Teil 2 des großen Recaps zum 11. HARD:LINE Filmfestival 2024 in Regensburg. Korbi, Mike, Seppi und Kane nehmen sich die zweite Festivalhälfte vor, Samstag und Sonntag, mit den Director-Spotlight-Filmen von Ted Geoghegan, dem Publikumsliebling, dem Kill des Jahres und der Preisverleihung. Ehrlich abgewogen, inklusive der Filme, bei denen die Runde uneins war.
You’ll Never Find Me: Kammerspiel mit Barbarian-Vibes
Den Samstag holt die Crew mit You’ll Never Find Me nach, einem beklemmenden Kammerspiel. Ein alter, grantiger Mann in einem Trailerpark, nachts klopft eine Fremde an seine Tür, und über 100 Minuten baut sich ein unangenehmes Spiel aus Misstrauen und Bedrohung auf. Für Korbi sogar intensiver als Barbarian, weil die Bedrohung hier von Anfang an in der Luft liegt. Tolle rötliche Ausleuchtung, dichte Soundkulisse mit Sturm, zwei starke Hauptdarsteller und ein Finale mit kleinem Twist. Wieder ein bemerkenswert starkes Langfilmdebüt eines Regie-Duos.
Mohawk: Ted Geoghegans Rache-Western
Aus dem Director Spotlight: Mohawk von Ted Geoghegan, für Korbi und Kane stark an Prey erinnernd, nur kämpft die Heldin hier nicht gegen einen Predator, sondern gegen die US-Armee. Coole Verfolgungsjagd und ein geiler Finalkampf, aber die Kostüme wirkten wie aus dem Faschingsladen und zogen die Runde immer wieder raus, dazu ein nervender Antagonist. Für Kane der schwächste der drei Geoghegan-Filme im Spotlight.
We Are Still Here: Geoghegans bester im Spotlight
Den dritten Spotlight-Slot füllt We Are Still Here (2015), Geoghegans erster Langfilm, den Korbi und Kane schon beim HARD:LINE 2015 gesehen hatten. Oldie but Goldie und für beide der beste Geoghegan des Wochenendes, mit deutlichen Vibes von Lucio Fulcis Das Haus an der Friedhofsmauer, die der Regisseur im Q&A selbst als Inspiration bestätigte.
Stopmotion: der Publikumsliebling
Der Gewinner des Publikumspreises bei den Langfilmen: Stopmotion. Die junge Ella will mit ihrer an Parkinson erkrankten Mutter Susanne ein Stop-Motion-Projekt fertigstellen. Nach einem Schlaganfall der Mutter macht Ella allein weiter, entwickelt ihre eigene Version und kippt zunehmend in eine Psychose, in der Realität, Wahnsinn und Animationsfiguren verschwimmen. Ein surrealer Rausch der Sinne, getragen von der Hauptdarstellerin aus The Nightingale. Für Korbi und Kane ein starkes Ding, Mike war die Mischung aus Horror und Psycho ein, zwei Ebenen zu deep, woran sich gut zeigt, wie kontrovers ein Publikumsliebling sein kann.
In a Violent Nature: Slasher aus Sicht des Killers
In a Violent Nature erzählt einen Slasher konsequent aus der Perspektive des Killers, in Echtzeit, fast wie das Freitag-der-13.-Game in der Third-Person-Ansicht. Man begleitet den Mörder durch den Wald und sieht, was er treibt, wenn er gerade nicht im Bild wäre. Dazu der heiß gehandelte Kill des Jahres, der berüchtigte Yoga-Kill. Korbi war begeistert, Mike fand das Durch-den-Wald-Stapfen streckenweise zäh, und die Runde ist sich einig: Slasher-Puristen, die ein reines Splatter-Battle erwarten, könnten enttäuscht werden. Wer sehen will, was Jason zwischen den Kills so macht, ist hier richtig.
Roque: Rache eines Weltmeisterschwimmers
Sperriger, aber eigenwillig: Roque, ein Rachefilm um einen Weltmeisterschwimmer, der mit dem abrechnet, der ihm die Kindheit versaut hat. Die Handlung erschließt sich nicht sofort, wird zum Ende aber eindeutig und mündet in einen Mexican Standoff in einer Bar. Nicht der zugänglichste Film des Festivals, mit einer denkwürdigen Nebenszene, in der ein Junge ausgerechnet anhand von One Punch Man erklärt, wie man stark wird.
All You Need Is Blood: blutiger Festival-Abschluss
Den Schlusspunkt setzt der Abschlussfilm All You Need Is Blood, ein splattriger Spaß mit Schildkrötenmonster und deutlichen Braindead-Vibes. Kein Film, bei dem man durchgehend aufpassen muss, aber ein unterhaltsamer, blutiger Rausschmeißer für ein langes Festivalwochenende.
Der Kurzfilmblock: Fishmonger, Bye Bear & Il caso è chiuso
Auch am Samstag gab es starke Kurzfilme. Fishmonger gewann den Publikumspreis bei den Kurzfilmen: 25 völlig durchgeknallte Minuten um einen Mann, der einer Nixe einen Wunsch abringen will, eklig, herzzerreißend und mit großartig aufspielendem Cast. Der heimliche Liebling der Runde war jedoch der deutsche Beitrag Bye Bear, für sie der beste Kurzfilm des Festivals, der überraschend leer ausging. Für den Kontrast sorgte Il caso è chiuso, andate in pace, ein italienischer Kurzfilm im 70er-Poliziottesco-Look, der mit Musik, Zooms und Schnitt punktgenau als Comic Relief funktionierte.
Preisträger, Abschlusskonzert und Festival-Fazit
Bei der zweisprachigen Preisverleihung, moderiert von Flo und Adam, gingen die beiden Publikumspreise an Stopmotion (Langfilm) und Fishmonger (Kurzfilm). Drumherum lief das, was das HARD:LINE ausmacht: Interviews mit den vielen anwesenden Kurzfilm-Regisseuren, ein gemütlicher Sonntagsbrunch im Biergarten des Ostentor Kinos mit den Kollegen vom Weird Weekender, und zum Abschluss ein Konzert der Band Zustand. Für Seppi war es das erste HARD:LINE überhaupt, ein gelungener Einstand. Fazit der Runde: erneut ein starker Jahrgang.
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Den ersten Festivalteil findet ihr hier: HARD:LINE 2024 Teil 1 mit Brooklyn 45, Property und The Emu War. Zur Einstimmung gab es vorab die HARD:LINE 2024 Vorschau und die HARD:LINE Fakten 2024. Alle Festival-Berichte sammeln wir in der Kategorie Festival. Mehr Gruseliges auf unserer Seite zum Horror-Podcast aus Bayern.
FAQ
Welche Filme bespricht HARD:LINE 2024 Teil 2?
You’ll Never Find Me, Mohawk, We Are Still Here, Stopmotion, In a Violent Nature, Roque und der Abschlussfilm All You Need Is Blood, dazu der Kurzfilmblock mit Fishmonger, Bye Bear und Il caso è chiuso, andate in pace.
Welcher Film hat den Publikumspreis beim HARD:LINE 2024 gewonnen?
Den Publikumspreis bei den Langfilmen gewann Stopmotion, bei den Kurzfilmen Fishmonger.
Was ist das Besondere an In a Violent Nature?
Der Slasher wird konsequent aus der Perspektive des Killers in Echtzeit erzählt und enthält mit dem Yoga-Kill einen der meistdiskutierten Kills des Jahres. Slasher-Puristen, die reines Splatter erwarten, sollten ihre Erwartungen anpassen.
Wer ist beim HARD:LINE 2024 Review Teil 2 dabei?
Korbi, Mike, Seppi und Kane, alle vier als Medienpartner vor Ort in Regensburg. Für Seppi war es sein erstes HARD:LINE.




