Zwei sehr unterschiedliche Ausgangslagen treffen in dieser ClasSicks-Folge aufeinander: Mike kennt John Carpenter’s Vampires aus dem Kino, hat ihn als Teenager mehrfach gesehen und verehrt ihn bis heute. Korbi dagegen sieht den Film von 1998 zum allerersten Mal und wird komplett auf dem falschen Fuss erwischt. Herausgekommen ist ein Gespräch über einen Film, der mit dem romantischen Gothic-Vampir nichts am Hut hat und stattdessen einen dreckigen, schwitzigen Horror-Western abliefert.
Worum geht es in John Carpenter’s Vampires?
Jack Crow, gespielt von einem herrlich überdrehten James Woods, führt ein vom Vatikan finanziertes Team von Vampirjägern an. Ihr Job: Nester im amerikanischen Südwesten ausräuchern. Ihre Methode ist alles andere als subtil. Mit der Armbrust jagen sie den Vampiren einen Pfeil samt Stahlseil durch den Körper, dessen anderes Ende am Truck befestigt ist, und ziehen die Kreatur ins tödliche Tageslicht, wo sie verbrennt.
Als der uralte Meistervampir Jan Valek das komplette Team bis auf zwei Mann auslöscht, wird die Jagd persönlich. Valek sucht ein vergessenes Kreuz, mit dem er sich in einer Zeremonie tageslichtresistent machen will. Wäre er erst einmal immun gegen die Sonne, wäre er praktisch unaufhaltsam. An Crows Seite bleiben nur sein Kollege Anthony Montoya (Daniel Baldwin), der unerfahrene Priester Adam Guiteau und die Prostituierte Katrina (Sheryl Lee), die nach einem Biss langsam selbst zur Vampirin wird. Beauftragt wird das Ganze von Kardinal Alba, gespielt von Maximilian Schell.
Thomas Ian Griffith als Meistervampir Valek
Ein Wiedererkennungsmoment sorgt im Podcast für Begeisterung: Der Meistervampir Jan Valek wird von Thomas Ian Griffith gespielt, vielen besser bekannt als Bösewicht Terry Silver aus Karate Kid III und der Serie Cobra Kai. Ein grossgewachsener, charismatischer Typ, der genau die richtige Präsenz für einen Meistervampir mitbringt. Korbis Fazit: So einen muss man casten.
Western statt Gothic-Horror
Der Film ist die bewusste Antithese zum in den Neunzigern populären Interview mit einem Vampir. Wo dort die Vampire romantisch und melancholisch dargestellt werden, ist Vampires im Kern ein Western. Das passt zu Carpenter, der ein bekennender Western-Fan ist und über seine Karriere hinweg immer wieder Belagerungsfilme mit Western-Elementen inszeniert hat. Wer Assault, Carpenters frühen Belagerungsthriller, kennt, erkennt das Muster sofort: Tausche Polizisten gegen Cowboys, und der Western ist fertig.
Korbi fühlt sich während des Films stark an zwei Anime erinnert: an Cowboy Bebop und vor allem an Vampire Hunter D: Bloodlust. Tatsächlich teilen sich beide Werke auffällig viel: Vampirjagen als organisiertes Gewerbe, konkurrierende Jägergruppen, die Western-Optik und der aristokratische Meistervampir. Eine direkte Beeinflussung gab es nicht, aber beide beantworten dieselbe Idee auf gegensätzliche Weise, der eine roh und zynisch, der andere romantisch und poetisch.
Der literarische Ursprung: Vampire$ von John Steakley
Der Film basiert lose auf dem Roman Vampire$ von John Steakley. Wie schon bei Starship Troopers gilt: Nur die ersten Minuten haben mit der Vorlage zu tun, danach laufen Buch und Film komplett auseinander. Der zynische Ton, die brutale Eröffnung und der ausgeprägte Western-Charakter sind Carpenters eigene Handschrift. Verantwortlich für die handgemachten Gore-Effekte ist die KNB-Crew, dieselben Effektkünstler, die From Dusk Till Dawn betreut haben.
Die deutsche Indizierungs-Geschichte
Vampires hat in Deutschland eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Film kam in einer 108-minütigen Fassung auf VHS, parallel erschien eine um vier bis fünf Minuten gekürzte FSK-16-Version fürs Kaufhaus. 2001 wurde der Film als jugendgefährdend indiziert und verschwand für lange Zeit. Erst 2018 wurde die Indizierung aufgehoben, und nach einer Neuprüfung erhielt der Film eine FSK 16. Geschnitten wurden vor allem die Gewaltspitzen: das Gemetzel im Hotel, weggeschossene Gliedmassen, der Pflock ins Hirn und einige Dialoge.
Wer den Film heute kaufen möchte, sollte auf eine aktuelle, ungeschnittene FSK-16-Fassung achten und nicht versehentlich zur alten gekürzten Kaufhausversion greifen.
Der Score: Carpenters Blues-Rock-Western
Einer der grossen Pluspunkte des Films ist die Musik. Wer Carpenter nur für seine ikonischen Synthesizer-Scores kennt, wird hier überrascht: Vampires setzt auf Blues-Rock und Gitarren mit deutlichem Western-Einschlag. Der Soundtrack trägt den staubigen, dreckigen Charakter des Films und gehört für beide Hosts zu den klaren Höhepunkten. Carpenter ist heute ohnehin verstärkt als Musiker unterwegs und tourt mit Konzerten, was angesichts dieses Scores wenig überrascht.
Tops und Flops
Korbis Top: Die Musik und die herrlich dämlichen, improvisierten Sprüche von James Woods. Laut Carpenter durfte Woods jede Szene erst nach Drehbuch und dann einmal frei spielen, und die meisten dieser improvisierten Sprüche haben es in den Film geschafft. Wenn man das Hirn ausschaltet und einfach einen Film will, der unterhält, ist Vampires eine richtig gute Wahl.
Korbis Flop: Das Team wird gross eingeführt und dann fast komplett und sehr schnell ausgelöscht. Da geht Potenzial verloren. Ausserdem hat der Meistervampir kaum Fähigkeiten, die ihn von einem normalen Vampir abheben, zumindest kommt das im Film nie richtig rüber. Dazu fiel der Endkampf für Korbis Geschmack zu knapp und zu einfach gelöst aus.
Mikes Top: Das audiovisuelle Gesamterlebnis. Das raue, schwitzige Setting, die komplett handgemachten Gore-Effekte ohne CGI und die hochwertige Ausstattung bei Fahrzeugen, Waffen, Kostümen und Locations. Schönes, analoges Kino.
Mikes Flop: Die dialoglastige Mittelphase, in der rund zwanzig Minuten lang wenig passiert und viel geredet wird. Dazu ein paar Gags, die heute nicht mehr zünden und eher cringe als cool wirken.
Triple Threat: die Auflösung gibt es in der Folge
Wie steht es um die heilige Dreifaltigkeit der VLM-Filmbewertung? Titten, Trompeten, tote Tiere. Eine Kategorie wird mit einem dicken Hammer abgehakt, eine andere sorgt für eine kleine Trivia-Überraschung rund um eine geschnittene Szene. Welche das sind und wie der Film am Ende abschneidet, gibt es nur auf die Ohren.
Hört in die Folge rein, um die komplette Triple-Threat-Auflösung mitzunehmen. Schreibt uns eure Meinung zum Carpenter-Spätwerk gerne bei YouTube oder Spotify.
FAQ: John Carpenter’s Vampires
Wer spielt die Hauptrolle in John Carpenter’s Vampires?
James Woods spielt den zynischen Vampirjäger Jack Crow. Es ist seine erste grosse Horror- und Actionrolle, und er lebt sie mit voller Energie aus.
Wer spielt den Meistervampir Valek?
Thomas Ian Griffith, vielen bekannt als Terry Silver aus Karate Kid III und der Netflix-Serie Cobra Kai.
Worauf basiert der Film?
Auf dem Roman Vampire$ von John Steakley. Allerdings übernimmt der Film nur grob die ersten Minuten der Vorlage und geht danach eigene Wege.
Warum war der Film in Deutschland indiziert?
Vampires wurde 2001 wegen seiner Gewaltdarstellung als jugendgefährdend indiziert. 2018 wurde die Indizierung aufgehoben, seitdem hat der Film eine FSK 16.
Welche Fassung sollte man kaufen?
Eine aktuelle, ungeschnittene FSK-16-Fassung. Die alte gekürzte Kaufhausversion ist um vier bis fünf Minuten kürzer und lässt vor allem die Gewaltspitzen vermissen.
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