Ist das der bayerische Robert Eggers? Regisseur Florian Ecker und Komponist Lukas Günther sind bei Mike und Korbi zu Gast und erzählen, wie aus niederbayerischer Folklore echter Volkshorror wird. Von Sagengestalten wie der Trud und dem Krampus über die Arbeit an einer Filmmusik bis zu den großen Vorbildern: ein Gespräch über Independent-Filmemachen abseits des Mainstreams.
Das Format: Wer bistn du?
Wer bistn du? ist das Interview-Format von VLM. Filmemacher, Schauspieler, Musiker und andere Kreative kommen zu Gast und sprechen über ihre Arbeit. Kein akademisches Fachgespräch, sondern eine ehrliche Unterhaltung auf Augenhöhe. Diesmal gleich im Doppelpack mit einem Regie- und einem Kompositions-Gast, die seit rund zehn Jahren zusammenarbeiten.
Florian Ecker: Der bayerische Volkshorror
Florian Ecker ist hauptberuflich Lehrer für Englisch und Religion und macht seine Filme aus Leidenschaft. Aufgewachsen im niederbayerischen Rottal, entdeckte er über The Wicker Man (1973) seine Liebe zum Folk Horror. Was ihn daran fesselt: eine ganz eigene Atmosphäre, die entsteht, wenn regionale Traditionen, Bräuche und Legenden zu einer unheimlichen Stimmung verwoben werden. Diese Idee überträgt er konsequent auf den deutschsprachigen Raum und seine bayerische Heimat.
Die Filme: Von Wie Blätter im Wind bis Krampus
Im Gespräch geht das Trio Eckers Werk chronologisch durch. Der erste öffentliche Film Wie Blätter im Wind (2019) verhandelt den inneren Zwiespalt zwischen Sicherheit und kreativem Leben und brachte ihm mit dem Niederbayerischen Jugendfilmpreis seinen ersten Filmpreis ein. Es folgte Die Kornmuhme (2021), Eckers erster Schritt in Richtung Folklore, gedreht im Getreidefeld hinter dem Elternhaus. Mit Drud (2023) folgte der Durchbruch: ein Kurzfilm über einen alpenländischen Druckgeist, der als Sinnbild für das schlechte Gewissen funktioniert. Der Film gewann den Preis der Jury bei den Fright Nights und ist Mikes persönliches Highlight. Aktuell ist Ecker mit seinem neuen Krampus-Film auf Festivaltour durch Niederbayern.
Robert Eggers und The Witch als Einfluss
Der prägendste Einfluss auf Eckers Stil ist Robert Eggers. Nach The Witch (2015), der ihn erst im Nachhinein packte, verfolgt Ecker konsequent dessen Philosophie: Für eine glaubwürdige Atmosphäre muss so viel wie möglich im Film authentisch sein. Mike erzählt seine eigene Geschichte mit The Witch, den er erst in der zweiten Sichtung richtig zu schätzen wusste. Weitere prägende Regisseure für Ecker sind Gaspar Noé, Park Chan-wook, Michael Haneke, Ulrich Seidl, Hirokazu Kore-eda, beide Kurosawas und, ganz besonders, Werner Herzog.
Lukas Günther: Wie eine Filmmusik entsteht
Komponist Lukas Günther kommt aus der Region Frankfurt und lernte Ecker über eine Instagram-Nachricht kennen. Seitdem vertont er fast jeden seiner Filme. Im Podcast erklärt er seinen Arbeitsprozess: von gemeinsamen Inspirations-Playlists schon zur Drehbuchfassung bis zur Feinarbeit am fertigen Schnitt. Seine größte Inspiration ist Mica Levi, deren experimenteller Score zu Under the Skin (2013) ihm zeigt, wie gut ungewöhnliche Klänge im Film funktionieren können. Aktuell arbeitet er an einem Science-Fiction-Noir mit Synthesizern.
Die Lieblingsfilme der Gäste
Zum Abschluss verraten beide ihre Favoriten. Bei Ecker führt The Witch die Letterboxd-Top-4 an, dazu kommen Donnie Darko (2001), Gummo (1997) von Harmony Korine und Aftersun (2022) von Charlotte Wells. Lukas nennt ebenfalls Aftersun, dazu Close (2022) von Lukas Dhont, Django Unchained (2012), Interstellar (2014) und das Original von Nosferatu (1922), das ihn bis heute unheimlich findet.
Mehr entdecken
Wie Ecker über sein großes Vorbild denkt, vertieft unser Beitrag zu Nosferatu und Eggers‘ Ehrfurcht vor dem Original. Wer sich für den Komponisten-Alltag interessiert, findet im Interview mit Filmmusik-Komponist Patrick Huven eine zweite Perspektive. Eckers Kurzfilme wie Die Kornmuhme und Drud gibt es auf seinem YouTube-Kanal Florian Ecker Film. Zum Thema Independent-Film in Deutschland passt das Gespräch mit Christoph Baumann und Sebastian Fischer über Der Deserteur. Eckers Krampus-Film lief auf dem HARD:LINE Film Festival 2026, und den Jurypreis für Drud gab es bei den Fright Nights 2024.
Jetzt auf Podigee anhören | Spotify | Apple Podcasts | YouTube
Unterstütze uns auf Steady, für exklusive Folgen und früheren Zugang zu neuen Episoden.
Dir gefällt der Podcast? Lass uns eine Bewertung bei Apple Podcasts da. Das hilft uns enorm, gehört zu werden.
Häufige Fragen zur Folge
Wer ist Florian Ecker?
Florian Ecker ist ein Filmemacher aus dem niederbayerischen Rottal, der hauptberuflich als Lehrer arbeitet und in seiner Freizeit Volkshorror-Filme dreht. Bekannt ist er für die Kurzfilme Die Kornmuhme, Drud und seinen aktuellen Krampus-Film.
Was bedeutet der Begriff Trud beziehungsweise Drud?
Die Trud ist eine alpenländische Sagengestalt, ein Druckgeist, der sich nachts auf die Brust schlafender Menschen setzt. Im Norden wird sie Alb genannt. Ecker interpretiert sie als Sinnbild für das schlechte Gewissen.
Wer macht die Musik zu Florian Eckers Filmen?
Die Filmmusik stammt von Lukas Günther, Musiker und Komponist aus der Region Frankfurt. Er arbeitet seit rund zehn Jahren mit Ecker zusammen und hat unter anderem den Soundtrack zum Krampus-Film komponiert.
Wo kann man Florian Eckers Filme sehen?
Die älteren Kurzfilme wie Die Kornmuhme und Drud sind auf Eckers YouTube-Kanal verfügbar. Der Krampus-Film läuft zunächst auf Festival- und Kinotour durch Niederbayern und soll später ebenfalls auf YouTube erscheinen.
Von welchem Regisseur ist Florian Ecker beeinflusst?
Sein größtes Vorbild ist Robert Eggers, dessen Filme The Witch und Nosferatu er sehr schätzt. Weitere Einflüsse sind unter anderem Werner Herzog, Park Chan-wook und Gaspar Noé.




