Der Oktober 2021 war für VLM intensiv: gerade frisch im Kasten ist die 100. Live-Folge aus dem Kuki Kino Landau, die Knochen sitzen sich noch tief, und trotzdem bleibt Zeit für ein Monatsfazit. Mike, Kane und Korbi gehen den globalen Squid-Game-Hype an (alle drei gespalten bis kritisch), feiern Mike Flanagans Midnight Mass, halbieren sich Metroid Dread und tauchen tief in eine Metroidvania-Empfehlung von Korbi ein. Dazu zwei Netflix-Encore-Frust-Erlebnisse, eine nostalgische Wiederentdeckung des Kleinen Arschlochs und ein deutlicher Aufruf zum sauberen Boulevard-Journalismus nach dem Alec-Baldwin-Vorfall am Rust-Set.
Metroid Dread & Ender Lilies: Metroidvania-Doppel
Kane und Korbi haben sich Metroid Dread aufgeteilt, weil beide es im Oktober 2021 noch nicht durchgespielt hatten. Der fünfte Hauptteil der Reihe von MercurySteam und Nintendo war am 8. Oktober erschienen und bringt Samus Aran nach 19 Jahren in einen klassischen 2D-Sidescroller zurück. Kane ist Metroid-Fan seit Super Metroid und feiert das Old-School-Feeling: spielerisch geil, Story bisher cool, echtes Wahnsinns-Comeback.
Die E.M.M.I.-Verfolgungsphasen sind allerdings die wahre Prüfung. Diese unkaputtbaren Roboter-Viecher patroullieren ganze Sektoren, Sirene heult bei Sichtkontakt, Türen riegeln zu, und das Quicktime-Event zum Blocken haben Kane und Korbi gefühlt von 800 Versuchen drei Mal geschafft. Korbi vergleicht das mit der Verfolgungsdynamik von Resident Evil 2, wo Mr. X durch die Gegend stiefelt und einem die Flügel stutzt.
Korbis eigene Spiel-Empfehlung des Monats ist Ender Lilies: Quietus of the Knights – ein gezeichnetes 2D-Metroidvania von Adglobe und Live Wire, veröffentlicht am 22. Juni 2021. Man spielt Lily, eine kleine Priesterin, die in einem England-angelehnten zerstörten Königreich aufwacht. Das Land ist von Zombies und Dämonen überzogen, Lily wird von Geistern verstorbener Ritter beschützt und kann deren Kräfte einsetzen. Anspruchsvoll, aber fair (deutlich schaffbarer als Hollow Knight, dessen drittes Kolosseum-der-Narben-Stage Kane bis heute nicht durch hat). Korbi spielt es zu 100% durch, parallel zu seinen Vorbereitungen für die Fürchten-Lehren-Folgen, und verbindet das Spiel jetzt für immer mit Gore.
Für 20 Euro auf der PlayStation eine klare Empfehlung an alle, die einen Punkt zwischen Metroid Dread und Hollow Knight suchen.
Uncharted-Trailer: Tom Holland statt Nathan Fillion
Kane streut einen kurzen Movie-Woah-Leck zwischendurch ein: der erste richtige Trailer zum Uncharted-Film mit Tom Holland ist draußen, und der sieht streckenweise eins zu eins aus wie aus den Spielen geschnitten. Die Flugzeug-Szene aus dem dritten Teil ist offenbar minutiengenau übernommen worden – auf YouTube kursiert schon ein Vergleichsvideo Spiel/Trailer.
Kane hätte sich nach wie vor Nathan Fillion als Nathan Drake gewünscht (siehe der Fan-Kurzfilm), aber Tom Holland ist als Schauspieler weit oben – siehe Spider-Man und der Netflix-Streifen mit Robert Pattinson (The Devil All The Time). In den Spielen wurde Drakes Vorgeschichte als junger Mann ohnehin gezeigt, und Holland trifft den jungen Drake optisch ganz gut.
Squid Game: Der Mittelmaß-Hype
Korbi will über den globalen Hype rund um Squid Game reden, nicht spoilern – und alle drei sind sich einig: das ist Mittelmaß, das von Netflix als Meisterwerk verkauft wird. Hwang Dong-hyuks Serie hat bei Erstausstrahlung 111 Millionen Konten erreicht und damit Bridgerton überholt. Aber wenn man die Serie nach dem Genuss kurz Revue passieren lässt, fallen die Logiklücken übereinander her: einerseits werden die Spieler permanent überwacht, andererseits können sie nachts in den Schlafsälen mit Feuerzeugen herumzackeln, ohne dass es jemand merkt.
Die einzige Folge, die wirklich packt, ist Folge 7 mit den Murmeln – emotional knackig, gut inszeniert. Der Rest ist belangloser Bullshit mit eingeführten Handlungssträngen (Organhandel, der Bruder-Subplot, die VIP-Story), die ohne Auflösung verpuffen. Der 20-minütige Epilog am Ende der Staffel zieht sich erbarmungslos – und dann kommt die Andeutung einer zweiten Staffel, was alle drei stellvertretend für die schlechte Idee halten.
Wo Squid Game allerdings absolut Gewinn bringt: koreanisches Kino bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient. Mike empfiehlt zum Schluss Battle Royale als kürzere, knackigere Alternative.
Kontroverse: Squid Game in Schulhöfen
Mehrere Kindergarten-Träger und Schulen schlagen Alarm, weil Kinder Squid-Game-Spielregeln nachstellen und Verlierer bestrafen oder schlagen. Stadt Regensburg hat eine offizielle Warnung herausgegeben. Mike, Kane und Korbi sind sich einig: nicht die Serie ist das Problem (FSK 16 ist klar kommuniziert), sondern Eltern, die ihre Netflix-Accounts nicht absichern und Kindern in der Folge unkontrolliertes Streaming ermöglichen. Das Problem liegt im Elternhaus, nicht bei Netflix.
Das kleine Arschloch – Korbis Wiederentdeckung
Korbi hat den Zeichentrickfilm Kleines Arschloch (1997) wiederentdeckt – getriggert durch die Amazon-Prime-Beschreibung, die das männliche Glied der Hauptfigur mit ca. 60 Zentimetern und 3 Kilo angibt. Regie führten Michael Schaack und Veit Vollmer, das Drehbuch stammt von Walter Moers – demselben Autor, dem wir auch Käpt'n Blaubär verdanken. Ilona Schulz spricht das kleine Arschloch und Inge Koschmidder, der berühmte Großvater („der alte Sack“) wird von Helge Schneider gesprochen.
Niveau-technisch von Pipi-Kacka-Witzen bis zu sehr derben Aussagen alles dabei: das Lied Sündigen, dem Himmel kündigen, wir wollen sündigen, das Bio-Referat über den Geschlechtsakt mit der 5-Milliarden-Hirnzellen-Statistik, der Anti-Country-Song („jeder, der Country hört, hat ein kurzes Glied“), die Krankenhausszene mit dem nackten kleinen Arschloch im Doktorzimmer. Kane hat den Film als Kind gesehen und kommt davon nicht so begeistert wie Korbi runter; Mike hat ihn auf VHS damals genossen und verbindet ihn vor allem mit dem Anti-Country-Song. Korbi feiert das Musical-Element und die Anarchie. Kein Familienfilm, aber wer derbsten Humor mag, kommt voll auf die Kosten.
The Guilty – Korbis Steigt-nicht-aus-Empfehlung
Korbis größter Flop des Monats ist Netflix' The Guilty – ein Remake des dänischen Originals von Gustav Möller (2018) durch Regisseur Antoine Fuqua. Jake Gyllenhaal spielt Joe Baylor, einen vom Außendienst auf die Einsatzleitstelle versetzten Polizisten, der einen Notruf einer offenbar entführten Frau erhält. Im Hintergrund: ein Brand-Inferno in Los Angeles, ein anstehender Gerichtsprozess gegen Joe selbst.
Was Korbi gefreut hat: der starke Trailer und die Kammerspiel-Idee. Was Korbi enttäuscht hat: dass es wirklich ein Kammerspiel ist und Gyllenhaal die kompletten 90 Minuten in der Einsatzleitstelle bleibt. Du siehst nichts außer ihm am Telefon. Dazu ein Twist, der das Opfer zur Mit-Täterin macht, was Korbi mitten im Twist hat einpennen lassen. Drehbuch von Nic Pizzolatto (True Detective). Kane hat den Film noch nicht gesehen, hat aber von Kumpels gegenteilig Positives gehört – bleibt auf der Watchlist.
Midnight Mass – Mikes Top-Empfehlung
Mike feiert Midnight Mass von Mike Flanagan (Hill House, Bly Manor, Doctor Sleep, Oculus). Sieben Folgen, abgeschlossen, Netflix. Eine kleine Insel-Gemeinde mit rund 100 Einwohnern, ein neuer Pfarrer namens Father Paul Hill taucht auf und beginnt Wunder zu wirken. Innerhalb kürzester Zeit ist die ganze Insel im Bann.
Mike beschreibt die Serie als „eine der besten Stephen-King-Stories, die King nie geschrieben hat“ – das Insel-Setting, die wandelbaren Charaktere, das langsame Aufkommen des Mystischen, all das schreit nach King. Vergleichbar mit Castle Rock. Kate Siegel (Flanagans Frau) spielt mit, ebenso ein großer Teil seines Stamm-Ensembles aus den anderen Netflix-Serien. Sehr slow, sehr dialogheavy, aber dadurch absolute Charakter-Tiefe. Mike vergibt eine klare Empfehlung. Korbi hat es noch nicht gesehen, ist aber gefixt – vor allem nach seinem positiven Doctor-Sleep-Erlebnis.
An der Stelle nochmal von Mike: Doctor Sleep ist Stephen-King-Verfilmungs-Gold – sowohl dem Kubrick-Film als auch dem King-Buch werden gerecht. Was selten ist.
No One Gets Out Alive – Mikes Netflix-Überraschung
Mikes zweite Netflix-Empfehlung: No One Gets Out Alive, basierend auf einem Buch von Adam Nevill (2014). Ambar, eine illegale Einwanderin, stürzt nach dem Tod ihrer Mutter in eine aussichtslose Situation und muss in eine billige Pension einziehen, die von zwei sehr dubiosen Brüdern (Red und Becker) geführt wird. In den Wänden: seltsame Geräusche, Geflüster, Geschrei. Andere Mieterinnen verschwinden. Und Ambar kommt nicht mehr raus, weil ihre Kaution einbehalten wird und sie keine Sozialversicherungsnummer hat.
Was Mike begeistert: die komplette Aussichtslosigkeit der Hauptfigur, das langsame Zudrehen der Schraube, das Finale, das ihn in den Sitz gepresst hat. Klare Empfehlung – Korbi und Kane stehen auf der Watchliste.
Spell – Mikes Top-Ten-Anwärter 2021
Ohne zu spoilern: Spell mit Omari Hardwick und Loretta Devine, Regie Mark Tonderai, kommt in Mikes Top-Ten-Liste 2021. Genre-technisch näher am Hoodoo (nicht Voodoo) als am klassischen Horror, mit Anleihen bei The Skeleton Key und Misery. Mehr verrät Mike erst in der Top-Ten-Folge des Jahres – einfach den Trailer schauen oder gleich kaufen.
Seance – Mikes Arschbombe
Auf der negativen Seite: Seance von Simon Barrett (Drehbuch von V/H/S, You're Next, The Guest). Hauptdarstellerin Suki Waterhouse – den Namen hat Mike grob auf dem Schirm gehabt, kennt sie später eingeordnet aus The Bad Batch (mit Jason Momoa) und Detective Pikachu. Aufgehoben hat sich Mike den Film primär wegen Barretts Beteiligung an den V/H/S-Filmen.
Was er bekommen hat: ein Campus-Slasher in Internat-Setting, der primär aus zickenden Schülerinnen besteht und die paar Kills, die im Off oder gar nicht zu sehen sind, kaum lohnt. Erst gegen Ende kommt etwas Schwung rein, da ist es zu spät. Nicht empfehlenswert.
I Know What You Did Last Summer (Serie) – Kanes Scheißdreck
Kanes klarer Tiefpunkt des Monats: die I-Know-What-You-Did-Last-Summer-Serie auf Amazon Prime, basierend auf dem 1973er Lois-Duncan-Roman und dem 1997er-Kult-Slasher. Showrunner Sara Goodman, produziert unter anderem von James Wans Atomic Monster.
Was Kane wahnsinnig macht: das Zwillings-Setup wird so dumm aufgelöst, dass es jeglichen Schock-Effekt verliert. 8000 Flashbacks pro Folge, die die Story nicht weitertreiben. Kills im Off, Charaktere total überzeichnet. Quelt sich Kane noch durch die letzten Folgen? Ungewiss. Schlimmer als die Scream-Serie, und das will was heißen.
News-Corner: Alec Baldwin und der Wendler
Kane ist sauer. Weniger über den tragischen Vorfall am Set von Rust, bei dem Kamerafrau Halyna Hutchins mit einer Requisitenwaffe getötet wurde, sondern über die reißerische Berichterstattung in deutschen Boulevard-Medien. Schlagzeilen mit „Alec Baldwin erschießt Kamerafrau“ in Riesenschrift, klein dahinter „Unfall durch Requisitenwaffe“. Wer nur die erste Zeile liest, hat das falsche Bild im Kopf. Eine ehrliche Schlagzeile wäre „Schrecklicher Unfall bei Dreh zu Western, Alec Baldwins Requisitenwaffe gibt tödlichen Schuss auf Kamerafrau“. So wird klar: Unfall, kein Verbrechen.
Kane erinnert in dem Zusammenhang an den tragischen Tod von Brandon Lee beim Dreh zu The Crow (1993). Eine Petition fordert nun ein Verbot von Schusswaffen-Requisiten am Set – auch wenn die Munition keine echten Patronen sind, können Schmauchspuren und Rückstände tödlich werden.
Außerdem: der Wendler ist offenbar zurück nach Deutschland. Kanes ironischer Kommentar dazu – bitte einfach Lockdown verhängen, dann kann er nicht rüber. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Tops & Flops im Teaser
Top: Mike Flanagan ist mit Midnight Mass auf Lebenszeit als Top-Regisseur gesetzt – Mike feiert die Atmosphäre und das King-Feeling. Korbis persönliches Highlight ist Ender Lilies als Metroidvania-Empfehlung für 20 Euro. Spell zieht in Mikes Top-Ten 2021 ein. Flop: Squid Game ist der Mittelmaß-Hype des Jahres, von dem alle drei nur die Murmel-Folge wirklich gefeiert haben. The Guilty enttarnt sich als Kammerspiel ohne Ausweg, Seance ist eine Slasher-Arschbombe, und die I-Know-What-You-Did-Last-Summer-Serie ist Scheißdreck-Niveau. Plus: deutsche Boulevard-Berichterstattung muss aufhören, Tragien als Sensations-Klickfutter zu missbrauchen.
FAQ zu den Oktober-Woah-Lecks
Was ist Mike Flanagans Midnight Mass über?
Eine sieben Folgen umfassende Netflix-Miniserie, die im September 2021 erschienen ist. Eine isolierte Insel-Gemeinde erlebt nach der Ankunft eines neuen Priesters mysteriöse Wunder – bei VLM Mikes klare Top-Empfehlung des Monats.
Wie schwer ist Metroid Dread wirklich?
Anspruchsvoll, aber fair – vor allem die E.M.M.I.-Verfolgungsphasen sind die echten Prüfungen. Das Quicktime-Event zum Blocken ist nahezu unmöglich zu treffen, was Kane in der Folge ausgiebig kommentiert. Insgesamt aber spannend und nicht frustrierend wie Hollow Knights Kolosseum-der-Narben.
Lohnt sich The Guilty mit Jake Gyllenhaal?
Korbi sagt nein – ein 90-minütiges Kammerspiel, das ihn mitten im Twist eingepennt hat. Kane hätte konkrete Empfehlungen für das Original von Gustav Möller (2018) und würde das dänische Original empfehlen. Wer Gyllenhaals Schauspiel feiert, kann reinschauen.
Wo gibt es Ender Lilies?
Auf PlayStation 4/5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch und Steam. Korbi hat es für 20 Euro auf der PlayStation gespielt und 100% durchgespielt – klare Empfehlung für Metroidvania-Fans, die sich zwischen Hollow Knight und Metroid Dread positionieren wollen.
Geht es VLM in der Folge wirklich um den Wendler?
Nein. Kane streut den Hinweis als Witz und Warnung ein, im übrigen wird der Mann nicht weiter besprochen.
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