Mandy – Nicolas Cages psychedelischer 80er-Rachetrip

Mike – VLM Co-Founder & Horror-ExperteMike
Korbi – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKorbi

Mike und Korbi (Kane fehlt diesmal) zerlegen Mandy (2018) – Panos Cosmatos' psychedelischer 80er-Rachetrip mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Mike hat den Film schon zum vierten Mal gesehen (Erstsichtung damals beim HARD:LINE 2018 als Closing-Film), Korbi schaut ihn zum ersten Mal. Resultat: zwei begeisterte Bayern, ein paar Fragezeichen, und eine Triple-Threat-Bilanz, die alle drei Ts auf einmal abräumt – ein Novum bei VLM.

Worum geht’s in Mandy?

Shadow Mountains, Kalifornien, 1983 (Mike tippt im Talk auf 1982 – knapp daneben, Wikipedia und IMDb haben 1983). Der Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) lebt mit seiner Freundin Mandy Bloom (Andrea Riseborough) in einer abgelegenen Hütte mitten im Wald. Eines Tages sieht der Sektenführer Jeremiah Sand (Linus Roache) Mandy und ist sofort fasziniert von ihr. Sand will sie haben, schickt seine „Children of the New Dawn“-Sekte plus eine Bande dämonischer Biker (eine Mischung aus Hellraiser-Cenobiten und Mad-Max-Raubtieren), die Mandy entführen. Vor Reds Augen wird Mandy ermordet. Was folgt, ist eine der intensivsten Rachegeschichten der jüngeren Filmgeschichte: Red bricht sich frei, schmiedet sich eine Axt in Conan-Manier, holt sich von seinem Freund Caruthers (Bill Duke) eine Armbrust, und mäht sich durch alles, was an dem Mord beteiligt war.

Cast und Crew

Regie: Panos Cosmatos – aufgewachsen als Sohn von George Pan Cosmatos (Rambo: First Blood Part II, 1985 / Cobra, 1986 / Tombstone, 1993). Mike feiert das im Talk: „Zwei richtig starke Sylvester-Stallone-Filme, und die hat der Papi vom Panos gemacht.“ Cosmatos Jr. hat Cobra explizit als visuelle Referenz für Mandys Kameramann Benjamin Loeb mitgegeben.

Drehbuch: Panos Cosmatos und Aaron Stewart-Ahn, basierend auf einer Story von Cosmatos.

Soundtrack: Jóhann Jóhannsson. Das war sein letzter komponierter Soundtrack vor seinem Tod im Februar 2018 – ein gewichtiger Punkt im Talk. Mike weist darauf hin, dass Jóhannsson auch Sicario und Arrival komponiert hat. Auf Mandy spielt Stephen O’Malley von Sunn O))) die Gitarren, Cosmatos hat Jóhannsson Queens Flash-Gordon-Soundtrack und Van Halens „Fair Warning“-Album als Inspiration mitgegeben.

Produktion: Elijah Woods SpectreVision und Legion M (Crowd-Investment-Studio). Korbi und Mike feiern Wood als Genre-Mäzen: „Der Herr Frodo steckt seine Kohle, die er mit Herr der Ringe gemacht hat, in Filme und Filmemacher, wo er glaubt, die ist wert, unterstützt zu werden.“ Andere SpectreVision-Highlights: Color Out of Space (2019, ebenfalls mit Cage), Daniel Isn't Real, The Greasy Strangler.

Hauptcast:

  • Nicolas Cage als Red Miller. Mike: „Bei den schwachen Filmen ist Cage immer stark“ – einer der wenigen Hollywood-Stars, die nie halbherzig agieren. Mike vergleicht Cage's Performance mit Willem Dafoe und Robert Pattinson in The Lighthouse – ähnliche Intensität.
  • Andrea Riseborough als Mandy Bloom. Korbi staunt im Talk über die Augen-Inszenierung: „Die ist nicht von dieser Welt, die schaut durch die Tür.“
  • Linus Roache als Jeremiah Sand – der manische Sektenführer mit messianischem Komplex. Roache singt im Film sogar selbst (Lead Vocals auf „Amulet of the Weeping Maze“).
  • Bill Duke als Caruthers, Reds Freund mit der Armbrust – bekannt aus Predator.
  • Richard Brake als der LSD-Hersteller (Chemist) – Mike erkennt ihn aus Rob Zombies 31 und 3 from Hell; Korbi bringt die wichtige Trivia: Brake spielt den Night King in den frühen Staffeln von Game of Thrones. Mikes Urteil: „Die Fresse ist einfach geil. Er wertet auch Filme auf, die eigentlich miss sind.“
  • Ned Dennehy als Brother Swan, Olwen Fouéré als Mother Marlene.

Das Verdikt von Mike und Korbi

Mike sieht Mandy zum vierten Mal und liefert die Headline: „Der Film gewinnt mit jeder Sichtung.“ Korbi ist Erstseher und kommt mit einem leichten „wem würde ich das eigentlich empfehlen?“-Zwiespalt aus dem Film – aber begeistert. Beide loben Mandy in höchsten Tönen, ohne ihn schönzureden.

Was beide gut fanden

  • Bild und Ton in Perfektion – Mikes Mantra. Die Kombination aus Cosmatos' Inszenierung, Loebs Anamorphic-Kamera und Jóhannssons Score überfordert ihn nach eigener Aussage jedes Mal aufs Neue, „ich liebe Mandy einfach, der berührt mich jetzt schon wieder.“
  • Cage's Schauspielleistung – speziell die Bad-Szene: Nach Mandys Tod sitzt Red in Unterhose im Bad, schüttet eine ganze Flasche Wodka in sich rein und auf seine Wunden, und schreit seinen Schmerz heraus. Mike: „Da läuft mir jedes Mal die Gänsehaut runter.“ Korbi steigt voll ein: ab dem Moment der Folter sieht man Red Miller, nicht Nicolas Cage.
  • Das Farbschema und die psychedelischen Bilder – tiefrote, blaue und violette Farbflächen, die wie 70er- und 80er-Heavy-Metal-Plattencover wirken. Mike vergleicht das direkt mit Obituary- und Entombed-Artworks.
  • Die Zeichentrick-Zwischensequenzen – im Stil des 1981er-Animationsfilms Heavy Metal. Korbis Vergleich: erinnert ihn an die Piraten-Sequenzen aus Zack Snyders Watchmen Director's Cut.
  • Die Schriftzüge – die Children-of-the-New-Dawn- und Mandy-Titelzüge feiern beide ausdrücklich.
  • Die späte Titel-Einblendung – Mandy lässt sich satte 70 Minuten Zeit, bis der Filmtitel auf der Leinwand erscheint. Mikes einziger Vergleich: Marcus Nispels Friday the 13th-Remake (2009). Korbi zieht zusätzlich Tarantino-Vergleiche.
  • Die Mythologie und das eigene Universum – Mike: „Für mich spielt der ganze Film in einer Art Fegefeuer.“ Reds Vergangenheit wird nie ausbuchstabiert: Warum hat er die Armbrust? Warum hat Caruthers eine Gießform für die Axt? Diese Leerstellen sind Feature, nicht Bug.
  • Die Axt – Korbi und Mike feiern die Form der geschmiedeten Axt: schaut aus wie das F-Logo der Death-Metal-Band Celtic Frost.
  • Der Kettensägen-Kampf – zwei Männer mit Kettensägen wie Schwerter, große Texas-Chainsaw-Massacre-Teil-2-Hommage.

Mikes einziger Aufreger: hätte mehr blutsaftiger sein können

Mikes einzige Kritik: Er hätte sich gewünscht, dass die zweite Hälfte noch brachialer wird. Der Film baut sich extrem langsam auf, „und es wäre so geil gewesen, wenn er dann wirklich noch in den Farbeimer reinklatscht und richtig krasse Effekte liefert.“ Mandy hat zwar zu Recht eine FSK 18, aber Mike hätte gerne nochmal eine Schippe drauf gesehen.

Korbis Aufreger: Der zweite Akt fühlt sich zufällig an

Korbi geht der rote Faden in der zweiten Hälfte etwas ab. Red landet bei den dämonischen Bikern, „und ich frag mich, war das jetzt geplant oder ist das jetzt Zufall?“ – Reds Rachefeldzug wirkt auf ihn manchmal mehr als Drogenrausch denn als Plan. Aber: „Ja, andererseits brauchst du das wirklich? Der Film soll am Ende ein paar Fragezeichen bei dir hinterlassen, was er definitiv geschafft hat.“

Die offene Frage: Spielt das überhaupt auf der Erde?

Beide sind sich einig: Mandy ist mehr Kunst als Rape-and-Revenge-Genre. Die finale Szene – Red am Steuer, das Auto rast in unwirkliche Landschaften, am Himmel ein Astralkörper – lässt offen, ob der Film auf der realen Erde spielt oder in einem Fegefeuer. Korbis Verdacht: „Wahrscheinlich ist er nach der Flasche Wodka die ganze Zeit nur kotzend im Bad.“

Trivia & Hintergrund

Mandys Welt-Premiere und das HARD:LINE 2018

Mandy feierte am 19. Januar 2018 Welt-Premiere beim Sundance Film Festival, US-Kinostart war am 13. September 2018. Mike erinnert sich im Talk an seine erste Sichtung: HARD:LINE Filmfestival 2018 in Regensburg, das 6. Festival vom 27. bis 30. September 2018 – Mandy lief dort als Closing-Film, von Festivalleiter Florian Scheuerer als „tiefrot-glänzende Abschlussperle“ angekündigt. Mike im Talk: „Danke Flo, unser HARD:LINE-Team.“

Co-Produktion Belgien/USA: Wald in den Hochwiesen

Trotz „Pacific Northwest“-Setting wurden die Wald-Szenen im belgischen High-Fens-Naturschutzgebiet (Hautes Fagnes) gedreht. Reds und Mandys Hütte wurde extra für den Film auf einem stillgelegten Pfadfinder-Pavillon-Grundstück gebaut. Cage verzögerte den Drehbeginn, weil er sich vorher bei einem anderen Projekt das Sprunggelenk gebrochen hatte; Kameramann Benjamin Loeb stieg erst zwei Wochen vor Drehbeginn ein. Cosmatos gab Loeb eine Liste an visuellen Inspirationen mit: The Hitcher, Days of Thunder, Revenge, Psycho III, Fist of the North Star – und Cobra (also Cosmatos' eigener Vater).

Kommerzieller Flop, Kritiker-Triumph

Mandy spielte bei einem Budget von 6 Millionen Dollar nur 1,7 Millionen ein – kommerzieller Misserfolg. Trotzdem nahm Esquire den Film im Dezember 2018 an die Spitze ihrer „25 Best Movies of 2018“-Liste, RogerEbert.com lobte Cosmatos' Stil-Vision, Letterboxd-Bewertungen pendelten zwischen „Meisterwerk“ und „zu lang/zu prätentiös“. Korbi merkt im Talk an: SpectreVision-Filme wie Color Out of Space (auch mit Cage, ebenfalls 6 Millionen Budget) holten ähnlich wenig zurück – Independent-Genre-Kino lebt nicht von der Kasse, sondern von der Liebe der Macher.

Die Triple-T-Diskussion: Tiger statt Reh

Korbi schlägt am Ende des Talks vor, künftig statt „sterben Tiere“ lieber „kommen Tiere vor“ zu fragen – weil im Mandy-Universum vor allem ein wunderschöner Tiger auftaucht (real oder Fiebertraum, bleibt offen). Reds T-Shirt zu Beginn zeigt einen Tiger – Symbolik, die Cosmatos durch den ganzen Film zieht. Korbis Filmempfehlung für Tiger-Fans: Life of Pi. Für Cage-Fans, die was Liebenswertes wollen: Mike empfiehlt im Talk Eine Million Dollar Trinkgeld (1994), den schwer süßen Cage-Polizist-mit-Lottoschein-Film.

Die VLM Drei T’s: Triple Threats

Sensation: Mandy räumt zum ersten Mal in der VLM-Geschichte alle drei Ts auf einmal ab. Korbi im Talk: „Wow, ein Film, wo alle drei Ts zutreffen!“

  • Sterben Tiere? JA. Das Reh am Anfang des Films – wird im Wald getötet. Korbi hat es zuerst übersehen, Mike erinnert ihn dran. Vermutlich Effekt oder Puppe („No animals were harmed by making of this movie“), aber filmisch zählt's.
  • Titten? JA. Ohne Spoiler – das Genre fordert es, der Film liefert.
  • Trompeten? JA. Mike trocken: „Linus Roache zeigt, was er hat.“ Sand entblößt sich vor Mandy in einer der berüchtigtsten Szenen des Films.

Korbis Fazit: Schaut Mandy an. Ein Kunstfilm, den man mal gesehen haben sollte. Außer ihr steht ausschließlich auf romantische Liebeskomödien – dann lieber Mikes Cage-Tipp: Eine Million Dollar Trinkgeld.

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FAQ zur Folge

Worum geht’s in Mandy?

Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) lebt 1983 mit seiner Freundin Mandy (Andrea Riseborough) in einer abgelegenen Hütte in den Shadow Mountains. Als der Sektenführer Jeremiah Sand Mandy entführen und vor Reds Augen ermorden lässt, beginnt Red einen halluzinatorisch-blutigen Rachefeldzug.

Wer hat Mandy inszeniert?

Panos Cosmatos. Sein zweiter Spielfilm nach Beyond the Black Rainbow (2010). Cosmatos ist der Sohn des Regisseurs George Pan Cosmatos, der unter anderem Rambo: First Blood Part II (1985) und Cobra (1986) mit Sylvester Stallone inszeniert hat – Cobra war eine direkte visuelle Inspiration für Mandy.

Wer hat den Soundtrack gemacht?

Jóhann Jóhannsson – sein letzter komponierter Soundtrack vor seinem Tod im Februar 2018. Er ist auch verantwortlich für die Scores von Sicario und Arrival. Auf Mandy spielt Stephen O'Malley von der Drone-Doom-Band Sunn O))) die Gitarren.

Wann und wo lief Mandy in Deutschland?

Mandy lief am 30. September 2018 als Closing-Film des 6. HARD:LINE Filmfestivals in Regensburg, organisiert von Festivalleiter Florian Scheuerer. Mike hat den Film dort zum ersten Mal im Kino gesehen.

Wer hat Mandy produziert?

Elijah Woods Produktionsfirma SpectreVision (zusammen mit Legion M, einem Crowd-Investment-Studio). SpectreVision hat sich auf Independent-Genre-Filme spezialisiert; weitere Highlights sind Color Out of Space (mit Cage), Daniel Isn't Real und The Greasy Strangler.

Wie ist die Drei-T-Bilanz dieser Folge?

Sensationell: alle drei Ts sind JA. Sterben Tiere ja (das Reh am Anfang). Titten ja. Trompeten ja (Linus Roache als Sektenführer). Mandy ist damit der erste VLM-Triple-Threat-Film mit perfekter Drei-T-Quote.

Wer hat in der Folge gesprochen?

Mike und Korbi. Kane war diesmal nicht dabei. Es ist Mikes vierte Sichtung von Mandy und Korbis Erstsichtung – eine Konstellation, die der Folge eine schöne Erfahrenheit-trifft-Frischling-Dynamik gibt.

Spielt Mandy 1982 oder 1983?

1983 – wie auf der Letterboxd- und Wikipedia-Synopsis bestätigt. Mike tippt im Talk auf 1982 und ist sich unsicher; tatsächlich ist 1983 das offizielle Setting des Films.

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