Es ist Halloween-Zeit bei VLM, und während Korbi im virtuellen Sägewerk fehlt, knien sich Mike und Kane in Halloween Kills – den mittlerweile zwölften Teil der Reihe und direkte Fortsetzung zum stark wiederbelebten 2018er-Reboot. Beide haben im Kino Spaß gehabt; beide rümpfen aber die Nase beim Mob-Plot im Krankenhaus. Und im Saal gegenüber hat Sony aus Versehen Venom 2 statt Halloween Kills eingespielt – Kanes Lieblings-Anekdote der Woche.
Worum geht's in Halloween Kills
Halloween Kills setzt direkt am Ende des 2018er-Films an: Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) und Familie haben Michael Myers im brennenden Haus eingesperrt – bis die Feuerwehr anrückt und den Shape unfreiwillig wieder befreit. Michael rumpelt zurück nach Haddonfield in Richtung Elternhaus, hinterlässt eine blutige Spur, und wer im Weg steht, hat ganz schlechte Karten.
Parallel formiert sich in der Stadt eine Bürgerwehr – geführt vom erwachsenen Tommy Doyle (Anthony Michael Hall, ja, der aus dem Breakfast Club), Lonnie Elam und Lindsey Wallace. Mit der Parole „Evil dies tonight“ ziehen sie los, um Michael endgültig zur Strecke zu bringen. Spoiler: das geht nicht wie geplant. Regie: David Gordon Green, Drehbuch zusammen mit Danny McBride und Scott Teems.
Michael Myers als blutige Naturgewalt
Was Mike und Kane sofort in ihren Bann zieht: Michael ist wieder angsteinflößend. Nicht der Wrestler-Michael aus dem Rob-Zombie-Remake, sondern eine bodenständige, urgewaltige Bedrohung. Ab der Szene, in der er aus dem brennenden Haus herausstapft – mit gigantischer Brechstange, vor dem Flammenmeer, dazu der fette Carpenter-Score – ist klar: das wird eine Schlachtplatte vor dem Herrn. Mike spricht von Gänsehaut, Kane von einer der besten Single-Shot-Szenen, die er in einem modernen Slasher gesehen hat.
Insgesamt gehen rund 28 Kills auf Michaels Konto, und die Effekte sind handgemacht: keine pixelige CGI-Pampe, sondern richtige Splatter-Handarbeit. Eine Leuchtstoffröhren-Szene treibt's so weit, dass Mike ernsthaft überlegt, ob es für den Blu-ray-Release noch eine Spielkauffreigabe braucht. Die FSK 18 ist auf jeden Fall sauber verdient.
Carpenter-Hommage in Reinkultur
Das Highlight für alle Halloween-Veteranen: der Rückblick ins Jahr 1978. Eine komplette Sequenz spielt am Originalschauplatz, dazu wurde das Bildmaterial so aufbereitet, dass es nahtlos zur Optik des Carpenter-Films passt. Selbst der digital eingefügte Donald-Pleasence-Doppelgänger als Dr. Loomis läuft überzeugend mit. Kane und Mike feiern das einhellig: der Übergang zwischen 78er-Look und modernem Bildkorn ist perfekt umgesetzt, der Sound passt, die Farbgebung sitzt.
Auch beim Cast wird klassisch zurückgegriffen: Jamie Lee Curtis natürlich, plus Kyle Richards als Lindsey Wallace, Nancy Stephens als Marion Chambers (die Krankenschwester aus Halloween 1978) und Charles Cyphers als Sheriff Brackett. Tommy Doyle wurde von Anthony Michael Hall neu besetzt – weil Brian Andrews aus dem Original 2015 die Schauspielerei aufgegeben hat. Was Mike und Kane besonders feiern: auch Nebencharaktere bekommen ihren Moment – Big John und Little John (das schwule Doktor-Pärchen im verlassenen Myers-Haus), das erste Pärchen, das Michael auf seinem Weg trifft, der Krankenpfleger im Lab. Alle nur kurz präsent, aber so gut geschrieben, dass man mitfiebert. Das ist Slasher-Drehbuchkunst.
Und natürlich die drei Masken aus Halloween III: Season of the Witch, die wie schon im 2018er-Film im Hintergrund herumlaufen – eine Hommage an den oft zu Unrecht verteufelten dritten Teil. Tom Atkins, der Hauptdarsteller aus Halloween III, kriegt zwar diesmal keinen Auftritt mehr, aber das Drei-Masken-Easteregg bleibt.
Der Krankenhaus-Mob als großer Wermutstropfen
Mike und Kane sind sich einig: der Mob im Krankenhaus zieht den Film deutlich runter. Nicht weil die Mob-Mentalität als Thema falsch wäre – gerade in der Post-Capitol-Sturm-Phäre ist die Gruppendynamik einer aufgeräumten Bevölkerung filmisch hoch aktuell. Aber die Umsetzung im Krankenhaus mit dem Mob, der einen Unschuldigen für Michael hält und ihm hinterherjagt, ist hektisch geschnitten, dramaturgisch zu lang gestreckt und thematisch zu durchgekautes Pathos-Material.
Kanes pointierte Zusammenfassung: „Das hätte ich mir lieber gewünscht, dass der Mob auf Michael trifft und Michael den Mob durchschnetzelt.“ Stattdessen kriegt man Pathos und Krankenhaus-Hysterie. Tommy Doyle als Mob-Aufpeitscher dreht sich vom sympathischen Charakter zur nervigen Hackfresse. Wer hätte gedacht, dass die Mob-Thematik in einem Halloween-Film mal ein längerer Diskurs als die Kills wird? Nicht VLM jedenfalls.
Die Halloween-Sequel-Diskussion: Welche Teile zählen wirklich?
Eine kleine Halloween-Reihen-Retrospektive läuft nebenbei mit. Mike und Kane sortieren die Reihe ein:
- Halloween 1978 (Carpenter): der Original-Meilenstein
- Halloween II (1981): solide Fortsetzung
- Halloween III: Season of the Witch (1982): kein Michael Myers, aber als eigenständiger Horrorfilm unglaublich cool
- Halloween 4 (1988): solider Start, Mob-Thematik schon eingeführt (mit Danielle Harris als Jamie Lloyd)
- Halloween 5+6: Mike und Kane einhellig – vergessbar
- Halloween H20 (1998): cleveres Ignorieren der Mittelteile, gelungene Direktanbindung an Teil 2
- Halloween: Resurrection (2002): zerstört das H20-Ende mit Busta Rhymes und der berüchtigten Elektrodrahts-Sack-Szene
- Halloween (Rob Zombie, 2007/2009): zu bodenständig für manche, der Wrestler-Michael spaltet bis heute
- Halloween 2018, Kills 2021, Ends 2022 (David Gordon Green): die neue Trilogie, die das Mystische zurückbringt
Mikes klare Linie: David Gordon Green und Danny McBride haben mit dem 2018er-Reboot und Halloween Kills wieder das Mystische in die Reihe zurückgebracht – Michael als unaufhaltsame Kraft, nicht als Mensch mit Maske. Genau das richtige Konzept für eine Reihe, die nach 43 Jahren immer noch funktionieren soll.
Triple Threat zu Halloween Kills
Drei Vorhersagen, drei Cliffhanger. Auf eine Trompete hat Mike extra geachtet. Nippelblitzen? Auch das in Vorbereitung geprüft. Und tote Tiere? Da gibt's definitiv Hinweise. Wie viele der drei Triple-Threat-Items in Halloween Kills wirklich vorkommen, behalten Korbi, Kane und Mike traditionell für sich – das gibt's nur in der Folge.
Die Kuriosität der Woche: Falsche Film, Falscher Saal
Kanes persönliches Highlight liegt eigentlich außerhalb des Films: im Kino lief versehentlich der Anfang von Venom 2. Vorhang auf, Sony-Logo, Marvel-Logo – und ein Film startet, der definitiv nicht Halloween Kills ist. Erst nach Minuten Wartezeit fällt auf, dass die Filmrollen vertauscht wurden. Im 18er-Saal lief Venom (FSK 12) und im 12er-Saal lief Halloween Kills (FSK 18). Da haben dann garantiert ein paar 12-Jährige Eltern angerufen, während Kane und Mike sich gefragt haben, warum der Symbiot statt der Shape anfängt.
FAQ zu Halloween Kills
Wie viele Halloween-Filme gibt es insgesamt?
Halloween Kills (2021) ist der zwölfte Teil der Reihe seit 1978. Halloween Ends (2022) wird die David-Gordon-Green-Trilogie abschließen, was aber wahrscheinlich nicht das Ende von Michael Myers bedeutet – dafür liefert das Franchise zu viel ein.
Muss man Halloween 2018 vor Halloween Kills gesehen haben?
Klar empfohlen, denn Kills setzt direkt nach dem 2018er-Finale an. Wer den 2018er noch nicht kennt, sollte den unbedingt zuerst nachholen – er ist sowieso eine der besten Slasher-Wiederbelebungen der letzten Jahre.
Ist Halloween Kills so gut wie der 2018er?
Für Mike und Kane nicht ganz auf Augenhöhe, aber dicht dran. Der Mob-Plot im Krankenhaus zieht den Film etwas runter, dafür liefert die Carpenter-1978-Hommage und Michael als Naturgewalt absolute Sahne-Slasher-Momente.
Ist die Gewalt in Halloween Kills wirklich extremer als in anderen Halloween-Filmen?
Klar ja – aber das ist Slasher-Kino. Wer 12 Filme über Michael Myers gemacht hat, darf sich beim zwölften erlauben, mal richtig draufzuhalten. Die FSK 18 ist verdient.
Was wird in Halloween Ends passieren?
Mike und Kane spekulieren nicht, aber das Ende von Halloween Kills hat es in sich – rasiert tatsächlich die Eier, wie Mike es ausdrückt. Mehr wird hier nicht gespoilert.
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