Diego Maradona (2019) – Asif Kapadias Archiv-Doku

Korbi – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKorbi
Kane – Co-Founder von Viva la MovieluciónKane

Endlich kein Horror! Nach sieben Folgen am Stück mit Hais, Alligatoren, Aliens und Killer-Puppen ist Folge 15 die erste Nicht-Genre-Folge im VLM-Programm – und es trifft direkt einen Dokumentarfilm: Diego Maradona (2019), die 130-minütige Archivdokumentation von Asif Kapadia, dem Oscar-prämierten Regisseur von Senna (2010) und Amy (2015). Korbi eröffnet (mit gleich drei Anläufen), Kane reagiert auf Korbis Drängen („Lass uns das doch bitte besprechen“), Mike fehlt komplett – er wird am Ende explizit vermisst, angeblich beschäftigt mit „Dokus über Paarungsverhalten von Nacktschnecken, sobald sie durch die Indizierungsprüfung kommen“. Korbi ist Anti-WM-Bitch und kennt Asif Kapadia über Amy. Kane ist Fußball-Skeptiker, schaut nur intensiv WMs mit. Beide nehmen ungeahnt viel mit – und Maradona ist inzwischen zur dritten Stufe seiner Tragödie eingegangen, dazu mehr im 2026-Update.

Diego Maradona (2019) – Aufstieg und Fall einer Fußball-Gottheit

  • Originaltitel: Diego Maradona
  • Regie: Asif Kapadia (zuvor: Senna 2010 und Amy 2015 – die „Trilogie der Kindergenies und des Ruhms“)
  • Editing: Chris King (Kapadias regelmäßiger Editor seit Senna)
  • Produktion: James Gay-Rees, Paul Martin (zuvor Ronaldo), Julian Bird (Lorton Entertainment)
  • Hauptfigur: Diego Armando Maradona (1960–2020), argentinischer Fußballer, gemeinsam mit Pelé von der FIFA zum Spieler des 20. Jahrhunderts gewählt
  • Genre: Dokumentation / Sport-Biografie / „true fiction“ (Kapadias eigener Begriff)
  • Laufzeit: 130 Minuten · FSK: 12
  • Archivmaterial: über 500 Stunden, Großteil aus Maradonas privatem Familienarchiv – kein Reenactment, keine Talking-Heads-Szenen mit Kommentatoren im Bild, nur Voiceover über Originalmaterial
  • Premiere: 19. Mai 2019 bei den Filmfestspielen von Cannes (Out of Competition)
  • Deutscher Kinostart: 5. September 2019
  • Auszeichnungen: BAFTA-Nominee 2020 für Best Documentary, 13 weitere Festival-Nominierungen

Asif Kapadias dritte Doku-Trilogie-Stufe nach Senna (2010) und Amy (2015): drei Außenseiter-Genies, drei extreme Aufstiege, drei tragische Enden – aber Maradona ist die einzige der drei Figuren, die zur Premierenzeit noch lebte. Der Film konzentriert sich auf Maradonas Zeit beim SSC Neapel von 1984 bis 1991 – die Jahre, in denen aus dem Slum-Kind aus Buenos Aires eine Heiligenfigur Süditaliens wurde, die Drogen, Mafia und der eigene Körper dann zerstört haben.

Korbi vs. Kane: zwei Anti-Fußball-Standpunkte, eine Doku

Korbi beschreibt sich selbst als kein Fußball-Narr: „Ich bin froh, dass ich weiß, was ein Anstoß ist und warum die Leute jubeln, wenn es ein Tor gibt.“ Schaut Fußball nur bei Großturnieren (EM, WM), wo die Mannschaftswahl klar ist. Bei Vereinsspielen vermeidet er das Thema, weil es immer Streit um die richtige Mannschaft gibt.

Kane ist nicht ganz so radikal, aber: „Ich bin kein Fußball-Narr. Habe es probiert, aber irgendwie ist mir die Zeit schade, dass ich mir 90 Minuten völlig überbezahlte Idioten am Bullen anschaue.“ Schaut WM/EM intensiver mit, hat eine konkrete Maradona-Erinnerung aus älteren WMs (das arrogante Geschimpfe gegen die deutsche Mannschaft, „wer dieser Müller überhaupt sein soll“).

Spannend: Beide gehen mit Skepsis ins Projekt – beide kommen begeistert raus. Kane: „Ich bin schon zufrieden, wenn ich aus einer Doku was lerne. Das hier hat eine Erzählstruktur, die nicht einfach Fakt für Fakt im Staccato abhakt, sondern eine Geschichte erzählt.“ Korbi: „Ich habe mir gedacht, nach 20 Minuten kann ich abschalten – ab den ersten 5 Minuten hat er mich gepackt, ich war die ganzen 130 Minuten dabei.“

Die Doku-Struktur: 500 Stunden Archivmaterial als Spielfilm

Das ist Asif Kapadias Markenzeichen: kein Reenactment, keine Talking-Heads-Szenen mit Kommentatoren im Bild – nur Originalmaterial aus 8mm-Video, 16mm-Newsreel, U-matic-Video, kombiniert mit Voiceovern aus aktuellen Interviews. Daraus entsteht eine Erzählung, die wie ein Spielfilm läuft. Korbi: „Diego Maradona kommt gar nicht so wie der typische Dokumentarfilm rüber, weil du eine Handlung erkennst.“ Kapadia hat über 20 Jahre auf das Projekt gewartet – die Idee schwebte ihm seit Filmschulzeit vor.

Diego vs. Maradona: die zwei Persönlichkeiten

Eine Kernidee der Doku, die Kane besonders gelobt hat: Die Doku unterscheidet zwischen Diego (dem privaten, schüchternen, familienliebenden Mann aus dem Slum) und Maradona (der öffentlichen Kunstfigur, dem arroganten Star, dem „Hand-Gottes-Vogel“). „Zu Hause ist er der Diego, sobald er weg ist, ist er der Maradona“ – diese Trennung kommt früh in der Doku, als der frisch nach Neapel gewechselte Diego sagt, sein größtes Ziel sei, „meiner Mama ein Haus zu kaufen“. Kane: „Da sieht man diesen Unterschied: familienlieber netter Mensch hier, ständig arroganter Vogel da.“

Die Stationen einer Karriere

Die Doku spannt einen Bogen, den Korbi und Kane im Talk mit gefährlichem Halbwissen rekonstruiert haben. Hier die korrekten Eckdaten:

  • Geburt 1960 in Lanús, aufgewachsen in Villa Fiorito, einem Slum am Rand von Buenos Aires – ohne Strom, ohne fließendes Wasser, mit acht Kindern
  • Argentinos Juniors ab 1969 (mit 9 Jahren erste Trainings, mit 16 Profi-Debüt). Spitzname als Kind: „El Pelusita“ – das Lockenköpfchen
  • Boca Juniors 1981 – argentinischer Meister
  • FC Barcelona 1982–1984 – für Weltrekord-Transferfee, dann von Verletzungen und Skandalen geplagt, nur Pokalsieg 1983
  • SSC Neapel 1984–1991 – für 6,9 Mio Pfund Welt-Rekord-Transferfee, vor 85.000 Fans im Stadio San Paolo begrüßt. Zwei italienische Meisterschaften (1986/87 und 1989/90, bis heute Napolis einzige bis zum Scudetto 2023), UEFA-Pokal 1989. „El Pibe de Oro“ – der Goldjunge
  • WM 1986 in Mexiko – Argentinien gewinnt die zweite WM nach 1978. Im Viertelfinale (NICHT Halbfinale, wie Korbi vermutete) gegen England: „Hand Gottes“-Tor (Maradona köpft den Ball mit der Hand ins Tor, der Schiedsrichter sieht es nicht) gefolgt vom „Tor des Jahrhunderts“ (4 Minuten später, 60-Meter-Slalom durch sechs englische Verteidiger plus Torwart Peter Shilton)
  • Camorra-Verbindungen – die Giuliano-Familie beherrschte Neapels Unterwelt, Maradona wurde dort zum Idol und gleichzeitig zur Figur, die zu tief in mafiöse Strukturen verwickelt war
  • Spiralende Kokainsucht – Schmerz-Spritzen für die 90 Minuten, Kokain für die übrigen 23 Stunden
  • WM 1990 in Italien – Argentinien gegen Italien im Halbfinale, ausgerechnet im Stadio San Paolo (Maradonas eigenem Heimstadion!). Maradona wirbt vor dem Spiel um die neapolitanischen Fans für Argentinien, mit dem Argument: „Italien hat Neapel immer als Süden behandelt.“ Argentinien gewinnt im Elfmeterschießen, von dem Tag an hassen viele Italiener Maradona
  • 1991: Positiver Drogentest, 15 Monate Sperre, Ende der Neapel-Ära
  • 1994 WM in USA: erneuter positiver Drogentest (Ephedrin), zweite 15-monatige Sperre, Karriereende

Kanes Maradona-Bild: arroganter Idiot mit Vorgeschichte

Kanes vor-Doku-Bild von Maradona war negativ geprägt: „Wenn ich WM schaue, dann doch ein bisschen intensiver – und ich erinnere mich an den, der in Argentinien trainiert hat und vor einem Spiel gegen Deutschland sau-arrogant geregt hat, wer Müller überhaupt sein soll.“ Korbi konfrontiert ihn: in der Doku komme der gar nicht so arrogant rüber, eher schüchtern und „doof, wenn er was gesagt hat“. Kane gibt zu: in der Doku ist es nicht so extrem, aber das ist eben der private Diego, nicht der öffentliche Maradona. Plus eine Anekdote: Kanes Schwiegervater kommt während Kanes Doku-Sichtung vorbei, sieht Maradona drei Sekunden auf dem Bildschirm und sagt sofort, was er von dem Mann hält. Hass über Generationen gewachsen.

Asif Kapadias „true fiction“-Trilogie

Diego Maradona ist der Abschluss von Kapadias inoffizieller Trilogie über Außenseiter-Genies, die der Ruhm zerstört hat:

  • Senna (2010) – Ayrton Senna, Formel-1-Legende. Höchstes Box-Office-Ergebnis einer britischen Doku zu der Zeit. BAFTA für Best Documentary 2012.
  • Amy (2015) – Amy Winehouse. Oscar 2016 für Best Documentary Feature, BAFTA 2016 Best Documentary, Grammy-Nominee. Über 20 Mio USD Box Office, höchstes Ergebnis einer britischen Doku aller Zeiten. Korbi: „Ich habe mir gedacht, der Maradona kann auch nicht schlechter sein als Amy.“
  • Diego Maradona (2019) – die Trilogie schließt sich.

Kapadia-Quote im Interview: „Maradona is more well known than Senna and Amy put together“ – die größte der drei Figuren, der breiteste Bekanntheitsgrad weltweit.

Pro & Contra

Korbi (Pro): Hat sehr viel über Maradona gelernt, war 130 Minuten voll dabei, die Erzählweise als Spielfilm-Doku ist mitreißend. Korbi (Contra): Schnitt ist manchmal so dicht, dass Erklärungslücken bleiben – was war zwischen den Jahren? Mehr Voiceover-Erklärung an manchen Stellen wäre hilfreich gewesen.
Kane (Pro): Erzählstruktur ist die größte Stärke – nicht Fakt-für-Fakt im Staccato, sondern eine Geschichte, die anfangt, langsam steigt und am Ende ausklingt. Kane (Contra): „Bei Doku-Filmen ist das immer schwer zu sagen – ich lerne in der Regel was, dann bin ich zufrieden.“ Auch hier: kein Contra. Kane ist ungewöhnlich versöhnlich.

Updates für 2026: Die Tragödie ging weiter

Diego Maradona ist am 25. November 2020 mit 60 Jahren in Tigre, Argentinien, an einem Herzinfarkt gestorben – knapp zwei Wochen nach einer Schädeloperation, bei der ihm ein Blutgerinnsel entfernt wurde. Argentinien rief drei Tage Staatstrauer aus, die Welt nahm Abschied. Damit war die Doku posthum die letzte umfassende filmische Würdigung eines lebenden Maradona.

Maradona-Prozess seit März 2025: Acht Mitglieder von Maradonas medizinischem Team (darunter Leibarzt Leopoldo Luque, Psychiaterin Agustina Cosachov und mehrere Pflegekräfte) müssen sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Der Prozess hat im März 2025 begonnen, läuft Stand 2026 noch – die Anklage wirft dem Team vor, Maradona zu Hause unzureichend versorgt zu haben, obwohl sein Zustand kritisch war.

Asif Kapadia hat seine Spezialität fortgesetzt: 2073 (2024, Venice) – ein dystopischer Hybrid aus Archivmaterial und Sci-Fi-Spekulation. Kenny Dalglish (2025, Rome Film Festival) – noch ein Sport-Biopic, diesmal über die Liverpool-Legende Kenny Dalglish, ab November 2025 auf Amazon Prime Video. Kapadia bleibt damit der Königsregisseur des Archiv-Doku-Films.

Napoli hat 2023 und 2025 endlich wieder Meister-Titel geholt – die ersten Scudetti seit Maradonas Zeiten 1986/87 und 1989/90. Maradonas Bild hängt bis heute in jedem Café und auf jedem Häuserwand-Mural in Neapel – die Heiligenverehrung hat seinen Tod überlebt.

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FAQ zur Folge

Wer spricht in dieser Folge?

Korbi und Kane – Mike fehlt diesmal komplett (er wird am Ende explizit vermisst, mit einem Insider-Witz über „Mikes Doku-Spezialität: Paarungsverhalten von Nacktschnecken“). Korbi eröffnet mit drei Anläufen, hat den Auftrag gebracht („auf Drängeln hin von dir“), ist Anti-WM-Bitch und kennt Asif Kapadia über Amy. Kane ist Fußball-Skeptiker, schaut nur intensiv WMs mit, und hat ein vor-Doku-Bild von Maradona als arrogantem Vogel.

Worum geht es in der Doku?

Die Doku konzentriert sich auf Diego Maradonas Zeit beim SSC Neapel von 1984 bis 1991 – die Jahre, in denen aus dem argentinischen Slum-Kind eine Heiligenfigur Süditaliens wurde, die dann Drogen, Camorra-Verbindungen und der eigene Körper zerstört haben. Über 500 Stunden Archivmaterial aus Maradonas Privatarchiv erzählen den Aufstieg in Argentinien, den Wechsel nach Neapel für Welt-Rekord-Transferfee, die WM 1986 mit Hand Gottes und Tor des Jahrhunderts, zwei Serie-A-Titel mit Napoli, den UEFA-Pokal 1989, die spiraling Kokainsucht und schließlich das Karriereende durch Doping-Sperren.

Wer hat Regie geführt?

Asif Kapadia – Oscar-Gewinner 2016 für Amy (über Amy Winehouse), BAFTA-Gewinner für Senna 2012 und Amy 2016. Diego Maradona schließt seine inoffizielle Trilogie über Außenseiter-Genies und den Preis des Ruhms ab: Senna (2010), Amy (2015), Diego Maradona (2019). Kapadias Markenzeichen: keine Talking-Heads-Szenen, kein Reenactment, nur Originalmaterial mit Voiceover-Kommentaren. Spätere Filme: 2073 (2024), Kenny Dalglish (2025).

Was ist die „Hand Gottes“?

Eines der berühmtesten Tore der Fußballgeschichte: Bei der WM 1986 in Mexiko, im VIERTELFINALE (nicht Halbfinale, wie Korbi im Talk vermutet) zwischen Argentinien und England, hat Maradona in der 51. Minute den Ball mit der Hand ins Tor befördert – der Schiedsrichter hat es nicht gesehen. Vier Minuten später, in der 55. Minute, lief er allein 60 Meter durch sechs englische Verteidiger und Torwart Peter Shilton und erzielte das, was die FIFA später zum „Tor des Jahrhunderts“ wählte. Beide Tore in einem Spiel, vier Minuten Abstand. Maradona sagte später: „Ein bisschen mit dem Kopf von Maradona, ein bisschen mit der Hand Gottes.“ Politischer Kontext: nur 4 Jahre nach dem Falklandkrieg zwischen Argentinien und Großbritannien.

Wie ist die Doku aufgebaut?

Wie ein Spielfilm, nicht wie eine typische Doku. Asif Kapadia und sein langjähriger Editor Chris King haben über 500 Stunden Material aus Maradonas Privatarchiv (8mm-Video, 16mm-Newsreel, U-matic) zu einer chronologischen Erzählung montiert. Keine Talking-Heads-Szenen, kein Reenactment – Originalaufnahmen mit Voiceover-Kommentaren von Familie, Historikern, Maradona selbst. Das Ergebnis ist eine „true fiction“ (Kapadias eigener Begriff): emotional packend, mit Drama-Spannungsbogen.

Wer war Diego Maradona?

Geboren 1960 in Lanús, aufgewachsen in Villa Fiorito (Slum bei Buenos Aires). Profikarriere bei Argentinos Juniors, Boca Juniors, FC Barcelona und SSC Neapel. WM-Sieger 1986 mit Argentinien als Kapitän. Mit Pelé von der FIFA zum Spieler des 20. Jahrhunderts gewählt. Schwere Kokainsucht, zwei 15-monatige Doping-Sperren (1991, 1994). Nach der aktiven Karriere als Trainer tätig, zuletzt bei Gimnasia y Esgrima La Plata. Gestorben am 25. November 2020 mit 60 Jahren in Tigre an einem Herzinfarkt.

Was ist seit der Folge passiert?

Maradona ist 2020 gestorben – die Doku war damit posthum die letzte umfassende filmische Würdigung eines lebenden Maradona. Seit März 2025 läuft in Argentinien der Prozess gegen acht Mitglieder seines medizinischen Teams wegen fahrlässiger Tötung. Asif Kapadia hat 2024 mit 2073 einen dystopischen Archiv-Hybrid und 2025 mit Kenny Dalglish einen weiteren Sport-Doku-Triumph nachgelegt. Napoli hat 2023 und 2025 endlich wieder Meister-Titel geholt – die ersten seit Maradonas Zeiten.

Sterben Tiere, gibt es Titten, sägt man Trompeten?

Die „Drei T’s“ – seit Folge 14 VLM-Tradition. Hier die Antworten: Sterben Tiere? Nein. Sieht man Titten? Ja, aber laut Kane hauptsächlich Männer-Titten. Sägt man Trompeten? Nein, glaubt Korbi zumindest. Hört euch die Folge an, wenn ihr es genauer wissen wollt.

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