Ein 10-Kilometer-Komet rast auf die Erde zu – und die Welt zuckt mit den Schultern. Adam McKay nutzt seinen Netflix-Hit Don’t Look Up als doppelt zielende Satire auf Klimawandel und Pandemie-Leugnung, ein All-Star-Cast spielt mit, und Kane und Korbi reden darüber, was funktioniert, was nervt – und warum es eigentlich höchste Zeit für Die etwas anderen Cops 2 wird.
Worum geht es in Don’t Look Up?
Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) entdeckt einen Kometen. Ihr Professor Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) rechnet nach: das Ding ist größer als der Brocken, der die Dinos ausgelöscht hat, und schlägt in einem halben Jahr ein. Die Menschheit hat Zeit. Die Menschheit hat die Technik. Die Menschheit hat aber auch eine US-Präsidentin (Meryl Streep), die mitten im Wahlkampf steckt, einen verzogenen Stabschef-Sohn (Jonah Hill) und Frühstücksfernseh-Moderatoren, die einen Weltuntergang ungefähr so ernst nehmen wie eine Hundefriseur-Eröffnung.
Als Mindy und Dibiasky im Weißen Haus über einen Tag wortwörtlich vor der Tür sitzen, abkassiert vom Militär-Seppen für eigentlich kostenlose Sandwiches, dämmert ihnen: Politik bringt nichts. Also: die Medien. Lawrence‘ Nervenzusammenbruch in Live-TV wird zum Meme. Dann taucht der Tech-Milliardär Peter Isherwell (Mark Rylance) auf – eine Mischung aus Steve Jobs und Elon Musk – und entdeckt im Asteroiden 38 Billionen Dollar an Rohstoffen. Plötzlich soll der Komet kontrolliert einschlagen, damit man die Mineralien abbauen kann. Was kann da schiefgehen?
Adam McKay: vom Anchorman zum Klima-Mahner
Bevor McKay zum gesellschaftspolitischen Satiriker wurde (The Big Short 2015, Vice 2018), war er der Mann hinter den ganz großen Will-Ferrell-Komödien: Anchorman, Talladega Nights / Ricky Bobby, Step Brothers / Stiefbrüder und Korbis erklärtem Lieblingsfilm The Other Guys / Die etwas anderen Cops (2010, mit Mark Wahlbergs ewig zitierfähigem „Ich will sein wie ein Pfau“-Monolog).
Die DNA dieser Filme – absurde Eskalation, Sidekick-Slapstick, präzises Timing – trifft in Don’t Look Up auf Klima-Apokalypse und Pandemie-Realität. Laut DiCaprio war das Drehbuch ursprünglich rein als Klimawandel-Allegorie gedacht; während der Dreharbeiten kam Corona dazwischen und der Film bekam plötzlich eine zweite, ungewollt aktuelle Lesart.
Cast-Highlights: DiCaprio, Lawrence, Streep, Rylance
Leonardo DiCaprio ist für Kane mittlerweile auf einer Stufe mit Christian Bale – der Mann kann schlicht nicht schlecht schauspielen, selbst wenn er sich Mühe geben würde. Jennifer Lawrence liefert solide ab, ihre Frisur dagegen löst bei beiden Hosts Erinnerungen an Courtney Cox in Scream 3 aus.
Meryl Streep als Präsidentin Janie Orlean spielt eine derart deutliche weibliche Trump-Version, dass sich Korbi anfangs leicht overgenervt fühlt – bis Kane den Aha-Moment liefert: Streep mit Wahlkampf-Kappe in der Komet-Ankündigungsszene ist exakt die Trump-Spastik mit Bodybuilder-Haltung. Danach ist klar, das ist Methode.
Mark Rylance als Tech-Milliardär Isherwell – der Steve-Jobs/Elon-Musk-Verschnitt – ist gleichzeitig das Highlight für die Satire und der unangenehmste Charakter im ganzen Film. Sein komisches Gehabe, sein Geflüster, der Moment, in dem er einem Kind das Streicheln verbietet: für Kane und Korbi der gruseligste Anti-Charme im Cast.
Stark in kleineren Rollen: Jonah Hill als verzogener Stabschef-Sohn der Präsidentin (am Set hat Hill Jennifer Lawrence laut Story-Bericht durchgehend beleidigt, um in der Rolle zu bleiben), Ron Perlman als zynischer Astronaut, der den Kometen sprengen soll, Timothée Chalamet in einer überraschend kleinen Nebenrolle als Yule (Korbi hat ihn fast nicht erkannt), und Himesh Patel als untreuer Journalisten-Freund mit dem ikonischen Eingeständnis „I slept with the crazy Doomsday Lady“.
Klimawandel oder Corona? Die Doppel-Interpretation
Was den Film über die normale Hollywood-Satire hebt, ist die Vielschichtigkeit der Vorlage. McKay zielt nominell auf den Klimawandel, trifft aber zwangsläufig auch das Pandemie-Verhalten: Wissenschaftler warnen mit Daten, eine sehr laute Minderheit mit YouTube-Kittel verkündet das Gegenteil, ein Großteil der Bevölkerung wählt das Lager mit der attraktiveren Story.
Höhepunkt der Trump-Spiegelung: die „Don’t Look Up“-Kampagne der Präsidentin. Während wirklich am Himmel ein Komet auftaucht, ruft die Regierung dazu auf, einfach nicht hinzuschauen. Die jubelnden Trump-MAGA-Wähler in den Crowd-Shots sind eins zu eins aus Südstaaten-Wahlkampfveranstaltungen herauskopiert. Kane: schmerzhaft, weil es aus dem echten Leben gegriffen ist.
Highlights und Schwächen
Was funktioniert: Die Satire ist treffsicher, der Cast spielfreudig, die Memes-im-Film-Mechanik aktuell ohne aufdringlich zu sein. Mid-Credit- und Post-Credit-Szene mitnehmen – die Mid-Credits-Auflösung darüber, was der Tech-Milliardär eigentlich gesagt hat, ist eine der lustigsten Szenen des Films.
Was nervt: Wie so oft bei McKay – gut 20 Minuten zu lang. Manche Charaktere kippen vom satirisch dumm ins anstrengend dumm. Vom Humor-Level erinnert manches an Iron Sky, nur mit Hollywood-Budget und Schauspieler-Liste.
Fazit beider Hosts: uneingeschränkte Schauempfehlung mit Längen-Abzug.
Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere
Am Ende jeder VLM-Filmfolge steht die berüchtigte Triple-Threat-Bewertung: Kommen im Film Titten, Trompeten und tote Tiere vor? Drei einfache Ja-oder-Nein-Fragen, mehr Aussagekraft als jeder Rotten-Tomatoes-Score. Wie sich Don’t Look Up in den drei Kategorien schlägt, hört ihr in der Folge selbst – bei einem Film über das Ende der Welt ist mindestens eine der drei Antworten relativ vorhersehbar, aber die Auflösung sparen wir uns für die Audio-Spur auf.
FAQ zu Don’t Look Up
Worum geht es in Don’t Look Up?
Eine Astronomin und ihr Professor entdecken einen 10-Kilometer-Kometen auf Kollisionskurs mit der Erde. Statt panischer Rettungsaktionen reagieren Politik, Medien und Tech-Industrie mit Wahlkampf, Memes und Geschäftsmodell-Pitches. Die Satire zielt auf Klimawandel- und Pandemie-Leugnung gleichermaßen.
Wer hat bei Don’t Look Up Regie geführt?
Adam McKay, bekannt für The Big Short, Vice, Anchorman, Talladega Nights, Step Brothers und Die etwas anderen Cops.
Wo kann man Don’t Look Up streamen?
Der Film ist seit Weihnachten 2021 weltweit auf Netflix verfügbar und hielt sich dort wochenlang in den Top-Charts.
Wer spielt mit?
Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Jonah Hill, Mark Rylance, Cate Blanchett, Tyler Perry, Timothée Chalamet, Ron Perlman, Himesh Patel und weitere – einer der dichtbesetztesten Casts des Jahres.
Gibt es Post-Credit-Szenen?
Ja, gleich zwei: eine Mid-Credit-Szene mit einer ziemlich lustigen Auflösung, was Mark Rylance' Charakter eigentlich behauptet hat, und eine Post-Credit-Szene ganz am Ende. Beide lohnen das Sitzenbleiben.
Ist der Film eher Klimawandel- oder Corona-Satire?
Ursprünglich als Klimawandel-Allegorie konzipiert. Während der Dreharbeiten fiel der Pandemie-Ausbruch in das Skript hinein, sodass der fertige Film unbeabsichtigt beide Realitäten gleichzeitig spiegelt.
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