Reservoir Dogs – Wo alles begann

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Korbi – Co-Founder und Host von Viva la MovieluciónKorbi

Die allererste Folge von Viva la Movielución, und gleich ein echter Paukenschlag: Kane, Mike und Korbi nehmen sich Reservoir Dogs (1992) vor, Quentin Tarantinos messerscharfen Debütfilm. Für Kane ist der Indie-Heist nach knapp 20 Sichtungen Tarantinos absolutes Meisterwerk. Die Essenz seines Könnens, bevor alles weitere kam, lange vor Pulp Fiction, Kill Bill und Inglourious Basterds. Eine Stunde Bayrisch über Dialoge, Folterszene, Soundtrack und die Frage, warum Wes Craven damals den Saal verlassen hat.

Worum geht es in Reservoir Dogs (1992)?

Ein Diamantenraub, der komplett aus dem Ruder läuft, erzählt fast ausschließlich aus den Trümmern danach. Sechs Männer mit Decknamen (Mr. White, Mr. Orange, Mr. Pink, Mr. Blonde, Mr. Blue, Mr. Brown) treffen sich in einer leeren Lagerhalle, nachdem der Coup im Polizeikessel geendet hat. Einer von ihnen ist ein verdeckter Cop. Die Runde lobt Tarantinos Mut, den eigentlichen Überfall komplett offscreen zu halten und die ganze Spannung über Dialoge und Rückblenden aufzubauen. Für einen Debütfilm sei das eine bemerkenswerte erzählerische Raffinesse, vergleichbar nur mit ganz wenigen anderen Debüts.

Mike vergleicht den Film mit Sam Raimis Tanz der Teufel: einer dieser seltenen Erstlingsfilme, in dem schon die gesamte Essenz eines Regisseurs steckt. Alles, was Tarantino später drehte, baut darauf auf oder verwässert es.

Besetzung von Reservoir Dogs: Wer spielt wen?

Edward Bunker selbst soll später gesagt haben, die Planung im Film sei nicht akkurat. Niemand würde sich mit völlig fremden Leuten zu einem Raubüberfall zusammenschließen und vorher in identischen schwarzen Anzügen frühstücken gehen. Eine Pointe, die in der Folge ausführlich gewürdigt wird.

Dialoge, Folterszene und der Soundtrack

Korbi schwärmt vom Soundtrack: K-Billy’s Super Sounds of the Seventies, Stealers Wheels „Stuck in the Middle with You“ zur berüchtigten Folterszene, „Little Green Bag“ zum Intro. Jedes Lied sitzt. Keine andere Tarantino-Produktion habe später wieder diese Musik-Dichte erreicht. Like a Virgin von Madonna hört man nach dieser Folge sowieso nie wieder gleich.

Mike hebt die Folterszene hervor. Auch im Vergleich zu modernem Horror oder zu Filmen wie Hostel hat sie nichts an Intensität verloren, weil die eigentliche Gewalt im Kopf des Zuschauers entsteht und nicht auf der Leinwand. Michael Madsens eiskalte Performance trägt die Szene komplett. Tarantino musste sie damals gegen Harvey Weinstein verteidigen, der wollte sie aus dem Film haben.

Über allem stehen aber die Dialoge. Die Frühstücksszene mit der Madonna-Analyse, der „kleinste Violine der Welt“, die Diskussion über die Codenamen („Warum muss ich Mr. Pink sein?“). 272 Mal fällt im Film das F-Wort. Kane vergleicht Reservoir Dogs dialogisch mit den späteren Tarantinos: Pulp Fiction spielt auf Augenhöhe, Kill Bill, Inglourious Basterds und Django Unchained noch. Mit Jackie Brown kann er nichts anfangen, The Hateful Eight ist handwerklich top, aber dialogisch schwächer. In Once Upon a Time in Hollywood hört Korbi in manchen Szenen kurz dieses Reservoir-Dogs-Feeling wieder durch.

Anekdoten aus der Produktion

Drei Geschichten, die in der Folge ausführlich erzählt werden, hier zum Vorgeschmack:

  • Das 1,6-Millionen-Dollar-Angebot: Ein Produzent wollte das Geld geben, unter der Bedingung, dass am Ende alle Toten wieder auferstehen und das Ganze als Witz aufgelöst wird.
  • Die 500.000-Dollar-Bedingung: Ein anderer hätte gezahlt, wenn statt Tim Roth seine Freundin Mr. Orange spielt.
  • Der Keitel-Coup: Harvey Keitels damalige Frau, Tarantinos Schauspiellehrerin, hat ihrem Mann das Drehbuch zugesteckt. Keitel stieg als Co-Produzent ein und holte rund zwei Millionen Dollar an Budget rein.

Beim Sitges Festival 1992 stach Reservoir Dogs unter anderem Sam Raimis Armee der Finsternis und Peter Jacksons Braindead aus, im Cannes-Vorprogramm 1992 wurde der Film uraufgeführt. Das Empire Magazine kürte ihn später zum bedeutendsten Independent-Film aller Zeiten.

Und weil jeder Tarantino-Talk mindestens eine Anekdote rund um Wes Craven braucht: Der Regisseur von A Nightmare on Elm Street und The Last House on the Left hat bei einem Reservoir-Dogs-Screening den Saal verlassen. Ausgerechnet er. Warum, das ist die Pointe der Folge.

Reservoir Dogs Bedeutung: Was heißt der Titel überhaupt?

Für die Bedeutung gibt es keine offizielle Auflösung. Tarantino selbst hat in Interviews mehrere Varianten erzählt: Mal soll es ein Nuschelwort eines Kollegen aus seiner Video-Store-Zeit gewesen sein, mal eine Anspielung auf den französischen Film „Au revoir les enfants“, den ein Kunde nicht aussprechen konnte. Mehr Wikipedia-Spurensuche gibt es bei Wikipedia. In der VLM-Folge ist das nicht das Hauptthema, aber im Gesamtbild passt der unfassbare Titel zum Film: leer ohne Auflösung, aber unvergesslich.

Pro und Contra der Runde

Bei allen drei Hosts landet der Film klar auf der positiven Seite. Contra-Punkte suchen sie vergeblich. Einzige Mini-Kritik von Korbi: Der Film hätte ruhig eine halbe Stunde länger laufen dürfen. Kane zieht das sogar wieder zurück, weil das offene Ende für Mr. Pink in seinen Augen Teil der Magie ist. Konsens: Meisterwerk, das man jedes Jahr neu anschauen kann.

Eine kurze Bitte zum Schluss

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FAQ zur Folge

Worum geht es in Reservoir Dogs?

Sechs Verbrecher mit Decknamen (Mr. White, Mr. Orange, Mr. Pink, Mr. Blonde, Mr. Blue und Mr. Brown) planen einen Diamantenraub. Der geht schief, und in der leeren Lagerhalle wird schnell klar: Einer von ihnen ist ein verdeckter Cop. Der Raub selbst ist nie zu sehen. Tarantino erzählt alles aus dem Vorher und Nachher.

Wer gehört zur Besetzung von Reservoir Dogs?

Harvey Keitel als Mr. White, Tim Roth als Mr. Orange, Steve Buscemi als Mr. Pink, Michael Madsen als Mr. Blonde, Edward Bunker als Mr. Blue, Quentin Tarantino selbst als Mr. Brown. Dazu Chris Penn als Nice Guy Eddie und Lawrence Tierney als Joe Cabot. Eine handverlesene Indie-Besetzung, die später fast komplett Karriere gemacht hat.

Ist Reservoir Dogs wirklich Tarantinos Debütfilm?

Ja. Reservoir Dogs aus dem Jahr 1992 ist sein offizielles Regiedebüt und lief erstmals im Januar 1992 auf dem Sundance Film Festival. Das Empire Magazine kürte den Film später zum bedeutendsten Independent-Film aller Zeiten.

Was bedeutet der Titel Reservoir Dogs?

Eine offizielle Erklärung gibt es nicht. Tarantino hat in Interviews zwei Varianten erzählt: ein Nuschelwort aus seiner Zeit als Video-Store-Mitarbeiter, oder die Verballhornung des französischen Filmtitels „Au revoir les enfants“ durch einen Kunden. Beides ist nie endgültig bestätigt, der Titel bleibt absichtlich rätselhaft.

Warum hat Wes Craven den Saal verlassen?

Der Regisseur von Nightmare on Elm Street und The Last House on the Left konnte die Darstellung der Gewalt in Reservoir Dogs nicht ertragen. Ihm ging es nicht um das Ausmaß an sich, sondern um die Art, wie Gewalt im Film inszeniert wird. Ausführlicher ist das Thema in der Episode.

Kann man Reservoir Dogs als Einstieg in Tarantinos Werk nehmen?

Definitiv. Viele halten ihn sogar für seinen schärfsten, konzentriertesten Film. Schon alle späteren Tarantino-Markenzeichen (nicht-lineare Erzählung, dialoglastige Szenen, 70s-Soundtrack, pointierte Gewalt) sind hier bereits voll ausgeprägt.

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