SHIVERS Festival 2021: Zweites Festival des Jahres aus Konstanz

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Zum zweiten Mal in einem Jahr hängt sich VLM ans SHIVERS Filmfestival dran – Stefan Schimek vom Zebra-Kino Konstanz hat Korbi und Kane direkt angeschrieben, ob nach der Frühjahrs-Ausgabe nicht auch zum Herbst-Termin eine Recap-Folge drin wäre. Logisch, war drin. Wieder online aus dem heimischen Wohnzimmer, wieder ohne Mike (der ist heute nicht dabei), und mit sechs gesehenen Filmen aus rund zehn Programmplätzen. Das Highlight: ein japanisches Zeitschleifen-Wunderwerk, das Korbi gleich zu seinen Lieblingsfilmen 2021 zählt.

VLM als Medienpartner: Wohnzimmer statt Zebra-Kino

Das SHIVERS läuft vom 28. bis 31. Oktober 2021 im Zebra-Kino in Konstanz – einem charmanten Zwei-Saal-Kino am Bodensee, wie es Kane mit ehrlicher Begeisterung beschreibt. Live vor Ort waren die Hosts nicht; die Pressevorführung lief stattdessen über Streaming-Links direkt nach Niederbayern. Sechs Filme von rund zehn aus dem Programm haben es in die Folge geschafft – einige Premieren wie Edgar Wrights Last Night in Soho liefen aus Distributionsgründen nicht über den Online-Kanal.

Zwischen den Hauptfilmen lief im Festival ein Kurzfilm-Sandwich mit fünf Beiträgen: A Puff Before Dying, Telos or Bust, Guts, Calling und Kanes Highlight mit dem Titel-Mammutwort Every Time We Meet for Ice Cream Your Whole Fucking Face Explodes. Geile Idee, die Kurzfilme als Pause zwischen den Hauptbeiträgen einzubauen – gibt dem Programm Rhythmus.

Last Night in Soho – Edgar Wrights Genre-Wechsel

Den Festival-Auftakt machte Last Night in Soho von Edgar Wright – den Korbi und Kane allerdings nicht zu sehen bekommen haben. Last Night in Soho wollte sich seine Deutschland-Premiere nicht aus den Händen nehmen lassen, daher gab es keine Streaming-Links. Aus den Reaktionen anderer Festival-Besucher: durchweg positiv. Der Film läuft am 11. November 2021 regulär in den deutschen Kinos an und dürfte ein gigantisches Festival-Opening-Event gewesen sein.

Edgar Wright ist die Hand hinter der Cornetto-Trilogie (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, The World's End), Scott Pilgrim vs. the World und Baby Driver – und er hätte ursprünglich den ersten Ant-Man fürs MCU machen sollen, ist aber wegen kreativer Differenzen ausgestiegen. Korbi feiert vor allem The World's End als Lieblingsfilm; Kane bevorzugt Hot Fuzz und kann mit dem Cornetto-Hype nicht ganz mit. Schwerer Disput in der Auf­nahme. Last Night in Soho ist Wrights bisher düsterster Stoff – 1960er-Soho, Visionen, dunkle Glamour-Geheimnisse.

Midnight in a Perfect World – Manila im Blackout

Midnight in a Perfect World von Dodo Dayao spielt in einem Manila der nahen Zukunft – einer fast utopischen Stadt, in der ab Mitternacht alle daheim sein sollten. Wer trotzdem draußen ist, verschwindet. Spurlos. Auch Social-Media-Profile werden ausradiert. Vier Freunde glauben nicht an die Story und finden sich mitten in einem Blackout wieder – Sirenen wie aus Silent Hill, leise Störgeräusche im Hintergrund, ein Safe House mit unheimlichen Wandkonstruktionen.

Kane hat ihn allein gesehen und vermisst dabei eine Sache: das Kino. Stefan Schimek hatte ihm vorab mitgeteilt, dass der Film extrem stark vom tiefen Schwarz auf der Leinwand lebt – und dass dieses Schwarz beim Streamen verloren geht, weil es zu Grau-Stufen wird. Hat Kane beim Schauen sofort gemerkt. Trotzdem starke Empfehlung – beklemmend, ruhig, atmosphärisch dicht. Mit knapp 90 Minuten fändet Kane ihn 15 Minuten zu lang; bei einem so reduzierten Stil wären 70 bis 75 Minuten ideal gewesen. Für die Leinwand-Erfahrung kommt der Film zurück auf die Watchlist.

Code Name: Nagasaki – Genre-Doku über eine verschwundene Mutter

Der norwegische Beitrag Code Name: Nagasaki von Fredrik S. Hana ist eine der formal eigenwilligsten Dokus, die bei VLM in Folge gelandet sind. Hana sucht zusammen mit seinem Kindheitsfreund Marius K. Lunde nach Marius' verschwundener japanischer Mutter, die ihn als Fünfjährigen zurückgelassen hat. Was den Film besonders macht: Marius wird in Sequenzen als Detektiv im Noir-Stil, als Samurai, als Noh-Dämon und als japanischer Büroarbeiter inszeniert. Erst nach 10 bis 15 Minuten wird klar, dass das eine Doku ist und nicht eine Filmemacher-Spielerei.

Korbi war emotional völlig dabei und zählt den Film zu seinen Highlights des Festivals – weil er in seiner eigenen Vergangenheit selbst filmemacherisch unterwegs war und das Konzept liebt. Kane muss zugeben: Form und Optik sind herausragend, das Genre-Pastiche-Konzept ist obergeil. Das Thema selbst – die emotionale Suche nach einer Mutter – ist allerdings nicht ganz seins. Zugehen muss man dem Film: cool gemacht, 70 Minuten lang, kompakt erzählt, rein optisch ein Erlebnis.

A Pure Place – Sekten-Drama auf der Insel (nicht gesehen)

A Pure Place von Nikias Chryssos haben weder Korbi noch Kane gesehen – vorbeigerauscht. Sekten-Setting auf einer abgelegenen griechischen Insel, mit Sam Louwyck und Greta Bohacek. Die Reaktionen aus dem Festival lasen sich gut, der Film steht jetzt auf der Watchlist. Mike hätte das vermutlich abgelehnt – bei dem Stichwort „Kult“ reagiert er allergisch.

Beyond the Infinite Two Minutes – Korbis Lieblingsfilm 2021

Hier kommt das Highlight der Folge: Beyond the Infinite Two Minutes von Junta Yamaguchi. Café-Besitzer Kato kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und stellt fest: Sein Fernseher zeigt ihm sein eigenes Ich aus zwei Minuten in der Zukunft. Im Café unten sitzt umgekehrt ein Bildschirm, der ihn aus zwei Minuten in der Vergangenheit zeigt. Was als kurioser Spuk anfängt, wird zu einer raffinierten Zeitschleifen-Konstruktion, in der das Ensemble versucht, das Zeitfenster über gegenseitig aufeinander gerichtete Bildschirme zu verlängern.

Was den Film auszeichnet: das Schauspielensemble besteht aus Theaterdarstellern, die mit langen Take-Sequenzen vertraut sind. Schnitte sind kaum bis gar nicht zu spotten – alles wirkt wie ein einziger durchgängiger Drehtag, in dem das Ensemble live mit zwei Zeitebenen jongliert. Lustig, intelligent, kurzweilig. Korbi zählt ihn zu seinen Lieblingsfilmen des Jahres 2021. Kane konnte ihn leider nicht sehen, weil der Streaming-Link offenbar nur einmal benutzbar war – ein vermeintlicher Schnellklick von Korbi hat den Link verbrannt. Rückblickend ehrlich bedauerlich; Kane hätte den Film ebenfalls gefeiert.

Entspannter Aufruf an Stefan Schimek: gerne nochmal einen Link schicken. Oder Floh vom HARD:LINE den Film fürs nächste Festival programmieren lassen.

Benedetta – Verhoeven-Provokation aus dem Kloster (nicht gesehen)

Auch Benedetta von Paul Verhoeven – bekannt aus der Starship-Troopers-Folge – lief beim SHIVERS, war aber nicht in den Online-Links für VLM dabei. Klosterdrama im 17. Jahrhundert, mit lesbischen Verstrickungen und einer von Verhoeven gewohnt provokativen Handschrift. Korbi und Kane kommen kurz auf die Showgirls-Zeit zu sprechen – und auf Hollow Man, der ebenfalls noch auf der Verhoeven-Watchlist steht.

An Evening with Wakaliwood – eine Doku, kein Action-Film

Wer beim Stichwort Wakaliwood sofort an Crazy World aus dem Frühjahrs-SHIVERS denkt, wird beim Programmpunkt „An Evening with Wakaliwood“ überrascht: Statt eines neuen Action-Spektakels lief Once Upon a Time in Uganda, eine Doku von Cathryne Czubek. Sie folgt Isaac Nabwana (dem Wakaliwood-Gründer, im Alltag Ziegelmacher) und Alan Hofmanis, dem Filmnerd aus New York, der nach einem Trailer von Crazy World sein Leben in den USA aufgegeben und nach Uganda umgezogen ist. Die Doku zeigt, wie Hofmanis Wakaliwood weltweit promotet, während Nabwana mit seinem Team im Slum mit minimalen Mitteln Filme dreht.

Korbi und Kane sind beide tief beeindruckt – sowohl von der Hingabe der Macher als auch vom Aufwand, den Hofmanis weltweit fährt. Highlight ist die Premiere von Crazy World beim Toronto International Film Festival: Nabwana steht auf der Bühne, ringt um Worte und hat Tänen in den Augen. Diese Szene allein lohnt den Film. Ein Q&A mit Alan Hofmanis war als Festival-Bonus angesetzt, aber online für VLM nicht zugänglich. Bei einer Live-Teilnahme im Zebra-Kino wäre das ein echtes Erlebnis gewesen.

An Ideal Host – Verlobungsessen mit Tentakeln

Eines der wenigen Filme, die Korbi und Kane gemeinsam gesehen haben: An Ideal Host von Robert Woods. Das junge Pärchen Liz und Jackson möchte den Verlobungsabend perfekt zelebrieren – mit Dinner, Deko und Überraschung für die Gäste. Die ersten 40 Minuten geht es genau darum: Tischdeko, Vorbereitungen, fast eine sanfte Beziehungs­komik. Bis dem ersten Gast plötzlich die gichtlichen Tentakel aus dem Mund wachsen. Ab da: Eskalation pur, blutige Effekte, Splatter-Komik mit Pärchen-Dynamik dazwischen.

Stefan Schimek hatte vorab klar gesagt: gebt dem Film mindestens 40 Minuten, bevor ihr urteilt. Goldener Hinweis – beide haben sich im zweiten Akt blendend amüsiert. Mit 85 Minuten Laufzeit ist der Film genau richtig getaktet. Cooler Partyfilm, der nebenbei läuft, aber durchaus auch fokussiert genossen werden kann. Ein Q&A mit Robert Woods war als Begleitprogramm angesetzt – konnten Korbi und Kane wegen der Online-Teilnahme nicht mitnehmen. Schade, gerade weil die Effekte ordentliche Geschichten zu erzählen hätten.

What Josiah Saw – Familientrauma als Slow Burn

What Josiah Saw von Vincent Grashaw hat nur Korbi gesehen – Kane hat den Streaming-Link versehentlich verschwinden lassen. Gut so, denn Korbi war im Anschluss reichlich angeknockt. Auf einer abgelegenen Farm leben Josiah Graham (gespielt von Robert Patrick, dem T-1000 aus Terminator 2) und sein erwachsener Sohn Thomas. Die Mutter hat sich Jahre zuvor erhängt und sucht die beiden als Geist heim. Josiah ist ein Arsch, der seinen Sohn manipuliert; die Geschwister kommen nach langer Zeit ans Haus zurück.

Der englische Akzent ohne Untertitel hat Korbi stellenweise das Folgen erschwert – gleiches Problem wie bei The Dark and the Wicked aus dem Frühjahrs-SHIVERS. Anders als bei dem hat What Josiah Saw allerdings nicht die wirklich packenden Schock-Sequenzen, sondern bleibt ein Psycho-Slow-Burn. Korbi vergibt kein Top-Urteil – möglicherweise lag es aber daran, dass er die zwei sehr emotionalen Dokus davor gesehen hatte und einfach durch war. Wer harte Familien-Tragik im Horror-Mantel mag, ist hier richtig.

The Wolf of Snow Hollow – Robert Forsters Abschiedsrolle

Den Festival-Abschluss machte The Wolf of Snow Hollow von Jim Cummings – und keiner der beiden Hosts hat ihn gesehen, beide stehen aber auf der Watchliste. Jim Cummings schreibt, führt Regie und spielt zusätzlich die Hauptrolle: einen Polizisten in Snow Hollow, einer kleinen Gemeinde, in der nach jedem Vollmond Leichen ohne Gliedmaßen gefunden werden. Werwolf? Bestie? Oder etwas ganz anderes? Beworben als schräge Horror-Komödie, mit unter 90 Minuten Laufzeit und schwarz-humorigem Einschlag.

Die schauspielerische Bedeutung des Films liegt in der letzten Rolle von Robert Forster – der Vater von Cummings' Charakter, gleichzeitig der scheidende Sheriff. Forster, dessen Karriere Tarantino mit Jackie Brown wiederbelebt hatte, drehte als seine letzte schauspielerische Rolle den Breaking Bad-Spin-off El Camino – und stirbt kurz darauf. Cummings hat ihn aktiv für die Snow-Hollow-Rolle gewinnen wollen und Forster das Drehbuch persoenlich zukommen lassen, weil er es als „Drama über eine Vater-Sohn-Beziehung und das Älterwerden“ verstanden hat.

Ein offener Aufruf an Stefan Schimek

Kane und Korbi laden Stefan Schimek in den Podcast ein – nicht zur Rechtfertigung, dass die zwei nicht ins Zebra-Kino eingeladen waren, sondern ganz konkret zu einem Hintergrundgespräch: Wie läuft ein Festival wie SHIVERS überhaupt ab? Wie viel Aufwand steckt in zwei Festivals pro Jahr? Was waren die Lehren aus der Frühjahrs-Online-Kooperation mit Rocket Beans? Schimek hatte das in der Vorbereitungs-Telco bereits in Aussicht gestellt – und die Nächste Stufe wäre definitiv ein persönlicher Besuch im Zebra-Kino in Konstanz, einem der gemütlichsten Genre-Kinos in Süddeutschland.

Tops & Flops im Teaser

Top: Beyond the Infinite Two Minutes als Korbis persönlicher Lieblingsfilm 2021 ist die Sensation der Folge – ein japanisches Indie-Wunder, das Christopher Nolan in Sachen Cleverness alt aussehen lässt. Once Upon a Time in Uganda als Wakaliwood-Doku liefert die emotional stärkste Szene des Festivals (Nabwanas Premieren-Auftritt in Toronto). Code Name: Nagasaki gewinnt mit dem Genre-Pastiche-Konzept Korbis Herz. Flop: die SHIVERS-Online-Lösung ist und bleibt ein Behelf – gerade Midnight in a Perfect World leidet stark vom fehlenden Kino-Schwarz, und die Q&As mit den Filmemachern fehlen komplett. Auch der Verlust des Beyond-the-Infinite-Two-Minutes-Links für Kane bleibt ein bitterer Moment. Fürs nächste Mal: SHIVERS unbedingt vor Ort.

FAQ zur SHIVERS-2021-Folge

Was ist das SHIVERS Filmfestival?
Das SHIVERS Filmfestival ist ein deutsches Genre-Filmfestival mit Sitz in Konstanz am Bodensee. Veranstaltet wird es im Zebra-Kino, einem charmanten Zwei-Saal-Kultkino. Festivalleiter ist Stefan Schimek. 2021 fand das SHIVERS gleich zweimal statt – im Frühjahr (in Online-Kooperation mit Rocket Beans) und vom 28. bis 31. Oktober 2021 wieder vor Ort.

Wer ist Stefan Schimek?
Stefan Schimek ist Co-Festivalleiter des SHIVERS Filmfestivals und betreibt das Zebra-Kino in Konstanz. Er hat VLM nach der gut aufgenommenen Frühjahrs-Folge direkt um eine zweite Recap-Folge gebeten und damit eine Festival-Partnerschaft begründet, die seitdem fester Bestandteil der VLM-Festival-Berichterstattung ist.

Welcher Film ist Korbis Lieblingsfilm vom Festival?
Eindeutig Beyond the Infinite Two Minutes von Junta Yamaguchi – eine ultra-low-budget japanische Zeitschleifen-Komödie mit dem Konzept eines TV-Bildschirms, der zwei Minuten in die Zukunft sendet. Korbi zählt ihn zu seinen Lieblingsfilmen des Jahres 2021.

Wo läuft das SHIVERS Festival 2021?
Im Zebra-Kino in Konstanz am Bodensee – einem unabhängigen Kult-Filmtheater mit zwei Sälen. Für VLM lief das Festival diesmal über Online-Pressevorführungs-Links direkt nach Niederbayern.

Welche Filme aus dem Programm hat VLM nicht gesehen?
Last Night in Soho (keine Streaming-Rechte), A Pure Place (verschäumt), Benedetta (nicht in den Press-Links), The Wolf of Snow Hollow (auf der Watchlist gelandet). Beyond the Infinite Two Minutes hat nur Korbi gesehen, weil der Link nach einmaligem Ansehen verfiel.

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