Ein prähistorischer Parasit kriecht aus einem geplatzten Gepard und nistet sich in der Zirkusartistin Yanka ein: Baby Blood (1990) ist Alain Robaks französischer Bodyhorror-Geheimtipp, ein grindiger B-Movie mit reichlich Blut, Splatter und einer Hauptdarstellerin, die sich durch ganz Frankreich mordet, um ihren ungeborenen Untermieter zu füttern. Mike moderiert und bringt den Film als seinen langjährigen Herzens-Geheimtipp ins Programm, Korbi übernimmt die Aufgabe, diese hochkomplexe Handlung zusammenzufassen. Den Film mit ausgesucht hat Kane, in dieser Aufnahme sind aber nur Mike und Korbi dabei.
Baby Blood (1990): Parasiten-Splatter aus Frankreich
- Originaltitel: Baby Blood (US-Titel: The Evil Within, Direct-to-Video 1994)
- Regie: Alain Robak (auch Co-Autor)
- Hauptcast: Emmanuelle Escourrou (Yanka), Jean-François Galotte, Christian Sinniger
- Parasiten-Stimme (US-Fassung): Gary Oldman – ja, wirklich
- Genre: Bodyhorror / Splatter / Creature Feature
- Laufzeit: ca. 84 Minuten
- Land / Jahr: Frankreich, 1990 (Kinostart Frankreich 24. Januar 1990)
- Festival: Avoriaz Fantasy Film Festival 1990, dort als erster Film überhaupt mit einem Jurypreis bedacht, obwohl er außer Konkurrenz lief
- FSK-Historie: deutsche VHS um 36 Sekunden geschnitten, 1991 indiziert, 2016 wieder freigegeben (ab 18)
- Empfehlung Heimkino: die Bildstörung-Blu-ray von 2021 (wunderschöne Restauration, im O-Ton mit Untertitel schauen)
Korbi fasst die Handlung zusammen: Ein Gepard wird aus Afrika nach Frankreich verschifft und landet in einem Zirkus. Dort platzt das Tier auf, ein schlangenähnlicher Urzeit-Parasit kriecht heraus und nistet sich in der schlafenden Artistin Yanka ein. Ab da kann sie mit dem Parasiten reden. Er befiehlt ihr, sehr viel Blut zu trinken, damit er wachsen und geboren werden kann, um danach ins Meer zurückzukehren, aus dem er stammt. Yanka tötet auf ihrem Weg durch Frankreich reihenweise Männer, mal per Verführung, mal in aller Öffentlichkeit, mal an Blutreserven, und wird dabei optisch immer hochschwangerer. Robak hat sich bei den Mordmethoden sichtlich ausgetobt.
Mike und Korbi: zwei Meinungen zum Geheimtipp
Mike lebt nach eigener Aussage schon lang mit dem Film. Er hatte ihn früher auf der grottigen alten Dragon-DVD (Bild praktisch unsichtbar dunkel), die schöne Bildstörung-Veröffentlichung von 2021 hat ihn dann zum Wiedersehen gebracht. Sein Urteil: ein schmieriger, grindiger B-Movie mit Längen in den dialoglastigen Passagen, aber satten Schauwerten, sobald es zur Sache geht. Sympathieträger gibt es bis auf den einen Mann mit der Unterhose kaum, alle anderen sind Fleisch für Yanka. Korbi hatte mehr Spaß, als er erwartet hatte: Die 84 Minuten gehen durch den ständigen Schauplatzwechsel und die hohe Mordfrequenz flott vorbei. Besonders absurd findet er die Tankstellen-Szene, in der Yanka blutüberströmt nach einem Mechaniker fragt und die Verkäuferin nur gelangweilt weiterliest.
Die deutsche Synchro: unterste Schublade, plus Gary Oldman
Einig sind sich beide bei der deutschen Synchro: katastrophal, teils unverständlich, der Parasit klingt wie ein alberner Kobold-Onkel von Gollum. Auf der französischen und vor allem der englischen Tonspur hat der Parasit dagegen eine richtig bedrohliche Stimme. Die Pointe: In der US-Fassung The Evil Within spricht Gary Oldman den Parasiten. Klare Empfehlung der beiden: den Film im O-Ton mit Untertitel oder zumindest auf Englisch schauen, nicht in der deutschen Fassung.
Praktische Effekte: Babyhände und der Krankenwagen voll Blut
Technisch ist Baby Blood mit einfachsten Mitteln gemacht, aber die praktischen Effekte sitzen. Mike und Korbi heben die Traumsequenz hervor, in der Babyhände aus Yankas Bauch brechen, sowie die Kamerafahrt durch ihren Körper hindurch. Korbis persönliches Highlight ist die Blutorgie im Krankenwagen am Ende, bei der mehr Blut fließt, als zwei Menschen überhaupt im Körper haben können. Genau dieser Wahnsinn macht den Charme aus.
Die Hellraiser-Parallele
Mike zieht im Talk eine Parallele zu Hellraiser: So wie Julia dem ausgemergelten Frank Blut zuführen muss, damit der wieder Fleisch auf die Knochen bekommt, muss Yanka ihren Parasiten mit Blut versorgen, damit er wächst. Beides ist eine Geschichte über eine zerstörerische Abhängigkeit, und genau diese Zwiegespräche und die wechselseitige Beziehung zwischen Yanka und dem Parasiten sind für Mike das Beste am Film.
Die Fortsetzungen: Lady Blood und ein Titelschwindel
Es gibt einen echten, sehr verspäteten Nachfolger: Lady Blood (2008), in dem Emmanuelle Escourrou zurückkehrt und der teils auch als Baby Blood 2 vermarktet wurde. Mike hat ihn 2019 gesehen und als reichlich abstrus in Erinnerung. Davon zu trennen ist ein älterer Titelschwindel: Das in Videotheken als Baby Blood 2 (1994) verkaufte Band ist in Wahrheit The Unborn II und hat mit Robaks Film inhaltlich nichts zu tun. Mike fand den als groben Videothekenklopper damals trotzdem unterhaltsam.
Pro & Contra
Mike (Pro): die kaltschnäuzige Taxi-Szene, in der Yanka eiskalt einen Jogger überfährt, dazu die Parasiten-Dialoge und die Abhängigkeitsdynamik. Mike (Contra): die zwischenmenschlichen Passagen tragen nicht, außer Yanka gibt es keine Figur zum Mitfiebern. Korbi (Pro): die praktischen Effekte, allen voran die Armsehnen aus dem Bauch und die 1000-Liter-Blut-Szene im Krankenwagen. Korbi (Contra): die deutsche Synchro und ein paar unfreiwillig komische Kills, bei denen das Opfer einfach minutenlang dasteht und schreit, statt auszuweichen. Die berüchtigte Triple-Threat-Wertung gibt es wie immer am Ende der Folge, ungespoilert.
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- Der VLM-Horror-Podcast – das Sammelbecken für alle Horror-Folgen
- Folge 125: Possessor (2020) – Brandon Cronenbergs Bodyhorror, fremde Körper als Werkzeug
- Folge 213: Body Melt – australischer Splatter, der Körper als Schlachtfeld
- Folge 179: Hellraiser – die Blut-Abhängigkeit, mit der Mike Baby Blood vergleicht
- Alle Film-Folgen – über 340 Episoden zum Reinhören
FAQ zur Folge
Wer spricht in dieser Folge?
Mike und Korbi. Mike moderiert und bringt Baby Blood als langjährigen Herzens-Geheimtipp ein, Korbi übernimmt die Handlungszusammenfassung. Kane hat den Film mit ausgesucht, ist in dieser Aufnahme aber nicht dabei.
Worum geht es in Baby Blood?
Ein prähistorischer Parasit kriecht aus einem geplatzten Gepard und nistet sich in der Zirkusartistin Yanka ein. Er kommuniziert telepathisch mit ihr und befiehlt ihr, viel Blut zu trinken, damit er wachsen und geboren werden kann. Yanka tötet auf ihrem Weg durch Frankreich reihenweise Männer und wird dabei optisch immer hochschwangerer.
Wer hat Regie geführt?
Alain Robak, der auch am Drehbuch mitschrieb. Baby Blood ist eine französische Produktion von 1990 mit Emmanuelle Escourrou in der Hauptrolle der Yanka. Der Film lief 1990 beim Avoriaz Fantasy Film Festival und gewann dort als erster Film überhaupt einen Jurypreis, obwohl er außer Konkurrenz lief.
Spricht Gary Oldman wirklich den Parasiten?
Ja, allerdings nur in der US-Fassung. Dort lief der Film ab 1994 als The Evil Within direkt fürs Heimkino, und in dieser englischen Synchronfassung leiht Gary Oldman dem Parasiten seine Stimme. Die deutsche Synchro ist dagegen berüchtigt schlecht, Mike und Korbi empfehlen den O-Ton mit Untertitel oder die englische Tonspur.
Gibt es eine Fortsetzung?
Ja: Lady Blood (2008), in dem Emmanuelle Escourrou zurückkehrt und der teils auch als Baby Blood 2 vermarktet wurde. Davon zu unterscheiden ist ein Titelschwindel, denn das in Videotheken als Baby Blood 2 von 1994 verkaufte Band ist in Wahrheit The Unborn II und hat mit Robaks Film nichts zu tun.


