A Quiet Place 2: Krasinski erweitert das Universum

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Kane sitzt diese Folge aus – angeblich hätte er sowieso nur reingequatscht und Geruäsche gemacht, die in einem Quiet-Place-Universum direkt die nächste Alien-Welle anlockt. Mike und Korbi besprechen A Quiet Place 2 – und sind sich einig: das hier ist ein Horror-Sequel, das sich nicht hinter dem Original verstecken muss. Mikes mutige These gleich am Anfang: vom Verhältnis her funktioniert es wie Alien zu Aliens.

Worum geht's in A Quiet Place 2

Der Film setzt direkt am Ende des 2018er-Originals an. Evelyn Abbott (Emily Blunt) muss mit ihren drei Kindern – der tauben Regan (Millicent Simmonds), dem älteren Marcus (Noah Jupe) und dem neugeborenen Baby in der schalldichten Box – die abgebrannte Farm verlassen. Lee Abbott (John Krasinski) hat sich am Ende des ersten Teils geopfert, die Familie weiß jetzt aber, wie die Aliens verwundbar sind: das Rückkopplungs-Signal aus Regans Cochlea-Implantat lässt die akustischen Schutzklappen der Wesen aufgehen. Eine winzige Zeitspanne, in der man sie töten kann.

Auf ihrem Weg in Richtung des fernen Feuerscheins, den sie aus dem ersten Teil kennen, trifft die Familie auf Emmett (Cillian Murphy) – einen alten Freund Lees, der sich in einer leerstehenden Stahlfabrik verschanzt hat. Aus dem Funkgerät dort empfängt Regan ein Cover von „Beyond the Sea“ (im Original von Bobby Darin, Komposition Charles Trenet „La Mer“). Ein Hinweis auf eine gehört sichere Insel – und Regan macht sich heimlich allein auf den Weg dorthin.

Tag-1-Prequel: Wo alles begonnen hat

Der grösste Coup des Sequels gleich am Anfang: eine komplette Tag-1-Sequenz, gut 15 Minuten Prequel-Material. Wir sehen, wie die Aliens als Meteoriten in die USA einschlagen, wir sehen die Familie Abbott noch vollständig (Lee lebt, Beau lebt) und wir kriegen endlich die Antwort, wie diese Welt in den ersten Stunden des Ausbruchs aussah. Auch Charaktere, die im ersten Teil schon tot waren, kehren für diese Sequenz zurück – darunter Lee selbst.

Mike und Korbi sind beide einer Meinung: das hätte man ohne weiteres als kompletten Prequel-Film erzählen können. Korbi hatte beim Trailer kurz das Gefühl, genau so einen Film zu bekommen – und wäre damit auch glücklich gewesen. Mikes einziger Logik-Einwand: Lee findet zu schnell heraus, dass die Aliens auf Geräusche reagieren. Die Szene im Diner mit dem klingelnden Handy ist zwar effektiv, aber realistisch würde wohl niemand in der Stress-Situation diese Verbindung so schnell ziehen. Verzeihen die beiden trotzdem.

Millicent Simmonds als heimliche Heldin

Wer den ersten Teil gesehen hat, weiß es vermutlich schon: Millicent Simmonds, die Regan spielt, ist im echten Leben taub. Krasinski hat das von Anfang an als Eckpfeiler der Reihe gesetzt – die Authentizität der Gebärdensprache, die körperliche Präsenz, die spezifischen Wahrnehmungsmomente, in denen Regan die Welt anders erlebt als ihre Umgebung. Für Korbi ist sie ganz klar die Heldin des Sequels: während im ersten Teil noch der Vater die treibende Kraft war, ist es jetzt die Tochter, die aktiv die Welt retten will.

Mike zieht den Vergleich zu Charlie Cox in Daredevil: ein nicht-blinder Schauspieler kann einen Blinden auch überzeugend verkörpern, aber wer das Handicap selbst lebt, bringt eine Tiefe ins Spiel, die schwer zu replizieren ist. Bei Simmonds funktioniert das nicht als Gimmick, sondern als dramaturgisches Rückgrat des ganzen Sequels.

Cillian Murphy als Emmett: schwacher Start, starkes Finish

Korbis kleiner Kritikpunkt, sonst aber Klage auf hohem Niveau: Cillian Murphy als Emmett hat ihn nicht von Anfang an gepackt. Die Tag-1-Einführungssequenz, in der Emmett beim Baseballspiel kurz vorgestellt wird, wirkt zu abrupt. Das fehlende Familien-Setup macht es schwerer, mit Emmetts späterem Verlust mitzufühlen – obwohl genau dieser Verlust ihn zum harten, zurückgezogenen Gegenstück zu Lee macht.

In der zweiten Hälfte des Films brilliert Murphy aber komplett: sobald er sich der Aufgabe stellt, Regan zur Insel zu begleiten, läuft seine Charakter-Entwicklung auf Hochtouren. Vom verschanzten Pessimisten zum Ersatzvater, der genau weiß, was zu tun ist. Mikes Verdacht: vielleicht liegt's auch wieder am Bart.

Der Alien-Aliens-Vergleich

Mikes mutige These: A Quiet Place 1 und 2 verhalten sich wie Alien und Aliens zueinander. Der erste Film ist intim und klaustrophobisch auf der einen Farm, mit einem Maissilo als Hauptschauplatz und einer kleinen Familie als gesamtes Personal. Der zweite Film bricht diese Beschränkung auf: grössere Welt, mehr Schauplätze, mehr Charaktere, mehr Action.

Korbis Ergänzung: das heißt nicht, dass im Sequel die Spannung verloren geht. Im Gegenteil. Jeder neue Schauplatz – die Stahlfabrik, der einsame Bahn-Waggon, die Insel – baut sein eigenes klaustrophobisches Mikroklima auf. Der Wechsel zur scheinbar grossen Welt verliert die Engführung nie. Und die Bahn-Waggon-Sequenz mit dem Erste-Hilfe-Koffer ist für Korbi der absolute Höhepunkt – er hätte sich am liebsten in die Hand gebissen, so angespannt war er.

The Last of Us und Lost: die Pop-Kultur-Brücken

Korbi sieht direkt zwei Verwandte in der Pop-Kultur. Erstens: The Last of Us. Die Aliens in A Quiet Place erinnern stark an die Clicker aus dem Naughty-Dog-Spiel – blind, gehörorientiert, mit charakteristischer Mauleinheit. Keine Anschuldigung auf Plagiat, aber die Parallelen sind offensichtlich. Und Korbis Traum: ein A-Quiet-Place-Spiel mit der gleichen Schleich-Mechanik. Die verlassene Bahnstation und der Stillstand-Waggon im Sequel fühlen sich an wie ein perfekter Spielort.

Zweitens: Lost. Die Insel, auf der die mysteriösen Anderen wohnen, hat eine ähnliche Bedrohlichkeits-Aura wie die Inselgemeinschaft am Ende von A Quiet Place 2. Korbi liegt der Verdacht nahe, dass Krasinski sich da hat inspirieren lassen.

Die Mensch-vs-Mensch-Wendung

Mike hebt einen Aspekt heraus, der das Sequel klar von der reinen Alien-Bedrohung emanzipiert: die Banditen am Hafen, geführt vom Marina Man (Scoot McNairy). Wie in The Walking Dead wird klar: in einer post-apokalyptischen Welt sind die Aliens nicht die einzige Gefahr. Andere Überlebende, die nichts mehr zu verlieren haben, sind genauso bedrohlich – vielleicht sogar mehr. Die Marina-Szene ist für Mike eine der besten des Films.

Krasinski der Mehrfachtalent

Was Mike und Korbi am Rande noch besprechen: John Krasinski ist nicht nur Regisseur und Co-Produzent dieses Sequels – er hat es alleine geschrieben. Im ersten Teil war er nur als Co-Autor und Hauptdarsteller dabei. Der Mann, den die meisten Leute als Jim Halpert aus The Office kennen, hat sich innerhalb von vier Jahren zum Horror-Auteur entwickelt. Plus: er ist mit Emily Blunt verheiratet – die zwei zusammen sind geführt das uneitelste Power-Couple Hollywoods.

Tops & Flops

Mikes Top: die Charakter-Bindung. Krasinski schafft es konsequent, dass man Familie Abbott einfach gernhaben muss – und genau das macht jede Bedrohung doppelt schmerzhaft. Wer als Zuschauer mitfiebert wie hier, hat einfach eine gute Schauspielerregie und ein gutes Drehbuch vor sich. Mikes Flop: ein paar Drehbuchskripts wirken zu konstruiert – wenn an völlig verschiedenen Orten Sachen passieren, die exakt gleichzeitig zur Auflösung beitragen, dann riecht das nach Schreibtisch. Kleinigkeit, aber er hat's gesehen.

Korbis Top: das Aufbrechen der Welt. Sobald Regan die Stahlfabrik verlässt und in den Waggon klettert, öffnet sich der Film visuell über sich selbst hinaus – ohne die enge Spannung zu verlieren. Korbis Flop: Cillian Murphy in der ersten Hälfte. Die Einführung als Nebenfigur in der Tag-1-Sequenz ist zu knapp, der Wechsel zum gebrochenen Einzelgänger wäre mit mehr Setup im ersten Teil emotional stärker gewesen.

Triple Threat zu A Quiet Place 2

Diesmal eher mau: Trompeten? Keine in Sicht. Tote Tiere? Ausser den Aliens selbst nichts. Möppies? Nope. Was die drei in der Folge konkret diskutieren und welche Endwertung dabei herauskommt, gibt's wie immer nur im Podcast – aber die Erwartungshaltung ist hier eher zurückhaltend.

Release-Historie und der dritte Teil

Eigentlich hätte A Quiet Place 2 bereits am 18. März 2020 in die Kinos kommen sollen – eines der letzten Major-Studio-Filme, das wegen der Pandemie verschoben wurde. Paramount hatte zu dem Zeitpunkt bereits 60% des Marketingbudgets ausgegeben, die Verschiebung war ein finanzieller Brocken. Endgültige Premiere: 28. Mai 2021 in den USA. Für Mike der erste Kino-Besuch nach dem grossen Lockdown – als Double-Feature mit Conjuring 3. Eine Kombination, die laut Mike funktioniert hat, weil beim Quiet-Place-Teil die Konzentration im Saal so hoch ist, dass die Leute mit unfertigen Nacho-Schüsseln aus dem Vorprogramm hinausgehen, um nicht zu stören.

Für Teil 3 ist ein Spin-off angekündigt (später als A Quiet Place: Day One bekannt geworden, Regie: Michael Sarnoski von Pig) – nicht zwingend mit Familie Abbott, sondern in der gleichen Welt. Wann das genau kommt, ist zur Aufnahmezeit der Folge noch offen.

FAQ zu A Quiet Place 2

Muss man den ersten Teil vor A Quiet Place 2 gesehen haben?
Empfohlen ja. Das Tag-1-Prequel erklärt zwar grobe Grunddaten, aber die emotionalen Schlüsselmomente – vor allem Lees Schicksal und Regans Entwicklung – ergeben sich nur, wenn man Teil 1 kennt.

Wer hat Regie geführt?
John Krasinski (Regie, Drehbuch, Co-Producer). Bei Teil 1 war er noch Co-Drehbuchautor mit Bryan Woods und Scott Beck. Teil 2 hat er allein geschrieben.

Ist Millicent Simmonds wirklich taub?
Ja. Die junge Schauspielerin ist seit frühester Kindheit taub und kommuniziert mit American Sign Language (ASL). Krasinski hat von Anfang an darauf bestanden, die Rolle authentisch zu besetzen.

Welcher Song spielt auf dem Funkgerät in der Stahlfabrik?
„Beyond the Sea“ – berühmt durch Bobby Darins Aufnahme von 1959, ursprünglich basierend auf dem französischen Chanson „La Mer“ von Charles Trenet (1946).

Wird es einen dritten Teil geben?
Angekündigt ist ein Spin-off im selben Universum, nicht zwingend mit Familie Abbott. Später als A Quiet Place: Day One umgesetzt.

Wann hätte Teil 2 ursprünglich rauskommen sollen?
18./19./20. März 2020 weltweit. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Film um knapp 14 Monate verschoben und kam am 28. Mai 2021 in die US-Kinos.

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