Korbi und Kane nehmen sich Disneys Realverfilmung von Mulan (2020) vor – ausschließlich auf Disney+ verfügbar, zum stolzen VIP-Aufpreis von 23 Euro on top zum laufenden Abo. Regie führt die Neuseeländerin Niki Caro (Whale Rider, North Country, McFarland USA, The Zookeeper’s Wife – allesamt Dramen, Action war Neuland). Hauptdarstellerin ist Liu Yifei, dazu kommen Donnie Yen (Commander Tung), Jet Li (Kaiser), Gong Li (Hexe Xianniang) und Jason Scott Lee (Bösewicht Böri Khan). Budget: offiziell 200 Mio Dollar, laut Gong Li in Wahrheit eher 290–300 Mio. Korbi sitzt mit Frau Jessie und Schwägerin Julia auf der Couch – beide hardcore-Fans des Original-Zeichentricks von 1998 – und bekommt die Enttäuschung der Damen live mit. Kane hat den Zeichentrick zur Vorbereitung nochmal nachgeschaut. Konsens: Spektakulär gefilmt, aber kein Remake, sondern eine eigene Interpretation – ohne Mushu, ohne Lieder, ohne Feuerwerk-Finale.
Plot-Rekap: Mulan zieht für ihren Vater in den Krieg
Das Setup ist im Kern dasselbe wie 1998: Hua Mulan ist die ältere Tochter eines verdienten, aber inzwischen fußkranken Kriegers in Imperial-China. Als der Kaiser per Edikt anordnet, dass pro Familie ein Mann in den Krieg ziehen muss – um die einfallenden Reitervölker abzuwehren – ist klar: Vater Hua Zhou würde nicht mehr lebend zurückkommen. Mulan, die ohnehin mehr aufs Reiten und Kämpfen steht als auf das traditionelle Frauenrollen-Programm (hübsch sein, gute Manieren, Ehemann finden), greift heimlich zur Rüstung des Vaters und reitet als Mann verkleidet – „Hua Jun“ – an seiner Stelle in den Kaiserlichen Heeresdienst.
Wichtig: Im Realfilm sind die Bösen nicht die Hunnen wie im Zeichentrick. Stattdessen heißt das Reitervolk hier Rouran, angeführt von Böri Khan (Jason Scott Lee). Kane hat extra den 1998er Zeichentrick nochmal angeschaut, um das sicher zu kriegen. Im Lager muss Mulan ihre Identität verstecken (Busen-abbinden inklusive – Kane: „Das hat man dann gleich abgeschaut, dass man immer Männer-Busen abbinden kann in Zukunft, jetzt schaue ich schon wesentlich besser aus“), bis das Geheimnis natürlich irgendwann auffliegt und im großen Finale klar wird: Auch Frauen können krass kämpfen. Punkt.
Kein Remake – sondern eigene Interpretation
Kanes wichtigster Punkt vorab: Wer die Mulan-Realverfilmung mit den anderen Disney-Realverfilmungen wie Die Schöne und das Biest, Aladdin oder Susi und Strolch in einen Topf wirft, kriegt einen Schock. Diese Filme waren klassische Eins-zu-eins-Übertragungen mit denselben Figuren, denselben Liedern und dem gleichen Ton. Mulan 2020 ist keine Disney-Realverfilmung in dem Sinn – sondern eine eigenständige Neuinterpretation der chinesischen Original-Ballade von Hua Mulan. Im Kern dieselbe Story, aber:
- Kein Mushu – der kleine rote Drache wurde komplett gestrichen, weil die Figur in China negativ aufgenommen wurde. Stattdessen taucht ein mystischer Phönix auf.
- Keine Lieder – kein „Reflection“, kein „I’ll Make a Man Out of You“. Korbis Frau Jessie hat tatsächlich versucht, ihrer Schwester via Voicemail mitzuteilen, dass noch ein Lied kommen könnte, „vielleicht kommt es ja noch“ – bis der Abspann lief.
- Kein Feuerwerk-Finale in der chinesischen Hauptstadt wie im Zeichentrick.
- Düsterer Ton – Kane: „Für Disney-Verhältnisse ist das wohl der erwachsenste und düsterste Realfilm bisher.“
- Schwester – Mulan bekommt im Realfilm eine jüngere Schwester (Xiu, gespielt von Xana Tang), die im Zeichentrick nicht existiert.
- Hexe Xianniang – Gong Li spielt eine komplett neue weibliche Antagonistin, eine gestaltwandlernde Hexe mit Falken-Form (lose abgeleitet von Shan Yus Falken Hayabusa). Beide Hosts finden den Charakter gewinnbringend.
Korbis Resümee: Der Streifen wäre ein cooler Film, wenn er nicht Mulan hieße – nehmt ihm das Disney-Branding und nennt ihn „Der Weg des Phönix“ oder so, und plötzlich ist es ein erwachsener Martial-Arts-Genre-Film, den man richtig abfeiern könnte. Aber als Disney-Mulan wird er die Erwartungen einer ganzen Generation nicht erfüllen.
Was funktioniert: Sets, Action, Gong Li
Setdesign – Marco-Polo-Vibes. Kanes größtes Lob geht ans Production Design. Er vergleicht es direkt mit der Netflix-Serie Marco Polo (2014–2016, leider nach zwei Staffeln abgesetzt – Kanes Worte: „die Netflix-Schwachköpfe setzen immer bei den falschen Serien den Rotstift an“). Die Kostüme, die kaiserlichen Hallen, die Dorf-Szenen, die Ausstattung der Rouran-Lager – alles eins-zu-eins glaubwürdig und detailreich. Der Look hat starke Anleihen bei Zhang Yimou. Wenn das Setting so geil ist, sagt Kane, „muss der Film fast gar nicht mehr gut sein, der hat eh schon einen Stein im Brett.“
Martial-Arts-Action mit Wuxia-Anleihen. Wand-entlang-Läufe, übertriebene Sprünge, „über Bäume drüber laufen wie im Anime“. Korbi findet das deplatziert für Disney – speziell, dass auch der Kaiser plötzlich Stoffleinen zu Waffen formen kann. Kane dagegen feiert die Anleihen an klassische asiatische Martial-Arts-Filme wie Ip Man (in dem auch Donnie Yen die Hauptrolle spielt – derselbe Donnie Yen, der hier Commander Tung gibt). Seine Bewertung: nicht zu schnell geschnitten, angenehm choreographiert, ein paar coole Kameraeinstellungen.
Gong Li als Hexe Xianniang. Beide Hosts feiern den neuen weiblichen Antagonisten-Charakter – Gong Li spielt eine gestaltwandlernde Hexe mit Falken-Form, die als Verbündete von Böri Khan beginnt, dann aber durch ihr Mitgefühl mit Mulan einen eigenen Story-Bogen bekommt. Im Gegensatz zu Aladdin 2019, wo das forcierte Hervorheben von Jasmin Korbi genervt hat, fügt sich Xianniang hier organisch ein.
Jet Li als Kaiser. „Jet Li ist immer geil.“ Kurz, klein, wahr.
Niki Caros sichere Hand. Korbi wundert sich vorab, dass mit Caro – die bisher ausschließlich Dramen wie Whale Rider, North Country und The Zookeeper’s Wife inszeniert hat – eine Action-Sci-Fi-Realverfilmung umgesetzt wurde. Das erklärt den ernsten, dramatischen Ton. Mulan ist mit 200 Mio Dollar Budget der teuerste Film, der je von einer Frau inszeniert wurde.
Was nervt: Mulan ist von Anfang an übermächtig
Kanes Hauptkritik: Mulan hat im Realfilm von Beginn an „krasses Chi“ – sie kann schon als Kind die Wand entlanglaufen, springt akrobatisch über Dächer, ist quasi geboren als Kung-Fu-Meisterin. Das verschenkt einen wichtigen Charakter-Bogen aus dem Zeichentrick: Dort musste sie das Kämpfen erst lernen, mit Trainings-Montage und allem, was dazugehört. Hier ist sie schon fertig, bevor sie ins Camp kommt.
Wichtiger Punkt: Das ist weder in der originalen chinesischen Ballade von Mulan so angelegt noch im Disney-Zeichentrick von 1998. Kane: „Das hätte jetzt nicht sein müssen, dass sie da schon die Überfähigkeiten hat.“ Stört die Identifikation, weil Mulan dann nicht mehr „die Schwächere, die sich beweisen muss“ ist, sondern eine fertig gemachte Übermenschin, die nur ihr Geschlecht versteckt.
Korbi nervt zusätzlich, dass der Film sich nur zur Hälfte traut: Er geht weg vom Kinderfilm, aber nicht weit genug. Wenn er sich getraut hätte, FSK 16 oder 18 zu fahren – mit echtem Blut, echtem Schmerz, echtem Krieg – wäre es ein cooler erwachsener Film. So bleibt er irgendwo in der Jugendfilm-Mitte stecken.
Disney+ VIP für 23 Euro – Bitch-Move oder Notwendigkeit?
Mulan war global eigentlich für Kinostarts geplant. Wegen Corona hat Disney die Reißleine gezogen und den Film außerhalb der US-Kinos exklusiv auf Disney+ rausgehauen – aber nicht im normalen Abo, sondern im neuen VIP-Premium-Bereich für rund 23 Euro on top zum laufenden Abonnement. Wer einmal gekauft hat, kann beliebig oft schauen, solange das Abo läuft. Wenigstens etwas.
Kane macht daraus den Rant des Abends. Hardcore-Bitch-Move für die Kinos, die in der Pandemie ohnehin ums Überleben kämpfen. Disney zieht mit Mulan einen finanziell wertvollen Film aus dem Programm und brennt ihn auf der eigenen Plattform durch. Die Befürchtung: Wenn das erfolgreich wird, gehen die anderen verschobenen Marvel-Blockbuster denselben Weg – Black Widow, Shang-Chi, Eternals waren zur Aufnahmezeit alle nach hinten verschoben. Kane hofft, dass Mulan auf Disney+ nicht erfolgreich genug wird, damit Disney sich besinnt und die großen Filme wieder ins Kino schickt. (Zur Einordnung 2026: Hat geholfen – Black Widow kam 2021 als Hybrid-Release, danach gingen die meisten Marvels wieder klassisch ins Kino.)
Kanes Empfehlung an die Hörer: 23 Euro für einen Couch-Streamer ist heftig. Lohnt sich rechnerisch nur, wenn die ganze Familie gemeinsam schaut. Zu zweit oder allein – lieber warten, bis Mulan später ins reguläre Disney+-Programm wandert. Das passierte tatsächlich Anfang Dezember 2020 in den USA und Anfang 2021 international.
Korbis Wunsch ans Universum: Disney sitzt mit Marvel und Lucasfilm auf so viel Talent und Budget. Statt eine Realverfilmung nach der anderen aus dem Hut zu ziehen (Aladdin, Susi und Strolch, Mulan, und damals schon angekündigt: Arielle), bitte mehr neue Stories – und gerne mit kreativen Regisseuren in deren eigenem Stil.
Liu Yifei und die Hongkong-Kontroverse
Hauptdarstellerin Liu Yifei hat sich 2019 öffentlich auf die Seite der Hongkonger Polizei gestellt – während der dortigen Demokratie-Proteste, in denen die Polizei mit teils massiver Gewalt gegen Demonstranten vorging. Daraufhin entstand der globale Hashtag #BoycottMulan. Kane findet die Aussage grenzwertig, will sich beim Filmgenuss aber davon nicht beeinflussen lassen.
Schauspielerisch macht Liu Yifei ihre Sache gut. Tatsächlich hat sie schon 2009 in der asiatischen Mulan-Verfilmung mitgespielt – damals allerdings nicht in der Titelrolle, sondern als Prinzessin. (Zur Einordnung: Trotz Kontroverse hat Disney sie nicht ausgetauscht – die Dreharbeiten waren zum Zeitpunkt der Hongkong-Posts schon abgeschlossen.)
Fazit: Pro & Contra
Kane Pro: Setdesign auf Marco-Polo-Niveau, Martial-Arts-Choreographie, erwachsenster Disney-Realfilm bisher, Gong Li als Xianniang. Kane Contra: Mulans angeborenes Übermenschen-Chi nimmt den Charakter-Bogen weg. Ansonsten Nörgeln auf hohem Niveau.
Korbi Pro: Die Story funktioniert auch ohne den Disney-Klamauk, Jet Li ist immer geil, der neue weibliche Antagonist-Charakter ist gut eingebaut, die Kind-Mulan-Pre-Story am Anfang ist nett. Korbi Contra: Hätte nicht von Disney sein müssen. Trau dich entweder ganz oder gar nicht – nicht halb erwachsen, halb Kinderfilm. Statt 200 Mio Dollar in Realverfilmungen lieber neue Stories.
Empfehlung: Wer die Realverfilmung als eigenen Film betrachtet, kriegt ein spektakulär gefilmtes Wuxia-Kriegerinnen-Drama. Wer einen ehrlichen Mushu-Drachen-Lieder-Remake erwartet, wird enttäuscht. Korbi und Kane bewerten ihn als ordentlich gemachten, aber wegen des Disney-Brandings missglückten Erwartungs-Manager. Plus: Gerade dann nicht die 23-Euro-VIP-Variante kaufen, wenn man kein 5er-Familienpaket vor der Couch hat. Geduldig sein und auf das reguläre Disney+-Programm warten.
VLM-Triple-Threat-Bilanz: Sterben Tiere? On-Screen kaum sichtbar, aber Krieg in alter Zeit – Pferde wird es schon erwischt haben. Sieht man Titten? Nein – die sind ja abgebunden, wie Kane nicht ohne Genuss anmerkt. Sieht man entblößte Trompeten? Nur off-screen. Schauwerte also Fehlanzeige.
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Wer Korbi und Kane bei dieser Disney-Realverfilmungs-Diagnose feiert, findet weitere ehrliche Reviews in Folge 31 – Project Power (durchwachsenes Netflix-Sci-Fi mit Jamie Foxx), Folge 33 – The Mandalorian Staffel 1 (This Is the Way) und Folge 34 – Alien (der Klassiker, mit Birger als Gast). Komplette Filmübersicht in unserer Film-Kategorie.
FAQ
Wer hat bei Mulan (2020) Regie geführt?
Niki Caro, eine neuseeländische Filmemacherin, vorher bekannt für Whale Rider (2002), North Country (2005, Charlize Theron), McFarland USA (2015) und The Zookeeper’s Wife (2017, Jessica Chastain) – alles Dramen. Mulan war ihr erster Action-Film und mit 200 Mio Dollar Budget der teuerste Film, der je von einer Frau inszeniert wurde. Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Lauren Hynek und Elizabeth Martin.
Wer spielt die Hauptrollen?
Liu Yifei spielt Mulan/Hua Jun, Donnie Yen den Commander Tung, Gong Li die Hexe Xianniang, Jet Li den Kaiser, Jason Scott Lee den Bösewicht Böri Khan, Tzi Ma den Vater Hua Zhou, Yoson An den Mit-Soldaten Honghui und Xana Tang die jüngere Schwester Xiu (eine Erfindung des Realfilms, im Zeichentrick nicht vorhanden).
Warum ist Mushu nicht im Film?
Mushu, der kleine rote Drache aus dem 1998er Zeichentrick (im Original gesprochen von Eddie Murphy), wurde gestrichen, weil die Figur in China negativ aufgenommen wurde – sie galt dort als respektlose Verharmlosung der kulturell hoch angesehenen Drachen-Symbolik. Produzent Jason T. Reed bestätigte das 2020 öffentlich. Stattdessen tritt im Realfilm ein mystischer Phönix auf, der Mulan als Ahnen-Botschafter begleitet.
Warum konnte ich den Film nicht im Kino sehen?
Wegen der Corona-Pandemie und geschlossener Kinos in vielen Ländern hat Disney den Film im September 2020 außerhalb der US-Kinos exklusiv auf Disney+ veröffentlicht – im neu eingeführten „VIP-Premium-Bereich“ für rund 23 Euro Aufpreis zum laufenden Abonnement. Im regulären Disney+-Programm landete Mulan in den USA Anfang Dezember 2020, international Anfang 2021.
Wer waren die Bösewichte?
Im Realfilm sind die Eindringlinge keine Hunnen wie im Zeichentrick, sondern das Reitervolk der Rouran, angeführt von Böri Khan (Jason Scott Lee). Loose abgeleitet von Shan Yu aus dem 1998er Original. Ergänzt wird er durch die Hexe Xianniang (Gong Li), eine komplett neue Figur ohne direktes Vorbild im Zeichentrick.
Wo wurde Mulan (2020) gedreht?
Die Dreharbeiten fanden zwischen August und November 2018 in Neuseeland und China statt. Vor allem die Aufnahmen in der Provinz Xinjiang sorgten später für Kontroversen, weil Disney in den Credits Behörden danken ließ, die mit der dortigen Verfolgung der Uiguren in Verbindung stehen.


