Resident Evil: Welcome to Raccoon City (2021) – brunzdummer Trash oder geglückter Reboot?

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KorbiKorbi
MikeMike

Kane, Korbi und Mike nehmen sich im virtuellen Studio den Reboot vor: Resident Evil: Welcome to Raccoon City (2021) von Regisseur Johannes Roberts. Der Film will nah an den ersten beiden Videospielen sein, packt die Story von Teil 1 und Teil 2 in einen einzigen Streifen und liefert am Ende vor allem eines: jede Menge Fanservice, blutleere Effekte und einen Leon S. Kennedy, den im Spiel niemand wiedererkennen würde. Kane fasst es nach der Folge so zusammen: brunzdumm, aber keine Sekunde langweilig.

Worum geht es in Welcome to Raccoon City?

Der Film verfilmt die Handlung der ersten beiden Resident Evil-Spiele parallel. Auf der einen Seite die Spezialeinheit S.T.A.R.S., die das abgelegene Spencer-Anwesen von Umbrella untersucht. Auf der anderen Seite Claire Redfield, die nach Raccoon City zurückkehrt, und Rookie-Cop Leon S. Kennedy, dessen erster Arbeitstag im Polizeirevier endet, bevor er richtig begonnen hat. Schon auf der Anfahrt überfährt ein Trucker eine Leiche, die wieder aufsteht und verschwindet. Der T-Virus ist längst in der Stadt, verwandelt die Bewohner in zombieartige Kreaturen, und in einer einzigen Nacht eskaliert Raccoon City zur Zombie-Apokalypse.

Das Intro ist nach Korbis Einschätzung eine gelungene Übernahme aus Resident Evil 2. Die Dialoge dagegen fallen deutlich ab. Mehr Handlung braucht der Film nicht, vergleichbar mit einem Texas-Chainsaw-Massacre-Setup: ein Startpunkt, dann geht es nur noch ums Überleben.

Kanes Trash-Verdikt: brunzdumm, aber nie langweilig

Kane ist mit den niedrigstmöglichen Erwartungen in den Film gegangen, weil er im Vorfeld fast nur Schlechtes gehört hatte. Das Ergebnis: positiv überrascht. Der Film ist nach seinen Worten brunzdumm, voller Szenen, in denen sich Figuren so hirnlos verhalten, dass man sie am liebsten anschreien würde. Aber: auf einer reinen Trash-Ebene funktioniert er, unterhält durchgehend und hat keine einzige langweilige Minute. Genau das rechnet Kane dem Film hoch an.

Das Cast-Problem: Leon, Jill und der Rest

Hier liegt für alle drei der größte Knackpunkt. Leon S. Kennedy (Avan Jogia) ist in den Spielen ein knallharter, zielstrebiger Rookie. Im Film ist er ein verpennter, ständig verarschter Trottel, dem der Streifen einen Komödien-Ton aufzwingt, der nicht zünden will. Korbis Bild dazu: als hätte die Cast-Crew aus Versehen ein Comedy-Skript danebenliegen gehabt. Kane stört weniger Leon selbst als das Drumherum, das ständig auf der Neuling-ist-der-Vollidiot-Nummer herumreitet, ohne die Handlung voranzubringen.

Jill Valentine (Hannah John-Kamen) kommt bei Kane ebenfalls nicht gut weg. Er liest die Figur als bloßen Ersatz für die knallharte Kämpferin Michelle Rodriguez aus dem ersten Paul-W.-S.-Anderson-Film, statt als die Jill aus den Spielen. Vor allem im Vergleich zum Resident Evil 3-Remake, in dem Jill optisch und charakterlich glänzt, eine verschenkte Chance.

Positiv fällt das Geschwisterpaar aus: Claire Redfield (Kaya Scodelario, von VLM aus Crawl bekannt) und Chris Redfield (Robbie Amell) sind gut getroffen, ebenso Albert Wesker (Tom Hopper). Wesker verhält sich anfangs wie ein verlässlicher Teamkollege, was zum Charakter passt: in den Spielen ist der Verrat der berüchtigte Bitch-Move, davor gehört er zum Team. William Birkin (Neal McDonough) sorgt für einen Running Gag der Folge, weil Korbi ihn ausschließlich aus Desperate Housewives kennt und wegen des durchdringenden Blicks in keiner anderen Rolle mehr ernst nehmen kann.

Zu viel auf einmal: das Strukturproblem

Mikes Hauptkritik: der Film will zu viel. Beide Spielhandlungen in einen Streifen zu pressen, nimmt sowohl dem Spencer-Anwesen als auch dem Polizeirevier den Raum, den sie bräuchten. Allein die Herrenhaus-Geschichte des ersten Spiels mit atmosphärischen Schauplätzen, ein paar Zombies und Mutanten hätte locker für einen ganzen Film gereicht.

Kanes Alternativvorschlag: Teil 1 im Herrenhaus, parallel Teil 2 im Polizeirevier, beide Stränge am Ende zusammenführen und in einen dritten Film auslaufen lassen. So bleiben durch das Zusammenwürfeln beide Locations unterentwickelt. Korbi nervt vor allem, dass das Polizeirevier kaum Rätselräume oder Gruselmomente bekommt: Eingangsbereich, fertig, weiter geht es schon wieder im Herrenhaus.

Fanservice ohne Ende

Was der Film richtig macht: er steckt randvoll mit Anspielungen für Spielefans. Eine Auswahl aus der Folge:

  • Das Klavierspiel mit der Mondscheinsonate, das eine geheime Tür öffnet
  • Der Empfangsbereich des Polizeireviers, nahezu eins zu eins aus Resident Evil 2
  • Die Schlüssel mit den Kartensymbolen (Pik, Herz und so weiter) aus Teil 2
  • Die erste Zombie-Begegnung: der Untote, der über einer Leiche kauert und sich langsam zur Kamera dreht, direkt aus dem Originalspiel
  • Die Frage, ob der Tod durch eine Riesenschlange oder durch einen Hai schlimmer wäre, eine Anspielung auf die unterschiedlichen Todesszenen je nach Entscheidung im ersten Spiel
  • Der Itchy-Tasty-Schriftzug an der Wand, eine Hommage an das berühmte Tagebuch eines Infizierten aus dem Spiel

Das Problem laut Kane und Mike: hier saßen offensichtlich Leute am Werk, die den Fans etwas bieten wollten. Aber durch das überladene Zusammenwürfeln kommt jeder einzelne Schauplatz zu kurz.

1998er-Setting und der Look der 90er

Der Film spielt bewusst 1998, was am Anfang sogar eingeblendet wird (Kane hat es beim ersten Schauen verpasst und sich über die Erwähnung von Chaträumen und Videokassetten gewundert). Mike findet, der Streifen trifft das 90er-Feeling erstaunlich gut: er wirkt wie eine VHS-Videothekenproduktion der Marke Octalus oder Deep Rising, mit billigen Effekten, aber cooler Atmosphäre und solider Horror-Action.

Das Effekte-Problem: blutleer und CGI-schwach

Bei einem Budget von rund 25 Millionen Dollar, für eine Hollywood-Produktion Low Budget, merkt man dem Film das Sparen an allen Ecken an. Die praktischen Effekte überzeugen: die Zombies, das handgemachte Make-up des mutierenden Chief Irons (Donal Logue) sehen stark aus. Die CGI dagegen ist nach einhelliger Meinung eine Frechheit: die Fische und der Licker sehen aus wie aus den vorgerenderten Videos der ersten PlayStation. Dazu kommt: der Film hat praktisch null Gore. Gerade wenn man Resident Evil 2 als eines der blutigsten Spiele in den Kanon holt, ist diese Blutleere eine herbe Enttäuschung.

Brunzdumme Szenen: wenn Logik Pause macht

Der Film stolpert immer wieder über sein eigenes Drehbuch. Kanes Lieblingsbeispiele aus der Folge: Im Polizeikeller entwaffnet ein Nerd einen Cop, obwohl er genau weiß, was der T-Virus anrichtet, und stellt sich dann mit dem Rücken zu einem blutkotzenden Infizierten, statt die Waffe schussbereit zu halten. Die Szene existiert nur, damit die Figur möglichst dramatisch sterben kann. Im Herrenhaus wird ein hochausgebildeter S.T.A.R.S.-Mann auf der Treppe gefressen, ohne sich zu wehren, einzig damit der Film von einer Szene zur nächsten holpern kann.

Die Feuerzeug-Szene: erzwungene Spannung

Kanes klarer Flop der Folge: die Herrenhaus-Szene, in der ein Feuerzeug im Sekundentakt aus- und wieder angeht, und der Zombie damit synchron mal da, mal weg ist. Für Kane die gezwungenste Spannungsszene, die er je gesehen hat, weil kein Mensch sich in so einer Situation so verhalten würde. Aber genau das steht laut Kane sinnbildlich für viele Szenen des Films: auf Anschlag blöd, und trotzdem hält der Streifen ihn bei der Stange.

Einordnung: Welcome to Raccoon City vs. die Milla-Jovovich-Reihe

Zum Vergleich kommen die sechs Resident Evil-Filme von Paul W. S. Anderson mit Milla Jovovich zur Sprache, eine komplett eigene Handlung mit gelegentlichen Figuren-Cameos aus den Spielen. Kane verteidigt vor allem den dritten Teil, Resident Evil: Extinction, als richtig guten Western mit Zombie-Setting. Bei den späteren Teilen steigt die Begeisterung aus: der letzte Teil ist nach Kane vor allem durch sein hektisches Schnitt-Chaos im Gedächtnis geblieben. Einig ist sich die Runde: Welcome to Raccoon City geht klar in die richtigere Richtung, nämlich weg von der überkandidelten Blockbuster-CGI-Action und hin zum Survival-Horror, auch wenn die Umsetzung nicht gelingt.

Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere

Die berüchtigte VLM-Dreifaltigkeit darf auch hier nicht fehlen. Bei einem Resident-Evil-Film, in dem unter anderem ein Hund eine zentrale Rolle spielt, ist besonders die Tote-Tiere-Kategorie heiß. Wie das endgültige Triple-Threat-Verdikt ausfällt, klärt sich in der Folge selbst.

Fazit der Runde

Kane: Mit Trash-Erwartung reingegangen, durchgehend unterhalten worden. Brunzdumm, aber kurzweilig. Kein Top-Liste-Material, aber tut nicht weh und läuft sicher nochmal.

Mike: Emotional unbeteiligt an den Cast-Debatten. Sein Ergebnis: rund anderthalb Stunden Unterhaltung ohne Reue. Klares Lob dafür, dass die Reihe endlich Richtung Survival-Horror zurückfindet. Klarer Tadel für die CGI.

Korbi: Der Härteste in der Runde. Auf Letterboxd nur ein halber Stern, vergeben für Kaya Scodelario. Er hasst den Film, weil hier die Chance auf einen wirklich guten Reboot bestand und die Charaktere von Leon und Jill schon im Ansatz verkackt wurden. Sein Wunsch: nochmal neu, diesmal richtig.

FAQ zur Folge

Welche Spiele verfilmt Welcome to Raccoon City?
Der Film adaptiert die Handlung der ersten beiden Resident Evil-Spiele parallel: das Spencer-Anwesen aus Teil 1 und das Polizeirevier von Raccoon City aus Teil 2.

Wer hat den Film inszeniert?
Johannes Roberts, bekannt unter anderem für 47 Meters Down und The Other Side of the Door. Sein Budget lag bei rund 25 Millionen Dollar, für eine Hollywood-Produktion vergleichsweise niedrig.

Ist der Film näher an den Spielen als die Milla-Jovovich-Reihe?
In der Handlung ja, er orientiert sich direkt an den Spielen und steckt voller Fanservice. In der Charakterzeichnung dagegen weichen vor allem Leon S. Kennedy und Jill Valentine deutlich von den Spielvorlagen ab.

Wie blutig ist Welcome to Raccoon City?
Kaum. Die Runde kritisiert den Film als nahezu blutleer, was besonders enttäuscht, weil mit Resident Evil 2 eines der blutigsten Spiele der Reihe als Vorlage dient.

Lohnt sich der Film?
Die Meinungen gehen auseinander: Kane sieht brauchbaren Trash mit Unterhaltungswert, Mike anderthalb Stunden harmlose Unterhaltung, Korbi eine verschenkte Chance. Einig ist sich die Runde, dass die Hinwendung zum Survival-Horror der richtige Weg ist.

Gibt es eine Verbindung zu anderen VLM-Folgen?
Ja. Resident Evil taucht später unter anderem im Woah Lecks vom Juli 2022 und im Talkthrough vom März 2023 (zu Resident Evil 4) wieder auf.

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