Erste Gästefolge des Jahres – und gleichzeitig die erste in Eigenregie geführte Kooperation mit einem anderen Horror-Podcast: Josh und Meike vom Fürchten Lehren Podcast sitzen im virtuellen Studio – die Beziehung ist beidseitig: Mike und Kane waren bei der Abschlussfolge der Fürchten-Lehren-Staffel 1 (Thema Gore) als geprüfte Gäste dabei und mussten Wissensfragen über ihren eigenen Podcast beantworten. Korbi hat sich für diese Cross-Folge mit drei bis vier Wochen Fürchten-Lehren-Dauerbeschallung vorbereitet. Kane fehlt – offizieller Grund laut Korbi: „weil ihm der Film, über den wir reden, so gruselig ist“. Was die vier Stunden im Studio (knapp) gefüllt hat: Noroi: The Curse (2005) – ein japanischer Pseudo-Dokumentarfilm-Found-Footage-Horror, der im deutschsprachigen Raum quasi unauffindbar ist, sich auf mysteriöse Weise immer wieder auf YouTube findet und genauso mysteriös wieder verschwindet. Wer den Film kennt, wird ihn nie vergessen. Wer ihn nicht kennt: lest weiter.
Was ist Noroi: The Curse?
Noroi: The Curse (japanisch: ノロイ, „Fluch“) ist ein Pseudo-Dokumentarfilm aus dem Jahr 2005 von Regisseur Kōji Shiraishi. Form: Found-Footage in Form einer kompletten, abgeschlossenen TV-Dokumentation, die laut Rahmenhandlung der reale Geisterforscher Masafumi Kobayashi über mehrere Monate gedreht haben soll, bevor er kurz nach Fertigstellung des Films unter mysteriösen Umständen verschwindet. Sein Haus brennt ab, seine Frau Keiko liegt tot darin, das Master-Tape überlebt – und das ist das, was wir sehen.
Spielzeit: 115 Minuten. Sprachen: Japanisch mit Untertiteln (im deutschsprachigen Raum eine Rarität, im Englischen leichter zu finden, ein deutsches DVD-Release gab es kurz von einer Vertriebsfirma, die kurz danach Insolvenz angemeldet hat).
Plot: Der Kagutaba-Fluch und das Mosaik aus Mysterien
Kobayashi (gespielt von Jin Muraki) beginnt mit einem auf dem Papier banalen Fall: eine Frau klagt darüber, dass aus der Wohnung der Nachbarin permanent Babygeschrei dringt. Kobayashi besucht sie, das Interview eskaliert in unerklärlichem Geschrei, beim Verlassen filmt der Kameramann beiläufig in ein Fenster – und ein Kind steht hinter der Scheibe und beobachtet sie. Zoom rein, gruselige Musik drüber, fertig ist eine der unauffälligsten und gleichzeitig effektivsten Gänsehaut-Szenen, die das Found-Footage-Genre je produziert hat.
Von dort spaltet sich der Film in ein Mosaik scheinbar unverbundener Geschichten:
- Kana, ein psychisch begabtes Kind aus einer japanischen Game-Show, das sich später spurlos auflöst.
- Marika Matsumoto, eine bekannte japanische Schauspielerin (die sich selbst spielt), die nach einer Geisterwald-Reportage Verhaltensauffälligkeiten zeigt und im Hintergrund einer Aufnahme von etwas Unsichtbarem berührt wird.
- Hori, ein in Aluminiumfolie gehüllter Esoteriker, der seine ganze Wohnung mit ektoplasmischen Würmern bedroht sieht und Schutzkreise aus Garn und Kabel knüpft.
- Eine seit Jahrzehnten geflutete Dorfgemeinschaft, die einst einen Dämon namens Kagutaba bändigte und dabei furchtbare Rituale durchführen musste.
Wer in den ersten 40 Minuten aufhört, hat das Recht zu denken, der Film stiftet keinen Sinn. Wer durchhält, sieht alle Stränge in den letzten 30 Minuten zu einem Bild zusammenlaufen, das einen mit einem „was zur Hölle habe ich gerade gesehen“-Gefühl entlässt – und dem Wunsch, gewisse Bilder schnell wieder zu vergessen.
Form: Das Echte am Fake
Was Noroi vom Found-Footage-Mainstream nach Blair Witch Project (1999) und Paranormal Activity (2007) unterscheidet, ist die Erzählhaltung. In den meisten Found-Footage-Filmen heißt es: „Wir haben dieses Tape gefunden, eine Crew ist verschwunden, schaut, was passiert ist.“ Mit gruseligen Musik-Cues unterlegt, mit Aufmerksamkeits-Edits dort, wo nichts wäre.
Bei Noroi heißt es: „Wir haben eine fertig geschnittene TV-Dokumentation gefunden. Der Regisseur ist tot. Das hier ist sein letztes Werk.“ Kobayashi ist nicht überrascht, er weiß mehr als die Zuschauer. Er zoomt auf Details, die er für wichtig hält, er legt Musik unter, er schneidet so, wie ein engagierter Doku-Filmer schneidet. Und genau diese Form – ein fertiger Film im Film – verleiht Noroi seine Authentizität. Wie Meike es formuliert: „Es ist ein stummer Aufruf: Versteh doch.“ Und du sitzt da: „Ich weiß aber nicht, was du willst.“
Josh setzt einen draufgesetzten Vergleich: Es ist wie eine Folge Galileo Mystery mit Aiman Abdallah – nur dass der Geist tatsächlich da ist. Die übertriebenen Doku-Konventionen treffen auf eine grausame Wahrheit. Das ist Genre-Subversion auf höchstem Niveau. Joshs Killer-Vergleich: „Stell dir eine Galileo-Mystery-Folge von 2004 vor – nur dass der Geist in der Currywurstbude wirklich da ist.“
Die Game-Show: Wenn psychische Fähigkeiten in der Primetime laufen
Eine der bizarrsten und denkwürdigsten Sequenzen: eine japanische TV-Game-Show, in der Kinder mit angeblich übersinnlichen Fähigkeiten antreten – Wasser entstehen lassen, Bilder durch Gedanken erraten. Was im Westen niemals im Sender laufen würde („Deutschland sucht das Psychokind!“), ist in der japanischen Fernsehlandschaft zwar auch nicht alltäglich, aber filmisch unaufdringlich genug eingebaut, um glaubhaft zu wirken. Shiraishi hat sich sogar die Mühe gemacht, das Footage in 4:3 zu drehen und für den 16:9-Film durch Beschnitt oben und unten zu „verlorenem“ Format zu machen. Detailgrad, der den Realismus auf eine andere Ebene hebt.
Die Game-Show-Szene wirkt parallel auf zwei Ebenen: als Camp-Element, das den Film auflockert, und als Kontrast zur kommenden Dunkelheit. Wer von hier ans Ende geht, weiß plötzlich, wo Kana und ihre Fähigkeit hin verschwunden ist. Und wünscht sich, das nicht zu wissen.
Hori im Aluhut: Komik und Schrecken
Die polarisierendste Figur des Films: Hori, der „Mann im Aluhut“, der seine ganze Wohnung mit Aluminiumfolie tapeziert und ektoplasmische Würmer sieht. Spielt zwischen unfreiwillig komisch (Mike: „Da raucht mir die Kopfhaut“) und schmerzhaft echt (Josh: „Ich habe dem Kerl wirklich geglaubt, dass mit dem was nicht stimmt“). Meikes Verteidigung: in den Szenen, in denen Hori durchdreht und mit offenem Mund auf Menschen losrennt, gibt es ein Maß an Hingabe, das man Schauspielern dieser Art selten zugesteht.
Die ektoplasmischen Würmer (im deutschen Untertitel als „Geisterwürmer“, im japanischen Original mit einem Begriff, der näher an „ektoplasmisch“ liegt) sind nicht nur Horis Wahn – sie sind eine der zentralen Symbol-Linien des Films. Wie sie sich am Ende auflösen, ist die wahrscheinlich verstörendste Erkenntnis des Films und der eigentliche Kern, weshalb Mike beim zweiten Schauen (auf der Suche nach der DVD) eine Gänsehaut von der oberen Sehnerv bis zur Nasenwurzel bekommt.
Was Mike auf Sichtung nicht gepackt hat – und warum trotzdem alle was mitnehmen
Der Mike-Take: J-Horror ist sein persönliches Kryptonit. Schon mit den Originalen Ringu (1998) und Ju-on: The Grudge (2002) konnte er nichts anfangen. Bei Noroi kam die Doppelbelastung: er hat den Film nirgendwo auf DVD bekommen (Ebay, Amazon-Zwischenhändler, Auktionen – alles leer), die deutsche YouTube-Version war auf 4:3 beschnitten („wie früher die Raubkopien aus der Tschechei“), die japanische OmU-Version dagegen mit englischen Untertiteln und somit verständnislückenhaft. Er hat sich für „sehen statt verstehen“ entschieden.
Trotzdem: drei Highlights, die er auch unter diesen Bedingungen mitgenommen hat: die ektoplasmischen Würmer (siehe oben), die Waldszene gegen Ende, die ihn an Blair Witch erinnert, und die Taube vom Balkon – eine bizarre Szene, in der einer der Charaktere eine Taube vom Balkon in seine Wohnung mitnimmt und vermutlich verzehrt. Was Meike treffend zusammenfasst: „Hast du das gerade gesehen? Hat er gerade die Taube mit reingenommen? Was machst du mit dem Vieh?“
Marketing als Found Footage: Das frühe ARG
Eines der Details, die selbst auf der deutschen Wikipedia-Seite fehlen und nur über die japanische (übersetzt mit Google) zugänglich sind: Shiraishi und das Studio haben den Film im Stil des Blair-Witch-Projekts vermarktet. Vor und kurz nach dem Release gab es:
- Eine offizielle Website von Masafumi Kobayashi mit Buch- und Filmankündigungen.
- Eine Verlagsseite, die Kobayashis Bücher und den Dokumentarfilm bewarb.
- Eine Fan-Seite eines angeblichen Fans, der sich fortlaufend gefreut hat, dass „Noroi“ bald komme – mit zeitlich gestaffelten Posts, die exakt zu den Daten im Film passten.
Alle drei Seiten wurden gepflegt, bis kurz nach dem Filmstart, was bei Kobayashis offizieller Seite logisch ist (er ist im Film tot). Der vermeintliche Fan hat ein Jahr lang weiter gepostet, bevor seine Aktivität versiegte. Diese „Alternate Reality Game“-Schicht ist im internationalen Diskurs zu Noroi kaum bekannt und macht den Film zu einem der frühesten und am sorgfältigsten orchestrierten Beispiele für transmediale Horror-Inszenierung.
Bonus-Detail: Marika Matsumoto spielt sich selbst. Sie ist eine echte japanische Schauspielerin und Synchronsprecherin (u.a. Final Fantasy X-2) und hat zugestimmt, in einer fiktiven Dokumentation die fiktive Rolle ihrer eigenen Identität zu übernehmen. Sie ist die einzige Figur im Film, die einen realen Namen trägt – alle anderen sind Schauspieler in fiktiven Rollen. Diese punktuelle Echtheit verstärkt den Realismus-Effekt um eine ganze Größenordnung.
Kōji Shiraishi: Vom Found-Footage-Pionier zum Genre-Springer
Shiraishi (geboren 1973) hat nach Noroi eine wechselhafte Karriere gemacht, die kein klares Profil zeigt, dafür aber jede Menge Bandbreite:
- Carved: The Slit-Mouthed Woman (2007) – Adaption der Kuchisake-Onna-Stadtlegende. Mike hat den auf der Liste.
- Occult (2009) – Wieder Pseudo-Dokumentation, Meike und Josh fanden ihn vor Noroi und beschreiben ihn als „klang absolut bescheuert und verrückt“. Schwächer als Noroi, aber stilistisch verwandt.
- Grotesque (2009) – Reinrassiger Torture-Porn, in England zwischenzeitlich verboten. Mike: „Torture-Porn in Reinkultur.“
- Sadako vs. Kayako (2016) – Die offizielle Crossover-Veranstaltung zwischen The Ring und The Grudge. Eher als Camp wahrgenommen.
Der Mann ist also kein Found-Footage-Spezialist im engeren Sinne, sondern ein Genre-Springer mit besonders gutem Gespür für Pseudo-Dokumentation. Noroi gilt – auch im internationalen Diskurs – als sein Meisterwerk.
J-Horror-Empfehlungen rund um Noroi
Wer nach Noroi tiefer ins japanische Horror-Kino einsteigen will, bekommt aus der Folge mehrere konkrete Empfehlungen:
Sion Sono – Josh‘ aktuelle Pflicht-Empfehlung. Filmemacher mit Hang zu Exzess, Surrealismus und tabulosen Grenzüberschreitungen. Sein zuletzt erschienener Prisoners of the Ghostland (2021) mit Nicolas Cage hat international Aufmerksamkeit bekommen. Josh‘ Faustregel: einfach jeden seiner Filme blind kaufen, wenn man ihn im Regal sieht.
Takashi Miike – Mikes japanischer Stammregisseur. Ichi the Killer (2001) und Audition (1999) sind Pflicht. Miike dreht weiter im Akkord-Tempo und ist gerade dann am stärksten, wenn er die Grenze zwischen Kunstfilm und Splatter sucht.
Und für die internationale Found-Footage-Begeisterung, die Korbi und Mike teilen: V/H/S (2012) und V/H/S/2 (2013), letzterer für Mike der absolute Höhepunkt des Subgenres. Korbis Top-Ten-Found-Footage: nach wie vor Troll Hunter (2010, Norwegen), einer der wenigen Filme des Genres, die mit dem Realismus auch Humor und Welterklärung packen.
Warum Noroi in Deutschland verschwunden ist
Eine der zentralen Beobachtungen der Folge: zu Noroi gibt es im deutschsprachigen Raum praktisch keine Kritiken, kaum verfügbare Streaming- oder Kauf-Optionen, und selbst auf IMDb sind die Trivia-Informationen extrem dünn. Eine deutsche DVD-Veröffentlichung gab es kurz, die zugehörige Vertriebsfirma hat aber kurz nach dem Release Insolvenz angemeldet und mit ihr verschwand auch die Distribution.
Auf YouTube taucht der Film periodisch auf und verschwindet, was Korbi und die Fürchten-Lehren-Truppe in der Folge zu der Vermutung führt: Vielleicht ist der Film tatsächlich verflucht. Vielleicht ist es die Mischung aus japanischer Sprache (eine Hürde für deutsche Zuschauer), Slow-Burn-Erzählung (zu langsam für Mainstream-Genrefans) und Marketing-Versagen nach der Insolvenz. Wahrscheinlich beides.
Genau deshalb gibt es diese Folge: weil VLM und Fürchten Lehren überzeugt sind, dass mehr Menschen Noroi kennen sollten. Wer es schafft, eine sehbare Version aufzutreiben – offiziell auf Englisch, importiert aus den USA oder UK – bekommt einen der vielschichtigsten Pseudo-Doku-Horror-Filme der letzten 20 Jahre. Mikes nächster Schritt nach der Folge: weiter nach einer deutschen DVD jagen, „ich gebe nicht auf“.
Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere
Auch in einer Gästefolge mit erklärenden Schritten für die Neulinge: am Ende jeder VLM-Filmfolge die standardisierte Triple-Threat-Bewertung – Titten, Trompeten, tote Tiere. Drei Fragen, die mehr über einen Film aussagen als jeder Rotten-Tomatoes-Score. Bei einem pseudo-dokumentarischen J-Horror mit Tauben, Föten-Symbolik und einer Genre-Tradition, in der Geschlechtsteile oft pixelig zensiert werden, ist das Ergebnis weniger trivial als gedacht. Die genaue Auflösung – und Josh‘ bemerkenswerte Folgefrage, wie zensierte japanische Genitalien im VLM-System gewertet werden – spart sich die Folge selbst auf.
Highlights und Schwächen
Was bei allen vier funktioniert hat: die ektoplasmischen Würmer/Föten-Auflösung als Jumpscare-Schnitt, die Authentizität der Doku-Form, das Mosaik-Storytelling, der finale Zusammenschluss aller Stränge, das ARG-Marketing, Marika Matsumoto als sie selbst.
Was Mike gestört hat: die nicht erklärten Zeitsprünge zwischen Szenarien, das Overacting von Hori (für ihn), das gemächliche Erzähltempo, die generelle Game-Show-Sequenz, und der Schluss-Szene mit Kobayashis Frau und dem Kind – warum filmt er weiter, statt einzugreifen?
Was Josh und Meike gestört hat: auch sie sehen die Schluss-Szene als logisches Problem (Josh: „Hätte er einfach gesagt, er hat ein Stativ aufgestellt, wäre es gut“). Meike kreidet zudem eine Szene an, in der Keiko (Kobayashis Frau) sich beim Essen mit Marika filmt – ohne diegetische Erklärung, warum die Kamera läuft. Ein einsamer Bruch im sonst durchdacht orchestrierten Realismus.
Korbis Highlight: der Doku-Aufbau und die Game-Show-Einlage, weil sie die Erzählung erfrischt und nicht alles Kobayashi-zentriert bleibt. Sein Tiefpunkt: die Schluss-Sequenz auf dem See, die er als zu lange Spannungsbogen-Vorbereitung empfindet, ohne die erwartete Eskalation.
Cross-Promo: Was ihr von Fürchten Lehren als nächstes hört
Die nächsten Themen bei Fürchten Lehren im zweiten Semester „Das Unheimliche“:
- Der Sandmann von E. T. A. Hoffmann – gleich die nächste Folge nach unserer hier. Josh hat ähnliche Probleme wie Mike bei Noroi, eine bezahlbare Verfilmung aufzutreiben. Die Sandmann-Adaption mit Bela B. von 2012 war nur über einen inzwischen geschlossenen Schullehrbuchverlag erhältlich.
- Wachsfiguren – mit geplantem Interview bei einem Hamburger Wachsfigurenkabinett.
- Unheimliche Kinder, Automaten, gruselige Bücher, alle Iterationen von House of Wax.
Wer den Fürchten-Lehren-Podcast noch nicht kennt – Empfehlung von der ganzen VLM-Truppe: Hörzu, abonnieren, durchhören. Mikes Worte: „Sie machen sich extrem viel Mühe, da werden Themen behandelt, die bisher keiner so eingelesen hat.“ Auf Apple Podcasts, Spotify, YouTube und über Instagram @fuerchtenlehren erreichbar.
FAQ zu Noroi: The Curse
Worum geht es in Noroi: The Curse?
Der japanische Geisterforscher Masafumi Kobayashi recherchiert einen Fluch namens Kagutaba, der über mehrere Jahrzehnte und zahlreiche Familien hinweg Opfer fordert. Erzählt wird der Film als pseudo-dokumentarische Found-Footage-Reportage, die Kobayashi kurz vor seinem mysteriösen Tod fertiggestellt hat.
Wer hat bei Noroi Regie geführt?
Kōji Shiraishi (geboren 1973), ein japanischer Genre-Filmer, dessen weitere Werke u.a. Carved: The Slit-Mouthed Woman (2007), Occult (2009), Grotesque (2009) und Sadako vs. Kayako (2016) umfassen.
Wo kann man Noroi: The Curse legal schauen?
Im deutschsprachigen Raum derzeit fast unmöglich. Eine deutsche DVD ist im Handel kaum noch zu finden. International (US, UK) gibt es Blu-ray-Releases und gelegentlich Streaming. Auf YouTube taucht der Film immer wieder kurzzeitig auf und verschwindet wieder.
Ist Noroi ein echter Found-Footage-Film?
Ja und nein. Die Form ist Pseudo-Dokumentation: nicht das übliche „wir haben ein Tape gefunden“, sondern „wir haben eine fertige TV-Dokumentation gefunden, deren Macher inzwischen tot ist“. Diese Erzählhaltung unterscheidet Noroi vom Blair-Witch-/Paranormal-Activity-Mainstream und verleiht ihm besondere Authentizität.
Wer ist Marika Matsumoto?
Eine echte japanische Schauspielerin und Synchronsprecherin (u.a. Final Fantasy X-2), die in Noroi sich selbst spielt. Sie ist die einzige Figur im Film, die mit ihrem realen Namen auftritt – alle anderen sind Schauspieler in fiktiven Rollen.
Gibt es den Kagutaba-Dämon wirklich?
Nein. Der Dämon, das Dorf und das ganze Ritual sind Erfindungen für den Film. Es gibt in der japanischen Mythologie ähnliche Konzepte, aber Kagutaba und seine Geschichte sind frei erfunden.
Was sind die ektoplasmischen Würmer?
Ein wiederkehrendes Symbol im Film, das Hori als „Ghost Worms“ beschreibt und in seiner Aluhut-Wohnung mit Schutzkreisen abzuwehren versucht. Die Auflösung am Ende des Films – was diese Würmer tatsächlich sind und woher sie stammen – ist eine der verstörendsten Erkenntnisse des gesamten Films und Spoiler-Territorium.
Wie lange ist Noroi?
115 Minuten. Slow-Burn, der vor allem in den ersten 40–50 Minuten kein klares Ziel verfolgt und sich erst im finalen Drittel als Mosaik-Erzählung zusammenfügt. Maikes präzise Charakterisierung: „Bei mir trifft es den richtigen Punkt von kosmischem Horror – da sitzt irgendwo ein großer Alter, Lovecraft schaut vom Himmel runter, und diese Geisterwürmer haben bestimmt auch Tentakeln. Deshalb verstehe ich nichts – und deshalb funktioniert es.“
Wer war in der VLM-Folge dabei?
Korbi und Mike auf VLM-Seite, Josh und Meike vom Fürchten-Lehren-Podcast als Gäste. Kane fehlte – offiziell wegen Angst vor dem Film, in der Realität weil Korbi und Kane bereits bei Folge 115 festgestellt haben, dass J-Horror nicht jedermanns Sache ist.
Hat Noroi ein Sequel?
Direkt nicht, aber Shiraishi hat mit Occult (2009) und der späteren Senritsu-Kaiki-File-Reihe formal verwandte Pseudo-Dokumentationen gedreht. Wer Noroi mochte, wird vermutlich auch in diesen Filmen Anknüpfungspunkte finden.
Wo gibt es Hintergrund zu Kōji Shiraishi auf Deutsch?
Praktisch nirgends. Die deutsche Wikipedia hat einen Stub, die englische ist deutlich ausführlicher, die japanische via Google-Übersetzung am wertvollsten – vor allem zum Thema Marketing-ARG rund um Noroi.
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