Antlers – Scott Coopers Wendigo-Horror auf Disney+

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Korbis VLM-Empfehlungsfolge: Wenn ihr in den Podcast reinhören wollt, fangt hier an.

Diese Folge hat alles, was Viva la Movielución ausmacht: ehrliche Filmkritik, klare Meinungen, alle drei Hosts an einem Tisch, die berüchtigte Triple-Threat-Bewertung am Schluss und eine herrlich entgleisende Anekdote über Spotify-Bewertungen.

Vorsicht bei Disney+ ohne Kindersicherung: Scott Coopers Antlers (2021) ist trotz Mickey-Mouse-Streaming-Heimat eine astreine Wendigo-Albtraum-Geschichte mit Crystal Meth, Kindesmissbrauch und auseinandergerissenen Erwachsenen-Körpern. Kane, Mike und Korbi reden über das Schauspiel, die Praktischen Effekte, die Wendigo-Mythologie und darüber, warum der Film im Mittelteil leicht durchhängt – trotzdem ein gehobenes Genre-Highlight des Jahres.

Worum geht es in Antlers?

Eine kleine US-Küstenstadt – nebel, regen, kein Sonnenstrahl im ganzen Film. Lehrerin Julia (Keri Russell) ist zu ihrem Bruder, dem Sheriff Paul (Jesse Plemons), zurückgekehrt – mit dem eigenen Missbrauchs-Trauma im Gepäck. In ihrer Klasse fällt der introvertierte Lucas (Jeremy T. Thomas) auf: vernachlässigt, abgemagert, Vater und kleiner Bruder schon länger nicht mehr gesehen. Julia spürt, da läuft etwas grob schief – und je tiefer sie gräbt, desto mehr Leichen tauchen auf, die nicht nur tot, sondern regelrecht ausgeweidet sind.

Was die drei sich gleich am Anfang fragen: Was war in dem Tütchen, das der Vater dem Burschen ins Handschuhfach legt, bevor er in der Mine verschwindet? Mike tippt erst auf Gummibärchen, Kane klärt auf: das ist Crystal Meth. Niederbayern an der tschechischen Grenze winkt grüßend rüber.

Die Wendigo-Mythologie und der Stephen-King-Bezug

Das Monster im Zentrum von Antlers ist ein Wendigo – die Kreatur aus der Algonquin-Mythologie, in die ein Mensch verwandelt wird, wenn er Menschenfleisch isst und sich daran labt. Der Film erklärt die Legende explizit, als die Hauptfiguren einem indigenen Charakter ein geweihartiges Etwas aus dem Tunnel zeigen und dieser klarstellt: kein Hirsch.

Korbis spontaner Wunsch nach der ersten Sichtung: diesen Wendigo hätte er gerne in Friedhof der Kuscheltiere (Pet Sematary, 2019er-Neuverfilmung) gesehen. Dort wird Stephen Kings nicht näher definiertes böses Wesen aus dem Roman zwar erwähnt, aber kaum gezeigt – Antlers liefert in der Liga eine echte Visualisierung nach. Vom Kleinstadt-Setting her hat Mike Stephen-King-Vibes erkannt; Korbi vergleicht eher mit Midnight Mass als mit King-Romanen direkt.

Schauspielerische Highlights: Jeremy T. Thomas, Keri Russell, Jesse Plemons

Die Performance, die alle drei am stärksten hervorheben: der damals zwölfjährige Jeremy T. Thomas als Lucas – ein verstörter, verschlossener Junge, der das Geheimnis seiner Familie schultert. Korbi nennt seine Leistung schlicht überzeugend.

Keri Russell, die manche nur aus früheren Rollen kennen, spielt das Trauma ihrer Figur sehr nuanciert. Und dann Jesse Plemons als Sheriff Paul: der Mann mit der wohl ungewöhnlichsten Karriere im aktuellen Hollywood – vom durchtrainierten Auftritt in Game Night über Breaking Bad bis zum Golden-Globe-würdigen Auftritt in The Power of the Dog. Bei Antlers passt sein zerlebter Bullen-Look perfekt zur Welt.

Atmosphäre und Practical FX: das wahre Highlight

Was den Film über den Genre-Durchschnitt hebt, ist die Atmosphäre: nebelverhangen, ständig regnerisch, kein einziger Sonnenstrahl in der ganzen Laufzeit. Eine Depri-Stimmung, die Mike, Kane und Korbi durchgehend feiern.

Dazu kommen die Practical Effects. Die ausgeweideten, angefressenen Leichen sehen widerwärtig echt aus – Handarbeit statt CGI-Butzen. Und das Monster selbst: ein riesiger Wendigo, der einen Vater in zwei Teile reißt, einen Polizisten an einem Geweih aufspießt und mit der menschlichen Gesichtshaut von vorne durch die Gegend rennt. Kane: einer dieser Momente, die er mag. Mike: 100 Punkte für Handarbeit.

Bonus-Trivia für VLM-Hörer: Guillermo del Toro hat den Film mitproduziert. Der Mann sammelt eigene Monster in seinem Privat-Museum – Antlers hat damit eine Form von del-Toro-Adelung mitbekommen. Drehbuchvorlage ist die Kurzgeschichte The Quiet Boy von Nick Antosca (bekannt für die Channel-Zero-Serie).

Scott Cooper als Regisseur: Hostiles, Black Mass, Out of the Furnace

Antlers-Regisseur Scott Cooper hat eine eher gemischte Bilanz im VLM-Universum. Mike findet Hostiles (2017, Christian Bale im Western) richtig stark. Kane hat Out of the Furnace / Auge um Auge (2013) gefeiert – Mike weniger. Beide einig: Black Mass (2015) ist der seltene Film, in dem Johnny Depp tatsächlich Schauspiel statt Maske-für-Maske-Klamauk geliefert hat.

Wo Antlers schwächelt: die Kritik aller drei

Bei aller Liebe – perfekt ist der Film nicht. Korbi verliert in der Mitte kurzzeitig die Aufmerksamkeit: zu viele deprimierte Charaktere ohne Kontrast, eine Story, die zu früh ihr Pulver verschießt. Erst als der Wendigo richtig in Aktion tritt, kommt er wieder rein. Kane hätte fünf bis zehn Minuten weniger vom rothaarigen Schulbully gebraucht. Mike dagegen wollte zehn Minuten mehr Monster im Finale – das Wendigo-Hide-and-Seek war ihm zu knapp.

Praktischer Kompromiss der Runde: fünf Minuten weniger vom Assi-Vater plus zehn Minuten mehr vom Monster, gleiche Laufzeit, besser verteilt. Macht aus dem Film eine 1:30-Stunden-Black-Mirror-Folge mit Klauen.

Triple Threat: Titten, Trompeten, Tote Tiere

Am Ende jeder VLM-Filmfolge steht die berüchtigte Triple-Threat-Bewertung: Kommen im Film Titten, Trompeten und tote Tiere vor? Drei einfache Ja-oder-Nein-Fragen, mehr Aussagekraft als jeder Rotten-Tomatoes-Score. Wie Scott Coopers Wendigo-Horror in den drei Kategorien abschneidet, erfahrt ihr in der Folge selbst – und ihr werdet überrascht sein, wo Antlers Punkte sammelt und wo er völlig leer ausgeht.

FAQ zu Antlers

Worum geht es in Antlers?
Eine Lehrerin und ihr Sheriff-Bruder geraten in einer US-Kleinstadt einer Reihe ausgeweideter Leichen auf die Spur. Im Zentrum steht ein verschlossener zwölfjähriger Schüler, dessen Vater und kleiner Bruder verschwunden sind. Hinter den Morden steckt ein Wendigo – die hungrige Kreatur der Algonquin-Mythologie.

Wer hat bei Antlers Regie geführt?
Scott Cooper, bekannt für Hostiles, Out of the Furnace und Black Mass. Produziert wurde der Film unter anderem von Guillermo del Toro.

Auf welcher Vorlage basiert Antlers?
Auf der Kurzgeschichte The Quiet Boy von Nick Antosca, dem Schöpfer der Anthology-Serie Channel Zero.

Wer spielt mit?
Keri Russell als Julia, Jesse Plemons als ihr Bruder Paul und Jeremy T. Thomas als Schüler Lucas. Jeremy T. Thomas' Performance ist eines der großen Highlights des Films.

Warum sollte man Antlers nicht mit Kindern schauen?
Trotz Disney+-Heimat enthält der Film Kindesvernachlässigung, Crystal-Meth-Bezug, brutale Praktische Effekte und einen Wendigo, der Erwachsene in zwei Hälften reißt. Strenge FSK 16.

Was ist ein Wendigo?
Ein nicht näher definiertes böses Wesen aus der Algonquin-Mythologie: ein Mensch, der sich von Menschenfleisch ernährt und daran labt, verwandelt sich in ein hungriges, geweihartiges Geschöpf. Auch Stephen King hat den Mythos in Friedhof der Kuscheltiere aufgegriffen.

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