Folge 101, nicht Folge 100 – und auch nicht 110, 111 oder „die einzigste Folge“, wie Korbi sich gleich zu Beginn selbst korrigiert. Der Grund für diese ungewöhnliche Reihenfolge: Folge 100 wird ein logistischer Mammutaufwand mit Gästen, Hotels, Flügen und einem „richtig krassen Setting“. Mike telefoniert dafür gerade ohne Pause und beantwortet Pressefragen, also schicken Korbi und Kane ihn zum Chillen und checken zu zweit ins Dolphin Hotel ein. Triple-Threat-Pflichtprogramm, Stephen-King-Verfilmung, eine kleine Wikipedia-Lüge und das große Ziel, niemals einen rostigen Nagel signiert zu bekommen.
Worum geht's in Zimmer 1408?
Mike Enslin, gespielt von John Cusack, ist Schriftsteller von Gruselratgebern – Bücher wie „Die zehn gruseligsten Hotels“ oder „Die zehn gruseligsten Friedhöfe“. Während einer seiner Recherchen flattert ihm eine Postkarte ins Haus mit der Warnung, ja nicht ins Zimmer 1408 des Dolphin Hotels in New York einzuchecken. Logisch, dass er genau das tun will. Sein Buchmanager Sam Farrell, gespielt vom Monk-Schauspieler Tony Shalhoub, sorgt über juristischen Druck dafür, dass das Hotel ihm das Zimmer geben muss – ein Hotelbetrieb darf ein freies Zimmer schließlich nicht verweigern.
Davor hat Hotelmanager Mr. Olin, gespielt von Samuel L. Jackson, alle Mittel ausgeschöpft, um Enslin von seinem Vorhaben abzubringen: Akten mit früheren Gästen, die sich in dem Zimmer die Pulsadern aufgeschnitten oder aus dem Fenster gestürzt haben, und der Hinweis, dass selbst die Reinigungskräfte das Zimmer nur einmal im Monat unter Aufsicht und mit offener Tür betreten dürfen. Eine Putzfrau, die einmal kurz im Bad eingesperrt war, hat sich angeblich die Augen ausgestochen. Enslin glaubt nichts davon – bis die Tür hinter ihm zufällt.
John Cusack trägt den Film fast im Alleingang
Für Korbi liefert Cusack „eine echt geile Performance“ ab, und das aus einem einfachen Grund: Der Mann hängt über weite Strecken alleine in diesem Zimmer ab und muss die kompletten Szenen tragen. Das funktioniert in 1408 deutlich besser als in 2012, wo Cusack laut Korbi am Ende einen Blick in die Kamera abliefert, der so „edel gesprochen“ wirkt, dass es so rüberkommt, als hätte Cusack damit Roland Emmerich signalisieren wollen: Ist jetzt mal gut, lass den Scheiß. Hat aber Roland Emmerich nicht aufgehört – stattdessen lässt er in Moonfall dann gleich den Mond auf die Erde stürzen.
Spannend ist übrigens, dass ursprünglich Keanu Reeves für die Mike-Enslin-Rolle vorgesehen war – und Kate Walsh für die Ex-Frau Lily, die schließlich von Mary McCormack übernommen wurde. Eine weitere Hauptrolle wurde sogar auf Empfehlung von Quentin Tarantino besetzt.
Stephen Kings Kurzgeschichte aus „Im Kabinett des Todes“
Die Vorlage ist eine Kurzgeschichte aus Stephen Kings Sammelband „Im Kabinett des Todes“ (Originaltitel „Everything's Eventual: 14 Dark Tales“ aus dem Jahr 2002). Kuriose Entstehungsgeschichte: King hat die ersten Seiten ursprünglich für sein Sachbuch „On Writing“ verfasst – als Beispiel dafür, wie man eine Rohfassung sauber redigiert. Die Story hat ihn dann selbst so gepackt, dass er sie zur kompletten Kurzgeschichte ausgebaut hat.
Korbi hat die Vorlage zur Vorbereitung gelesen und war begeistert: „Diese Kurzgeschichte hat es auch ziemlich in sich.“ Der Film ergänzt die Vorlage um deutlich mehr Drama rund um Enslins verstorbene Tochter, während in der Kurzgeschichte das Dämonische des Zimmers stärker im Vordergrund steht: Beim Anrufen der Rezeption gibt es eine dämonische Stimme, die droht, alle Familie und Freunde des Schriftstellers zu töten. Und Mr. Olin ist im Buch ein etwas unbeholfener, dicker Hotelmanager – was Samuel L. Jacksons kühle Coolness natürlich nicht annähernd abbildet. Aber Kane meint zu Recht, dass die Charakter-Umdeutung dem Film mehr gibt: „Dadurch ist wirklich ein cooler Dialog zwischen den zweien entstanden.“
Mikael Håfström: vom schwedischen Coming-of-Age zu Hollywood-Horror
Regie führte der Schwede Mikael Håfström – nicht zu verwechseln mit „Michael Hafström“, wie Korbi spontan gesagt hat. Håfström hatte sich davor mit dem schwedischen Drama „Evil“ (2003) eine Oscar-Nominierung erarbeitet und mit dem Hollywood-Thriller „Derailed“ (2005) sein US-Debüt gegeben. Mit Zimmer 1408 hat er einen seiner größten Erfolge gelandet: Bei einem Budget von 25 Millionen Dollar spielte der Film weltweit 133 Millionen ein. Später folgten unter anderem „Shanghai“ (wieder mit Cusack) und „Escape Plan“ mit Stallone und Schwarzenegger. Dass 1408 wie auch „The Shining“ in den Elstree Studios in London gedreht wurde, ist ein nettes Detail nebenbei.
Was im Zimmer 1408 alles abgeht
Das Zimmer arbeitet mit allem, was das Horror-Repertoire hergibt: Spuk-Show beim Eintritt, Radio, das von selbst angeht, Bilder an der Wand, in denen plötzlich tote Babys hängen oder Schiffspassagiere im Sturm umkommen. Es wird abwechselnd glutheiss und eiskalt. Bei Kane hat es vor allem ein Moment umgehauen: der Gichtl mit der hohen Stirn, der plötzlich auftaucht und mit dem Hammer ausholt – sein klarer Kino-Highlight-Schock damals. Auch Korbis Lieblingsszene baut darauf auf: Mike steht am Fenster, winkt einem Fremden im Gebäude gegenüber zu, der jede seiner Bewegungen nachmacht – und am Ende kommt eben dieser Gichtl von hinten.
Der ganz schwere emotionale Schlag kommt über Mikes verstorbene Tochter Katie (gespielt von Jasmine Jessica Anthony), die an Leukämie gestorben ist. Das Zimmer spielt zuerst alte Geburtstagsvideos auf dem Fernseher ab und am Ende ist Katie sogar real in seinen Armen – bevor sie zu Asche zerfällt. Kane setzt sein klares Veto: „Brauchst du das? Ich bin raus.“
Die Strand-Szene als Tempobremse
Beide Hosts kritisieren eine bestimmte Sequenz im Mittelteil: Das Zimmer täuscht Mike vor, dass alles nur eine Halluzination war – er erwacht am Strand, wo er zu Beginn vom Surfen erfasst und beinahe ertrunken wäre. Es vergeht gefühlt eine Woche im Krankenhaus, die Ex-Frau kümmert sich, alles wirkt friedlich. Genau das nimmt der Geschichte den Wind aus den Segeln, kritisiert Korbi: „Das nimmt so viel Tempo aus dem Film raus, weil du bist die ganze Zeit so gestresst, weil's so gruselig ist – und auf einmal: Okay, jetzt kann ich mich wieder ein bisschen beruhigen.“
Immerhin der Schluss dieser Sequenz hat's in sich: Wenn die Postangestellten die Wand ein- bzw. den Briefmarkenverkaufsraum aufreißen und dahinter wieder das Zimmer 1408 zum Vorschein kommt, ist das für Kane ein „richtig cooler What-the-fuck-Moment“.
Drei Enden, drei Tonarten
Es gibt insgesamt drei Versionen des Endes:
Die Kurzgeschichte: Mike zündet das Zimmer an, schafft es brennend hinaus, wird von einem anderen Gast mit einer Decke gelöscht und überlebt schwer entstellt. Sein Buchmanager bekommt das Diktiergerät, hört es aber nie wieder ab.
Die alternative Originalfassung (im Director's Cut bzw. auf Collector's-Edition-DVDs): Mike stirbt im Feuer. Auf seiner Beerdigung stehen Lily und der Buchmanager am Grab, wollen das Kästchen mit persönlichen Sachen nicht annehmen. Mr. Olin hört das Diktiergerät im Auto ab und hört Katie. Im letzten Bild steht ein Geist von Mike Enslin als Phantom im ausgebrannten Zimmer 1408 – gefangen wie alle anderen Opfer.
Die Kinofassung (re-shoot wegen „Test-Audience-Downer“): Mike überlebt das Feuer, liegt im Krankenhaus, das Hotel sperrt das Zimmer endgültig zu. Beim Auspacken seiner Sachen entdeckt er und Lily das Diktiergerät mit Katies Stimme – der Beweis, dass er sich nichts eingebildet hat.
Für beide Hosts funktioniert die Kinofassung am besten: knackig, ein klarer Schlag zum Schluss, die Tochter-Stimme als kalter Schauer. Kane bevorzugt sie auch wegen der Länge – der Director's Cut ist 10 Minuten länger und enthält zusätzliche Vater-Sohn-Szenen, die nichts zur Geschichte beitragen.
Trivia: Warum 1408 eigentlich auf der 13. Etage liegt
Korbis Lieblings-Detail: Die Zimmernummer 1408 hat die Quersumme 13. Im Aufzug des Hotels fehlt die 13. Etage komplett – was bedeutet, dass die 14. Etage in Wirklichkeit die 13. ist. 57 Tote sollen das Zimmer schon verschluckt haben. Der Song, der im Radio jedes Mal anspringt – We've Only Just Begun von The Carpenters – war übrigens schon einmal in einem berühmten Horrorfilm zu hören: in John Carpenters In the Mouth of Madness von 1994.
„Stay Scared“: Kanes Romero-Hommage
Kane hat einen kleinen, aber wichtigen Easter Egg ausgegraben: Bei der Buchsignierung im Film verabschiedet Mike Enslin seine ganzen drei Fans im englischen Original mit den Worten „Stay Scared“. Das ist eine direkte Hommage an Zombiekino-Pionier George A. Romero, der mit Stephen King eng befreundet war (zusammen haben sie ja unter anderem „Creepshow“ gemacht). „Stay Scared“ war ein Spruch, mit dem Romero auf Conventions gerne sein Publikum verabschiedet hat.
Wikipedia lügt: Welche King-Verfilmung war wirklich am erfolgreichsten?
Korbi war überzeugt, gut vorbereitet zu sein, als er behauptet hat, The Green Mile sei die kommerziell erfolgreichste Stephen-King-Verfilmung – mit 60 Millionen Budget und 286 Millionen Einnahmen. Kane hat live mitgegoogelt und einen Bug aufgedeckt: Laut IMDb war Green Mile mit etwa 136 Millionen nur auf Platz 2 in den US-Charts, während das It-Remake von 2017 mit Pennywise weltweit auf rund 700 Millionen Dollar Einspielergebnis kommt – der bisher kommerziell erfolgreichste Stephen-King-Film. Korbis Schlussfolgerung: „Aufruf an die Menschen, die Wikipedia bearbeiten: Der Artikel von Zimmer 1408 enthält Lügen.“
Tops & Flops im Teaser
Auf der Plus-Seite stehen für beide Hosts ganz klar die Performance von John Cusack, der den Film fast im Alleingang trägt, und Samuel L. Jacksons coole Souveränität als Mr. Olin, die zwar nicht der Buchvorlage entspricht, der Verfilmung aber gut tut. Der Gichtl mit dem Hammer ist beider Lieblingsschock – und für Kane immer noch einer der krassesten Kino-Schreckmomente überhaupt. Die Bildveränderungen an der Wand und das langsame Eskalieren des Wahnsinns funktionieren tadellos.
Auf der Minus-Seite die fast einhellig kritisierte Strand-/Krankenhaus-Sequenz, die mitten im Film das Tempo komplett rausnimmt – im Director's Cut zusätzlich verschlimmert durch überflüssige Vater-Szenen. Kanes klares No-Go ist allerdings die billige CGI-Flamme aus dem Fenster: „Sie hätten einfach an dem Frame mit den käsigen Flammen sparen sollen, das schaut so endlos schlecht aus.“
Triple Threat: Sondersituation
Tote Tiere, Trompeten, Titten – das Pflichtprogramm in jeder Einzel-Filmfolge. Was bei Zimmer 1408 dabei rauskommt, hat es selbst Kane verschlagen: „Ich möchte es gar nicht laut sagen.“ So viel sei verraten: Für diesen Film mussten Korbi und Kane den Triple Threat neu denken. Wer wissen will, wie die drei Punkte ausgehen und warum das beim psychologischen Horror eine eigene Logik hat, hört am besten direkt rein.
FAQ zu Zimmer 1408 und Folge #101
Wer spielt im Film mit?
John Cusack als Mike Enslin, Samuel L. Jackson als Hotelmanager Mr. Olin, Tony Shalhoub als Buchmanager Sam Farrell, Mary McCormack als Ex-Frau Lily, Jasmine Jessica Anthony als Tochter Katie und Len Cariou als Mikes Vater.
Wer hat Regie geführt?
Mikael Håfström, ein schwedischer Regisseur, der davor mit dem Drama Evil eine Oscar-Nominierung kassiert hat.
Auf welcher Vorlage basiert der Film?
Auf der Kurzgeschichte 1408 von Stephen King, veröffentlicht 2002 im Sammelband Im Kabinett des Todes (Originaltitel: Everything's Eventual: 14 Dark Tales).
Was hat es mit der 1408 als Quersumme auf sich?
1+4+0+8 = 13. Im Aufzug des Dolphin Hotels fehlt die 13. Etage – das Zimmer 1408 liegt also genau genommen im 13. Stock.
Welches Ende ist das beste?
Korbi und Kane sind sich einig: die Kinofassung. Knackig, mit klarem Schock am Ende durch die Diktiergerät-Aufnahme der toten Tochter. Der Director's Cut zieht durch zusätzliche Vater-Szenen das Tempo unnötig in die Länge.
Warum ist Mike in dieser Folge nicht dabei?
Mike steckt mitten in der Logistik für Folge 100 – Gäste, Hotels, Flüge. Damit niemand eine Woche ohne VLM-Folge auskommen muss, springen Korbi und Kane ein.
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