales Foto der beiden im selben Outfit.
- Zack Snyder Cameo – im Helikopter neben dem Comedian, der über Vietnam mit-schießt.
- Batman-Poster – im Hintergrund, wenn der Erste Nite Owl (Hollis Mason) einem Typen „auf die 12“ gibt. Klassisches 60er-Logo. Plus Nite Owl ist sowieso eine direkte Batman-Hommage – mit Owlship als fliegendem Batmobil. Frühe Batman-Geschichten haben tatsächlich auch eine Vogel-Insel-Episode.
- Smiley auf dem Mars – die Krater-Formation auf dem Mars existiert tatsächlich, ist nicht animiert. Als das Comic 1986 erschien, war das ein internationales Mediaphänomen.
- Computer Apple Macintosh SE/30 in Ozymandias‘ Büro – in Schwarz invertiert, weil offizielle Macintoshes der Zeit nie schwarz verkauft wurden (außer angeblich an die NSA).
Kane’s Lieblings-Dialog: Rorschach im Knast-Mob: „You don’t seem to understand. I’m not locked in here with you – you’re locked in here with me!“ Funktioniert auch bayerisch übersetzt als Konfliktlösung.
Bubastis und die Gentechnik-Vorhersage
Korbis Frage: Warum hat Ozymandias eigentlich diesen genmodifizierten Luchs Bubastis? Was bringt der? Mark’s Antwort: Im Comic ist das die Vorausnahme der Gentechnik-Welt, lange bevor sie real war. Während Doctor Manhattan für die Atomphysik der 60er steht (deshalb auch der Name „Manhattan“ – wegen Manhattan Project), repräsentiert Bubastis die Bio-Science-Fiction der Zukunft. Ozymandias ist nicht nur intellektuelle Größe, sondern technisch auch in der Lage, Erbsubstanz zu manipulieren. Damals: pure Science-Fiction. Heute: CRISPR-Realität.
Diese Schicht des Comics wird selten thematisiert: Watchmen ist nicht nur „alternative History 1985“, sondern auch „Vorausschau auf die Bio-Tech-Zukunft“. Plus: Vape-Pens, E-Scooter, Knot-Top-Frisuren – Mark fasst das zusammen als „Watchmen hat tatsächlich vorausgesehen, welche Möglichkeiten sinnvollerweise passieren können“. Ähnlich wie Philip K. Dicks Sci-Fi-Vorlagen für Blade Runner und Minority Report.
Tops und Flops: Mark, Mike, Korbi, Kane
Mark’s Top: Komplett-stabiles Universum nach 3,5h Ultimate Cut. Snyder nimmt Zuschauer ernst, verarscht nie, kommt nicht aus der Marketing-Verwertungs-Logik. Mark’s Flop: Findet wirklich nichts. „Kindlich vielleicht klingend, aber ein perfekter Film.“
Mike’s Top: Die Beziehung zwischen Nite Owl und Silk Spectre II – gemeinsam Sex-Versuch scheitert, dann erster gemeinsamer Einsatz, danach klappt’s. Patrick Wilson als Nite Owl findet sein Selbstbewusstsein wieder. Plus die Gang-Prügel-Szene mit Owlship-Feuerfinale. Mike’s Flop: Anfangs schreckt die 3,5h-Laufzeit ab – aber wird jedes Mal beim Schauen gerechtfertigt.
Korbi’s Top: Die Eröffnungs-Montage mit Bob Dylan – JFK auf dem Rasen, Mond-Szene, Nixons dritte Amtszeit, alle in Watchmen-Universum-Twist eingebettet. Korbi’s Flop: Beim ersten Schauen verliert man durch die vielen Rückblenden manchmal den Fokus. Beim Re-Watch dann immer besser.
Kane’s Top: Das Intro ist für ihn das beste Filmintro aller Zeiten – Times-Square-Kuss als lesbisches Paar, Enola-Gay-Bomber mit Silk-Spectre-Pin-Up statt der echten, Leonard-Cohen-Score, Bob Dylan. „Da bin ich schon komplett befriedigt.“ Plus die Knast-Szene mit Jackie Earle Haley als Rorschach. Kane’s Flop: Wäre gerne 30 Minuten länger gewesen mit ausgebauter Rorschach-Psychologe-Szene.
VLM-Triple-Threat (mit Mark): Sieht man Titten? Eine echte Liebes-Szene zwischen Nite Owl und Silk Spectre, also dezent ja. Tote Tiere? Definitiv – Hund mit Beil im Kopf in Rorschachs Origin-Story, plus alle Tiere bei der Final-Explosion. Sieht man entblößte männliche Trompeten? Mark muss nochmal nachdenken (nicht-irrigiert geblendet ohne Zoom-In) – ja, der zur „ordentlichen drumrämen Größe“ anatomisch korrekte Doctor-Manhattan-Phallus.
Mark’s nächstes Projekt: „Schweinchen“ mit Jörg Buttgereit
Mike als großer Horrorfilm-Fan greift Mark’s aktuelles Filmprojekt auf: Schweinchen / Piglets – eine Zusammenarbeit mit Jörg Buttgereit (Nekromantik 1+2, Der Todesking). Mark und Jörg kennen sich seit 20 Jahren – als „Necromaniacs“ haben sie schon Bühnenveranstaltungen mit Philipp Schliemann gemacht, Mark hat Jörgs Autogramm sogar tätowiert („selbst für die Fans zu krass“).
Konzept Schweinchen: Inspiriert von Buttgereits Todesking und Peter Greenaways Z without Two Noughts (Tiere verwesen vor der Kamera). Mark hat über 100 Stunden Material mit zwei iPhones gefilmt: tote Tiere in verschiedenen Verwesungsstadien, Maden-Kolonien, Auge wird von Maden transportiert, später Käfer-Schichten. Aus Mark’s Sicht ein „Lehrfilm zu Verwesung und Insekten auf Leichen“. Aus Buttgereit’s Sicht ein Kunstwerk über Sterblichkeit und Ewigkeit. Schnitt von Michal (German Angst), Score von André Absagen (V in V Nation’s Ronen war ursprünglich vorgesehen).
Premiere lief auf der Berlinale 2020 im Babylon-Berlin Mitte (offiziell während-aber-nicht-im Berlinale-Programm), inzwischen auf Festivals in Wien. Geplant: Festival-Tour erst, dann breitere Sichtbarkeit. Mark und Jörg wollen beim VLM eine eigene Folge machen, sobald der Film breit verfügbar ist – was Kane sofort fest einplant.
Mark’s Corona-Sachbuch und Tier-Buch
Korbi greift Mark’s Bücher auf, die er zur Vorbereitung gelesen hat:
Corona-Buch: Im März 2020, als Berlin in den Lockdown ging, hat Mark mit seinem Team angefangen, Corona-Erklär-Videos zu machen. 52 Videos waren zum Zeitpunkt der Aufnahme online, plus tägliche Postings. Die Lektorin vom Verlag (auch verantwortlich für John-Sinclair-Horror, Mark hat Jason Darks Autogramm tätowiert) hat ihn zum Schreiben getreten. Konzept: Fragen aus Mark’s Community + Antworten ohne Fremdwörter (selbst „Molekül“ oder „Portemonnaie“ mussten raus). Hosentaschen-Format, badewannenbeständig. Vor Erscheinen schon ausverkauft, mehrere Auflagen gleichzeitig.
Tier-Buch (4. November 2020): Hommage an die Naturwissenschafts-Tierbücher des frühen 20. Jahrhunderts (Brehms Tierleben). Echte Tiergeschichten von Naturwissenschaftler*innen, keine Fabeln. Mit Zeichnungen von Katharina Mens-Schick, streichbarem Cover, Lesebändchen, schwarz-eingefärbtem Buchschnitt. Korbis Eindruck zum Corona-Buch: „An einem Nachmittag durchgelesen, weil die Antworten so kurz sind.“ Mark: „Das Kompliment muss ich an die Fragenden weitergeben – die Aufmerksamkeitsspanne ist heute halt kurz, das ist auch okay.“
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Vorher in Folge 37 – Cryptid Staffel 1 hat Mike solo den schwedischen Pandastorm-Mystery-Horror besprochen. Davor in Folge 35 – 1917 haben Kane und Korbi Sam Mendes‘ One-Shot-Kriegsfilm gefeiert. Und in Folge 36 – Woah Lecks Oktober 2020 gab’s Yummy, The Office und Nightmare on Elm Street 3. Wer Mike’s Horror-Linie weiterverfolgen will, findet alle Horror-Folgen in unserem Horror-Podcast-Hub. Komplette Filmübersicht in der Film-Kategorie.
FAQ
Wer war in dieser Folge dabei?
Kane, Korbi und Mike – plus als Gast Dr. Mark Benecke, der Kölner Kriminalbiologe, forensische Entomologe, Vorsitzender der Deutschen Dracula-Gesellschaft und langjähriger Comic-Sammler. Eines der bisher größten VLM-Gastformate.
Worum geht es bei Watchmen (2009)?
Comic-Verfilmung von Zack Snyder nach der Vorlage von Alan Moore und Dave Gibbons (1986/87). Setting: alternatives 1985, USA und Sowjetunion am Rande des Atomkriegs, Superhelden vom Staat verboten. Der Comedian wird ermordet – Rorschach beginnt zu ermitteln und stößt auf eine Verschwörung mit globalen Folgen. Cast: Patrick Wilson, Jackie Earle Haley, Billy Crudup, Malin Akerman, Matthew Goode, Jeffrey Dean Morgan.
Was ist der Ultimate Cut?
Die längste Schnittfassung mit über 3,5 Stunden Laufzeit – inklusive der animierten Tales-of-the-Black-Freighter-Sequenzen aus dem Comic, im bewusst billig gehaltenen 80er-Manga-TV-Stil gezeichnet. Mark hat den Ultimate Cut zwei Wochen vor der Aufnahme als Steelbook gekauft – mit Pappkärtchen-Sammelsurium, was er besonders charmant findet.
Was unterscheidet die Verfilmung vom Comic?
Größte Änderung: Statt eines außerirdischen Squid-Wesens (Comic) verwendet Snyder Doctor-Manhattan-Strahlung, um die Welt zur Kooperation zu zwingen. Mark verteidigt das als zwingend für den Film – die Squid-Erklärung hätte 15 Minuten Erzählzeit gebraucht. Strukturell und visuell folgt Snyder ansonsten dem Comic 1:1, Panel für Panel.
Wer ist Dr. Mark Benecke?
Deutschlands einziger öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die kriminaltechnische Sicherung, Untersuchung und Auswertung von biologischen Spuren. Forensischer Entomologe (Insektenkunde an Leichen). Vorsitzender der Transylvanian Society of Dracula. Comic-Sammler seit Schulzeit. Politiker für Die PARTEI. Schauspieler (IMDb). Buchautor mit zahlreichen Bestsellern.
Welche Songs aus dem Soundtrack sind besonders prägend?
Bob Dylans „The Times They Are a-Changin'“ eröffnet die Montage. Leonard Cohens „Hallelujah“ untermalt die Liebes-Szene. Nenas „99 Luftballons“ trifft den atomaren Kalter-Krieg-Vibe der 80er punktgenau. Plus Simon and Garfunkels „Sound of Silence“ beim Comedian-Begräbnis. Komponist Tyler Bates ergänzt mit dem Score, My Chemical Romance covern Dylans „Desolation Row“ für den Abspann.
Gibt es Easter Eggs?
Viele: Die „300“ auf der Wohnungstür des Comedian (Snyders Vorgängerfilm), David Bowie und Mick Jagger im Ozymandias-Intro, Zack Snyder als Cameo im Helikopter, ein Batman-Poster im Hintergrund einer frühen Mason-Szene, der echte Smiley-Krater auf dem Mars (existiert tatsächlich), Apple Macintosh SE/30 in Schwarz invertiert in Veidts Büro.
Welche weiteren Watchmen-Inhalte gibt es?
Comic-Sequels: Before Watchmen (2012-2013, Vorgeschichten zu jeder Hauptfigur), Doomsday Clock (2017-2019, DC-Crossover). HBO-Serie Watchmen (2019, Damon Lindelof, spielt 30 Jahre nach dem Comic). Mark hält die HBO-Serie für Weltklasse – das Flash/Watchmen-Crossover-Heft trotz Glitzer-Cover dagegen für eine story-technische Verkackung.




