Korbi und Kane nehmen sich Project Power (2020, Netflix) vor – den Action-Sci-Fi-Thriller mit Jamie Foxx, Joseph Gordon-Levitt und Dominique Fishback, der seit 14. August 2020 auf Netflix läuft und kurzzeitig auf Platz 1 der Top 10 stand. Regie: Henry Joost & Ariel Schulman, das Duo hinter Paranormal Activity 3 (2011), Paranormal Activity 4 und Nerve (2016). Drehbuch: Mattson Tomlin (Original-Spec-Script „Power“, 2017 von Netflix in einem Bidding-War gekauft). Korbi verhaspelt sich am Anfang gleich mit dem Monat – plant statt Folge-30-Geist-Septemberwartung einen Oktober-Hype, lässt sich aber von Kane korrigieren. Konsens vorab: durchwachsen.
Pillen-Setup: 5 Minuten Superkräfte oder Tod
In Project Power taucht in New Orleans eine mysteriöse Pille auf, die kleinen Kapseln gleicht. Wer sie schluckt, kriegt für genau fünf Minuten eine Superkraft – nur weiß man vorher nicht, welche. Manche kriegen kugelsichere Haut, andere werden unsichtbar, wieder andere brennen – und ein paar explodieren einfach. Drei Erzählstränge laufen ineinander: Der NOPD-Cop Frank Shaver (Joseph Gordon-Levitt) ermittelt undercover und schluckt selbst Pillen, um Zeugen zu beschützen. Die jugendliche Power-Dealerin Robin Reilly (Dominique Fishback) träumt davon, Rapperin zu werden, und finanziert nebenher die OP ihrer kranken Mutter. Und Art (Jamie Foxx), Ex-Delta-Force-Soldat und Original-Testperson des Power-Programms, sucht seine entführte Tochter Tracy. Die drei kollidieren – mit dem üblichen gemeinsamen Endziel.
Korbi und Kane sind sich einig: Die Grundidee ist top – aber im Filmformat verschenkt. Beide hatten beim Trailer den Eindruck, das Ganze wäre eigentlich Stoff für eine 4–5-teilige Miniserie, in der jeder Charakter mehr Raum bekommt. 110 Minuten reichen vorne und hinten nicht, um Art, Frank, Robin und das Pillen-Worldbuilding sauber unterzubringen.
Korbis Einschlafrekord – sechs Anläufe als Einschlaffilm
Korbis Beichte des Abends: Er hat den Film praktisch zweimal gesehen, ohne ihn zweimal gesehen zu haben. Erst hat er ihn als Einschlaffilm angeworfen und ist sechs- bis siebenmal nach jeweils zehn Minuten weggenickt – jedes Mal, wenn er später wieder reingeschaut hat, war ihm das Ausgangs-Setup interessant genug, um nochmal von vorne zu starten. Erst beim siebten Anlauf hat er sich gesagt: „Den schaue ich jetzt mal bewusst.“ Mit zusammenaddiert eineinhalb Anläufen kommt er auf fast die anderthalbfache Laufzeit. Sein Urteil: „wenn ich diesen Film jetzt nicht gesehen hätte, wär’s auch nicht so schlimm gewesen.“ Kane spielt den Ball zurück: „Da gibt es einige, wo man sagt, das war nicht so schlimm gewesen.“
Was funktioniert: Stil, Set-Pieces, Schauspiel
Die Action ist stylisch. Beide feiern die Verfolgungsjagden und Kampfsequenzen – visuell stark choreographiert. Kane hebt die Szene mit dem Brenner-Typen hervor (Newt Lasalle, gespielt von Colson „Machine Gun Kelly“ Baker), der buchstäblich in Flammen aufgeht. Plus die Eiskulptur-Frau (Candy alias „Frozen Woman“, Jazzy De Lisser) – richtig stylisch umgesetzt. Auch die Mid-Movie-Set-Piece in der Kuppel-Location (Korbi: „Ich versuche das mal so zu formulieren, ohne dass ich groß spoiler“) überzeugt: Die Kamera folgt einer Figur durch einen Raum, drumherum tobt die Action. Beiden bleibt die Sequenz im Kopf hängen.
Schauspiel: Oberste Liga. Jamie Foxx ist – wie immer – ein cooler Hund und reißt jede Szene raus. Joseph Gordon-Levitt (an dessen Nachnamen-Aussprache Korbi und Kane sich kreativ abarbeiten – Vorschlag des Abends: „warum kann der nicht einfach Karl heißen“) ist verlässlich gut. Und Dominique Fishback steht den beiden genannten Stars in nichts nach. Die Kritiker waren sich da einig: Rotten Tomatoes lobte Fishbacks „star-making turn“. Der Film selbst landete bei 61% Rotten Tomatoes und wurde in den ersten vier Wochen laut Netflix von 75 Millionen Haushalten gestreamt – auf Platz 12 der meistgesehenen Streaming-Filme 2020.
Was Kane besonders nervt: die Rap-Szene
Robin (Dominique Fishback) träumt davon, Rapperin zu werden. Diese Charakter-Note schlägt mehrfach im Film durch – mit eingebauten Freestyle-Einlagen, in denen Robin ihre Rap-Skills zeigen darf. Kane ist davon „ausgeflippt“ abgeschossen: „behinderte Scheiß-Rapperei von einer möchte-gerne-Rapperin in Filmen, das ist einfach so ein Scheißtrick.“ Sein Vergleich: die nervige Rap-Sequenz aus The Wizard (1989, mit Fred Savage und Jenny Lewis als Power-Glove-Wunderkind), bei der er damals „im Strahl das ganze Kino vollkotzen“ wollte. Korbi kontert pragmatisch: „Du wirst jetzt in einem Ranking von den Top-Rap-Filmen nicht erst nur 8 Mile bringen und danach kommt gleich Project Power.“ Kane hält dagegen: Project Power würde in seinem persönlichen Ranking gar nicht auftauchen – außer es ginge um die schlechtesten Rap-Szenen aller Zeiten, dann ständen The Wizard und Project Power vorne dran.
Wichtig zur Klarstellung: Beide finden Dominique Fishbacks Schauspiel hervorragend – es geht ausschließlich um die Drehbuch-Entscheidung, ihre Figur als Rapperin im Film performen zu lassen. Robin als Charakter ist sympathisch geschrieben, an der Grenze zwischen „feier ich gerade“ und „nervst du mich gerade voll“.
Bösewicht-Problem: alle bleiben blass
Der Hauptbösewicht (Dr. Gardner, gespielt von Amy Landecker, Chefin von Project Power) bleibt im Talk komplett ohne Eindruck. Im Kopf bleibt nur, wer in den letzten Minuten eine markante Set-Piece kriegt: Knifebones (Yoshi Sudarso), dessen Power-Fähigkeit von einem Wolverine-Frosch abgeleitet ist – er kann sich seine eigenen Knochen aus dem Körper raustreiben und als Klingen einsetzen. Geil eklig umgesetzt, sagt Kane.
Korbi findet aber den Erklär-Aufbau dazu plump: 30 Minuten vor dem finalen Showdown sieht man die Wolverine-Frosch-Tier-Szene als Lehrstunde – „ah, da gibt es einen, der seine Knochen aushebeln kann“ – und natürlich taucht das Vieh dann am Ende als Bösewicht auf. Man hätte sich kreativere Power-Fähigkeiten gewünscht: jemand, der zur Qualle wird, oder einfach grotesk aufgedunsen.
Der lustigste Bankräuber-Moment des Films: Ein Power-User wird unsichtbar und überfällt eine Bank. Soweit so gut. Statt aber den Tatort zu verlassen, setzt er sich in einen Bus, macht seine Beutetasche auf und fängt an, Dollarscheine zu sortieren – mitten zwischen sehenden Fahrgästen, die einen Geldschein-Tornado durch die Luft fliegen sehen. Kane: „richtig billig dumm gewesen, damit man den Witz bringen kann, dass er sich einfärbt.“ Korbi: „Jeder, der schon mal einen Film mit Bankräuber gesehen hat, weiß, was man einfach nicht macht.“
Henry Joost & Ariel Schulman – das Catfish-Duo
Das Regie-Duo Henry Joost und Ariel „Rel“ Schulman ist alte Bekannte für Kane: Beide haben gemeinsam Paranormal Activity 3 (2011, ihr erster Horrorfilm überhaupt) und Paranormal Activity 4 (2012) inszeniert. Plus den Doku-Hit Catfish (2010, Sundance-Premiere – das Wort „catfishen“ ist daraus entstanden) und das Truth-or-Dare-Online-Game-Drama Nerve (2016, mit Emma Roberts und Dave Franco, übrigens auch mit Machine Gun Kelly als Nebendarsteller). Kane fand Paranormal Activity 3 noch cool, der vierte Teil war für ihn schon „pfff“. Den auch wenig bekannten Nerve mochten beide tatsächlich – das gesellschaftskritische Vernetzungs-Thema funktionierte dort.
Bei Project Power glauben Korbi und Kane, dass das Duo wieder etwas Sozialkritisches mitschicken wollte – New Orleans als Schauplatz, schwarze Hauptcharaktere, Drogenkrieg, Polizei-Korruption, Pharma-Profit. Kane formuliert es trocken: Wenn die Sozialkritik so unklar rüberkommt, dass jeder sie selbst rausinterpretieren muss, dann hätten sie den Film gleich als reine Action-Unterhaltung lassen können. Korbi: Bei Nerve ging das auf, hier verschenkt es das eigentlich starke Pillen-Konzept.
Fazit: Pro & Contra
Kane Pro: Brenner-Typ-Szene, Eiskulptur-Power, stylische Action, kurzweilig. Kane Contra: Bleibt absolut nicht im Kopf, Idiotenrückblicke mit Jamie Foxx, kein einziger Bösewicht prägnant, Rapperei als Drehbuchfehler.
Korbi Pro: Grundidee mit den Pillen, Kuppel-Set-Piece, Schauspielerleistungen aller drei Hauptdarsteller. Korbi Contra: Film weiß nicht, was er aussagen will, drei Hauptcharaktere bleiben jeweils nur zu 40% greifbar, kein bombastisches Ende, Power-Fähigkeiten zu wenig kreativ. Wäre als 4–5-teilige Miniserie besser gewesen.
Gesamtempfehlung: Kane: „Einer der mittelmäßigsten Filme, die ich jemals gesehen habe.“ Wer ihn nicht sieht, verpasst nichts. Wer ihn sieht, hat 110 Minuten ordentliche, schnell wieder vergessene Action-Unterhaltung.
VLM-Triple-Threat-Bilanz: Sterben Tiere? Nein. Sieht man Titten? Leider nein. Sieht man entblößte Trompeten? Auch nicht – nicht mal beim Unsichtbaren, weil unsichtbar.
Korbis Wunsch ans Universum: Jamie Foxx, der nächste Film bitte beim Tarantino. Hat schon mit Django Unchained funktioniert.
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FAQ
Wer hat bei Project Power Regie geführt?
Henry Joost und Ariel Schulman gemeinsam – das US-Regie-Duo hinter Catfish (2010), Paranormal Activity 3 (2011), Paranormal Activity 4 (2012), Nerve (2016) und der Marvel-Action-Fortsetzung Mob Land. Beide gründeten gemeinsam die NYC-Produktionsfirma Supermarché. Drehbuch zu Project Power: Mattson Tomlin (unter dem Originaltitel „Power“ 2017 als Spec-Script verkauft).
Wer spielt die Hauptrollen?
Jamie Foxx als Art (Ex-Delta-Force, Power-Test-Subjekt mit Pistolenkrebs-Fähigkeit – er kann Hitzewellen abfeuern). Joseph Gordon-Levitt als Frank Shaver (NOPD-Detective, der Power mit kugelsicherer Haut bekommt). Dominique Fishback als Robin Reilly (jugendliche Power-Dealerin und angehende Rapperin). Daneben Rodrigo Santoro als Biggie, Amy Landecker als Dr. Gardner und Colson Baker (Machine Gun Kelly) als Newt mit Feuer-Power.
Wann und wo läuft Project Power?
Veröffentlicht am 14. August 2020 exklusiv auf Netflix – kein Kinostart. Stand des Talks (Oktober 2020) war Project Power noch in den Top 10 der meistgestreamten Inhalte. Insgesamt haben 75 Millionen Haushalte den Film in den ersten vier Wochen gestreamt.
Wo wurde der Film gedreht?
Komplett in New Orleans, Louisiana. Dreharbeiten liefen vom 8. Oktober bis 22. Dezember 2018. Die Stadt wird im Film bewusst als Setting genutzt – arme Wohnviertel, lokale Schul- und Sport-Kultur (inklusive einer Szene am Superdome während eines Saints-Heimspiels) bilden den Hintergrund für die Pillen-Epidemie.
Gibt es eine Fortsetzung von Project Power?
Stand 2026 nein. Joost und Schulman haben sich seitdem anderen Projekten zugewandt (Mob Land, Secret Headquarters mit Owen Wilson 2022). Drehbuchautor Mattson Tomlin hat parallel an Matt Reeves‘ The Batman (2022) mitgearbeitet und wurde später als Autor für Mega Man und BRZRKR bekannt. Eine Sequel-Ankündigung gibt es bislang nicht.


