Mike und Kane tauchen in der dritten Ausgabe des ClasSicks-Formats tief in den italienischen Horror ein: Phenomena (1985) von Dario Argento mit der blutjungen Jennifer Connelly. Korbi glänzt mal wieder mit Abwesenheit, also zerlegen die beiden Argentos wilden Mix aus Giallo, Märchen und Insekten-Horror alleine. Die Ausgabe ist gratis, nur jede zweite ClasSicks-Folge ist Steady-exklusiv. Dieser Beitrag bleibt spoilerfrei, das Finale wird in der Folge erst nach klarer Spoilerwarnung besprochen.
Phenomena (1985): Worum geht es in Argentos Horror-Klassiker?
Die Schweiz, ein Mädcheninternat und ein Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat: Das ist die Ausgangslage von Phenomena. Mittendrin landet Jennifer Corvino, Tochter eines berühmten Schauspielers, gespielt von der jungen Jennifer Connelly. Das Mädchen schlafwandelt, wird von den Mitschülerinnen gemieden und kann telepathisch mit Insekten kommunizieren.
Unterstützung bekommt sie vom Entomologen John McGregor, gespielt von Horror-Ikone Donald Pleasence aus Halloween. Der Forscher bestimmt anhand von Maden und Fliegen, wie lange eine Leiche schon verwest, was die Hosts an ihre frühere Folge mit Kriminalbiologe Mark Benecke erinnert. Ihm assistiert eine Schimpansin namens Inga, und eine Fliege wird für Jennifer zum lebenden Navi auf der Spur des Mörders. Mehr sei hier nicht verraten. Für einen Aha-Moment sorgt übrigens die Erkenntnis, dass die Hauptdarstellerin niemand Geringeres als Jennifer Connelly ist, und mit Daria Nicolodi ist eine Argento-Vertraute dabei.
Ist Phenomena ein Giallo? Die Einordnung im ClasSicks-Check
Eine zentrale Frage der Folge: Ist Phenomena überhaupt noch ein Giallo? Die klassischen Zutaten sind da, von der Gestalt mit Mantel und schwarzen Handschuhen bis zur stets zustechenden Mordwaffe. Gleichzeitig mischt Argento übernatürliche Elemente dazu, die an Carrie oder Firestarter erinnern: ein Mädchen mit besonderen Kräften und einer märchenhaften Verbindung zur Tierwelt.
Für die Hosts steht der Film damit in einer Linie mit Suspiria, das als Hexenfilm ebenfalls Giallo-Elemente aufgreift und ganz ähnlich an einem Internat beginnt. Argento hat sich von seinen frühen, reinen Gialli sichtbar weiterentwickelt, und heraus kam einer der verrücktesten Filme seiner Karriere.
Albtraumlogik und Argento-Handwerk: Das feiern die Hosts
Erzählerisch ist Phenomena sprunghaft und episodenhaft, Figuren tauchen auf und verschwinden wieder, man kann durchaus den Faden verlieren. Genau daraus entsteht aber die surreale Albtraumlogik, die den Film für die Hosts so besonders macht, allen voran in den ausgiebig zelebrierten Schlafwandel-Szenen.
Handwerklich gibt es fast nur Lob: wunderschöne Kamerafahrten, aufwendige Kranaufnahmen aus einer Zeit ohne Drohnen und ein größtenteils flüssiger Schnitt. Beim Härtegrad ist der Film über weite Strecken für Argento-Verhältnisse erstaunlich zahm, zurückhaltender als Suspiria oder Tenebre. Dafür zieht die letzte halbe Stunde gewaltig an: ein herrlich chaotischer Overload samt einer Ekelszene für die Ewigkeit, für einen der Hosts das Beste am ganzen Film. Trivia am Rande: Argento drehte mit echten Insekten, und Drehorte wie das Haus am Wasserfall kann man bis heute besuchen.
Goblin trifft Motörhead: Der Soundtrack als Streitpunkt
Der Score von Claudio Simonetti und Goblin wird von beiden gefeiert, er trägt die Atmosphäre und atmet die 80er aus jeder Pore. Doch dann grätschen immer wieder harte Songs von Iron Maiden und Motörhead dazwischen, ausgerechnet in düster angelegten Szenen.
Für beide Hosts zerstören diese abrupten Musikwechsel einen Teil der Stimmung, obwohl mindestens einer von ihnen Metal eigentlich sehr gerne hört. Der Vergleich zu Dèmoni von Lamberto Bava mit seinem ähnlichen Musik-Mix liegt nahe. Kurz gesagt: Der Goblin-Anteil ist ein Top, die Metal-Einsprengsel sind der große Flop der Folge.
Fassungen, Index und FSK: Von Creepers bis Uncut
Einer der beiden kennt Phenomena seit rund 15 Jahren, der andere erinnert sich an stockdunkle DVDs früher Labels, auf denen kaum etwas zu erkennen war. Heute ist der Film wunderbar restauriert erhältlich, mit all den Farben, die Argento vorgesehen hat.
Bei den Schnittfassungen wird es wild: Die italienische Langfassung läuft am längsten, und in den USA erschien der Film als Creepers um fast eine halbe Stunde gekürzt, sodass man der Handlung laut den Hosts kaum noch folgen konnte. In Deutschland stand Phenomena lange auf dem Index, ist inzwischen aber gestrichen. Eine FSK-Prüfung steht noch aus, die beiden tippen auf eine Freigabe ab 16.
Tops, Flops und Fazit: Lohnt sich Phenomena heute noch?
Bei den Tops feiert einer der beiden die surreale Atmosphäre, die dem Film so manche Ungereimtheit verzeiht, der andere kürt den Goblin-Soundtrack. Beim Insekten-Plot gehen die Meinungen auseinander: Für den einen ist die Telepathie-Geschichte der Schwachpunkt, der andere ist, auch dank seiner Anime-Leidenschaft, deutlich empfänglicher für solche abgespaceten Ideen.
Das Fazit fällt bei beiden positiv aus: Phenomena ist total verrückt, in Story, Sound und Schlussakt, fügt sich aber zu einem unterhaltsamen Ganzen, das so wohl nur in den 80ern entstehen konnte. Für einen der Hosts gehört er sogar zu seinen fünf liebsten Argentos. Eine klare Empfehlung für Fans von Giallo und Italo-Horror, nur reine Splatter-Fans sollten die Erwartungen zurückschrauben.
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Häufige Fragen zur Folge
Ist Phenomena ein Giallo?
Phenomena nutzt klassische Giallo-Elemente wie den unerkannten Mörder mit schwarzen Handschuhen, mischt sie aber mit übernatürlichen Motiven. Für Mike und Kane ist er Argentos eigenwillige Weiterentwicklung des Genres.
Wer spielt in Phenomena mit?
Neben Jennifer Connelly sind unter anderem Donald Pleasence, Daria Nicolodi, Dalila Di Lazzaro und Patrick Bauchau zu sehen. Die Musik stammt zu großen Teilen von Claudio Simonetti und Goblin.
Welche Fassungen von Phenomena gibt es?
Es gibt eine lange italienische Version, eine internationale Fassung und die stark gekürzte US-Fassung Creepers. Heute ist der Film ungeschnitten und restauriert erhältlich.
Ist Phenomena noch indiziert?
Nein, der Film steht nicht mehr auf dem Index. Eine FSK-Prüfung gibt es laut der Folge noch nicht, Mike und Kane rechnen mit einer Freigabe ab 16.


