Primate – Tier-Horror mit tollwütigem Schimpansen von Johannes Roberts

Mike – Co-Founder und Horror-Experte von Viva la MovieluciónMike
Kane – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKane

Mike und Kane setzen sich für eine im Kino seltene Subgenre-Sichtung zusammen: Tier-Horror auf großer Leinwand. Primate von Regisseur Johannes Roberts (47 Meters Down, The Strangers: Prey at Night) bringt mit einem tollwütigen Schimpansen frischen Wind in ein Subgenre, das seit Crawl lange Pause hatte. Kurze Antwort vorweg: Empfehlung von beiden Hosts.

Worum geht es in Primate?

College-Studentin Lucy (Johnny Sequoyah) kehrt für die Semesterferien zurück nach Hawaii zur Familien-Villa im Klippen-Modernist-Stil. Vater Adam (Troy Kotsur, Oscar-Preisträger für CODA) ist gehörlos und kommuniziert per Gebärdensprache. Der intelligente Schimpanse Ben dient als Familien-Gefährte, aufgezogen von Lucys mittlerweile verstorbener Mutter, einer Linguistin. Mit Lucys Freundinnen Kate, Hannah (Jess Alexander, The Little Mermaid 2023) und zwei spontan hinzugekommenen Vollpfeifen wird ein Pool-Wochenende geplant. Bis Ben von einem tollwütigen Mungo gebissen wird und die Idylle in einen blutigen Survival-Albtraum kippt.

Tier-Horror im Kino: ein Subgenre mit Pause

Der letzte wirklich sehenswerte Tier-Horror auf der Kino-Leinwand war für beide Hosts Crawl (2019) von Alexandre Aja — und dazwischen kam erstaunlich wenig. Dass Primate jetzt einen ganz regulären Kinostart bekommen hat (statt direkt im Streaming-Ghetto zu landen), ist schon allein ein Pluspunkt. Und der Film liefert: Roberts macht daraus einen Hybrid aus Slasher und klassischem Creature-Feature — mit Ben als Schimpansen-Slasher, der teilweise wie The Shape aus Halloween vorgeht. Verstecken, Lauern, von oben kommen.

Johannes Roberts und seine ewige Figuren-Schwäche

Roberts (47 Meters Down, The Strangers: Prey at Night, Resident Evil: Welcome to Raccoon City) liefert auch hier wieder das gleiche Muster: Genre-Handwerk top, Figurenzeichnung flop. Außer Hannah, die als einzige eine echte Entwicklung durchmacht und sich für andere einsetzt, bleiben alle Charaktere die unsympathischen Vollpfeifen, die sie von Anfang an waren. Pures „Meat for the Grinder“, wie Mike mit Robert Rodriguez zitiert. Stört aber kaum, weil der Affe ordentlich liefert und die Kills schmerzhaft genüsslich inszeniert sind.

Practical Effects und der Mensch im Affenkostüm

Eine der größten Stärken: Roberts setzt fast komplett auf praktische Effekte. Schimpanse Ben wurde von Miguel Hernando Torres Umba per Motion Capture gespielt — ein Mensch im Kostüm, ergänzt mit detaillierter Maske und gezielt eingesetztem CGI nur in Nahaufnahmen. Das Ergebnis: Ben wirkt durchgehend echt und bedrohlich. Im Vergleich zu CGI-Desastern wie Bambi The Reckoning ist das ein Klassen-Unterschied. Lediglich der Morphing-Shot beim finalen Kiefer-Abriss fällt CGI-bedingt aus dem Rahmen — schade, hier hätte ein praktischer Effekt nochmal aufgewertet.

80er-Score und Argento-Vibes

Adrian Johnstons synth-lastiger Score zitiert ungeniert John Carpenter und 80er-Genre-Kino. Mike hört dazu Giallo- und Argento-Anklänge — kein Wunder, denn auch Phenomena (1985) hatte einen Affen als Side-Kick. Die Kulisse, eine durchdesignte Klippen-Villa, funktioniert als Kammerspiel-Setting fast wie ein zweiter Hauptdarsteller. Sehr 80er, sehr stylish, sehr Achterbahn-Score.

Der Pool als Survival-Falle

Ein Kniff der Drehbuchautoren Roberts und Ernest Riera: Tollwut bringt Hydrophobie mit sich. Ben traut sich nicht ins Wasser. Die Überlebenden barrikadieren sich also im Pool — limitierter Raum im ohnehin limitierten Haus, klassischer Survival-Druck. Die Idee ist stark, der Film hält sich nur etwas zu lange in dieser Szene auf und einige Figurenentscheidungen (raus aus dem sicheren Wasser, weil…?) wirken eher dramaturgisch motiviert als plausibel. Funktioniert trotzdem, auch dank starker Kameraperspektiven und der Affen-Gefahr, die immer wieder von oben kommt.

Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere

  • Titten: Nein!
  • Trompeten: Nein!
  • Tote Tiere: Ja!

Tops und Flops

Top (Kane): Die Klippen-Sequenz mit dem brutalen Kiefer-Abriss-Finale. Die Nahaufnahme, wie Ben den Kiefer eines Opfers wie ein Stollen-Eis auflutscht und wegknackt, ist so unnötig wie hervorragend inszeniert.

Top (Mike): Dass es überhaupt wieder einen hochwertigen Tier-Horror auf der Kino-Leinwand gibt — handwerklich solide gemacht, mit echten Effekten und einem bedrohlichen Tier statt CGI-Matsch.

Flop (Kane): Der Tod von Hannah (Jess Alexander) — die einzige Figur, die echte Entwicklung zeigt und sich für andere einsetzt, wird nicht mit dem Überleben belohnt. Wäre als emotionaler Anker stärker gewesen, sie hätten überleben zu lassen.

Flop (Mike): Die schwache Figurenzeichnung der gesamten Familie. Der Fokus der Drehbuchautoren liegt auf den falschen Stellen — eine echte emotionale Bindung zwischen Familie und Schimpanse Ben hätte den Film auf ein anderes Level gehoben.

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FAQ zu Primate

Wer hat Primate inszeniert?

Regie und Co-Drehbuch übernahm Johannes Roberts, gemeinsam mit seinem Stamm-Co-Autor Ernest Riera. Roberts ist bekannt für 47 Meters Down (2017), The Strangers: Prey at Night (2018) und Resident Evil: Welcome to Raccoon City (2021). Primate ist sein bislang erfolgreichster Film mit rund 41 Millionen Dollar weltweit.

Wer spielt in Primate mit?

Hauptrollen: Johnny Sequoyah als Lucy Pinborough, Troy Kotsur als deren gehörloser Vater Adam, Jess Alexander als Hannah und Miguel Hernando Torres Umba als Schimpanse Ben (Motion Capture). Weitere: Gia Hunter als Schwester Erin, Victoria Wyant als Lucys Freundin Kate, Elizabeth Perkins-Stil-Auftritte gibt es hier zwar nicht, dafür einen kurzen uncredited Rob Delaney als Tierarzt.

Wie wurde der Schimpanse Ben dargestellt?

Ben ist eine Mischung aus Practical Effects und gezieltem CGI. Miguel Hernando Torres Umba spielte den Affen per Motion Capture im Kostüm, ähnlich wie Andy Serkis als Caesar in Planet der Affen. Die Maske, Mimik und das Spiel mit Speichel und Mund-Schaum kommen aus der Trickabteilung — CGI wurde nur sparsam eingesetzt. Das Ergebnis ist deutlich bedrohlicher als die übliche reine Computeranimation.

Ist Primate gory?

Ja, für eine Freigabe ab 16 ist Primate erstaunlich saftig. Roberts macht keine Gefangenen — schon der Kill in der Eröffnungsszene macht klar, wo die Reise hingeht. Highlights sind eine abgerissene Gesichtshaut, Kiefer-Abriss-Szenen und eine Pool-Sequenz mit ordentlich Tempo. Wer Tier-Horror mag, wird gut bedient.

Welche anderen Filme sollte ich sehen, wenn ich Primate mag?

Direkter Verwandter: Crawl (2019) von Alexandre Aja als modernes Creature-Feature. Für die 80er-Vibes lohnt Phenomena (1985) von Dario Argento, der ebenfalls einen Affen als Sidekick einsetzt. Aus dem Tier-Horror-Subgenre außerdem Sting (2024) als Beispiel für gut gemachten Haustier-Horror, sowie der Klassiker Cujo nach Stephen King.

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