Prey (2022): Predator bei den Comanchen (mit Christopher Kloiber)

Kane, Co-Founder von Viva la MovieluciónKane
Korbi, Co-Founder von Viva la MovieluciónKorbi
Christopher Kloiber, Comiczeichner und Schöpfer von TrachtmanChristopher Kloiber

Kane und Korbi haben einen besonderen Gast: Comiczeichner Christopher Kloiber, Schöpfer des bayerischen Superhelden Trachtman. Gemeinsam nehmen sie sich Prey vor, den fünften Predator-Film, in dem eine junge Comanche-Kriegerin gegen den außerirdischen Jäger antritt. Christopher kennt das Franchise und vor allem die Comics in- und auswendig, entsprechend tief und kenntnisreich wird das Gespräch. Es geht um Schauspiel, Inszenierung, Practical Effects, jede Menge Lore und natürlich um die Frage, wo Prey im Predator-Kanon einzuordnen ist.

Prey (2022): Predator bei den Comanchen

Prey ist der fünfte Teil des Predator-Franchise und ein Prequel zum Original Predator von 1987. Regie führt Dan Trachtenberg, bekannt durch 10 Cloverfield Lane, die Pilotfolge von The Boys und die Black-Mirror-Episode Playtest. Der Film spielt 1719 in den Northern Great Plains und erschien bei uns direkt im Stream auf Disney Plus, statt im Kino. Die Runde ist sich einig, dass sie diesen optisch starken Film mit seinen weiten Landschaftsaufnahmen lieber auf der großen Leinwand gesehen hätte. Entwickelt wurde das Projekt übrigens unter dem Tarntitel Skulls, um den Predator-Bezug zunächst geheim zu halten.

Worum geht es in Prey?

Naru ist eine junge Comanche, ausgebildet zur Heilerin, die aber lieber jagen würde wie ihr Bruder Taabe. Als sie ein Lichtphänomen am Himmel sieht, deutet sie es als Zeichen, dass die Zeit für ihren Initiationsritus gekommen ist. Was zunächst wie die Jagd auf einen Berglöwen beginnt, wird zur Konfrontation mit einem hochentwickelten außerirdischen Jäger, der sich Stück für Stück durch die Nahrungskette der Gegend tötet. Anders als bei früheren Predator-Filmen geht es für Naru nicht nur ums nackte Überleben, sondern darum, sich selbst als Jägerin zu beweisen. Genau dieser persönliche Antrieb hebt Prey von den Vorgängern ab, in denen die Helden den Predator meist aus Rache oder reinem Überlebenswillen bekämpften.

Amber Midthunder als Naru

Naru wird von Amber Midthunder gespielt, die zuvor in der Marvel-Serie Legion zu sehen war. Kane lobt sie als Weltklasse-Besetzung, die den Film über weite Strecken fast wortlos trägt. Spannend dabei: Der Charakter wirkt anfangs bewusst noch grün und ungeübt, was die Glaubwürdigkeit ihrer Entwicklung verstärkt. Ihr Bruder Taabe ist die erste Schauspielrolle von Dakota Beavers, und das Leinwand-Geschwisterpaar überzeugt die Runde, auch wenn Korbi die Figur des Bruders erst im Verlauf des Films richtig sympathisch findet. Nicht zu vergessen Narus Hund Sarii, an dem Hosts und Gast besonders hängen, samt halb ernster Warnung, dass sofort abgeschaltet worden wäre, wäre dem Hund etwas zugestoßen.

Der Dog-Fact am Rande

Typisch VLM eskaliert eine Nebensächlichkeit zur ausführlichen Recherche: Ist so ein dressierter Hund im Jahr 1719 überhaupt plausibel? Die Antwort ist ein klares Ja. Bei Sarii handelt es sich um einen Carolina Dog, auch als amerikanischer Dingo bekannt, eine Rasse, die zu dieser Zeit von indigenen Völkern tatsächlich teilweise domestiziert wurde. Damit bleibt die berühmte Suspension of Disbelief intakt, und es darf weiter mitgefiebert werden.

Der Feral Predator und die Practical Effects

Der Jäger in Prey ist der sogenannte Feral Predator, eine frühere, weniger mit Gadgets ausgestattete Variante der Spezies. Statt eines klassischen Schulter-Laserblasts setzt er auf eine Art Pfeil-Waffe, die über die drei roten Zielpunkte seines Helms aktiviert wird. Christopher hebt das Creature-Design hervor, das auf Practical Effects mit modelliertem Kostüm statt reinem CGI setzt, ein heute selten gewordener und entsprechend wertgeschätzter Ansatz. Auch die Maske unterscheidet sich von den bekannten Eisenmasken: Sie besteht aus einem Schädelknochen, der angeblich von einem der Kreaturen aus Predators stammt.

Action und Inszenierung

Ab etwa der Hälfte des Films wird es konsequent und gnadenlos brutal: der Boxkampf gegen einen Bären, der Überfall auf eine Gruppe französischer Trapper in einem brennenden Waldstück und das kompromisslose Vorgehen des Predators, der jedem erlegten Wesen Wirbelsäule und Schädel herauszieht. Besonders gelobt wird die ruhige Inszenierung mit langen Einstellungen statt des heute üblichen hektischen Schnitt-Stakkatos. Ein Höhepunkt ist ein nahezu durchgehender One-Shot bei Narus Befreiungsaktion. Der Film geizt nicht mit Schauwerten, egal ob es um Tiere oder Menschen geht, und liefert damit genau die Härte, die man sich von einem Predator-Film wünscht. Einziger Kritikpunkt der Runde: das teils schwache CGI bei den Tieren, allen voran der Bär.

Wie clever ist Narus Sieg?

Ein viel diskutierter Punkt ist das Finale. Naru gewinnt nicht über Muskelkraft, sondern über Köpfchen, ganz in der Tradition des ersten Predator. Sie lernt aus eigenen Erfahrungen, durchschaut die Funktionsweise der Predator-Waffe und nutzt sogar ihre eigene frühere Schwäche, das Feststecken im Schlamm, als Falle gegen den Gegner. Indem sie den Helm so platziert, dass der Predator beim Anvisieren sich selbst beschießt, und ihn zugleich im Sumpf festsetzt, dreht sie seine Technik gegen ihn. Für die Runde ist das eines der stärksten Finales der gesamten Reihe, gerade weil es in sich schlüssig ist und Narus Charakterentwicklung konsequent zu Ende erzählt.

Predator-Lore: Yautja, Clans und Comics

Weil Gast Christopher tief in der Materie steckt, lohnt ein kurzer Blick in die Lore des Franchise. Die Predators, im Kanon Yautja genannt, sind eine außerirdische Spezies von Trophäenjägern, die gezielt würdige Gegner aufsuchen. Schon die ersten beiden Filme zeigen unterschiedliche Typen, einen Jungle Hunter im Original und einen City Hunter in Predator 2. In Prey kommt mit dem Feral Predator eine frühere, ursprünglichere Variante dazu. In den Comics, etwa den Reihen von Dark Horse, wird das Universum massiv erweitert: Dort gibt es ganze Clans, eigene Ehrenkodizes und unzählige Predator-Varianten, sodass kein Jäger dem anderen gleicht.

Spannend ist auch die Verbindung zum Alien-Franchise. In Alien vs. Predator taucht die Firma Weyland auf, in der Fortsetzung kommt Yutani dazu, ein Hinweis auf die spätere Fusion zur berüchtigten Weyland-Yutani-Corporation aus den Alien-Filmen. Christopher empfiehlt für Einsteiger die gesammelten Omnibus-Ausgaben der Predator-, Alien- und Alien-vs.-Predator-Comics von Dark Horse, in denen unter anderem der Bruder von Dutch aus dem ersten Film eine Rolle spielt. Wer es kurioser mag, dem legt er die brutale Crossover-Miniserie Archie vs. Predator ans Herz. Die Runde fantasiert außerdem über Wunsch-Settings für künftige Teile, von einem Predator im alten Japan über die Wikingerzeit bis hin zu einem Film, der komplett auf dem Heimatplaneten der Yautja spielt, ganz ohne störende Menschen.

Comanche-Version, Easter Eggs und Wilhelmsschrei

Ein besonderes Highlight ist die auf Disney Plus verfügbare Comanche-Sprachfassung, die das Eintauchen in die Welt noch verstärkt. Sie lässt sich nicht über die normale Audiospur, sondern über das Extras-Menü auswählen. Dazu gibt es Easter Eggs: Die Waffe, die Naru am Ende findet, taucht später in Predator 2 als Trophäe von Danny Glovers Figur auf, auch wenn dieser Hintergrund gegenüber den älteren Dark-Horse-Comics neu interpretiert wurde. Den ikonischen Spruch „If it bleeds, we can kill it“ gibt es ebenfalls. Und natürlich darf der obligatorische Wilhelmsschrei nicht fehlen, den die VLM-Runde diesmal bei Minute 51:36 verortet.

Einordnung im Predator-Franchise

Prey gilt inzwischen bei vielen als bester Teil der Reihe und hat in diversen Wertungen sogar das Original überholt. Bei der Runde fällt das Ranking differenzierter aus. Sowohl Kane als auch Christopher haben Predator 2 wegen der stärkeren Nebenfiguren auf Platz 1, Prey landet im oberen Mittelfeld, aber klar vor den schwächeren Teilen wie Alien vs. Predator 2 und dem 2018er The Predator. Korbi, der zugegebenermaßen nicht alle Teile gesehen hat, favorisiert das Konzept von Alien vs. Predator. Einig ist man sich, dass Prey ein wirklich guter Predator-Film ist, und das ist angesichts vieler enttäuschender Vorgänger schon eine Menge wert.

Triple Threat

Auch Prey muss sich der berüchtigten Triple-Threat-Wertung stellen. Wie Kane, Korbi und Christopher hier zu ihrem Urteil kommen und ob der treue Hund Sarii durchkommt, gibt es nur in der Folge zu hören. Also unbedingt reinhören.

Über den Gast: Christopher Kloiber

Christopher Kloiber ist Comiczeichner und Schöpfer von Trachtman, einem augenzwinkernden bayerischen Superhelden. Auf seinen Zeichenstil ist sogar Comic-Legende Frank Miller aufmerksam geworden. Als bekennender Predator- und Comic-Fan bringt er jede Menge Hintergrundwissen mit, von Practical Effects über die Yautja-Lore bis zu den Dark-Horse-Reihen. Mehr zu seiner Arbeit und seinen Comics gibt es auf trachtman.de.

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Häufige Fragen zur Prey-Folge

Wer ist in dieser Folge dabei?

Die Hosts Kane und Korbi sowie Gast Christopher Kloiber, der Comiczeichner und Schöpfer von Trachtman.

Worum geht es in Prey (2022)?

Die junge Comanche Naru will sich als Jägerin beweisen und trifft dabei 1719 auf einen hochentwickelten außerirdischen Predator. Es ist der fünfte Predator-Film und ein Prequel zum Original von 1987.

Wer hat bei Prey Regie geführt?

Dan Trachtenberg, bekannt durch 10 Cloverfield Lane, die Pilotfolge von The Boys und die Black-Mirror-Episode Playtest.

Was sind die Predators eigentlich?

Im Kanon heißen sie Yautja, eine außerirdische Spezies von Trophäenjägern mit eigenem Ehrenkodex. Es gibt verschiedene Typen wie den Jungle Hunter, den City Hunter und in Prey den ursprünglicheren Feral Predator. In den Comics werden ganze Clans und viele weitere Varianten ausgearbeitet.

Was ist die Comanche-Version von Prey?

Auf Disney Plus gibt es eine Fassung mit Comanche-Sprachausgabe. Sie ist über das Extras-Menü auswählbar und macht das Eintauchen in die Welt noch intensiver.

Wo ordnet die Runde Prey im Franchise ein?

Prey gilt vielen als bester Teil. Bei VLM landet er im oberen Mittelfeld, klar vor den schwächeren Teilen, während Predator 2 bei Kane und Christopher auf Platz 1 bleibt.

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