Der politischste Podcast der Welt, fast. Kane und Korbi nehmen sich zusammen mit Gast Stefan Sonntagbauer alias Dr. Horror den umstrittensten Film des Jahres vor: Uwe Bolls Citizen Vigilante mit Armie Hammer. Rund um den Selbstjustiz-Thriller tobt eine Debatte über Meinungsfreiheit, FSK und Zensur, der Film wurde als angeblich verbotenes Meisterwerk gefeiert und kostenlos im Netz verbreitet. Wir klären, was von diesem Skandal wirklich übrig bleibt und warum kaum eine Szene mit der nächsten zusammenhängt. Spoilerwarnung: Wir reden über alles, auch über das Ende.
Citizen Vigilante (2026): Uwe Bolls Skandalfilm im Check
Citizen Vigilante ist produziert, geschrieben und inszeniert von Uwe Boll, gedreht wurde in Kroatien. Bei einem Budget von rund zwei Millionen Dollar und einer Laufzeit von knapp 89 Minuten spielt Armie Hammer die Hauptrolle des Selbstjustiz-Rächers Sanders, Costas Mandylor gibt den Interpol-Chef Henry, der ihn jagt. Ursprünglich sollte der Film The Dark Knight heißen, nach einem Schreiben von Warner Bros. wurde er im April 2025 umbenannt. Für Kane, Korbi und Dr. Horror ist schnell klar: Der eigentliche Skandal ist weniger der Inhalt als die Frage, ob hier überhaupt ein fertiger Film vorliegt.
Worum geht es in Citizen Vigilante? Die Handlung
Sanders ist ein reicher US-Amerikaner mit Militärvergangenheit, der in einer namenlosen europäischen Stadt lebt und dort die Immobilien seines Vaters verwaltet. Frustriert von einem angeblich versagenden Rechtsstaat übt er brutale Selbstjustiz an Straftätern und wird über soziale Medien zum gefeierten Volkshelden, während Interpol die Jagd auf ihn eröffnet. Statt einer durchgehenden Geschichte reiht der Film lose Szenen aneinander, in denen Sanders Opfer und Angehörige besucht und sie von seiner Form der Vergeltung überzeugt. Genau an dieser fehlenden Dramaturgie arbeiten sich die drei mit sichtlichem Vergnügen ab, von der endlosen Busfahrt bis zur berüchtigten Szene mit der Schimmelbegutachtung.
Der verbotene Film, der nie verboten war: FSK, Zensur und Elon Musk
Das lauteste Verkaufsargument rund um den Film lautet, er sei in Deutschland verboten worden. Das stimmt so nicht. Die FSK hat Citizen Vigilante in zwei unabhängigen Prüfungen die Freigabe verweigert, was reguläre Kinoauswertung, Bewerbung und Verkauf erschwert, aber kein staatliches Verbot ist. Boll beruft sich auf die Kunstfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes und spricht von politischer Zensur. Statt eines regulären Starts stellte er den Film für begrenzte Zeit kostenlos auf X zur Verfügung, wo Elon Musk kräftig mittrommelte. Wir ordnen ein, warum aus einer verweigerten Freigabe im Netz sofort ein Zensurskandal wird und wem dieses Framing nützt.
Armie Hammer und Uwe Boll: der zweite Karriere-Akt
Für Armie Hammer ist Citizen Vigilante der erste große Auftritt nach seinem Karriereabsturz. Boll warb ihn per Mail an, es war laut Hammer das erste Rollenangebot seit fünf Jahren. Im Podcast entsteht daraus ein herrlich absurder Running Gag, der Film sei heimlich ein spätes Sequel zu Call Me by Your Name, so sehr habe sich Hammer verändert. Dazu kommt der biografische Beiklang: Hammer spielt einen Immobilienverwalter, und die Szenen, in denen Sanders Wohnungen begutachtet, wirken wie die einzig glaubhaften des ganzen Films. Boll wiederum sammelt seit Jahren Namen mit Wiedererkennungswert, aber ohne Marktwert, und macht daraus sein Geschäftsmodell.
Das Vigilante-Genre: von Death Wish bis Equalizer
Damit steht Citizen Vigilante in einer langen Tradition der Selbstjustiz-Fantasie, von Death Wish über den Punisher bis zum Equalizer. Dr. Horror ordnet ein, warum diese Rache-Plots funktionieren, wenn die Täter wirklich verdient bestraft werden, und warum genau das hier kippt. Boll interessiert sich weniger für einen moralischen Konflikt als für die reine Entlastungsfantasie, dass der Einzelne mit der Waffe richtet, wo Justiz und Demokratie angeblich versagen. Wir vergleichen den Film mit den Klassikern des Genres und zeigen, woran er im Vergleich scheitert, handwerklich wie erzählerisch.
Das Ende von Citizen Vigilante erklärt
Achtung, dieser Abschnitt enthält Spoiler. Auslöser des Finales ist eine Gruppenvergewaltigung, an der ein jugendlicher Migrant beteiligt war, der mit Bewährung davonkommt. Sanders tötet erst die zuständige Richterin und dann die komplette Familie des Täters. Der Sohn stirbt nach der Auge um Auge Logik, die Eltern sterben rein ideologisch, weil Boll ihnen ihren Glauben zur Last legt, und die Schwester stirbt für einen Social-Media-Post. Der Film endet mit einer Widmung an die Opfer, die vom Rechtssystem angeblich verraten wurden. Wir sprechen offen darüber, warum spätestens hier jede Maske fällt und aus dem Trash bittere Ideologie wird.
Unser Gast: Dr. Horror aus Wien
Stefan Sonntagbauer alias Dr. Horror ist Kulturwissenschaftler aus Wien und betreibt den gleichnamigen Podcast zur Wissenschaft hinter dem Horror. Von American Psycho bis Psychoanalyse, von Dracula bis Torture Porn spricht er mit Fachleuten aus allen Disziplinen. Bei ihm geht das Gespräch weiter, dort widmen wir uns dem Drumherum: der FSK, dem Verbotsgerede und dem Milieu, das den Film gekapert hat. Reinschauen und abonnieren lohnt sich, den Kanal von Dr. Horror findet ihr auf YouTube.
Trivia zu Citizen Vigilante
- Ursprünglich hieß der Film The Dark Knight. Erst nach einem Schreiben von Warner Bros. wurde er im April 2025 in Citizen Vigilante umbenannt.
- Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit: Citizen Vigilante 2 ist bei IMDb für 2027 gelistet.
- Uwe Boll forderte 2006 seine schärfsten Kritiker zum Boxkampf heraus und schlug sie der Reihe nach k.o. Der Stunt lief unter dem Titel Raging Boll.
- 2009 erhielt Boll die Goldene Himbeere für das schlechteste Lebenswerk, unter anderem für In the Name of the King, Tunnel Rats und Postal.
- Zwischen 2015 und 2020 betrieb Boll ein Restaurant in Vancouver und zog sich zeitweise ganz aus dem Filmgeschäft zurück.
- Als reale Vorlage nennt Boll einen Hamburger Fall von 2016, bei dem Täter einer Gruppenvergewaltigung mit Bewährungsstrafen davonkamen.
- Bei den Kritikern fiel der Film fast komplett durch, beim Publikum stand er deutlich besser da und war nach dem Streamingstart kurz die Nummer eins der digitalen Verkäufe bei Apple TV und Amazon.
Tops, Flops und unser Triple Threat
Bei den Tops landet ausgerechnet die unfreiwillig komischste Szene des Films, in der Sanders mitten im Akt den Schimmel an der Wand entdeckt und einen Vortrag übers Lüften hält. Der Flop dreht sich um den Score, der über die ohnehin fehlende Spannung einfach drüberwalzt. Und natürlich gibt es wieder unseren Triple Threat. Ob dieser Film die drei Kategorien auch nur ansatzweise erfüllt, verraten wir nicht. Das müsst ihr euch anhören.
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Häufige Fragen zur Citizen-Vigilante-Folge
Wer sind die Hosts dieser Folge?
Kane und Korbi, zu Gast ist Stefan Sonntagbauer alias Dr. Horror, Kulturwissenschaftler und Podcaster aus Wien.
Worum geht es in Citizen Vigilante?
Ein reicher Amerikaner namens Sanders übt in einer namenlosen europäischen Stadt Selbstjustiz an Straftätern und wird über soziale Medien zum Volkshelden, während Interpol ihn jagt. Der Film reiht dabei eher lose Szenen aneinander als eine durchgehende Geschichte zu erzählen.
Ist Citizen Vigilante wirklich verboten?
Nein. Die FSK hat dem Film zweimal die Freigabe verweigert, was Kinoauswertung und Verkauf erschwert, aber kein staatliches Verbot ist. Uwe Boll veröffentlichte den Film daraufhin für begrenzte Zeit kostenlos auf der Plattform X.
Wer ist Dr. Horror?
Dr. Horror ist Stefan Sonntagbauer, ein Kulturwissenschaftler aus Wien, der einen Podcast zur Wissenschaft hinter dem Horror betreibt. Bei ihm setzt sich das Gespräch über die FSK-Debatte und das Drumherum fort.
Lohnt sich Citizen Vigilante laut Kane, Korbi und Dr. Horror?
Als Film nein. Die drei halten ihn für handwerklich schwach und dramaturgisch zusammenhanglos. Interessant ist er höchstens als Phänomen und als Anlass, über Selbstjustiz-Kino und die Zensurdebatte zu sprechen.
Muss ich den Film vorher gesehen haben?
Die Folge enthält Spoiler bis zum Ende. Wer den Film unvoreingenommen erleben will, schaut ihn besser zuerst und hört danach rein.




