ALIEN³ (1992): Finchers Problemkind im VLM-Check, mit Gast Birger

KaneKane
BirgerBirgerMundart-YouTuber & Gaming-StreamerVLM-Stammgast der Alien-ReiheYouTube: @Birgerlax

Nach fast einem Jahr Pause kommt die VLM-Alien-Reihe endlich zum dritten Teil. Kane begrüßt dafür wieder seinen Stammgast Birger, Mundart-YouTuber und Gaming-Streamer, mit dem er das Franchise Film für Film durcharbeitet. Diesmal auf dem Seziertisch: ALIEN³ (1992), das Regiedebüt von David Fincher. Nach den gefeierten ersten beiden Teilen macht das Franchise hier eine spürbare Kurve nach unten, und genau an diesem Problemkind arbeiten sich die beiden ausführlich ab.

Worum geht es in ALIEN³?

Die Rettungskapsel vom Ende von Aliens stürzt auf Fiorina 161 ab, einem abgelegenen Gefängnisplaneten mit einer geschlossenen Bleigießanlage. Ripley überlebt als einzige, Newt und Corporal Hicks dagegen nicht, was Birger nach eigener Aussage als Kind ziemlich fuchsig gemacht hat. Ripley landet als einzige Frau unter rund zwei Dutzend Strafgefangenen, einer Gemeinschaft aus Mördern und Vergewaltigern, die sich einem apokalyptischen Glauben verschrieben haben. Und natürlich ist ein Alien mit an Bord. Da es im Gefängnis keine Waffen gibt, wird das eine Viech zur maximalen Bedrohung.

Finchers Rückkehr zum Sci-Fi-Horror

Spürbar ist die Absicht, weg von der Action des zweiten Teils und zurück zur Horror-Atmosphäre des Originals zu finden. Das gelingt nach Meinung der Runde nicht annähernd, aber es gibt Lichtblicke, Momente, in denen kurz aufblitzt, was der Film hätte sein können, bevor es wieder verpufft.

Für Fincher war es das Regiedebüt, und es lief so desaströs, dass er danach erklärte, nie wieder einen Film machen zu wollen. Zum Glück hat er sich umentschieden: Kane verweist auf spätere Werke wie Sieben, Fight Club und die für ihn herausragende Serie Mindhunter, die nach zwei Staffeln viel zu früh abgesetzt wurde.

Kinofassung gegen Assembly Cut

Wie schon bei den ersten beiden Teilen gibt es zwei Schnittfassungen: die Kinofassung und den rund 30 Minuten längeren Assembly Cut. Kane hat beide direkt hintereinander gesichtet und sieht den Assembly Cut klar vorne, weil er weniger rund, dafür logischer und weniger abgehackt ist. Drei Beispiele aus dem Gespräch:

  • Ripley wird im Assembly Cut am Strand geborgen, nicht in der intakten Kapsel. Das erklärt nebenbei, warum sie nass ist, ein kleiner Anschlussfehler der Kinofassung verschwindet.
  • Die Figur Golic, die im Assembly Cut dafür verantwortlich ist, dass das gefangene Alien wieder freikommt, fehlt in der Kinofassung als Handlungsstrang komplett.
  • Die Geburt des Aliens: Kinofassung aus einem Hund, Assembly Cut aus einem Ochsen, samt zusätzlicher Facehugger-Szene.

Birger hatte nur die Special Edition mit rund 144 Minuten frisch gesehen und vor allem den Eindruck, dass sich vieles über die Dialoge unterscheidet, auch wegen der abweichenden Synchronfassung.

Das größte Problem: die Dialoge

Einig sind sich beide: das größte Manko des Films sind die Dialoge. Besonders die Szene, in der zwei Gefangene die Leiche bergen und auf den Facehugger stoßen, nennt Birger als Tiefpunkt, ein Wortwechsel ohne Sinn und Verstand. Generell hadert die Runde mit der Macho-Dynamik der Gefangenengruppe, in der ein Dialog auf den nächsten prollig folgt.

Newt, das Gefängnis und eine schwierige Grundkonstellation

Ein Grund, warum Newt nicht weiter dabei sein sollte: Der Knast ist voll mit verurteilten Gewalt- und Sexualstraftätern, und die Produktion wollte unbedingt vermeiden, dass die Handlung in diese Richtung kippt. Die Runde diskutiert offen, wie unangenehm die Grundkonstellation ohnehin ist, eine Frau allein unter solchen Männern, und dass hier viel ungenutztes Spannungspotenzial liegt. Hängen geblieben ist Birger seit Kindertagen vor allem die Autopsie-Szene an Newt, die er als bewusst harten, abstoßenden Moment beschreibt.

Das Produktionschaos hinter ALIEN³

Der eigentliche Star der Folge ist die legendäre Entstehungsgeschichte. Fox hatte den Film bereits 1990/91 mit dem Slogan beworben, dass auf der Erde jeder den Schrei hören kann, zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine Zeile Drehbuch geschrieben war. Es folgten zahllose Skriptfassungen, mehrere Regisseure (Fincher war der dritte), wechselnde Produzenten und ein Dreh, bei dem laufend umgeschrieben wurde. Eine frühe Fassung sollte auf einem Holzplaneten der Aliens spielen, samt umfangreicher Concept Art, wurde aber unter anderem aus Budgetgründen verworfen. Das ursprünglich auf rund 40 bis 45 Millionen Dollar angesetzte Budget wuchs durch Reshoots auf etwa 65 Millionen.

Fincher hat sich später öffentlich von dem Film distanziert: Er ist der einzige Regisseur der Reihe, der nichts mit der Alien Quadrilogy-Box zu tun haben wollte. Der längere Schnitt heißt deshalb bewusst Assembly Cut und nicht Director’s Cut, weil andere Leute das Material nach Finchers grober Linie zusammengebaut haben. Birgers nüchternes Fazit dazu: Der Mann hat danach Sieben und Fight Club gemacht, mehr muss man nicht wissen.

Als Quelle für Concept Art und Hintergründe empfehlen die beiden den YouTube-Kanal von David Hain, der ALIEN³ unter dem Titel behandelt, der eigentlich gar nicht hätte sein dürfen.

Der Flop: das CGI-Alien

Hier sind sich Kane und Birger vollkommen einig, es ist der gemeinsame Flop der Folge. Das CGI-Alien sieht selbst für 1992 grausam aus: ein grüner Greenscreen-Schimmer, der sich auf der glänzenden Alien-Haut spiegelt, dazu eine völlig unklare Szene, in der das Viech am Boden über einen Gefangenen kriecht. Die praktischen Effekte dagegen, die kurzen, brutalen Kopfbeiß-Momente als Puppentrick, funktionieren deutlich besser. Im Assembly Cut wurden gefühlt mehr CGI-Einstellungen durch bessere Aufnahmen ersetzt, der rote Faden des Cuts: alles ein bisschen besser, aber nichts richtig gut.

Ein Lichtblick: die Bishop-Puppe

Lobend erwähnt wird die Bishop-Puppe von der Müllhalde, ein Android, der einen Android spielt, der für seine Zeit Maßstäbe gesetzt hat und bis heute überzeugt. Weniger geglückt: die Predigt-Reden der Figur Dillon, die beide als nervig empfinden, sowie der erzählerisch fragwürdige Versuch, ausgerechnet einen verurteilten Gewaltverbrecher zur Sympathiefigur und zum Helden des Finales aufzubauen.

Kanes und Birgers Top

Beim Top sind sich die beiden ebenfalls einig: der konsequente Schluss. Dass die Hauptfigur den ultimativen Preis zahlt und sich selbst opfert, statt das Alien dem Konzern zu überlassen, rechnen beide dem Film hoch an. Auch hier zeigt sich der Assembly Cut sauberer, weil er den Fokus auf das Opfer legt, statt am Ende noch einen Gore-Effekt zu zeigen, der die Wirkung des Moments untergraben würde.

Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere

Auch beim dritten Alien-Teil läuft die VLM-Dreifaltigkeit durch. Bei einem Film, der auf einem Gefängnisplaneten spielt und in dem ein Tier eine Rolle bei der Alien-Geburt spielt, fällt die Bilanz erwartungsgemäß schmal aus. Wie genau, das klärt sich beim Hören der Folge.

Fazit der Runde

Der Tenor: ALIEN³ ist weit weg von einem guten Film, aber dass aus diesem Produktionschaos überhaupt ein anschaubarer Film wurde, grenzt für beide an ein Wunder. Der Assembly Cut ist die klar bessere Wahl. Vor allem bleibt das Gefühl, dass hier enorm viel Potenzial verschenkt wurde, weil man Fincher nicht einfach hat arbeiten lassen. Mit drei Saturn-Award-Nominierungen, einer Oscar-Nominierung für die visuellen Effekte und einem Golden Reel Award fürs Sound Editing hat der Film am Ende trotzdem ein paar Lorbeeren eingefahren.

FAQ zur Folge

Wer hat ALIEN³ inszeniert?
David Fincher, für den es das Regiedebüt war. Die Produktion verlief so chaotisch, dass er sich später öffentlich von dem Film distanzierte.

Was ist der Unterschied zwischen Kinofassung und Assembly Cut?
Der Assembly Cut ist rund 30 Minuten länger und gilt in der Folge als die bessere Fassung: logischer, weniger abgehackt, mit zusätzlichen Szenen wie der Strandbergung von Ripley und dem Golic-Handlungsstrang. Er heißt bewusst nicht Director’s Cut, weil Fincher selbst nicht daran beteiligt war.

Warum sind Newt und Hicks am Anfang tot?
Beide sterben beim Absturz der Rettungskapsel. Die Entscheidung hatte vor allem Drehbuch- und Produktionsgründe, unter anderem wollte man vermeiden, dass ein Kind in der Gefängnisumgebung zur Zielscheibe wird.

Wer ist Birger?
Birger ist Mundart-YouTuber und Gaming-Streamer und bei VLM der feste Gast für die Alien-Reihe. Mit Kane arbeitet er das Franchise Film für Film durch.

Lohnt sich ALIEN³?
Die Runde sieht keinen guten Film, aber einen angesichts des Produktionschaos erstaunlich anschaubaren. Wer ihn schaut, sollte zum Assembly Cut greifen.

Hat ALIEN³ Auszeichnungen bekommen?
Ja. Der Film wurde unter anderem für einen Oscar in der Kategorie visuelle Effekte nominiert, bekam mehrere Saturn-Award-Nominierungen und gewann einen Golden Reel Award für das beste Sound Editing.

Die VLM-Alien-Reihe mit Birger

Kane und Birger arbeiten sich Film für Film durch das Alien-Franchise. Hier alle bisherigen Folgen der Reihe:

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