Das HARD:LINE Film Festival 2022 lief vom 6. bis 10. April im Ostentor-Kino in Regensburg, und VLM war als Medienpartner mittendrin. Mike und Korbi blicken in dieser Folge auf das komplette Festivalwochenende zurück. Für Korbi war es die erste HARD:LINE überhaupt, und nach eigener Aussage hat ihn das Festivalfieber sofort gepackt. Kane war ebenfalls vor Ort, in dieser Folge aber nicht am Mikrofon. Zwischen all den Filmen blieb auch Zeit für die Community: Festivalleiter Florian Scheuerer, Pressekontakt Karin Prechtner und das Team rund um Magda sorgten für reibungslosen Ablauf, und die Kollegen Benedikt und Tobi von Deep Red Radio waren feste Wegbegleiter. Hier der chronologische Gang durch alle Filme.
Mittwoch: The Retaliators und Night Caller
Den Auftakt machte The Retaliators (2021), inklusive Goodie-Bag mit Cap und T-Shirt. Im Kern eine Rachegeschichte um einen Priester, dessen Tochter getötet wird, die gegen Ende einige Twists nimmt. Wer Metal-Musik mag, entdeckt bekannte Gesichter: Mitglieder von Five Finger Death Punch, Tommy Lee und Papa-Roach-Sänger Jacoby Shaddix als Psychopath. Mike und Korbi waren sich einig: kein großer Wurf, aber ein sympathischer, wilder Genremix als Vorspeise. Danach folgte Night Caller (2022) von Chad Ferrin, ein Retro-Neo-Giallo um eine telefonische Hellseherin, die Morde vorhersieht. Für Mike eine klare Steigerung gegenüber Ferrins vorherigem Festivalbeitrag The Deep Ones, sehr 80er, sehr krude im Humor, mit Troma-Einschlag. Korbi, der nach eigenem Bekunden mit Slashern wenig anfangen kann, war hier eher Night Sleeper als Night Caller.
Donnerstag: When I Consume You
When I Consume You (2021) von Perry Blackshear war eines von Korbis kleinen Highlights. Zwei Geschwister, die starke Schwester und ihr unsicherer Bruder, dann wird die Schwester ermordet und kehrt als Geist zurück, um gemeinsam mit ihm den Täter zu suchen. Ein sehr entschleunigter, charakterfokussierter Film, der von der Wandlung des Bruders lebt. Mike zog Vergleiche zu Blackshears They Look Like People und zu The Dead Center, Korbi fühlte sich stark an die Geschwisterdynamik von Supernatural erinnert. Der Payoff am Ende hat beide überrascht.
Donnerstag: Dawn Breaks Behind the Eyes
Der erste deutsche Beitrag, Dawn Breaks Behind the Eyes (2021) von Kevin Kopacka, begeisterte Giallo-Liebhaber Mike besonders. Der Film startet als Mario-Bava-Gothic-Horror aus den 60ern, mit einem Vorspann ganz im Stil von Lucio Fulci, kippt dann über mehrere Zeit- und Metaebenen in einen surrealen Drogentrip-Giallo. Kopackas Zweitfilm wirkt erstaunlich stilsicher und liebevoll inszeniert. Wer klassisches Mainstream-Kino erwartet, dürfte mit der Verschachtelung Probleme haben, doch für Mike war es ein Festival-Highlight. Es existiert eine längere Fassung mit einem zusätzlichen Handlungsstrang. Beim Publikum landete der Film auf Platz vier.
Donnerstag: Offseason
Offseason (2021) von Mickey Keating war neben The Medium Mikes absolutes Festival-Highlight. Marie fährt nach der Schändung des Mutter-Grabes in eine abgelegene Küstenstadt und gerät dort in blanken Horror. Lose angelegt an H. P. Lovecrafts Schatten über Innsmouth, fängt der Film die vage, namenlose Lovecraft-Atmosphäre stark ein, mit Southern-Gothic-Stimmung, Nebel und absoluter Einsamkeit. HARD:LINE hatte Keating bereits einen Director Spotlight gewidmet, und Offseason ist für Mike sein bisher rundestes Werk. Korbi fand ihn vom Genre-Anteil her eher zurückhaltend, aber handwerklich auf Kinoniveau.
Donnerstag: Holy Shit
Der zweite deutsche Beitrag, Holy Shit (2022, Originaltitel Ach du Scheiße) von Lukas Rinker, war die perfekte Partygranate für den späten Mittwoch-, beziehungsweise Donnerstag-Slot um 22 Uhr. Ein Mann wacht in einem Dixi-Klo auf, der Arm von einer Metallstange durchbohrt, und hat 30 Minuten bis zur Sprengung der Baustelle. Ein Kammerspiel mit enormem Ideenreichtum, das beide an 127 Hours erinnerte, nur eben die beschissene Version. Gideon Burkhard spielt herrlich drüber. Der Film gewann den Publikumspreis und startet im September im Kino.
Freitag: Hall
Hall (2020) von Francesco Giannini eröffnete den Freitag, an dem Korbi mit Kane anreiste. Ein luftübertragener Erreger bringt Menschen in einem Hotelflur zum Kollabieren, im Zentrum eine schwangere Frau und eine junge Familie. Für Korbi solide produziert und rund, aber weniger twisty und erschreckend als andere Beiträge. Genau die Art Film, von der Festivalleiter Flo angekündigt hatte, dass sie das Publikum spalten würde.
Freitag: Arboretum
Arboretum von Julian Richberg, sein Debütfilm und der dritte deutsche Beitrag, war neben The Medium Korbis Festival-Highlight. In Thüringen verfolgen die beiden Außenseiter-Teenager Erik und Sebastian ihren Alltag aus Mobbing und Langeweile, bis ein Monster im Wald Erik in eine düstere Richtung weist. Ein Coming-of-Age-Film, der sich ernsthaft mit Schuld befasst und an Dark erinnert. Bemerkenswert: Arboretum ist mit rund 15.000 Euro komplett eigenfinanziert, der Cast wurde noch nicht bezahlt. Korbi und Deep Red Radio wollen über ihre Kontakte zu Filmvertrieben helfen, dem Film einen Verleih zu verschaffen. Beim Publikum landete er auf Platz drei.
Freitag: Podiumsdiskussion und Catch the Fair One
Zwischendurch lief eine Podiumsdiskussion zum Thema, wo der deutsche Genrefilm steht, mit den Regisseuren der drei deutschen Beiträge sowie Dominik Balko (Kurzfilm O). Tenor: Man war sich einig, sich nicht einig zu sein. Den Tag beschloss Catch the Fair One (2021) von Josef Kubota Wladyka, ein harter Rachefilm um eine Boxerin, die ihre von Menschenhändlern entführte Schwester sucht. Kein Feel-Good-Movie, das Thema wird explizit behandelt. Korbi sah Anklänge an Kill Bill, fand die Effekte zum Finale hin aber ausbaufähig.
Die Kurzfilmblöcke und das Lowlight Aporia
Im ersten Kurzfilmblock stachen zwei deutsche Produktionen heraus: O von Dominik Balkow, für Korbi der beste Kurzfilm des Festivals, komplett ohne Dialog, und Dana von Lucia Forner Segarra, der den Kurzfilm-Publikumspreis gewann. Ebenfalls hervorgehoben: Forbidden von Anssi Korhonen, dessen Regisseur Korbi und das Team interviewten. Den zweiten Block empfand Korbi als düsterere Mischung ohne die lockeren Momente des ersten. Das gemeinsame Lowlight des Festivals lief am Samstag: Aporia aus Aserbaidschan von Rec Revan, der mit cooler Menschenjagd-Thematik beginnt, dann aber kopflos eine Zombie-Thematik hineinwirft und mit unlogischem, hysterischem Figurenverhalten beide Hosts ratlos zurücklässt.
Der erste Kurzfilmblock, Short & Hoart 1:
- Le Penumbra (Dani Viqueira)
- Cutter (Dan Repp, Lindsay Young)
- Man or Tree (Varun Raman, Tom Hancock)
- Forbidden (Anssi Korhonen)
- O (Dominik Balkow)
- Dana (Lucia Forner Segarra)
- La Inquilina (Lucas Paulino, Ángel Torres)
- Good Girl (Dean Hewison)
Der zweite Kurzfilmblock, Short & Hoart 2:
- Blinded by Desire (Guibert Najarian)
- Freebirth (Juan Avella)
- Donkerster (Frank Van Den Bogaart)
- Smile (Joanna Tsanis)
- Part Forever (Alan Chung-an Ou)
- Au Pair (David Pérez Sañudo)
- 665 (Juan De Dios Garduño)
- Survivers (Carlos Gómez-Trigo)
Samstag: Slapface
Slapface (2021) von Jeremiah Kipp erzählt von einem Heranwachsenden, der nach dem Unfalltod der Eltern bei seinem älteren Bruder lebt, und einer creepy Hexe im Wald, die zur unerwarteten Bezugsperson wird. Ein Film, der als Familiendrama ebenso funktioniert wie als Coming-of-Age-Grusel, mit starkem Spiel der Kinderdarsteller und einem klassisch im Dunkeln gehaltenen Hexendesign. Mike sah Anklänge an del Toro. Der Film läuft bei Tiberius Film.
Samstag: The Medium
The Medium (2021) war für Mike und Korbi das gemeinsame Festival-Highlight schlechthin. Der Found-Footage-Film aus Thailand gibt sich zunächst als Doku über eine Priesterin, weshalb Kane nach rund 15 Minuten den Saal verließ, und steigert sich dann zu einer regelrechten Abwärtsspirale des Grauens. Mike attestiert dem Film Härten, die Paranormal Activity oder Blair Witch Project nie erreicht haben, eine Geisterbahn-Horrorfahrt, die ihresgleichen sucht. Storytechnisch nichts grundlegend Neues, aber Kreativität und Frequenz der Schockmomente machen die 130 Minuten im Flug vergehen. Der Film ist bereits verkauft.
Sonntag: Frank and Zed und der Abschlussfilm
Den Sonntag um 13 Uhr eröffnete Frank and Zed, ein kompletter Puppenfilm im Geist der Augsburger Puppenkiste, gekreuzt mit Meet the Feebles und etwas Braindead. Frank ist eine Art Frankenstein-Monster, Zed ein Zombie, gemeinsam halten sie ein Schloss. Die letzten 30 Minuten sind eine Splättergranate, der Enthusiasmus und das Herzblut sind in jeder Sekunde spürbar. Magda hatte den Film als ihren Herzensfilm betreut. Beim Publikum landete er auf Platz zwei. Den Abschluss bildete das Slumber Party Massacre Remake von 2021, das viele klassische Slasher-Tropen geschlechtlich umdreht, ein gemütlicher No-Brainer als Festivalausklang.
VLM und HARD:LINE: Medienpartnerschaft
VLM begleitet HARD:LINE als Medienpartner. Korbi und Kane führten beim Festival Interviews mit sämtlichen Regisseuren der deutschen Beiträge sowie mit Kurzfilm-Regisseur Dominik Balko, von denen einige als reguläre Folge oder exklusiv über den Steady-Account von VLM erscheinen sollen. Das Festival selbst lief 2022 zusätzlich vom 16. bis 24. April etappenweise im Stream. Wie Flo bereits andeutete, wird sich HARD:LINE künftig gesund schrumpfen und auf die alten Stärken zurückbesinnen, voraussichtlich auf drei bis vier Festivaltage.
FAQ zum HARD:LINE Film Festival 2022
Wer sind die Hosts in dieser Folge?
Mike und Korbi. Kane war ebenfalls beim Festival in Regensburg dabei, in dieser Recap-Folge aber nicht am Mikrofon.
Wann und wo fand das HARD:LINE Film Festival 2022 statt?
Vom 6. bis 10. April 2022 im Ostentor-Kino in Regensburg. Zusätzlich liefen ausgewählte Beiträge vom 16. bis 24. April etappenweise im Stream.
Welcher Film hat den Publikumspreis 2022 gewonnen?
Der deutsche Beitrag Holy Shit von Lukas Rinker gewann den Publikumspreis. Auf Platz zwei landete der Puppenfilm Frank and Zed, auf Platz drei Arboretum.
Was waren die Festival-Highlights von Mike und Korbi?
Beide waren sich einig: The Medium aus Thailand war das gemeinsame Highlight. Mike nennt zusätzlich Offseason, Korbi zusätzlich Arboretum.
Welche deutschen Filme liefen beim HARD:LINE 2022?
Drei Langfilme: Dawn Breaks Behind the Eyes von Kevin Kopacka, Holy Shit von Lukas Rinker und Arboretum von Julian Richberg. Dazu der Kurzfilm O von Dominik Balko.
Ist VLM offizieller Medienpartner von HARD:LINE?
Ja. VLM begleitet das HARD:LINE Film Festival als Medienpartner und führt vor Ort Interviews mit Regisseuren, die teils als reguläre Folge, teils exklusiv über Steady erscheinen.
Eine kurze Bitte zum Schluss
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Direkt davor lief die Vorschau-Folge Folge 122: Woah Lecks März 2022 mit Flo Scheuerer, in der Festivalleiter Flo das HARD:LINE 2022 ankündigt. Wie es bei HARD:LINE weiterging, hört ihr in Folge 176: HARD:LINE 2023 Fakten Fakten Fakten mit Flo Scheuerer und im Recap Folge 181: HARD:LINE 2023, 10 Jahre Genre-Festival. Wer die Anfänge nachholen will: die HARD:LINE-2020-Recaps gibt es in Folge 28 und Folge 29. Passend zum deutschen Genrefilm-Thema: Folge 49: Schlaf von Michael Venus.
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