Ein Zombie hing am Glockenseil (1980): Fulcis Gates of Hell – Erster VLM-Fulci (Steadyklusiv)

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KaneKane
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Über 300 Folgen ohne einen einzigen Fulci-Film: das war für einen Filmpodcast mit Horror-Schwerpunkt ein Armutszeugnis. In der zweiten ClasSicks-Folge holt Viva la Movielución das nach. Kane und Mike nehmen sich den Godfather of Gore vor und steigen direkt mit einem seiner krassesten Werke ein: Ein Zombie hing am Glockenseil (1980), im Original Paura nella città dei morti viventi, im englischen Verleih City of the Living Dead. Italienisches Schockerkino vom Feinsten, Auftakt der berüchtigten Gates-of-Hell-Trilogie und einer der meistdiskutierten Indizierungsfälle der deutschen Videomarkt-Geschichte.

Lucio Fulci und der Auftakt der Gates-of-Hell-Trilogie

Lucio Fulci, der Großmeister des italienischen Splatter-Kinos, drehte Ein Zombie hing am Glockenseil als Auftakt seiner inoffiziellen Gates-of-Hell-Trilogie, die mit Über dem Jenseits und Das Haus an der Friedhofsmauer 1981 fortgesetzt wurde. Drei Filme, ein Grundmotiv: irgendwo öffnet sich ein Tor zur Hölle, die Realität reißt ein, die Toten kehren zurück. Anders als Fulcis bekanntester Zombi 2 sind die Wiedergänger hier kaum klassische Untote, sondern Geistererscheinungen mit Teleportationsfähigkeit, die Hirne aus Schädeln ziehen und mit blutigen Augen aus dem Nichts auftauchen. Mike und Kane sind sich einig: das ist näher an Cosmic Horror als an Romero, und genau das macht den Reiz aus.

Worum geht’s in der kleinen Stadt Dunwich?

In dem fiktiven Ort Dunwich erhängt sich Pater William Thomas (Fabrizio Jovine) auf dem örtlichen Friedhof. Mit dem Suizid öffnet er eines der sieben Tore zur Hölle. Das Medium Mary Woodhouse (Catriona MacColl) sieht die Tat in einer Séance und kollabiert vor Schock. Der Reporter Peter Bell (Christopher George) und der Psychiater Gerry Ross (Carlo De Mejo) machen sich gemeinsam mit Marys Therapeutin Sandra (Janet Agren) auf, das Tor zu schließen, bevor Allerheiligen anbricht und die Welt im Höllenschlund versinkt. Parallel terrorisiert der erweckte Pater die Bewohner von Dunwich: er bringt das junge Mädchen Emily Robbins zur Verzweiflung, lässt den Dorftrottel Bob (Giovanni Lombardo Radice) für seine Lüsternheit büßen und treibt Rosie Kelvin (Daniela Doria) zu einem der berüchtigtsten Effekte der italienischen Filmgeschichte.

Maden, Bohrer und Kutteln aus dem Wiederkäuermagen

Drei Splatter-Set-Pieces machen den Film zur Pflichtlektüre. Erstens der Maden-Sturm: zwei Gebläse blasen rund zehn Kilogramm echte Maden durchs Fenster, sie landen in Gesicht, Mund und Haaren der Darsteller. Die eigentliche Pointe spielte sich abseits der Leinwand ab. Fulci war notorischer Pfeifenraucher und hatte seinen Tabakbeutel offen am Set liegen. Als er später danach griff, hatte er statt Pfeifenkraut eine Handvoll Maden in der Hand. Verdächtigt wird Christopher George, der mit dem Regisseur ohnehin nicht gerade harmonierte.

Zweitens die Kopfbohr-Szene: Giovanni Lombardo Radices Bob bekommt eine Bohrmaschine langsam an die Schläfe gehalten, Praxis-Effekte par excellence. Der Bohrer arbeitet sich genüsslich durch den Schädel, der Sound dazu gehört zum Inventar des Genres und hat bis heute Metalbands wie Fulci, Necrophagia und Eisregen zu Tracks und ganzen Konzeptalben inspiriert.

Drittens die Eingeweide-Szene: Daniela Doria kotzt unter dem starren Blick des wiederkehrenden Vaters Thomas ihre kompletten Innereien aus. Praktisch realisiert mit echten Wiederkäuermägen aus dem Metzger-Bestand, gefüllt mit Kunstblut, in Echtzeit und in langen Einstellungen. Die deutsche Bundesprüfstelle hatte mit dieser einen Szene das größte Problem, weil sie so genüsslich ausgekostet wird, mit Bluttränen, berstendem Spiegel und einer Tonkulisse, die ihresgleichen sucht.

Vier deutsche Schnittfassungen und eine ZDF-Mockumentary

Im Januar 1983 wurde Ein Zombie hing am Glockenseil erstmals indiziert, im Juli 1986 nach Paragraf 131 StGB wegen Gewaltdarstellung beschlagnahmt. Es folgten weitere deutsche Auflagen unter alternativen Titeln, jede mit eigenen Schnitten: Ein Toter hing am Glockenseil, Eine Leiche hing am Glockenseil und schließlich Ein Kadaver hing am Glockenseil. Auch geschnittene Fassungen wurden teilweise erneut beschlagnahmt, eine sogar erst 2001. Erst die vierte Schnittfassung erhielt FSK 16. Im Januar 2025 wurden dann sämtliche Indizierungen aufgehoben, der Film läuft seither legal ungeschnitten in Deutschland.

Verantwortlich für die Hysterie der 80er war auch die berüchtigte ZDF-Pseudodoku Mama, Papa, Zombie, die am 1. März 1984 in der Sendung Klartext lief. Eine als Dokumentation getarnte Mockumentary, die Eltern in Panik versetzte und Splatter-Filme als ursächlich für Schulversagen, Aggression und Verwahrlosung präsentierte. Mike und Kane diskutieren den Bericht ausführlich, inklusive der absurden Szene am Kickerkasten in einem Jugendtreff. Bemerkenswert: das Werk ist mittlerweile auf offizieller DVD durch ZDF Studios verfügbar, ein echtes Kuriosum.

Lovecraft, Dunwich und der Cosmic-Horror-Faden

Fulci und Drehbuchautor Dardano Sacchetti haben sich klar bei H. P. Lovecraft bedient. Der Ortsname Dunwich verweist direkt auf Lovecrafts Erzählung The Dunwich Horror aus dem Arkham-Zyklus, das im Film genannte Buch Enoch und das Mysterium um die sieben Höllentore liegen ebenfalls in dieser Tradition. Auch Über dem Jenseits und Das Haus an der Friedhofsmauer arbeiten mit Lovecraft-Anleihen, daher die thematische Klammer der Gates-of-Hell-Trilogie. Wer dieses Cosmic-Horror-Erbe auf modernem Boden vergleichen will, findet bei Carpenters Die Mächte des Wahnsinns den direkten Pendant.

Soavi-Cameo, Fulci-Cameo und das musikalische Erbe

Wer im Film genau hinschaut: in der Eingeweide-Szene sitzt direkt neben Daniela Doria der spätere Regisseur Michele Soavi, der mit Dellamorte Dellamore und Stage Fright selbst zu einem der wichtigsten Stilisten des italienischen Horrors werden sollte. Hier spielt er den jungen Tommy Fisher, der später auf einem Friedhof eine aufblasbare Gummipuppe für sich aufbläst. Lucio Fulci selbst hat einen klassischen Hitchcock-Cameo als Pathologe Doktor Joe Thompson, ein wiederkehrender Spaß in seinen späten Filmen.

Musikalisch hat der Film über Generationen hinweg gewirkt. Die italienische Death-Metal-Band Fulci hat ein komplettes Konzeptalbum zu City of the Living Dead aufgenommen, Necrophagia hat dem Werk mehrere Tracks gewidmet, Eisregen hat das italienische Horrorkino auf einem ganzen Album verarbeitet, und auch die plasmatischen Zombies aus dem deutschen Underground bedienen sich regelmäßig am Fulci-Kanon. Der Soundtrack von Fabio Frizzi gilt bis heute als Maßstab für atmosphärisches Horror-Scoring.

Die Triple-Threat-Frage: Titten, Trompeten, tote Tiere?

Am Ende jeder Folge stellt sich die heilige Frage nach der VLM-Dreifaltigkeit: Titten, Trompeten, tote Tiere? Bei einem italienischen Splatter-Klassiker mit Pater am Strick, Maden im Wind und einer aufblasbaren Puppe auf dem Friedhof sind die Vorzeichen interessant. Wo genau Kane und Mike ihre Treffer landen oder eben nicht, gibt’s nur in der vollständigen Folge auf Steady.

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Mehr aus dem VLM-Universum

Italo-Doppel: Die erste ClasSicks-Folge Lebendig gefressen (1980) von Umberto Lenzi bleibt im Italien des selben Jahres und steigert die Magenverstimmung um ein paar Stufen. Die dritte ClasSicks-Episode wechselt zu Dario Argento: Phenomena bringt Jennifer Connelly und einen ganzen Schwarm Insekten ins Spiel. Wer den Cosmic-Horror-Faden weiter ziehen will, sollte Die Mächte des Wahnsinns reinziehen: John Carpenters Lovecraft-Hommage, die thematisch direkt anschließt.

Mehr ClasSicks-Folgen versammelt die ClasSicks-Kategorie, alle Horror-Diskussionen finden sich im Horror-Podcast-Bereich, alle Steadyklusiv-Episoden in der Steady-Kategorie.

FAQ zu Ein Zombie hing am Glockenseil

Worum geht es in Ein Zombie hing am Glockenseil?
In der fiktiven Kleinstadt Dunwich erhängt sich ein Pater auf dem Friedhof. Mit seinem Suizid öffnet er eines der sieben Tore zur Hölle. Ein Reporter und ein Medium müssen das Tor vor Allerheiligen wieder schließen, während die Toten aus den Gräbern steigen. Ein Psychiater und Marys Therapeutin unterstützen sie, parallel terrorisiert der wiedergekehrte Pater die Bewohner.

Wer hat Ein Zombie hing am Glockenseil gedreht?
Regie führte Lucio Fulci, das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Dardano Sacchetti. Der Film entstand 1980 in Italien und ist der Auftakt der inoffiziellen Gates-of-Hell-Trilogie, die mit Über dem Jenseits und Das Haus an der Friedhofsmauer fortgesetzt wurde.

Wann wurde der Film in Deutschland vom Index gestrichen?
Im Januar 2025 wurden sämtliche Indizierungen aufgehoben. Davor war der Film seit Januar 1983 indiziert und seit Juli 1986 zusätzlich beschlagnahmt. Insgesamt existierten vier deutsche Schnittfassungen, die teilweise mehrfach beschlagnahmt wurden.

Welche Schnittfassungen gibt es in Deutschland?
Es gibt vier deutsche Titelvarianten mit jeweils eigenen Schnitten: Ein Zombie hing am Glockenseil, Ein Toter hing am Glockenseil, Eine Leiche hing am Glockenseil und Ein Kadaver hing am Glockenseil. Erst die vierte Fassung erhielt FSK 16, die anderen wurden indiziert oder beschlagnahmt.

Gehört der Film zu einer Trilogie?
Ja. Ein Zombie hing am Glockenseil ist der Auftakt der inoffiziellen Gates-of-Hell-Trilogie. Die Fortsetzungen sind Über dem Jenseits und Das Haus an der Friedhofsmauer, beide aus dem Jahr 1981, ebenfalls von Lucio Fulci.

Welcher Schauspieler bekam später eine eigene Regie-Karriere?
Michele Soavi, der hier den jungen Tommy Fisher spielt, wurde später selbst Regisseur und drehte Stage Fright sowie Dellamorte Dellamore mit Rupert Everett. Sein Cameo gilt als heimliches Highlight für Italo-Horror-Fans.

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