Korbi hat jahrelang darauf hingearbeitet, dass Mike sich endlich Trollhunter (Originaltitel: Trolljegeren) komplett anschaut. Die Blu-ray stand bei Mike seit Jahren ungespielt im Regal, weil er bei der ersten Sichtung nach der Hälfte rausgekippt war. Nach einer kurzen Recherche-Odyssee über die Streaming-Plattformen, bei der Mike fast auf einer Animations-Kinderserie gelandet wäre, wurde der norwegische Found-Footage-Mockumentary von 2010 endlich von vorne bis hinten geschaut. In dieser Folge bespricht das bayerisch-niederbayerische Duo den Film: was Korbi nach unzähligen Sichtungen immer noch liebt, was Mike für sehr unterhaltsam, aber nicht für einen Lieblingsfilm hält, und warum eine bayerische Klabauterman-Hunter-Adaption gar nicht so abwegig wäre.
Worum geht’s in Trollhunter (Trolljegeren)?
Eine Gruppe norwegischer Studenten will einen Wilderer entlarven, der angeblich illegal Bären schießt. Die Spur führt sie zum mysteriösen Hans (Otto Jespersen), den die Studenten erst für den gesuchten Wilderer halten. Auf frischer Tat ertappen sie ihn allerdings nicht beim Bärenwildern, sondern beim Trollkampf. Hans ist Trolljäger im Auftrag der norwegischen Regierung, unterbezahlt, schlecht ausgerüstet, ohne Gefahrenzuschlag, und genervt genug, um sich für die Studenten als Kamera-Statisten zu öffnen. Gemeinsam mit Reporterin Johanna (Johanna Mørck) und Kameramann Kalle (Tomas Alf Larsen) jagen die Studenten unter Leitung von Thomas (Glenn Erland Tosterud) verschiedene Trollarten quer durchs nördliche Norwegen, von Berg- und Waldtrollen bis zum dreiköpfigen Tussel und dem gewaltigen Jotnar-Riesen.
Mockumentary mit System: Wie die Trollmythologie aufgebaut wird
Was den Film für beide Hosts trägt, ist die handwerklich saubere Exposition. Regisseur André Øvredal und sein Team bauen eine in sich geschlossene Welt: Trolle haben Schwächen und Stärken, reagieren auf UV-Licht (Sonnenlicht versteinert sie, alternativ tut es ein UV-Scheinwerfer), brauchen Markierungen im Revier, hassen den Geruch von Christen und unterscheiden sich nach Art. Hans führt die Studenten in die Regeln ein, schmiert sie mit einer übel riechenden Troll-Paste ein, damit Menschen-Geruch überlagert wird, und erklärt vermeintlich harmlose Phänomene als Troll-Vertuschung: eine in der Mitte zerbrochene Brücke, ein Auto mitten im See, abgesperrte Stromleitungen, dazu Wanderwege, die plötzlich umgeleitet werden. Mike lobt explizit, dass der Film den Zuschauer bei der Hand nimmt und die Mystik so organisch ausrollt, dass man kurz tatsächlich glaubt, in Norwegen liefen Trolle herum.
Christen-Witz, Muslima im Team und das Trolljäger-Tagebuch
Eines der besten Running Gags der Mockumentary: Trolle riechen Christen besonders intensiv. Wenn ein Christ schwitzt, geht es zur Sache. Im Verlauf der Folge stirbt ein Christ aus dem Team und wird durch eine muslimische Kamera-Assistentin ersetzt, woraufhin Hans trocken kommentiert, ob das auch fies werden könnte, wird sich zeigen. Korbi und Mike feiern, wie unaufgeregt der Film diese Religionspointe spielt, statt sie als Statement breitzutreten. Genauso die Vertuschungs-Mechanik: tote Bären werden an Tatorten platziert, damit Wildbiologen und Förster eine plausible Erklärung haben. Die polnischen Bären-O-schaffer mit ihrem Spruch über den falsch importierten Bären sind ein Höhepunkt der trashigen Charme-Offensive.
André Øvredal: Vom Trollwald nach Hollywood
Trollhunter war für Regisseur André Øvredal das internationale Karrieresprungbrett. Sechs Jahre später lieferte er mit The Autopsy of Jane Doe einen der besten Kammerspiel-Horror-Filme der letzten Dekade, danach folgte Scary Stories to Tell in the Dark als Guillermo-del-Toro-Produktion. Mike feiert beide Nachfolger als deutliche Steigerung gegenüber Trollhunter, während Korbi in der Vorbereitung seine Filmografie durchgegangen ist und sich überrascht zeigt, wie sehr Øvredal sich in Tonalität und Inszenierung weiterentwickelt hat. Trotzdem bleibt Trollhunter der Charme-Bomber, der ihm die Tür nach Hollywood geöffnet hat.
Otto Jespersen: norwegischer Komiker als Trolljäger
In Norwegen ist Otto Jespersen eine lokale Berühmtheit, vergleichbar mit Martina Schwarzmann in Bayern. Hierzulande kennt ihn fast niemand, und genau das macht seine Performance so reizvoll. Er spielt Hans nicht offensichtlich komisch, kein Slapstick, kein Augenzwinkern, sondern als müden Beamten mit jahrelanger Trollerfahrung und chronisch leerem Bankkonto. Die Komik entsteht aus den Eigenheiten der Figur und der pseudo-dokumentarischen Distanz. Korbi merkt an, dass Jespersen wahrscheinlich in Norwegen wegen Mordsgranatn gilt, ohne dass es bei uns davon viel zu sehen gibt. Eine bayerische Adaption mit Klabauterman-Hunter könnten sich die beiden Hosts durchaus vorstellen.
CGI 2010: Zwischen Fraggle-Charme und Bergriesen
Das Troll-Design polarisiert. Mike sieht in manchen Modellen Fraggle-Anleihen, was nicht abwertend gemeint ist, aber das Niedliche überlagere stellenweise das Bedrohliche. Beide Hosts ranken den Endgegner, den Jotnar-Riesen, als bestes Design, gefolgt von den Bergtrollen. Der dreiköpfige Tussel ganz am Anfang ist Korbi too much, er hätte sich für die Eröffnung lieber einen Bergtroll gewünscht, der weniger overengineered wirkt. Für 2010 und ein Budget von rund 2,5 Millionen Euro ist die CGI-Arbeit dennoch erstaunlich gut gealtert, angestaubt aber nicht veraltet. Besonders die Höhlen-Szene, in der das Team unter Nachtsicht ausharren muss, gilt für Mike als handwerkliches Top, atmosphärisch und ohne den nervigen Found-Footage-Kameraschütteltanz, mit dem viele Genre-Kollegen das Subgenre verbrannt haben.
Jens Stoltenberg, der unfreiwillige Cameo
Das vielleicht trockenste Bonus-Element des Films: Eine Pressekonferenz-Sequenz mit Jens Stoltenberg, damals Ministerpräsident von Norwegen und später NATO-Generalsekretär. Im Filmkontext erscheint Stoltenberg als jemand, der die Existenz der Trolle zwischen den Zeilen einräumt und sich gleichzeitig über abgesperrte Stromtrassen wundert. Korbi feiert diesen Aspekt besonders, ebenso wie den durchgehend trashigen Touch des Films. Er erzählt im Podcast, wie er Trolljäger-Szenen mit Freunden im Wald nachgespielt hat, gerne mit dem ein oder anderen Bier dazu. Sein einziger echter Kritikpunkt: Seit 2010 ist außer einem über die Jahre immer wieder erwähnten Remake-Gerücht im Sand verlaufen, und das Trollhunter-Universum bietet so viel Material, dass eine Serien-Adaption mit eigenen Trollarten pro Folge geradezu auf der Hand läge.
Die Triple-Threat-Frage: Titten, Trompeten, tote Tiere?
Am Ende jeder Folge stellt sich die heilige VLM-Frage: Titten, Trompeten, tote Tiere? Bei einer norwegischen Mockumentary mit Wald, Bergen, Trollen und einem unterbezahlten Beamten am Trollabzug sind die Vorzeichen besonders eigenwillig. Trollzitzen werden diskutiert, Trolltrompeten ebenfalls. Was am Ende auf der Haben-Seite landet, klärt sich nur in der vollen Folge.
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Found-Footage-Achse: Wer die Höhlen-Atmosphäre von Trollhunter mochte, sollte unbedingt REC, Found-Footage-Kult aus Spanien reinziehen, sowie Mikes erklärten Found-Footage-Favoriten S-VHS (V/H/S/2), den er ausdrücklich über Trollhunter stellt. Wer noch tiefer ins Mockumentary-Mark will, findet bei Noroi: The Curse die japanische Antwort auf das Genre.
Running-Gag-Pflicht: Mikes wiederkehrendes Trauma Fraktus taucht in dieser Folge erneut auf, Korbi versucht ihm den Film weiter unterzujubeln. Direkter Nachbar im Verlauf: Baby Blood, Parasiten-Splatter deluxe, am Ende der Folge als gemeinsame Vergangenheitslektüre erwähnt. Chronologisch direkt daneben liegt die Steadyklusiv-Folge Elden Ring: Ihr seid gestorben mit Korbi und Seppi.
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FAQ zu Trollhunter
Worum geht es in Trollhunter?
Eine Gruppe norwegischer Studenten verfolgt einen vermeintlichen Bärenwilderer und stößt dabei auf Hans, einen vom Staat angestellten Trolljäger, der unterbezahlt die norwegische Troll-Population in Schach hält. Die Studenten dokumentieren seine Einsätze als Mockumentary, von Berg- und Waldtrollen bis zum gewaltigen Jotnar-Riesen.
Wer hat Trollhunter gedreht?
Regie führte André Øvredal, der spätere Hollywood-Macher von The Autopsy of Jane Doe und Scary Stories to Tell in the Dark. Trollhunter war 2010 sein internationaler Durchbruch und wurde mit einem Budget von rund 2,5 Millionen Euro produziert.
Ist Trollhunter ein Horrorfilm?
Streng genommen ist Trollhunter eine Found-Footage-Mockumentary mit Mystery- und Comedy-Anteilen. Eine Höhlen-Sequenz hat Horror-Qualitäten, der Großteil des Films lebt aber vom trockenen Humor um den müden Trolljäger Hans und den absurden Vertuschungs-Mechanismen der norwegischen Regierung.
Wer spielt Hans, den Trolljäger?
Otto Jespersen, in Norwegen eine bekannte Komiker- und Entertainer-Größe. Hierzulande ist er weitgehend unbekannt, was seiner Performance einen besonderen Mockumentary-Realismus verleiht. Korbi vergleicht ihn mit Martina Schwarzmann im bayerischen Kontext.
Welche Rolle spielt Jens Stoltenberg in Trollhunter?
Der damalige norwegische Ministerpräsident und spätere NATO-Generalsekretär taucht in einer Pressekonferenz-Sequenz auf, die im Filmkontext humorvoll als implizite Bestätigung der Troll-Existenz umgedeutet wird. Ein trockener Coup, den Korbi besonders feiert.
Gibt es eine Fortsetzung oder ein Remake?
Seit dem Kinostart 2010 ist trotz wiederholter Remake-Gerüchte aus Hollywood nichts Greifbares dazugekommen. Korbi hofft auf eine Serien-Adaption mit eigenen Trollarten pro Episode, vergleichbar mit Supernatural als Vorbild.


